1. #1
    Registriert seit
    Dec 2008
    Beiträge
    585

    Mit einem Augenzwinkern

    .
    An einer Ecke wartet stumm ein Tropf,
    ein Wanderer, der viel erzählen kann,
    ein vielgereister, freier, wilder Mann
    mit einem ungepflegt-verlausten Kopf.

    Sein Herz ist weit und seine Augen klein,
    sie sahn die Welt! Und seine Hände zittern,
    die Nase rot, das Haar ist grau und schüttern
    und um den Mund will heut kein Lächeln sein.

    Da wirfst Du ihm die Münze, silberhart,
    in seine Lammfellmütze - und er grinst:
    Ein Zwinkern blitzt um seine Augen zart.

    Die Hoffnung ists, die in der Miene glänzt,
    er streicht sich durstig durch den Flusenbart -
    und sinkt zurück zur Maske, die Du kennst.
    Geändert von Wegesanfang (02.09.2011 um 01:48 Uhr)

  2. #2
    Die Hellwache Guest
    Lieber Wegesanfang,

    Dein Text ist ja fast ein Gleichnis, eine Parabel auf das Leben.

    Ich habe dieses Gedicht sehr gerne gelesen, wenn mich auch
    ein wenig stört, das die Strophen nicht alle die selbe Anzahl
    an Zeilen haben und mir somit das Ende irgendwie zu schnell
    kommt, hmmm ...

    Doch ansonsten - gehaltvoller Text, nochmal: gern gelesen.

    LG, Die Hellwache

  3. #3
    Darklord_xD Guest
    Erinnert mich an ein YouTube Video. Glory ... dont watch it ... just a dream . Sehr poetisch, aber irgendwie ein plötzliches Ende

  4. #4
    Registriert seit
    Dec 2008
    Beiträge
    585
    Hallo Hellwache,

    die Form ist ein Sonett, deshalb haben die letzten beiden Strophen weniger Zeilen.

    An Euch beide,

    dank Euch sehr: Wegen der Sonettform ist man in der Länge des Ganzen eingeschränkt. Ich hatte auch als einen der Punkte, die ich mir aufgefallen sind, den schnellen Schluss am Ende, aber:

    Es ist so gedacht, dass hier ein starrer, in seinem Aussehen und seiner Miene statisch, statuengleicher Mensch vor einem sitzt (siehe: Bootstrap Bill in der Schiffswand). Wie ein Bild, eingefroren in Gleichheit, außerhalb der Zeit.

    Da wirft man ein Münze hin und plötzlich, wie eine Spieluhr, wie das hochfahrende Fenster einer Peepshow, sieht man einen kurzen Einblick in diesen Menschen, ein Blitzen im Blick, als er an den wärmenden Alkohol denkt, ein hoffnungsvoller Blick in die Ferne, er "streicht sich durstig durch den Flusenbart", doch dann ist es genug und wieder vorbei:

    Er sinkt zurück in seine Form wie eine Spieluhr nach dem letzten Dreh, weil er es muss: Dies ist seine Rolle, die er der Welt spielt und wie er am besten das erhält, was ihm Hoffnung macht: Das Klingen der Münze vor seinen Füßen. Einem lächelnden Bettler schenkt man kein Brot.
    Geändert von Wegesanfang (02.09.2011 um 10:35 Uhr)

  5. #5
    Die Hellwache Guest
    Lieber Wegesanfang,

    stimmt, hatte ich nur ein wenig "verdrängt", da ich diese Form nur bedingt schätze, einfach, weil ich eher ein "umgekehrtes" Sonett bräuchte!
    Das heisst, ich habe mehr "Zeilenbedarf" zum Ende eines Textes, SO ein Sonett wäre nett!
    Ich muss wohl nicht das Sonett von Robert Gernhardt von 1981 erwähnen^^, oder?! Mir geht's jedenfalls ähnlich !
    Trotzdem, dein Sonett gefällt mir, auch wenn ich mir diesen Text in anderer Form und etwas erweitert als noch besser vorstellen könnte.

    LG, Die Hellwache

  6. #6
    Registriert seit
    Dec 2008
    Beiträge
    585
    Hallo Hellwache,

    vielleicht überarbeite ich ihn noch. Das Sonett von Gernhardt halte ich übrigens für eine lächerliche Selbstdarstellung, die nur auf Provokation aus ist (das wollte er ja wohl auch). Wenn kümmerts, was er dazu meint. Soll er halt keine schreiben . Aber der Mann war ja nicht ganz einfach ...

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. In einem Zug
    Von Michael Domas im Forum Liebe und Romantik
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 13.02.2018, 13:24
  2. Fahrt zu einem Haus in einem kleinen Ort mit Bach
    Von poema im Forum Trauer und Düsteres
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 26.04.2012, 00:31
  3. In einem Zug
    Von Dr. Seltsam im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 22.04.2011, 07:44
  4. In Einem
    Von horstgrosse2 im Forum Minimallyrik
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 31.07.2008, 12:47
  5. Ein Traum in einem Zug unter einem braunen Jackett
    Von Wolkenschieber im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 04.07.2007, 11:06

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden