1. #1
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    Ich bin bei Dir am kühlen, blauen Fluss

    .
    I.

    Am Morgen, wenn die Luft noch eisig streicht
    und sanft ein Wind am Uferwege singt,
    da halt ich Dich ganz fest - und alles klingt,
    weil unsrer Nähe nichts Erlebtes gleicht.


    II.

    Die Sonne steigt, erst langsam, dann mit Macht
    dort über jenen Wald aus fernem Schwarz,
    da ist ein Duft von Gras und Sand und Harz,
    da ist die Welt, die still um uns erwacht.


    III.

    Der Mittag schwirrt und surrt, wir sind noch da
    und halten uns, ein Schatten Dir und mir,
    und da ist nichts im Augenblick, im Hier,
    als Deine Augen: Tief und weit und wahr.


    IV.

    Der Tag geht heiß dahin, die Stunde weicht
    der nächsten in der Helligkeit aus Glas,
    die Strahlen zeichnen goldne Mandalas
    und alles tobt: Doch wir sind unerreicht.


    V.

    Am Abend wird die Welt aufs Neue stumm,
    nur zögerlich, denn alles hat noch Kraft -
    und klingt doch aus, man hat soviel geschafft
    im Treiben: Alles tanzt um uns herum.


    VI.

    Dann kommt die Nacht, wir sind nun ganz allein,
    der Tag war kurz, die Schatten grau und grün -
    Ich werd Dir weiter in die Augen sehn
    und noch am nächsten Morgen bei Dir sein.


    VII.

    Am Morgen, wenn die Luft dann eisig streicht
    und sanft ein Wind am Ufer wieder singt,
    da halt ich Dich noch fest - und alles klingt,
    weil unsrer Nähe nichts Erfahrnes gleicht ...
    Geändert von Wegesanfang (13.09.2011 um 17:26 Uhr)

  2. #2
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    Gut gelungen.

  3. #3
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    Dank Dir sehr, wobei ich gegen eine längere Beurteilung sicher auch nichts gehabt hätte.

  4. #4
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    Das ist sehr schöne Poesie- Warum? - ich kann es dir nicht sagen, das Versmaas stimmt, die Reime, ich lese es immer wieder gerne. Es stimmt!
    ARTOFVOICE says NeveroddoreveN

    ich werde JAPANI(S)CH

  5. #5
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    Hei Wegesanfang,

    du hast die gemeinsamen Gefühle und Gedanken der Zweisamkeit wunderbar in Worte und Bilder gefasst.
    Mir gefallen viele Stellen in deinem Gedicht, unter anderem diese:

    "weil unsrer Nähe nichts Erlebtes gleicht" und "Am Morgen, wenn die Luft dann eisig streicht"

    Einzig bei dem Wort "Mandalas" empfinde ich eine Disharmonie, wie betonst du da?

    Sehr, sehr gerne gelesen - und das nicht zum letzten Mal.

    Liebe Grüße
    Ragnar
    Dichten und dichten lassen

  6. #6
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    Hallo Ragnar,

    man spricht das anfangsbetont aus. Wegen der halben Betonung auch auf der letzten Silbe hat man dann zwanglos XxX für "Mandalas", wobei die stärkere der beiden Betonungen wie gesagt auf dem "Man-" liegt.

    Hallo Markus,

    auch Dir herzlichen Dank.

    Grüße Euch beiden,

    Wegesanfang

  7. #7
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    Hallo Wegesanfang,

    ich finde dein Gedicht wirklich sehr gelungen. Es ist sehr flüssig und leicht zu lesen, es entsteht dabei eine Harmonie "im Kopf", wenn du verstehst, was ich meine.
    Aber vor allem der Inhalt ist schön. Du schaffst es, auf leichte Art einen verfliegenden Tag intensiv und doch unaufdringlich zu beschreiben, der sich wunderbar mit der Zweisamkeit der beiden Liebenden zu einem großen und harmonischen Ganzen verbindet.
    Weiter so!

    lg S

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