Thema: Sonnenpfeil

  1. #1
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    Sonnenpfeil

    ***********
    Ich suche dich ich will dich sehen
    So zeig dich bitte komm hervor
    Aus sonnenlosem Zeitgeschehen
    Entführe mich durchs Nebeltor

    So zeig dich bitte komm hervor
    Erhelle mich in meinem Leibe
    Entführe mich durchs Nebeltor
    Erwecke mich zum Leben bleibe

    Erhelle mich in meinem Leibe
    Mit deinem heißen Sonnenpfeil
    Erwecke mich zum Leben bleibe
    Verknote mich am festen Seil

    Mit deinem heißen Sonnenpfeil
    Aus sonnenlosem Zeitgeschehen
    Verknote mich am festen Seil
    Ich suche dich ich will dich sehen


    *
    Pantum

  2. #2
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    Du suchst die Sonne? Oder die Liebe?
    Gut gelungen, dieser Text.
    Grüsse E.Chatterfield

  3. #3
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    Liebe Kalinka,

    auch Dein Pantun erzeugt mit seinen Wiederholungen eine hypnotisierende Eindringlichkeit, und Naturdarstellung und Gefühlsausdruck sind deutlich miteinander verflochten, wenn auch nicht so polarisiert, wie's die Malayen wohl gemacht haben. Von daher vielleicht Lady Chatterfields Frage, ob es hier um Natur- oder Liebeslyrik geht. Am eindeutigsten ist dann doch die Zeile: Erhelle mich in meinem Leibe.
    Überraschend aber: Verknote mich am festen Seil. Das ist rätselhaft sowohl in einem Gedicht an die Sonne als auch in einem an die Liebe.

    Gespannt

    Michael

  4. #4
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    Sonnenpfeil

    Hallo LadyChatterfield,

    Zitat Zitat von LadyChatterfield Beitrag anzeigen
    Du suchst die Sonne? Oder die Liebe?
    Gut gelungen, dieser Text.
    es handelt sich um ein LI, das weder Sonne noch Liebe sucht, sondern den Sonnenpfeil, der
    hier als Metapher zu betrachten ist.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Gedicht nicht in die Rubrik Erotik hätte einstellen sollen,
    das LI hat Sonne im Herzen, fällt mir jetzt dazu ein und erinnert mich an mein Poesiealbum:
    "Hab Sonne im Herzen, ob's stürmt oder schneit, ob der Himmel voll Wolken, dein Herze voll
    Leid. Hab Sonne im Herzen, laß kommen, was mag, dann leuchtet voll Licht auch, dir der
    dunkelste Tag..",
    oder so ähnlich. So könnte man es romantisch betrachten?

    Die Liebe, die gesuchte, die das LI sehen möchte, wäre also die körperliche, das Himmlische
    auf der Erde sehen, durch den eigenen Leib.

    Herzlichen Dank für deinen netten Beitrag

    Liebe Grüße
    Kalinka

    Ps.: Weiteres beantworte ich später.

  5. #5
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    Hallo Kalinka,
    habe bewundernd dein Werk gelesen. Nicht nur das Reimschema in den nächsten Strophen aufzunehmen, sondern direkt die Verse, verlangt mir Respekt ab; eine Meisterleistung, dies mit dem Inhalt unter einen Hut zu bringen.

    Ein sehr schönes Gedicht, sehnsüchtig und warm.
    Der "Sonnenpfeil" lässt an einen Phallus denken, daher nehme ich an, dass das LI weiblich sein soll (?).
    Kontraste zwischen Nebel und Sonnenstrahlen bringen Wallung ins Gedicht.
    Eine runde Sache, wie manche wohl sagen würden! ^^

    mfG

  6. #6
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    Lieber Michael Domas,

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    auch Dein Pantun erzeugt mit seinen Wiederholungen eine hypnotisierende Eindringlichkeit, und Naturdarstellung und Gefühlsausdruck sind deutlich miteinander verflochten, wenn auch nicht so polarisiert, wie's die Malayen wohl gemacht haben.
    du beginnst deinen Kommentar mit "auch", was meinst du damit? Wiederholungen im Pantum
    (pantoum) sind eine Art Refrain, die Freude, Feste, "besingen"; auch unsere christliche Welt
    bedient sich auf Hochzeiten gerne mit den Refrains aus dem AT. Malaien haben ihre eigene
    Tradition, und wir auch etwas aus dieser anderen Kultur "ausgeborgt", die fixe Form, und um
    tiefer hinein zu dringen, müßte man sich mit der Fremdsprache beschäftigen, ich begnüge mich
    mit dem importierten Schema. Geschichtliches wie die Gedichtsform kann man sicher googeln
    (mit Wikipédia bin ich nicht einverstanden), ich habe meine Notizen dazu leider versehentlich
    gelöscht, sonst hätte ich meine Recherchen hier mitgeteilt, deshalb auch meine späte Antwort
    auf deinen Kommentar.

    Das Wort Malaie, Adjektiv malaiisch (Malais, aise) ist an sich schon interessant, (malaise =
    Unbehagen), im Net (auch im Forum?) wird man bei der Suche immer wieder auf das Wort
    Phantom stoßen. Ist die Liebe nicht auch ein Mysterium? Die Pole eventuell ein Aberglaube?
    Wer weiß...

    Zitat Zitat von Michael Domas Beitrag anzeigen
    Von daher vielleicht Lady Chatterfields Frage, ob es hier um Natur- oder Liebeslyrik geht. Am eindeutigsten ist dann doch die Zeile: Erhelle mich in meinem Leibe.
    Überraschend aber: Verknote mich am festen Seil. Das ist rätselhaft sowohl in einem Gedicht an die Sonne als auch in einem an die Liebe.
    Gehört der Mensch nicht zur Natur? Hat er keine?

    Ganz möchte ich mein Gedicht nicht entschlüsseln, aber vielleicht hilft dir der Vergleich mit der Nabelschnur weiter. "Seil" steht für eine Verbindung, für den Kontakt, unsichtbar wie fließende
    Ladung, die auch zwei Pole benötigt. Das Wort "Sonne" kommt in dem Gedicht nicht vor, der
    nächste Kommentar s.u. erklärt es besser, als ich es erklären könnte.

    Lieben Gruß
    Kalinka
    ***

    Hallo TarasBulba,

    Zitat Zitat von TarasBulba Beitrag anzeigen
    Ein sehr schönes Gedicht, sehnsüchtig und warm.
    Der "Sonnenpfeil" lässt an einen Phallus denken, daher nehme ich an, dass das LI weiblich sein soll (?).
    Kontraste zwischen Nebel und Sonnenstrahlen bringen Wallung ins Gedicht.
    Eine runde Sache, wie manche wohl sagen würden! ^^
    es freut mich, daß du das Gedicht so verstanden hast, wie ich es meinte.

    Herzlichen Dank für deinen netten Beitrag.

    Liebe Grüße
    Kalinka

  7. #7
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    Liebe Klainka,

    entschuldige meine Hartnäckigkeit (oder mein Unverständnis), „Seil", schreibst Du, „steht für eine Verbindung, für den Kontakt, unsichtbar wie fließende Ladung“. „Fließend“ und „verknotet am festen Seil“ widersprechen sich, wie ich finde. Und eine verknotete „Nabelschnur“ wäre keine „Verbindung“, sondern ein Problem.
    „Das Wort "Sonne" kommt in dem Gedicht nicht vor“. Aber „Sonnenstrahlen“ gibts ?(TarasBulba)

    „Auch“ meint, dass es hier im Forum schon andere Gelegenheiten gab, die Kraft der Refrains eines Pantuns zu bewundern.

    Vielleicht ist es ja auch eine Krankheit, genau sein zu wollen. Aber ich hoffe doch immer, dass das „Mysterium“ durch Genauigkeit erst recht zum Strahlen gebracht wird

    Michael
    Geändert von Michael Domas (17.10.2011 um 13:41 Uhr)

  8. #8
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    Hallo Michael Domas,
    Kurze Anmerkung: Der "Sonnenpfeil" kann metaphorisch in zweierlei Hinsicht betrachtet und erklärt werden, jedoch das Wort an sich und das übrige Wortfeld um diesen Begriff deutet an Sonne.

    Aus sonnenlosem Zeitgeschehen
    Entführe mich durchs Nebeltor
    Das LI findet im Nebel einen Ausgang, wo es wohl zum Symbol Sonne zurückkehren kann.

    Erhelle mich in meinem Leibe
    Wieder ein Begriff, den man mit Licht, Strahlen und der Sonne assoziieren kann.

    Dann folgt natürlich der Sonnenpfeil, als gelungene, ich würde fast sagen, Steigerung, der Sonnensymbolik.

    Das Wort "verknoten" kombiniert mit fehlenden Satzzeichen erzeugt ein interresantes Bild, liest sich das Werk doch flüssiger und lässt mehr Spielraum für Deutungen und Betonungen. Satzzeichen können beim Lesen wie Knoten auffallen oder jedenfalls als Knoten wichtige Punkte markieren und Aufmerksamkeit darauf konzentrieren.
    Und ein Knoten kann auch als Haltepunkt für eine Verbindung interpretiert werden.

    Ich hoffe, ich habe zurecht angenommen, dass die Frage auch an mich gerichtet ist, da ja mein Nick in deinem Post vorkommt. Wenn nicht, ignoriert bitte diesen Post. ^^
    Geändert von Dr. Üppig (17.10.2011 um 17:06 Uhr) Grund: unbegründet

  9. #9
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    Lieber TarasBulba,

    Deine Annahme besteht zurecht, und wenn ich selbst ein Gedicht eingestellt habe, freue ich mich, wenn andere auch untereinander darüber diskutieren. (Andere Autoren sind da u.U. sehr empfindlich, aber das wirst Du, gegrüßte Kalinka, nicht sein.)

    Trotzdem, lieber Taras, musst Du Deine Anmerkungen zur „Sonnensymbolik“ an Kalinka richten, denn sie schrieb: „Das Wort "Sonne" kommt in dem Gedicht nicht vor.“ Sonst würde ich die Sonnensymbolik z.B. so auslegen wie Du.

    Verknotungen“ als „Haltepunkt für eine Verbindung“ zu interpretieren, gelingt mir jedoch nicht. Bei einer „Nabelschnur“ (Kalinka) empfinde ich sie eher als Unterbrechung, als Verstockung des „Fließenden“ (ebd.). Im Übrigen wir ja hier nicht das Seil, sondern das LI "am festen Seil verknotet", macht die Sache aber eher noch schlimmer.

    Nun werden wir beide auf Kalinkas Aufklärung gespannt sein

    Michael
    Geändert von Michael Domas (18.10.2011 um 00:18 Uhr)

  10. #10
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    Hallo Michael Domas,

    Würde gern noch etwas anmerken.

    Richtig, das Wort "Sonne" kommt nicht vor, auch wenn die Wortfelder darauf ausgerichtet sind.

    Es fehlt. Warum? Nicht etwa:

    Ich suche dich ich will dich sehen
    Wäre ein Ansatz.

    Deinem Einwand mit dem Seil gebe ich langsam Recht, eindeutiger wäre, z.B., "verknote mich mit festem Seil".
    Und dennoch halte ich am Knoten als wichtigem Bestandteil einer Vebindung fest, vielleicht, weil ich den Standpunkt praktischer betrachte? ^^
    Licht ins Dunkel (Wortwitz!) kann hierzu sicherlich der Autor bringen.

    mfG

  11. #11
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    Sonnenpfeil

    Lieber Michael Domas,

    "Seil" steht für Seil, wobei das Wort nicht nur in der Poesie verschiedene Bedeutungen haben
    kann, im Gedicht sind die Wörter der Fantasie des Lesers überlassen, oder seinem Gefühl.
    Durch den Refrain "verknotet" sich doch schon alles irgendwie und zwar fließend, in seiner
    Form wie ein Fluß in seinem Uferbett gefangen, in die vorgegebene Richtung fließt, meist ins
    Meer. Dazu gehört für mich auch der Nebel, den wir als Wolken zum Himmel steigen sehen,
    im Himmel wiederum, sieht man ihn nicht begrenzt, gibt es andere Sonnen, außerhalb unseres
    "sonnenlosen Zeitgeschehens", und jetzt kann ein Seil auch ein dünner, quasi unzerreißbarer, durchsichtiger Faden einer Angel sein, an dem keine Crevette verknotet ist, sondern der wie
    ein Pfeil, vielleicht wie der Widerhaken einer Harpune in das LI dringt, mit seiner Licht- und
    wärmespitze, sonnen- steht hier auch für Hitze, und es zum leuchten bringt; "verknoten" oder
    verketten oder etc., man kann andere Symbole finden, aber hier verlangt das Reimschema
    nach dem "Seil". Es ist zudem auch ein tiefgründiges Wort, oder dreh es doch einfach mal um
    und:

    Lies!

    Nabelschnur war nur eine Denkanregung, vom Nabel, der Geburtsnarbe ausgehende fließende
    Energie, die nicht reißen soll, somit verknotet, fest verbunden, das Licht erscheinen läßt, wie
    ein Stromkreis den Widerstand (Glühbirne) erleuchtet. Es sind alles keine Vergleiche, sondern
    Beispiele, wo es in der Banalität sichtbar sein könnte, das Gedicht habe ich aber auf einer
    ganz anderen Ebene geschrieben, fand dann das Reimschema des Pantum dazu passend.

    „Auch“ meint, dass es hier im Forum schon andere Gelegenheiten gab, die Kraft der Refrains eines Pantuns zu bewundern.
    Was hat das mit meinem Gedicht zu tun? Ich bewundere generell keine Gedichte, der Refrain
    allein macht noch kein Pantum, ich sehe diese Gedichtsform als etwas Besonderes für
    besondere Aussagen, wie übrigens auch in einer anderen Form das Haiku, das, m.M.n.,
    ebenfalls nicht einfach durch Silbenzählen zum Haiku wird.

    Deine Annahme besteht zurecht, und wenn ich selbst ein Gedicht eingestellt habe, freue ich mich, wenn andere auch untereinander darüber diskutieren. (Andere Autoren sind da u.U. sehr empfindlich, aber das wirst Du, gegrüßte Kalinka, nicht sein.)
    Ich hätte gerne, daß man beim Thema bleibt, sehe mich auch nicht dazu gezwungen, mich in
    die Diskussion der Kommentatore einzumischen.

    Trotzdem, lieber Taras, musst Du Deine Anmerkungen zur „Sonnensymbolik“ an Kalinka richten,
    Ganz und gar nicht, hier muß niemand etwas, ein Gedicht einzustellen hat doch nicht etwa eine
    Inquisition zur Folge? Meinst du, das Gedicht strahlt Unempfindlichkeit aus? Das Schreiben hat
    mich gefreut, jeder liest es dann, wie er will, darauf bin ich gespannt. Ist das Wort "empfindlich"
    negativ? Abwertend empfinde ich deine Vergleiche, aber wenn dich Sonnenpfeil nicht anspricht,
    ist das auch OK, freuen würde mich, wenn du dies textbezogen begründen würdest.

    Vielen Dank, auch dir, lieber TarasBulba , für die interessanten Beiträge.

    Liebe Grüße
    Kalinka

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