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Thema: Liebe

  1. #1
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    Stanzenstrophe

    *****
    Erschaffend schöpft die Liebe unermüdlich
    An nie versiegten Lichterquellen Leben
    Der hellerglühten Sonnensonden südlich
    Von ewig neuerblühten Winzerreben
    Den Traubensegen fruchtbarliebend gütlich
    Erwacht ein Liebespaar vereint ergeben
    Der Todesnacht entflohen, überlegen
    Betritt es seinen Weg der Liebe wegen


    *

    Stanze
    _________________________________________________________________________________
    Geändert von Farbkreis (19.11.2011 um 18:41 Uhr) Grund: Titel / size

  2. #2
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    Liebe

    Hallo Kalinka,

    ein Ausdrucksvolles Liebesgedicht mit schöner Aussage. Die gleichmäßige Metrik in elfsilbigen Zeilen liest sich flüssig. Gefällt mir.

    Erschaffend schöpft die Liebe unermüdlich
    xXxXxXxXxXx
    An nie versiegten Lichterquellen Leben
    xXxXxXxXxXx
    Der hellerglühten Sonnensonden südlich
    xXxXxXxXxXx
    Von ewig neuerblühten Winzerreben
    xXxXxXxXxXx
    Den Traubensegen fruchtbarliebend gütlich
    xXxXxXxXxXx
    Erwacht ein Liebespaar vereint ergeben
    xXxXxXxXxXx
    Der Todesnacht entflohen, überlegen
    xXxXxXxXxXx
    Betritt es seinen Weg der Liebe wegen
    xXxXxXxXxXx

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  3. #3
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    Liebe

    Hallo Hans Plonka,

    vielen Dank für die schematische Darstellung der einzelnen Verse. In Z.3 habe ich noch im
    letzten Moment ein Wort verändert, da ich mir über seine Betonung nicht sicher war,
    "hellerglühten" steht für ursprünglich "aufgehenden", ich fand es zuerst etwas zu pompös,
    aber es paßt klanglich besser, obwohl es sich mit "neuerblühten" in Z.4 reimt, das merkte
    ich auch erst danach.

    Ich habe mich an das Stanzenschema gehalten,

    v - v - v - v - v - v (a)
    v - v - v - v - v - v (b)
    v - v - v - v - v - v (a)
    v - v - v - v - v - v (b)
    v - v - v - v - v - v (a)
    v - v - v - v - v - v (b)
    v - v - v - v - v - v (c)
    v - v - v - v - v - v (c)


    bezeichne die Strophe deshalb als Stanze, wahrscheinlich fehlt aber die Zäsur in einigen
    Versen, was es mit der Zäsur auf sich hat, muß ich erst noch heraus bekommen.

    Die Zäsur ist ein syntaktischer, lautlicher und / oder metrischer Einschnitt innerhalb eines Verses. Es gibt
    sowohl feststehende, verskonstituierende Zäsuren, wie beispielsweise die Mittelzäsur beim Alexandriner
    und beim Pentameter, als auch frei bewegliche Zäsuren, so im Blankvers und im Elfsilbler.
    (lyrik/main)
    Die Verse ergaben sich fast wie von selbst, die Gedanken waren schon lange da, und haben
    scheinbar die passende Form gefunden. Deine positive Betrachtung des Gedichtes ermuntert
    mich dazu, tiefer in die Metrik einzusteigen.

    Liebe Grüße
    Kalinka

  4. #4
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    Hallo, Kalinka

    Erschaffend schöpft die Liebe unermüdlich
    An nie versiegten Lichterquellen Leben
    Der hellerglühten Sonnensonden südlich
    Von ewig neuerblühten Winzerreben
    Den Traubensegen fruchtbarliebend gütlich
    Erwacht ein Liebespaar vereint ergeben
    Der Todesnacht entflohen, überlegen
    Betritt es seinen Weg der Liebe wegen

    Fünfhebige Jamben mit dem von Dir angegebenem Reimschema abababcc stellen von der Form her tatsächlich eine Stanze dar. Ob es eine Stanze im Sinn des Erfinders ist, also ob es ein Gedicht ist, in dem Gedanken Raum gegeben wird, darf man bezweifeln.
    Zu aufdringlich versuchst Du, aber das ist nur meine Meinung, lyrisch-poetisch leider unausgegorene Gedanken in die Form einer Stanze zu zwingen. Was sagst Du uns?
    Die Liebe schöpft unermüdlich schaffend an nie versiegten Lichterquellen Leben. Dann geht es für mich fast unverständlich weiter. Eine sinnvoll gesetzte Interpunktion wäre vielleicht anzuraten. Was soll mir ein Vers wie "der hellerglühten Sonnensonden südlich" oder "den Traubensegen fruchtbarliebend gütlich"? Der Traubensegen - Wein? Du gibst Deinen Gedanken keinen Raum, sondern kippst uns da ein Kauderwelsch hin und ich soll glauben, es sei eine Stanze.
    Betrachte ich mir die Reime:
    ...lich
    ...Leben
    ...lich
    ...Reben
    ...lich
    ...geben
    ...legen
    ...wegen

    verstehe ich, dass sich "die Verse...sich fast wie von selbst...ergaben", denn so doll ist es ja nicht, dreimal einen identischen Reim zu verwenden.
    Was Zäsuren angeht, nimm doch mal eine Strophe vom Altmeister Goethe. Die Zäsuren, dieses kurze Innehalten, habe ich versucht, rot zu markieren.

    Ihr naht euch wieder,/ schwankende Gestalten,
    Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
    Versuch ich wohl,/ euch diesmal festzuhalten?
    Fühl ich mein Herz noch jenem Wahn geneigt?
    Ihr drängt euch zu!/ Nun gut, so mögt ihr walten,
    Wie ihr aus Dunst und Nebel um mich steigt;
    Mein Busen fühlt sich jugendlich erschüttert
    Vom Zauberhauch,/ der euren Zug umwittert.

    Beste Grüße,
    Heinz
    Geändert von Festival (05.09.2011 um 13:03 Uhr)

  5. #5
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    Liebe

    *****
    Hallo Kulturheinzi

    Zuerst vielen Dank für dein aufmerksames Lesen und für die Darstellung der Zäsuren in Goethes
    zitierter Strophe. Ich mag die meisten Gedichte von ihm, habe auch im Sprechzimmer einen
    Beitrag zu "Goethes Geburtstag" gepostet. Schade, daß du nicht den Titel des Gedichtes, zu
    dem die Strophe gehört, angegeben hast. Ich erkenne darin weder den "Meister" Goethe, noch
    erlese ich darin Liebespoesie. Es wäre nett, wenn du den Titel noch nachtragen würdest.

    Nun zu deiner Kritik: In der Rubrik "Liebe und Romantik" habe ich zwei Gedichte stehen. Nr. drei
    schlummert noch im Unterbewußtsein, Liebe und Tod im Sonett (oder vielleicht in einer anderen,
    noch zu entdeckenden klassischen Gedichtsform) vereint. Es sind keine Gedanken, sondern ein
    schriftbildlich dargestelltes Erleben. Beim Schreiben denke ich nichts, danach kontrolliere ich das
    Geschriebene, paßt es sich nicht der vorgegebenen Metrik an, zwänge ich es nicht hinein, der
    Inhalt ist unerschütterlich, die Wortwahl nicht "gesucht", sondern empfunden, die Sprache ist
    begrenzt, und meine Ausdrucksfähigkeit bewegt sich innerhalb meiner Grenzen in ihren Grenzen.

    Es freut mich, wenn du nichts glaubst, denn ich glaube gar nichts, da kommen wir uns schon
    einen Schritt näher. Die Liebe ist außerhalb unserer Zeit und unseres Verstandes und doch
    überall, man kann sie nicht erzwingen, sie nicht geben, nicht gewinnen etc. Deshalb freue ich
    mich auch, daß du es nicht verstehst, welcher männliche Schriftsteller hätte sie je begriffen,
    sie verdichtet, selbst Salomo ("das Lied der Lieder") scheint da aufgegeben zu haben, oder er
    wurde falsch übersetzt.

    Ich möchte keine Interpunktion in meinen Gedichten, außer wenn ich sie mitten in einem Vers
    für notwendig halte. Es ist übrigens die erste Stanze, die ich in meinem Leben schreibe, und
    da ich unbedingt für das Einhalten der Regeln der Gedichtsformen bin, möchte ich mich natürlich
    verbessern, die Zäsur interessiert mich sehr, allerdings nicht die einfach durch Interpunktion
    dargestellte, sondern die deutsche lautliche, wie hier im klassischen Endecasillabo von Dantes:

    Der Beginn von Dantes "Göttlicher Komödie":

    Nel mezzo del cammin / di nostra vita
    mi ritrovai / per una selva oscura
    ché la diritta via era smarrita...

    ...

    Nein, Kulturheinzi, die Liebe hat nichts mit mittelalterlichem Aberglauben und Herzenswahn zu
    tun, denn: L’amour est toujours réel, mais hélas parfois cruel?

    Liebe Grüße
    Kalinka

  6. #6
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    Liebe Kalinka,
    ich danke Dir für Deine unaufgeregte Antwort. Zu Deiner Frage: Die Goethe-Stanze hielt ich für so bekannt, dass ich glaubte, den Ort, an dem sie steht, nicht nennen zu müssen. Das hole ich aber gern nach: Es ist die erste von drei Strophen der "Zueignung" in Goethes Faust I. Die Strophe habe ich als Beispiel für eine Stanze aufgeschrieben, aber natürlich liefere ich Dir gern eine Stanze, die in die Rubrik Liebe und Romantik gehört:

    Beim leisen Klang, der kaum mein Ohr erreicht,
    der tönt, wenn Tau am Morgen von den Halmen
    auf Glitzerbahn zu Boden fällt, - vielleicht
    die Partitur beglänzt der Lerchen Psalmen,
    die Nacht dem goldnen Sonnensturme weicht
    und Liebesgötter lächelnd Siegespalmen
    zum Gruß uns Hochbeglückten freudig schwenken,
    uns neue Lust für frohe Stunden schenken,

    auch hier folgen noch zwei Strophen und, entschuldige, sie sind von mir ("Ich habs gewagt"). Zu meiner Kritik: Ich behaupte ja nicht, dass Du verbissen nach möglichst lyrischen und/oder rätselhaften Worten gesucht hast. "Zu aufdringlich versuchst Du, aber das ist nur meine Meinung, lyrisch-poetisch leider unausgegorene Gedanken...", habe ich geschrieben. Für so unbegrenzt halte ich Deinen Sprachschatz nicht, da lässt Du zuviel der Bescheidenheit aufleuchten. Allerdings bist Du auf meine Kritik hinsichtlich der verwendeten Reime nicht eingegangen. Was sollen die Aufklärungsversuche hinsichtlich des Themas Liebe und die Erwähnung Salomos Lied der Lieder (ich halte es für eines der schönsten Liebesgedichte, die je geschrieben wurden, und wer weiß, ob sie nicht von einer Frau geschrieben wurden?) ? Es gibt von diesem Lied ein paar Dutzend Übertragungen ins Deutsche und eine der schönsten, aber das ist auch nur meine Meinung, wurde in Lutz Görners Rezitation "Goethe für alle" dem Titel entsprechend zum Teil gesungen.
    So, nun werde ich mir Dein erwähntes Gedicht anschauen.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    Geändert von Festival (05.09.2011 um 23:43 Uhr)

  7. #7
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    Liebe

    *****
    Lieber Kulturheinzi

    Eventuell kann man aus klassischen Texten am besten den Unterschied zwischen Poesie
    und erzählender Dichtung heraushören, oder Prosadichtung? Leider habe ich die deutsche
    Literaturgeschichte nicht studiert, um so spannender ist es für mich, bei der Suche nach
    Gedichtsformen jedes Mal Neues zu erfahren. Hier noch einmal Goethe zum Thema Stanze,
    zu lesen bei Wikipédia:

    Deutsches Beispiel (von Goethe, Gedicht in Form einer Stanze)

    Der Morgen kam; es scheuchten seine Tritte
    Den leisen Schlaf, der mich gelind umfing,
    Dass ich, erwacht aus meiner stillen Hütte
    Den Berg hinauf mit frischer Seele ging;
    Ich freute mich bei einem jeden Schritte
    Der neuen Blume die voll Tropfen hing;
    Der junge Tag erhob sich mit Entzücken,
    Und alles war erquickt mich zu erquicken.

    *

    Wurde nicht in Z.6 ein Komma vergessen? Auch diesem Gedicht fehlt der Titel. So dargestellt,
    und wenn die Interpunktion die Zäsur charakterisierte, gibt es nur 3 Zäsuren: in Z.1 und Z.2
    nach der zweiten, im 3.Vers nach der ersten Hebung, was eigentlich keiner Regel entspricht,
    und sichtlich nicht vom Endecasillabo abhängt. Könnte man annehmen, daß es in der Stanze
    dem Autor überlassen bleibt, Zäsuren zu setzen?

    Vielen Dank auch für deine Stanzenstrophe, hast du das Gedicht in der Rubrik Liebe und
    Romantik
    eingestellt? Wenn ja, unter welchem Titel, dann könnte ich dort einen Kommentar
    dazu schreiben. Mein Gedicht "Liebe" besteht aus einer Stanzenstrophe, es ist, wie du es
    in deinem ersten Kommentar nennst: "zu aufdringlich", darf ich dies mit « audacieux »
    übersetzen?

    Was soll ich zu den Reimen sagen? ich habe nicht –lich – endlich auf kenntlich oder niedlich
    auf friedlich – auf -lich gereimt, da müßtet du deine Frage schon genauer und textbezogen formulieren, damit ich dazu etwas sagen kann.

    Ich danke dir für dein reges Interesse

    Liebe Grüße
    Kalinka

  8. #8
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    Liebe Kalinka,
    nein, Du hast in der ersten Strophe so gereimt:

    ...die Liebe unermüdlich
    ...
    ...hellerglühten Sonnensonden südlich
    ...
    ...fruchtbarliebend gütlich

    und das ist halt a bisserl einfallslos.
    Den Titel meines Gedichts, bzw. der ersten Strophe, habe ich angegeben: "Ich habs gewagt" - und es steht unter Liebe und Romantik. Der Hintergrund für dieses Gedicht war die Forderung einer Frau nach meinem Heiratsantrag, ich müsse den in einem dreistrophigen, in Stanzen geschriebenen Gedicht wiederholen.
    Zum Goethe-Gedicht: "Der Morgen kam, es scheuchten ...": In meinem Buch steht die Strophe mit einem Komma im sechsten Vers, also
    "Ich freute mich bei einem jeden Schritte
    der neuen Blume, die voll Tropfen hing;"
    Das bedeutet nicht, dass es im Original vielleicht anders steht. Man darf nicht vergessen, dass sich die Kommaregeln manchmal ändern. Ach so, das Gedicht trägt den Titel "Zueignung". (Das von mir gebrachte Beispiel trägt zufällig denselben Titel, lass Dich also nicht verwirren).
    Da ich kein Literaturwissenschaftler bin, sage ich mal so aus dem Bauch heraus, dass die Regel für eine Zäsur sicherlich bei den Alexandrinern und vielleicht auch bei Hexametern strenger sind als bei einer Stanze. Dass Du offenbar großes Interesse an Gedichtformen hast, ist in meinen Augen sehr lobenswert. Ich probier ja auch mal die eine oder andere Form und versuche jedesmal einen adäquaten Inhalt damit zu vermitteln. Das habe ich mit Stanzen, auch mal mit einer "Sapphischen Ode", mit Blankversen und anderen versucht. Zum Krümeln finde ich es immer, wenn jemand (Du bist nicht gemeint) versucht, völlig banale Inhalte in einer Hymne zu vermitteln oder, was ich schon peinlich finde, wenn jemand eine "exotische" Form wie das Pantum mit gequirlten Quark füllt.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    PS.
    Wikipedia ist ein tolles Nachschlagwerk, aber Du glaubst nicht, wieviele Fehler da manchmal drin stehen. Ich schau bei einem Goethe-Gedciht lieber in meine Goetheausgabe.
    Geändert von Festival (06.09.2011 um 15:41 Uhr)

  9. #9
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    Zitat Zitat von Kulturheinzi Beitrag anzeigen
    Liebe Kalinka,
    nein, Du hast in der ersten Strophe so gereimt:

    ...die Liebe unermüdlich
    ...
    ...hellerglühten Sonnensonden südlich
    ...
    ...fruchtbarliebend gütlich

    und .
    @Kalinka
    @Heinz

    ...die Liebe unermüdlich
    ...
    ...hellerglühten Sonnensonden südlich
    ...
    ...fruchtbarliebend gütlich


    Ich lese (betone) so:
    ...die Liebe unermüdlich-müd
    ...
    ...hellerglühten Sonnensonden südlich-süd
    ...
    ...fruchtbarliebend gütlich-güt
    der Gedankenspringer

  10. #10
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    Ja, lieber horstgrosse2,
    die Betonung stimmt, aber wir reden hier vom Endreim, und der liegt nun mal auf den letzten (unbetonten) Silben.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  11. #11
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    Liebe

    *****
    Lieber Kulturheinzi

    Es gibt keine weiteren Strophen, wird keine weiteren geben; somit besteht das Gedicht aus
    einer Stanzenstrophe, nicht aus einer ersten. Jetzt schlage ich einmal meine Goetheausgabe
    an einer beliebigen Stelle auf – Seite 754: Dreistigkeit*

    ... es überall an,
    ... Mensch gesundet?
    ... den Schall an,
    ... Ton sich rundet.

    ... deinen Lauf stört!
    ... düster Streben!
    ... eh er aufhört,
    ... Dichter leben.

    Dies sind die ersten beiden Strophen, in denen "Meister" Goethe

    / an – et – an – et – ört – eben – ört – eben /

    gereimt hat??? In der ersten Strophe gibt es noch, das hätte ich beinahe übersehen,
    den Binnenreim –all – all ?

    Die drei Reime lich/lich/lich, wobei ich eher weich ausklingend ich/ich/ich lese und nicht
    betonend wie z.B. die drei Standardreime ich/mich/dich, fallen kaum ins Gewicht. Sonst
    müßte man allgemein das Reimen unterlassen, denn – Fortgegeben – neben – schweben
    zum Beispiel hätten alle, ich zitiere dich: "a bisserl einfallslos" den Reim –ben/ben/ben,
    wenn mit unermüdlich – südlich – gütlich –lich/lich/lich gereimt wurden. Definitionen und
    verschiedene Reimmöglichkeiten sind ein ausführliches Thema, ungereimte Gedichte, die
    trotzdem einen poetischen Klang haben sind sehr selten, mir aber schon aufgefallen; im
    Augenblick verlasse ich mich einzig auf mein Gehör.

    Teile ich das Gedicht in vier Zeilen ein, so erkennt man zwei Sätze:

    > Erschaffend schöpft die Liebe, unermüdlich, an nie versiegten Lichterquellen, Leben der
    hellerglühten Sonnensonden, südlich von ewig neuerblühten Winzerreben.
    Den Traubensegen fruchtbarliebend, gütlich, erwacht ein Liebespaar vereint, ergeben, der
    Todesnacht entflohen, überlegen, betritt es seinen Weg der Liebe wegen.
    <

    Die Interpunktion habe ich hier reichlich und spontan gesetzt, handelt es sich um Zäsuren?
    Es ist keine Prosaaussage, verlangt nach Einteilung in Versen, denn es ist ein Gedicht, eine zusammenhängende Strophe, die sich, nach dem Stanzenschema ab/ab/ab/cc, reimt:

    *
    Erschaffend schöpft die Liebe unermüdlich
    An nie versiegten Lichterquellen Leben

    Der hellerglühten Sonnensonden südlich
    Von ewig neuerblühten Winzerreben

    Den Traubensegen fruchtbarliebend gütlich
    Erwacht ein Liebespaar vereint ergeben

    Der Todesnacht entflohen, überlegen
    Betritt es seinen Weg der Liebe wegen

    *

    Rein klanglich sind fast alle Wörter zusammenspielende Elemente, die Kritik an Metrik, Inhalt
    etc., überlasse ich dem Leser, hoffe, daß es durch meine Satz- und 4-Strophen Einteilung
    lesbarer geworden ist.

    Danke, Kulturheinzi und auch dir, @horstgrosse, für Kritik und Leseinteresse.

    Liebe Grüße
    Kalinka

    *

    *Dreistigkeit aus Goethes Gedichte in zeitlicher Folge ([Insel)

  12. #12
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    Liebe Kalinka,
    wir sind ja allesamt Lernende. Beim Lernen sollte man die gröbsten Fehler nicht nachbeten. Du schreibst: "ungereimte Gedichte, die trotzdem einen poetischen Klang haben sind sehr selten". Das erinnert mich an Verkündungen a la Hans Plonka. Lass Dir sagen: Die überwiegende Anzahl der Gedichte dieser Welt (und ich beziehe den deutschen Sprachraum mit ein) kennt den Endreim gar nicht. Lange Zeit war der Blankvers beispielsweise die bevorzugte Art des Dichtens. Als Beispiel mal eine Strophe wie diese:

    „Am Vater Rhein, an dessen Hängen Reben
    in dicht gedrängten Reihen duftend blühen,
    erreichte uns die sagenhafte Kunde
    von deiner Schönheit, Gajané, und hierher
    geleitet von Orlando und den Sternen,
    betraten wir mit heil`gen Schaudern gestern
    das Land am Ararat, auf dessen Gipfel
    die Arche Noah erste Hoffnungsstrahlen
    aus Farbenspiel des Regenbogens trafen.
    Ach, könnte Gott sein Bündnis mit den Menschen
    erneuern mit Symbolen schönrer Bildung!
    Allein die Brauen deiner braunen Augen,
    sie ließen stets uns Jahves Gnade sehen."

    Sicher kann man darüber streiten, ob die Verse einen "poetischen Klang" haben, deshalb verweise ich auf die vielen Dichtungen in Blankversen (z.B. auf "Iphigenie"). Der Reim, ich wiederhole es zum xten Mal, ist ein Gestaltungsmittel von vielen und in unseren Breiten erst seit dem Mittelalter schick geworden (vorher gab es in unserem Sprachraum den Stabreim, der uns Deutschen -siehe Reklamesprüche- sozusagen im Blut steckt.
    Beim Ausprobieren anderer, in diesem Fall antiker Gedichtformen, stieß ich auf die "Sapphische Ode", andere nennen es die "Sapphische Strophe". Die gute Sappho hatte nicht den Schimmer einer Ahnung vom Endreim. Hat es trotzdem "poetischen Klang"? Hier eine Strophe in dieser Dichtungsweise (da Du Quellenangaben liebst: Das erste Beispiel stammt aus "Gajane", das zweite aus "Heute will ich deine Küsse schmecken"):

    Ambraduftende Perlmuttknospen finden
    blind im Purpurnebel brodelnder Sinne
    taumelnd und tastend ohne Priaps Hilfe
    sapphische Wege.

    Von Distichen, Hexa- und Pentametern, Alliterationen, Assonanzen usw. will ich gar nicht reden, aber beim Lesen vieler, sehr vieler, Gedichte wird Dir auffallen, dass der Endreim, ich sagte es schon, nur ein Gestaltungsmittel von vielen ist.
    Liebe Grüße,
    Heinz
    Geändert von Festival (07.09.2011 um 09:51 Uhr)

  13. #13
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    Liebe

    *****
    Lieber Kulturheinzi

    Es ist keine Verallgemeinerung, sondern mein persönliches Empfinden, das einzig ist, wie das
    Empfinden eines jeden Menschen einzig – sein sollte – ist es so? Die Gedichtsformen möchte
    ich eher als zeitlichen Trend bezeichnen, sie wurden irgendwo, irgendwann von irgendwoher
    von jemandem, der sich darin versuchte und nicht irgendwer war, "entdeckt", und machten
    Schule. Oft aus anderen Kulturen übernommen, fand man sie dafür geeignet, gewisse Ideale
    zu verkünden, in eine schöne(re) Form zu gießen, da kommt mir Schiller in den Sinn. Es sind
    nur einige Gedankenanstöße dazu, z.B. bezüglich des Phantoms? « pantoum (pantoun) »

    Der Endreim hängt wohl auch von den Sprachen ab. Es gibt melodische und solche, die zwar
    nicht schwerfällig sind, sich jedoch schwer reimen lassen, hierzu gehört m.M.n. die deutsche
    Sprache, die auch in der Musik für den Gesang ziemlich ungeeignet erscheint. Hier verkünde
    ich nichts, sondern erzähle, was ich mit meinen Sinnen begreife. Wie viele Sprachen gibt es
    denn? Wie sollte man da die überwiegende Zahl der Gedichte dieser Welt kennen? Wie viele
    Menschen gab es vor uns? Wohl fast jeder sprechende/denkende Mensch hat, zumindest in
    seiner Jugend, tiefe poetische Erfahrungen gedacht/empfunden/erzählt etc., jedoch selten
    aufgeschrieben, das erledigten wahrscheinlich die dafür bestimmten Schriftsteller. Deutsch
    wurde erst durch Luther zur Schrift, wenn ich mich nicht täusche, und "früher" schrieb man
    mit Runen? Es wäre schon interessant, Herkunft, Entwicklung etc., hier zum Thema Stanze,
    unter die einzelnen Gedichtsformen zu kommentieren und schade, gibt es für die wichtigsten
    keine eigenen Rubriken, denn das Thema, hier "Liebe", erliest sich doch aus Titel und Inhalt
    des Gedichtes; wichtiger finde ich deshalb, anders als beim « poème libre », die Form. Zum
    "Blankvers" kann ich nichts sagen, ich bin noch beim Thema Stanze und « pantoum », weiß
    also nicht, wie der "Blankvers" mit der Stanze zu vergleichen wäre.

    Auch das Alphabet ist "nur" ein Gestaltungsmittel von vielen, mit immer wieder erstaunlich
    neuen Variationen komponiert ?

    Liebe Grüße
    Kalinka
    *

    Ps.: Vielen Dank auch für den Hinweis auf sie sapphische Ode.

  14. #14
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    Liebe Kalinka,
    Du hast ja mit vielen Aussagen recht. Deutsch wurde nicht erst durch Luther zur Schrift, geschrieben wurde auch vor ihm und es gibt wunderschöne Gedichte aus dem frühen Mittelalter (z.B. Walter von der Vogelweide), die natürlich auch aufgeschrieben wurden. Luther hat sich um die deutsche Sprache sehr verdient gemacht! Er schuf sozusagen eine einheitliche deutsche Schriftsprache. Seine Bibelübersetzung war meines Wissens auch das erste Buch, das in gedruckter Form erschien und damit eine größere Verbreitung hatte als die handschriftlich kopierten Werke anderer Autoren. "Früher schrieb man mit Runen", oje, die Runen sind germanischen Ursprungs und ich kenne kein einziges Gedicht, das in Runen geschrieben wurde. Die Zaubersprüche/Beschwörungen, Gebete wie das "Atta unsa" (Vater unser), eines der ältesten Schriftdenkmäler im deutschen Sprachraum, das Hildebrandslied, sind nicht in Runen geschrieben (davon gibt es eh nicht viele).
    Der Blankvers ist eigentlich ganz einfach und dennoch sehr melodisch/rhythmisch. Der Name verräts: Die Verse sind "blank" von Reimen, also reimlose, fünfhebige Jamben. Stanzen, die hat Goethe sich gewissermaßen aus dem Ärmel geschüttelt. Lies mal sein "Tagebuch", ich glaube, das ganze (lange) Gedicht besteht aus Stanzen (fünfhebige Jamben mit dem Reimschema abababcc, mal mit weiblichen, mal mit männlichen Kadenzen. Blankvers und Stanze vergleichen - wozu? Das pantoum ist eine recht exotische Art der Gedichtform (und wirkt auf mich manchmal sehr gezwungen, wenn sie nicht von meisterhaften Autoren/Autorinnen (z.B. Jazemel) verwendet wird. Die sapphische Ode ist in der deutschen Fassung recht kompliziert und ich habe sie das erste Mal verwendet, um die gleichgeschlechtliche Liebe zweier Mädchen (Sappho lebte schließlich auf der Insel Lesbos) in Verse zu setzen.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  15. #15
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    Liebe

    *****
    Lieber Kulturheinzi

    Leider kann ich im Moment nicht mitreden, mir fehlt die Zeit zum recherchieren, so einiges fällt
    mir zwar aus der Erinnerung ein, aber ich könnte es nicht zeitlich in die Literaturgeschichte
    einordnen. Mein Gedicht Liebe entstand am Tag der Veröffentlichung, ist ein Zeuge unserer
    Gegenwart, mein Beitrag steht in Verbindung zur Vergangenheit, da ich die Stanzenform benutzt
    habe, die nicht in Vergessenheit geraten, für mich jedoch eine Neuentdeckung ist.

    Danke auch für die Literaturhinweise, aber ich möchte jetzt nichts mehr lesen, sondern selbst
    schreiben und die Autoren von gedichte.com lesen, denn heute leben wir. Ich habe "Pantum" in
    die Suchfunktion eingegeben, einige Gedichte gelesen, Liebe erscheint auch dort, da das Wort
    in den Kommentaren erschien, leider habe ich kein "Pantum", das den Regeln dieser Gedichtsform
    entspricht, entdecken können. Vielleicht empfiehlst du mir, am besten per PN, ein Pantumgedicht
    (Titel) vom Forum, das Suchen danach ist sehr ermüdend. Wie schon gesagt, es ist schade, daß
    es für die klassischen Gedichtsformen keine Rubriken gibt, vielleicht könnte ein Metrum so manch
    leicht dahergesagte Aussage über die Liebe in seine Schranken weisen.

    L’amour est tout partout.

    Liebe Grüße
    Kalinka

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