1. #1
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    himmelsstürmer

    .






    als hoffnungsträgerrakete gestartet,
    bin ich gelandet auf dem boden
    der tatsachen - die luft ist dünn
    auf diesem fremden planeten -
    ich kenne ihn nur noch aus dem net -
    oder den erzählungen von früher -
    radio oder wie das noch hieß -
    die app war schon vorinstalliert und so
    habe ich mein ohr noch am volk
    wenn ich die antennen in den wind
    stelle wie die weichen auf das
    abstellgleis im weltraumbahnhof
    erde zu erden - auf zu neuen höhen.




    .

  2. #2
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    Hallo Jamzee,
    jetzt kann ich bei solch einem komplexen thema nicht mir erfahrung glänzen, mein mobil funk gleicht einer telefonzelle...
    was ein app ist musste ich erst nachlesen( aber sie zeigen dir in einer fremden stadt sofort an, wenn du eine öffentliche toilette suchst- wo sie ist...weil die sind auch schon selten)
    und die hobbyprogrammiererszene, die softwarehäuser und android betriebssysteme sind noch nicht bei mir gelandet,

    aber ich bekam mit, wie zwei mädels die nebeneinander standen, sich kurznachrichten sendeten, weil sie völlig umsonst waren und icons...und radio wird von der jungen generation selten bis nie gehört,

    das ist eine entwicklung die menschen robotisiert und eigentlich hätte es umgekehrt sein sollen ( und nicht, wir helfen den maschinen, indem wir uns ihnen angleichen)

    alltagstaugliche intuitionskraft, reicht ja google...und über die sprachkultur wollen wir erst gar nicht reden...

    aber so wie du es hier in eine schriftliche ausdrucksform gesetzt hast, ist klasse
    ich denke ich habe noch nicht den vollen umfang erfasst, hoffe aber deine kritik tendenziell erkannt zu haben
    (und auch wenn die meisten meinen, wenn wir unseren kindern nur schulden hinterlassen- das wäre das größte übel, glaube ich sie liegen falsch- wir haben es versäumt ihnen andere werte zu vermitteln die wichtiger sind als die jeweilige währung)- hoffe sowas ähnliches meintest du mit dem :erde zu erden


    lg schokominza00

  3. #3
    Anjuleanga Guest
    Lieber Jamzee,

    Wer ist ,,ihn" . Aus deinem Text heraus ist ihn als Bahnhof zu verstehen. L.G.A.

  4. #4
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    Hallo schokominza,

    das Thema ist natürlich die Entfremdung von der eigentlichen Welt. Kommunikation ist hierbei ein Symptom. Du rufst eine Situation exemplarisch hervor und das Bild soll dadurch natürlich tragen, dass wir uns seit Anbeginn unseres Lebens 'in den Himmel träumen'. Und jetzt läuft ein Großteil der Kommunikation eben durch jedes Medium. Des Weiteren soll der Text allerdings auch eine politische Dimension darstellen und Du liegt Du mit den Werten schon nah an der Intention. Robotisiert, ja. Entwurzelt, ja. Aber wer durchstarten will, muss wohl entwurzelt sein oder entwurzelt werden.

    Hallo Anjuleanga,

    ihn bezieht sich auf den Planeten. Da ich im Sinne des Textes auf gängige Regeln der Groß- und Kleinschreibung und Interpunktion verzichtet habe, ist das vielleicht nicht so klar. Dennoch traue ich das dem geneigten Leser durchaus zu .

    Gruß, Jamzee

  5. #5
    Anjuleanga Guest
    Lieber Jamzee,

    hatte mich ,,verlesen". Habe ,,diesen" Planeten als Plural gelesen .Weil ich z.Zt. auf einem Mini Laptop arbeite habe ich an ,,diesem " vorbeigelesen. So macht das Gedicht auch für mich Sinn. Interessant für mich ist dein prosaischer Erzählstil, der sich einer klaren Zuordnung zur Prosa verweigert. gerne gelesen, L.G.A.

  6. #6
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    hai jamzee,

    ich bin grad zum dritten mal hier - ein sprachlich und inhaltlich modernes teil hast du da hingekriegt. und bei jedem lesen bleibe ich hängen an der grandiosen hoffnungsträgerrakete: was ein wort! weil ich bei der rakete (leider) zuerst an die böse denke, zerstört sie die kurze wohlfühlathmosphäre des hoffnungsträgers - und deutet dadurch gleichsam schon im zweiten wort die flugrichtung deiner zeilen an. gelungen!

    gruß,
    wortsport.

    ps: ob mich die drei "noch" stören, weiß ich nicht
    ach, aber mit versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. man sollte warten damit und sinn und süßigkeit sammeln ein ganzes leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum schluss, vielleicht könnte man dann zehn zeilen schreiben, die gut sind. denn verse sind nicht, wie die leute meinen, gefühle (die hat man früh genug) - es sind erfahrungen. (rilke)

  7. #7
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    Hallo Anju,

    kein Problem - das kann passieren. Leider ist die Seite nicht immer optimal auf die Auflösung angepasst, das stelle ich auch immer wieder fest.

    Hallo wortsport,

    Dein Lob ehrt mich - schließlich bin ich seit Deinem Wettbewerbsbeitrag ein (un)heimlicher Fan von Deiner Lyrik. Interessant ist auch, dass Du genau den Ursprung der Zeilen ausgemacht hast: Mir schoss plötzlich das Wortspiel durch den Kopf und dann war der Plot klar und das Gedicht stand sofort in meinem Kopf. Bei den nochs habe ich auch überlegt. Es ist eine Gradwanderung es als Überbetonung der Rückbindung darzustellen, ohne selbst als wortkarg wahrgenommen zu werden. Ich könnte die Abneigung verstehen.

    Aber vielleicht weißt Du es auch nur 'noch' nicht .

    Gruß, Jamzee

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