1. #1
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    Die Zuflucht im Fels

    Der alte Garten lag versteckt im Stein,
    man wanderte vom Tal gewiss drei Tage
    und immer war ein unerreichter Schein
    im fernen Licht wie eine blaue Sage.

    Nach einem Anstieg, mühsam, steil und lang,
    auf Flammenfelsenwegen, kam ich an:
    Es war gerade Sonnenuntergang
    und müde trat ich an das Tor heran ...

    Darüber stand geschrieben: "Tritt nur ein,
    hier wartet noch die Welt auf Deinen Blick,
    hier lässt Du alles Allzuschwere sein
    und schaust gelassen gar nicht mehr zurück."

    Die Schrift war schöngeschwungen, voller Klang,
    der sanft in Wortes Formen sang und kreiste
    und sein die Zeit umarmend-reicher Gang
    umschloss dich still im Geiste.

    Im Garten selbst war Grün in allen Farben
    und auch Türkis und Purpur, Schattengold,
    die Sonne drang in hohen, stolzen Garben
    und alles war gewollt.

    Man ließ sich leicht zu Boden in das Gras
    und sprach zum Wind von früheren Gefilden,
    man war ein Atem und man sang und las
    im Hain des Herrlich-Wilden.

    Das Ganze war gefügt und nicht gefügt,
    es war aus sich, von selbst und ungelenkt,
    und hatte doch das Chaos zart besiegt
    und sich der Zeit geschenkt.

    Im Garten drang kein Laut von ferne her,
    die Stille war fast körperlich und nah,
    vergessen war der Körper, steif und schwer:
    Der Augenblick geschah.

    Man war im Garten tausend-tausend Jahre,
    so kurz und lang wie ein vollkommner Reim,
    so endlos wie Musik und alles Wahre,
    und dann am Ende kehrte man doch heim.

    Mein Licht ist für das Dunkel nicht geschaffen,
    ich scheine nur an jenem reinen Ort:
    Bald leert sie sich, die letzte der Karaffen -
    ich brech dann auf und bleib für immer dort.
    Geändert von Wegesanfang (04.10.2011 um 01:23 Uhr)

  2. #2
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    ... vielen dank ich fürchte, solange dies mein begehren ist wird meine reise unvollendet bleiben, nicht wahr? solange sich das selbst gegen den eigenen Körper wehrt, wird es ihn nie überwinden ... wenn ich deine worte lese, komme ich mir so sehr vor wie ein gerade erst eingeschlafenes kind, das kurz zuvor seine reinheit an das bewusstsein verloren hat ... nunja, es sind flammenfelsenwege, nicht wahr? ...

    aber vielen dank ... es ist wundervoll was ich hier finde ...
    In der Tiefe ruht die Kraft
    In der Kraft ruht Bewegung
    In Bewegung ruht die Form
    In der Form ruht der Raum
    In dem Raum ruht die Tiefe

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