Thema: Trost

  1. #1
    Registriert seit
    Nov 2010
    Ort
    La Croisée
    Beiträge
    1.357

    Trost

    *****
    Es klingt das Wort ergreifend hoch erhoben laut von hoh Kanzlei
    Der Mörder fuhr seit langem fort – mit seinen Gedanken
    Die Trauergäste singen dort – vertraut mit längst verfaßten
    Befreit von allen Resistenzen – frei – wo seine neulich
    sich ihrer neuen Zeit erneut getrost anpaßten
    Und darin tröstlich Trost auftanken – Tröstend schwanken
    Die Limousinen vorbei – glänzen freilich hell erfreulich
    Der Glanz erglänzt metallisch – ganz – im aktiven Wehgeschrei


    *

  2. #2
    Registriert seit
    Sep 2010
    Ort
    Ostbrandenburg
    Beiträge
    1.135
    Hallo Farbkreis,

    in solch einer Trauerveranstaltung kann kein noch so ergreifend erhobenes Wort das Geschehen begreifbar machen. Im Gegenteil, oft hört man diese Worte nicht, sondern nimmt nur optische zumeist banale Randerscheinungen fotografisch in sich auf. An die erinnert man sich verrückterweise später noch, die ergreifenden Worte gehen wieder verloren, wenn sie nicht festgehalten wurden. Das lese ich aus Deinem Text heraus, da ich es so bereits persönlich empfunden habe.

    Zitat Zitat von Farbkreis
    Die Trauergäste singen dort – vertraut mit längst verfaßten
    Müsste es nicht lauten „... mit längst Verfaßtem“?

    LG Eremit
    Werkeverzeichnis: Die Gedichte eines Eremiten
    Neu: F..., Auf dem Olymp, ein bisschen völkisch, wellenlied

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  3. #3
    Registriert seit
    Nov 2010
    Ort
    La Croisée
    Beiträge
    1.357
    Hallo Eremit

    Zitat Zitat von Eremit Beitrag anzeigen
    in solch einer Trauerveranstaltung kann kein noch so ergreifend erhobenes Wort das Geschehen begreifbar machen. Im Gegenteil, oft hört man diese Worte nicht, sondern nimmt nur optische zumeist banale Randerscheinungen fotografisch in sich auf. An die erinnert man sich verrückterweise später noch, die ergreifenden Worte gehen wieder verloren, wenn sie nicht festgehalten wurden. Das lese ich aus Deinem Text heraus, da ich es so bereits persönlich empfunden habe.
    Deine Empfindungen beziehen sich vor allem auf das Wort Kanzlei? So genau kenne ich den Unterschied zur Kanzel nicht, aber ich habe die Kanzlei hier mit der Kanzel gleichgestellt. Jedenfalls sah ich eine große Ähnlichkeit in den Aktualitäten.

    Zitat Zitat von Eremit Beitrag anzeigen
    Zitat von Farbkreis
    Die Trauergäste singen dort – vertraut mit längst verfaßten
    Müsste es nicht lauten „... mit längst Verfaßtem“?
    Ich habe Gedanken "verschluckt". Es heißt: mit längst verfaßten Gedanken, im Sinne von verfaßten Texten.

    Vielen Dank für deinen Beitrag.

    LG Farbkreis

  4. #4
    Registriert seit
    Sep 2010
    Ort
    Ostbrandenburg
    Beiträge
    1.135
    Hallo Farbkreis,

    ich muß gestehen, dass ich zwar Kanzlei gelesen, aber eine Kanzel vor mir gesehen habe. Nach Deiner Antwort zu urteilen, hast Du mich aber wohl gezielt irregeführt, indem Du das Wort „Kanzlei“ geschickt in Dein Bild eingestreut hast . Nunmehr auf diese Doppelbödigkeit hingewiesen, erkenne ich auch die beiden Ebenen (Seelisch/Politisch/Gesellschaftlich - Juristisch) und ich frage mich, auf welcher Ebene die Verarbeitung des Geschehenen schneller erfolgen wird. Darf ich in dem Glanz der Limousinen eine Anspielung auf das Ausnutzen der tragischen Situation zur Selbstdarstellung sehen?
    Vielen Dank für Deinen Hinweis auf den Rückbezug bei den "längst verfaßten" Gedanken. Ich hatte es zwar so vermutet, war mir aber nicht sicher. Durch die fehlende Interpunktion ist es auch nicht einfach, die Gedanken voneinander abzugrenzen, was ja sicherlich auch in Deiner Absicht lag.

    Ich finde, Dein Gedicht ist eine sehr interessante und rücksichtsvolle Annäherung an ein sehr aufrührendes Thema.

    Bleibt mir noch zu fragen: Was bedeutet „hoh“? (Hoffentlich stellt das jetzt nicht alles auf den Kopf )

    LG Eremit
    Werkeverzeichnis: Die Gedichte eines Eremiten
    Neu: F..., Auf dem Olymp, ein bisschen völkisch, wellenlied

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  5. #5
    Registriert seit
    Nov 2010
    Ort
    La Croisée
    Beiträge
    1.357
    Zitat Zitat von Eremit Beitrag anzeigen
    Hallo Farbkreis,

    ich muß gestehen, dass ich zwar Kanzlei gelesen, aber eine Kanzel vor mir gesehen habe. Nach Deiner Antwort zu urteilen, hast Du mich aber wohl gezielt irregeführt, indem Du das Wort „Kanzlei“ geschickt in Dein Bild eingestreut hast . Nunmehr auf diese Doppelbödigkeit hingewiesen, erkenne ich auch die beiden Ebenen (Seelisch/Politisch/Gesellschaftlich - Juristisch) und ich frage mich, auf welcher Ebene die Verarbeitung des Geschehenen schneller erfolgen wird. Darf ich in dem Glanz der Limousinen eine Anspielung auf das Ausnutzen der tragischen Situation zur Selbstdarstellung sehen?
    Vielen Dank für Deinen Hinweis auf den Rückbezug bei den "längst verfaßten" Gedanken. Ich hatte es zwar so vermutet, war mir aber nicht sicher. Durch die fehlende Interpunktion ist es auch nicht einfach, die Gedanken voneinander abzugrenzen, was ja sicherlich auch in Deiner Absicht lag.

    Ich finde, Dein Gedicht ist eine sehr interessante und rücksichtsvolle Annäherung an ein sehr aufrührendes Thema.

    Bleibt mir noch zu fragen: Was bedeutet „hoh“? (Hoffentlich stellt das jetzt nicht alles auf den Kopf )

    LG Eremit
    Hallo Eremit

    Nein, du hast ganz einfach gelesen, was ich gesehen habe. Es ist eher das Erkennen der Irreführung, die unsere Zeit bestimmt. Das Gedicht beinhaltet alles, ist deshalb der Kategorie "Religiöses" zuzuordnen. Kanzlei = Kanzel? Bilder sind jetzt gestattet, wie damals im Konzil von? da müsste ich nachschlagen. Der Glaube überall.

    "hoh" ist metrisch bedingt. Eine poetische freie Form, wovon, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Was denkst du dir dabei?

    Danke für deine Reflexion

    LG Farbkreis

  6. #6
    Registriert seit
    Sep 2010
    Ort
    Ostbrandenburg
    Beiträge
    1.135
    Zitat Zitat von Farbkreis
    "hoh" ist metrisch bedingt. Eine poetische freie Form, wovon, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen. Was denkst du dir dabei?
    Mein erster Gedanke war: Verschluckte Endung - na dann war ja die Kanzlei wohl doch nicht so hoch. Der zweite Gedanke: Farbkreis hat eiskalt die Endung gestrichen und das Rudiment ins Metrikschema gekloppt. Der dritte Gedanke: Das ist ein ganz besonderes Wort, das der Eremit bloß nicht kennt .

    LG Eremit
    Werkeverzeichnis: Die Gedichte eines Eremiten
    Neu: F..., Auf dem Olymp, ein bisschen völkisch, wellenlied

    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  7. #7
    Registriert seit
    Nov 2010
    Ort
    La Croisée
    Beiträge
    1.357
    Hallo Eremit

    Zitat Zitat von Eremit Beitrag anzeigen
    Darf ich in dem Glanz der Limousinen eine Anspielung auf das Ausnutzen der tragischen Situation zur Selbstdarstellung sehen?
    Wenn man es sieht, dann nimmt es jeder mit seiner eigenen Wahrnehmung wahr, könnte man deshalb auch als Selbstdarstellung bezeichnen, m.M.n. Blendung, Irreführung, genüßliches Lächeln kaltblütiger mörderischer Befriedigung, Perversität, sind Wörter die mir hierzu einfallen. Die öffentliche Demonstration von glänzendem Machtgehabe, das siegessicher im Glanze und Schutze der Limousinen kutschiert.

    Zitat Zitat von Eremit Beitrag anzeigen
    Mein erster Gedanke war: Verschluckte Endung - na dann war ja die Kanzlei wohl doch nicht so hoch. Der zweite Gedanke: Farbkreis hat eiskalt die Endung gestrichen und das Rudiment ins Metrikschema gekloppt. Der dritte Gedanke: Das ist ein ganz besonderes Wort, das der Eremit bloß nicht kennt .
    Das sind sehr sympathische Gedankengänge, treffend. Ich habe eine ganz neue Überlegung hierzu: hoh’... hoho (der Weihnachtsmann).

    Liebe Grüße
    Farbkreis

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Der Trost
    Von Girolamo im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 29.11.2014, 13:31
  2. Trost
    Von Egopus im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 23.04.2013, 08:15
  3. Trost
    Von Frederico im Forum Mythisches, Religiöses und Spirituelles
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 17.05.2008, 11:34
  4. Trost
    Von Condor im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 14.03.2008, 15:02
  5. Trost
    Von giocanda im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 30.11.2007, 12:15

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden