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  1. #16
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    Sonett

    Ursprünglich eine italienische Gedichtform (mit einem Höhepunkt im Canzionere Petrarcas), breitete sich das Sonett schnell über ganz Europa aus. Das vierzehnzeilige Gedicht besteht aus zwei über Reime miteinander verbundenen Quartetten und zwei anschließenden Terzetten. Keine andere lyrische Form ist derart strikt festgelegt wie das Sonett, denn Versmaß, Reim, Strophenform und Länge des Gedichtes sind vorgegeben. Martin Opitz beschreibt in seinem Buch von der Deutschen Poeterey die komplizierte Form des Sonetts: "Ein jeglich Sonnet [sic!] aber hat viertzehen verse / vnd gehen der erste / vierdte / fuenffte vnd achte auff eine endung des reimens auß; der andere / dritte / sechste vnd siebende auch auff eine. Es gilt aber gleiche / ob die ersten vier genandten weibliche termination haben / vnd die andern viere maennliche: oder hergegen. Die letzten sechs verse aber moegen sich zwar schrencken wie sie wollen; doch ist am braeuchlichsten / das der neunde vnd zehende einen reim machen / der eilffte vnd viertzehende auch einen / vnd der zwoelffte vnd dreyzehende wieder einen." (S. 53)

    Das klassische Versmaß der italienischen Sonette ist der Endecasillabo oder Elfsilbler, im Französischen herrscht der Alexandriner vor. Shakespeare entwickelte eine eigene Form des Sonetts, das durch drei kreuzgereimte Quartette ohne Reimwiederholung und ein abschließendes Reimpaar gekennzeichnet ist. In Deutschland wurde im Barock die französische Variante nachgeahmt, während das Zeitalter der Aufklärung, in der Folge von [i]Gottscheds[i] Verurteilung des Sonetts, diese Form eher meidet. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Sonett von Gottfried August Bürger - nun allerdings in seiner italienischen Form - rehabilitiert. Die Begeisterung der Romantiker für das Sonett inspirierte auch die nachfolgenden Dichtergenerationen: berühmt sind die Sonette Rilkes (Sonette an Orpheus). So sehr die moderne Lyrik sich einerseits von althergebrachten, strengen Formen abwendet, so sehr fordert das Sonett andererseits doch immer wieder zu neuer Auseinandersetzung heraus.



    Ich hoffe das reicht fürs erste. Für eine detaillierte Aufzeichnung der bestimmten Reimschemata bräuchte ich noch ein bisschen mehr Zeit
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  2. #17
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    Ode

    griech.: Gesang

    In der griechischen Antike war der Begriff Ode ursprünglich eine Sammelbezeichnung für alle strophische Dichtung, die mit Musikbegleitung vorgetragen wurde. Blickt man heute auf die antiken Oden im engeren Sinne, so unterscheidet man die Chorlieder beispielsweise Pindars vom lyrischen Einzelgesang der äolischen Lyriker Sappho und Alkaios. Sind die Oden Pindars in Thematik und Ton meist Lobesänge auf Helden und Sieger, so zeichnen sich die lyrischen Einzelgesänge eher durch Leichtigkeit und alltägliche und private Inhalte aus. Horaz übersetzte die Oden der griechischen Antike ins Lateinische, dichtete nach diesen Vorlagen eigene Oden und entwickelte neue Odenstrophen.

    In Deutschland ist es, nach einigen Versuchen im Barockzeitalter, vor allem Klopstock, der die antiken Odenmaße zur Grundlage seiner Dichtung macht. Die langen und kurzen Silben des Griechischen ersetzt er durch betonte bzw. unbetonte Silben und versucht im übrigen, so genau wie irgend möglich die antiken Strophenformen nachzuahmen. Der Ton der Klopstockschen Oden ist pathetisch und oft hymnisch. Hölderlin, der einige Jahrzehnte nach Klopstock Deutschlands zweiter großer Odendichter wird, behält die von seinem Vorgänger eingeschlagene hohe Tonlage dieser Form bei.

    Die antiken Strophenformen zeichnen sich im Gegensatz zu den meisten neueren Formen durch Reimlosigkeit aus. Auch sind die Verse nicht alternierend, sondern setzen einfache und doppelte Senkungen nach relativ strikten, für die einzelnen Verse jeder Strophenform verschiedenen Regeln ein.

    In der deutschen Lyrik sind vor allem drei antike Odenformen rezipiert worden: die nach der griechischen Dichterin Sappho (600 v. Chr.) benannte sapphische Odenstrophe, die von Sapphos Zeitgenossen Alkaios bevorzugte alkäische Odenstrophe und eine von Asklepediades (270 v. Chr.) entwickelte Strophenform, die als asklepiadeische Odenstrophe in die Literaturwissenschaft eingegangen ist.


    sapphische Odenstrophe:
    Die sapphische Odenstrophe ist nach der um 600 v. Chr. lebenden griechischen Dichterin Sappho benannt und wurde in der deutschen Lyrik am wenigsten nachgeahmt, daher als Beispiel die erste Strophe der Ode an Anaktoria von Sappho in der metrisch genauen Übersetzung von Max Treu:

    "Reiterheere mögen die einen, andre
    halten Fussvolk oder ein Heer von Schiffen
    für der Erde köstlichstes Ding, - ich aber
    das was man lieb hat." (S. 90)

    Das Schema der sapphischen Odenstrophe sieht so aus:

    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È - È - È È - È - È
    - È È - È

    Die drei ersten Verse sind metrisch vollkommen gleich und bilden die sogenannten sapphischen Elfsilbler: sie beginnen auftaktlos mit einem (aus zwei trochäischen Versfüßen bestehenden) Trochäus, in der Mitte des Verses steht ein Daktylus, dem wieder ein Trochäus folgt. Der vierte Vers besteht aus einem Daktylus und einem trochäischen Versfuß.


    alkäische Odenstrophe:
    Der um 600 v. Chr. lebende griechische Dichter Alkaios entwickelte eine eigene Odenstrophenform, die in der deutschen Literatur von Hölderlin häufig verwendet wurde, so etwa in dem Gedicht Die Götter:

    "Du stiller Aether! Immer bewahrst du schön
    Die Seele mir im Schmerz, und es adelt sich
    Zur Tapferkeit vor deinen Strahlen,
    Helios! Oft die empörte Brust mir." (S. 57)

    È - È - È / - È È - È -
    È - È - È / - È È - È -
    È - È - È - È - È
    - È È - È È - È - È

    Bis auf den vierten Vers beginnen bei der alkäischen im Unterschied zur sapphischen wie asklepiadeischen Odenstrophe alle Verse auftaktig. Die beiden ersten Verse stimmen metrisch überein und bestehen aus den sogenannten alkäischen Elfsilblern: nach zwei jambischen Versfüßen und einer zusätzlichen Senkung folgt eine Zäsur, an die sich ein Daktylus und ein vollständiger sowie ein verkürzter, unvollständiger (="katalektischer") trochäischer Versfuß anschließen. Der dritte Vers ist durchgehend jambisch vierhebig, mit einer auch hyperkatalektisch genannten überzähligen Senkung am Schluß, und wird als alkäischer Neunsilbler bezeichnet. Zwei Daktylen und zwei darauffolgende Trochäen bilden den vierten, alkäischen Zehnsilbler genannten Vers.


    asklepiadeische Odenstrophe:
    Nach dem um 270 v. Chr. lebenden griechischen Dichter Asklepiades ist die asklepiadeische Odenstrophe benannt. Beispielhaft für diese Odenstrophenform ist Klopstocks Gedicht Der Zürchersee:

    "Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht
    Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,
    Das den großen Gedanken
    Deiner Schöpfung noch einmal denkt." (S. 53)

    Das zugrundeliegende Schema der asklepiadeischen Odenstrophe sieht so aus:

    - È - È È - / - È È - È -
    - È - È È - / - È È - È -
    - È - È È - È
    - È - È È - È -

    Alle vier Verse beginnen auftaktlos: dem trochäischen Versfuß folgt jeweils ein Daktylus und eine zusätzliche Hebung. In den ersten beiden Versen folgt an dieser Stelle eine Zäsur, die in Klopstocks Zürchersee nach den Worten "Natur" und "verstreut" deutlich spürbar ist. Die zweite Hälfte der ersten beiden Verse ist ebenfalls metrisch gleich: an einen Daktylus schließt ein katalektischer, d.h. um eine Senkung verkürzter Trochäus an, so daß beide Verse betont enden. Die dritte Zeile ist der kürzeste Vers der asklepiadeischen Strophe: einem trochäischen Versfuß folgt ein Daktylus, dann endet der Vers wiederum mit einem trochäischen Versfuß. Der vierte und letzte Vers stimmt mit dem dritten bis auf eine zusätzliche Hebung am Versende vollkommen überein.


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  3. #18
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    @ satchmo, vielen Dank, das langt erstmal dicke.

    Und jetzt geh' endlich Urlaub machen statt dauernd hier aufzutauchen

    Gruß,
    SC
    Sylvester Christoph,
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  4. #19
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    So, da ja nun niemand mehr im Wettbewerbsstress ist hätte ich noch ein paar Fragen:

    1) Welche Reimschemata werden denn in den moderneren Sonetten verwendet ?

    2) Welche Regeln sind bei der Ballade zu beachten bzgl. Länge, Themen und Strophenform ?

    Gruß,
    SC
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  5. #20
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    Uups, da bin ich wohl'n bissl spät dran

    Sonette: Grundsätzlich gibt es eigentlich keine "modernen" Sonette. Dementsprechend wird eigentlich bis heute zumeist der Alexandriner oder eine pentametrische Zeilenform gebraucht/bevorzugt (Man erinnere sich dabei daran, dass man schön gegenüberstellen kann in diesen metrischen Varianten, es also praktisch perfekt für Sonette ist).
    Jedoch dürfte es wohl interessant sein, mal etwas neues zu versuchen
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  6. #21
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    Ballade

    1. Definitionen

    1.1. Tanzlied
    Die älteste, ursprüngliche Bedeutung von „ballata” (ital.) bzw. “ballada” (provenzalisch) = Tanzlied. So wurde das Wort im Mittelalter gebraucht. Als es später auf völlig andere Textarten übertragen wurde, nahm es von den Tanzliedern nicht ein einziges Merkmal mit.


    1.2. Strenge Kunstform der altfranzösischen Lyrik
    Auch diese Gedichtform hat nichts mit den heutigen Balladen zu tun. Es handelt sich um ein sehr streng und kunstvoll gebaute Gedichte, die im 13. bis 15 Jh. geschrieben wurden. Vertreter für diese Form war u.a. Francois Villon. Er ist Vorbild für Brecht, Biermann, Wader u.a. - nicht wegen der Textsorte, sondern wegen der Themen und des Stils Villons: sozialkritisch, Außenseiter–Position, burleske, volkstümliche aggressive Schreibweise.

    1.3. Erzählendes Volkslied
    Gab es seit dem 13. Jh. in England und Deutschland (maere), in Spanien = Romanze. Im 18. Jh. gab man diesen erzählenden Volksliedern den Namen Ballade. (später zur Unterscheidung von der Kunstballade, die Bezeichnung Volksballade). Kennzeichen: eine Handlung, die oft einen Konflikt enthält, ferner eine sprunghafte Erzählweise, Dialog als vorherrschendes Stilmittel, volkstümlicher Sprachstil. Themen: Kindesmord, Unschuld und Verführung, Treue und Verrat, ständische Herrschaft und Unterdrückung, soziale Not und Erniedrigung, religiöse Gegensätze zwischen Juden und Christen, Recht und Rechtlosigkeit, sowie soziale Vergehen aller Art.

    1.4. Kurzepische Kunstfroem (Kunstballade)
    Um 1770 wird in Deutschland die Volksballade von der Kunstdichtung adaptiert und zu einer neuen Gedichtform gemacht. Merkmale: liedhafter, rezitativer Grundton, Reim , Lautmalerei, refrainartige Wiederholungen, dialogischer Erzählablauf, dramatische Handlungszuspitzung, Vorliebe für Konflikt, Volkstümlichkeit (vgl. Volksballade) neu: Zeitnähe, Individualisierung und symbolische Durchdringung.
    Im Laufe des 19.Jh. bilden sich neben der „numinosen“ Ballade weitere Unterarten heraus, vor allem die historische Ballade und die Heldenballade.

    1.5. Die moderne Ballade des 20. Jhs.
    Die Erneuerung beginnt um 1900 mit der „Kabarettballade“ (von Frank Wedekind, von Brecht aufgegriffen und weitergeführt). Vorläufer dazu im 19.Jh.: Lieder des Vormärz oder der 48rer Revolution – balladeske Texte, die stark von den Elementes des Bänkelsangs, der Moritat geprägt sind und politisch-agitatorische Intentionen haben.
    Zeitgenössische Ballade: „Aufwertung eines Trivialgenres (Moritat) zur literarischen Protestform (Song)“ und auch balladeske Texte von Rainer Kirsch, Hans Magnus Enzensberger, Nicolas Born, Ror Wolf ....

    1.6. Was ist eine „Ballade“?
    Eine eindeutige Definition zu geben, wäre nicht nur sehr schwierig, sondern auch gefährlich, weil damit wiederum der Blick verstellt werden könnte für Texte, die anders sind.
    Eigenschaften der Ballade: Aktionsbestimmtheit, dominant epische Grundhaltung, narrativer Grundzug, Wiedergabe eines als objektiv vorgestellten Geschehens in Versform, inszeniert, von
    einem Erzähler, dessen in der Regel auktoriale Vermittlerfunktion immer spürbar bleibt, spezifische Art der Zeitdarbietung – große Raffungsintensitäten, Charakter des Komprimierten und Spannungsvollen



    2. Geschichte der Gattung Ballade

    Als Vorläufer kann das aus stabreimenden Langzeilen bestehende althd. Heldenlied gesehen werden.
    (an Fürstenhöfen vorgetragen, erzählt von heroisch-ritterlichem Leben)

    Bsp: Hildebrandslied (9. Jhd.) (tragischer Zweikampf zwischen Vater-Sohn, Hildebrand und Hadubrand )

    Mehrere Varianten durch mündliche Überlieferung. Das jüngere Hildebandlied ist ein Musterbeispiel für die aus Langzeilen bestehende Heldenballade, die auch Heldenzeitlied genannt wurde und zeigt, dass sich einst höfisch-heroische Stoffe infolge der Verbürgerlichung der Lebensverhältnisse an neue Publikumserwartungen anpassten. (Trivialisierung ins Allgemein-Menschliche, Bsp. Hildebrand lässt sich gefangen nehmen und zu seiner Frau führen).

    Heldenballaden und Heldenzeitlied sind die Bindeglieder zwischen den höfischen Heldenliedern und den meist aus vierhebigen Versen und vierzeiligen Strophen bestehenden erzählenden deutschen Volksliedern, die seit dem 19. Jhd. auch Volksballaden heiben.
    - Ihre Blütezeit zwischen 13. und 16. Jhd.
    (Thema : Schicksale aristokratische Kreise ( „Es waren zwei Königskinder....“) aber auch Geschichten von Bürgern und Bauern.)
    - heute : sentimentaler Schlager !

    Die Volksballade wurde von den Gebildeten (Zeit des Humanismus, rational-didaktischer Geist) im 17./18. Jhd. nicht als hohe Literatur anerkannt.
    Gleiches gilt für das Zeitungslied.
    (Ein Zeitungssänger berichtete öffentlich von den in der Zeitung stehenden Ereignissen, um seine Blätter zu verkaufen.
    (Vorläufer der heutigen Boulevardpresse)

    Im 18. Jhd. wird die Bezeichnung Bänkelsang auf Lieder angewandt, in denen Schausteller von niedriger, sozialer Herkunft auf Jahrmärkten und Messen von einem „Bänkel“ sangen. Begleitet durch Harfe, Geige, später Drehorgel.

    (Was sangen sie ?
    Von Liebesstorys, Verbrechen, Naturkatastrophen in drastischer, sentimentaler, geschraubter Sprache..)
    Bänkelsänger verzichtete im Vgl. zum Zeitungssänger auf Aktualität, er hielt aber dennoch am Wahrheitsanspruch fest und stellte moralische Belehrung des Publikums in den Vordergrund. (auch Bänkelssängerheftchen zum Verkauf !)

    Literaturfähig und künstlerisch anerkannt wurde diese Volkspoesie Ende des 18. Jhds,
    als die jungen Dichter der Geniezeit sich für das Irrationale interessierten.




    3. Definition der Gattung

    In der Forschung ist die Frage umstritten ob die Ballade der Lyrik, der Epik oder gar der Dramatik zugeordnet werden muss.

    Nach Goethe hat die Ballade an allen drei Gattungen Anteil, so dass man an einer „Auswahl solcher Gedichte“ die ganze Poetik vortragen kann, „weil hier die Elemente noch nicht getrennt, sondern wie in einem lebendigen Ur-Ei zusammen sind, das nur bebrütet werden darf, um als herrlichstes Phänomen auf Goldflügeln in die Lüfte zu steigen.“

    Die These, dass die Ballade eine Mischform aller Gattungen sei, hat ich bis heute gehalten.
    Siehe Zitate, S. 15 (Hinck, Fromm, Hans, Schneider Rudolf u. a....)

    Gegenthesen:

    Hegel: Er ordnet die Ballade aufgrund ihres lyrischen Grundtons der Lyrik zu.
    Hamburger/Steffensen/ Laufhütte ordnen sie eher der Epik zu.
    (Gründe siehe S. 16)

    Neben diesen formal-strukturellen Eigenschaften hat es auch Versuche gegeben die Ballade nach rein inhaltlichen Kategorien zu definieren.

    Goethe:

    Der Ballade kommt eine Behandlung zu, durch welche das Gemüt und die Phantasie des Lesers in diejenige ahnungsvolle Stimmung versetzt wird, wie sie sich der Welt des Wunderbaren und den gewaltigen Naturkräften gegenüber im schwächeren Menschen entfalten muss...die Ballade hat etwas Mysteriöses, ohne mystisch zu sein; diese letzte Eigenschaft ...liegt im Stoff, jene in der Behandlung. Das Geheimnisvolle der Ballade entspringt aus der Vortragsweise.


    Diese und ähnliche inhaltlichen Begriffsbestimmungen treffen nur auf die Entstehungszeit der dt. Kunstballade im Sturm und Drang zu (numinose Ballade), denn sie berücksichtigen nicht die inhaltliche Weiterentwicklung.

    Es gibt keine inhaltlichen spezifisch „balladischen“ Themen (Laufhütte), deshalb fehlen in neueren Definitionsversuchen inhaltliche Aspekte fast ganz.




    4. Die Typologie der Ballade

    - Lange Zeit war Kämpchens Aufgliederung richtungsweisend:
    a. die heldische Ballade
    b. die numinose Ballade
    c. psychologische Problemballade

    Das Numinose: Begriff aus der Religionspsychologie. Umfasst den für den Menschen zugleich bedrohlichen und verführerisch Charakter des Irrationalen.


    Numinose Balladen untergliedern sich bei ihm:

    -naturmagische
    -totenmagische
    -Schicksalsballden

    heldische Balden:

    -aktives äuberes Heldentum
    - inneres passives Heldentum
    (Sieg der sittlichen Kraft)



    Es gibt viele andere Gliederungsversuche:

    -Hinck fasst bsw. die äubere, aktive Heldenballade mit der numinosen zusammen und nennt sie „nordische Ballade“.
    -Es wurde auch nach „Erzählmustern“ eingeteilt (je nachdem, welcher epischen Kurzform eine Ballade ähnelt, wie bsw. Anekdoten-, Novellen-, Legenden-, Schwank- etc. balladen)




    Quelle: Reader der Vorlesung für neuere deutsche Literatur an der Uni Bern


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  7. #22
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    Hej danke, hab ich mir auf ne Diskette kopiert und werds mir heut abend wohl mal angucken.

    mfg

    psy
    Klage nicht ueber die Finsternis - zuende ein Licht an!

    Chinesische Weisheit

  8. #23
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    Cool

    möchte gerade nichts wissen was mit dem gedichten zu tun hat, nur eine sache: verdient irgendwer hier mit dem schreiben sein geld? bei all dem fachwissen scheint es mir ein eher übertriebenes hobby wenns denn eins ist. oder das schreiben und das wissen übers schreiben ist deine berufung, fehlt nur der beruf?
    finde das alles ziemlich erstaunlich hier, hätte nie gedacht das mir das schreiben an sich mal so viel spass machen würde. nur mit dem erlernen neuer (alter) techniken tue ich mir schwer, mag aber an meiner generellen einstellung liegen alles mit minimalaufwand zu bewältigen. eines tages springt der funke vielleicht über,
    bis dahin
    Limmerick
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  9. #24
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    Satchmo gehört zu denen unter uns, die das Zeug studieren

  10. #25
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    Sehr schöner Faden! Ich würde gerne noch ein paar Ergänzungen einwerfen - ich hoffe, das ich hier nicht andere wiederhole, weil ich es überlesen habe.


    Syllabisches Prinzip: Das Zählen nach Silben pro Verseinheit.

    Syllabotonisches Prinzip: Kurz vorweg - hier scheiden sich nach allem, was ich bisher gelesen habe, oftmals die Geister. Die einen sehen darin die Kombination einer regelmäßigen Anzahl von Silben, von Hebungen und der Abfolge, bzw. Position der Betonungen. Hier wurde aber zu Recht ebenfalls kritisiert, dass sich aus der regelmäßigen Anzahl von Silben und Betonungen nicht zwangsweise eine regelmäßige Abfolge ergibt.



    Neben der Prosodie spielt ja auch durchaus der Reim eine Rolle in der Metrik, wobei es auch hier wieder auseinander laufende Meinungen gibt. Interessant zum reimgebundenen Prinzip fand ich Buchstabs Ausführungen, der den Reim eben nicht zur Metrik dazu zählt, sondern diesen lediglich als eine Markierung sieht. Seiner Meinung nach lässt sich das Grundprinzip des Verses am ehesten nach dem Kennzeichen der sog. doppelten Segmentierung des Textes bestimmen. Doppelte Segmentierung definiert er durch
    a) Gliederung des Textes in beigeordnete syntaktische Abschnitte
    b) Gliederung in Verszeilen und Verseinheiten;
    wobei die erste und zweite Gliederung teilweise widersprechen und so unzählige Möglichkeiten rythmisch-syntaktischer Wechselbeziehungen schaffen.

    Interessanter Ansatz. Aber ich bin noch zwiegespalten, inwiefern der Reim nicht doch eine Rolle in der Metrik spielt, bzw. welche Position er dort einnimmt.

  11. #26
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    Hallo,

    habe mich jetzt durch den Faden durchgearbeitet - an dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön für all die Infos. Was mich jetzt noch interessieren würde (aus aktuellem Anlass, brüte gerade über einem Gedicht, für das ich das Wissen durchaus benötigen würde):

    Welche Stimmungen erzeugen die unterschiedlichen Versarten? Konkret suche ich nach einer Versart, die Erhabenheit, Weisheit, Schwermütigkeit ausdrücken kann. Ein bisschen denke ich da an Pentameter. bin ich damit richtig unterwegs? Noch mehr würde mich interessieren, welche Versart ich einem vom Leben abgehärteten, leicht verbitterten Mann in den Mund legen kann. Er soll nachdenklich wirken, aber auch ein wenig unbeholfen.

    Vielleicht könnte mal jemand, der sich hier auskennt, mal die Versarten "stimmungsmäßig" kurz darstellen. Ich wäre dafür sehr dankbar!

    Grüße

    Thomas
    "Man schreibt nicht, was man schreiben möchte, sondern was man zu schreiben fähig ist."
    Jorge Luis Borges


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  12. #27
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    Ich möchte ja ungern vom Kernthema dieses Fadens ablenken. Aber darf ich dennoch meine Verwunderung über die obige Frage zum Ausdruck bringen? Eine Liste über persönliche Empfindungen und Assoziationen zu bestimmten metrischen Figuren zu erstellen, mag eine spannende Sache sein, aber sollte, wer dichtet, nicht in der Lage sein, Aussagen über die Wirkung solcher Figuren selbstständig zu machen? Hat denn nicht ein Leser mit Augen, Ohren und Hirn die Möglichkeit, Stimmungen eines Verses wahrzunehmen und zu verarbeiten? Ist es nicht Teil der Sensibilität, für solcherlei Fragen völlig offen zu sein? Oder sind wir bereits so abgestumpft, dass wir die Wirkung von unterschiedlichen Versen nicht mehr wahrnehmen und bestimmen können? Wozu dann noch lange mit metrischer Form jonglieren, frage ich mich, nehmen wir doch einfach immer fünfhebige Iamben im Kreuzreim, den Unterschied merkt eh keiner.

    Nein, im Ernst, ich denke nicht, dass wir uns in dieser Frage auf das verlassen sollten, was uns schwarz auf weiß von irgendeiner seriösen oder unseriösen Quelle erzält wird. Das hier ist der Punkt, an dem wir mal wieder auf uns selbst hören dürfen/sollten und auf das, was wir selbst empfinden, wenn wir ein Gedicht lesen, ja unser Gefühl. Hört doch mal wieder auf das, was ein Gedicht in euch bewirkt!

    Wenn ich einen Text über erhabene Göttinnen schreibe, die feengleich dahingleiten und diesen Inhalt in einen vierhebigen Iambus mit starker Kadenz und Paarreim packe, dann sagt mir mein Gefühl doch, dass das nicht paßt. Ebenso dürfte es mir aufstoßen, wenn ich eine bissige Satire in Langzeilen von mindestens 10 Hebungen pro Vers verpacke. Fühle ich mich wohl beim Lesen, so wird die Form passend sein, fühle ich mcih unwohl, ist es gut möglich, dass die Form unpassend ist.

    Damit kann man doch rumprobieren/experimentieren, bis man eine Form gefunden hat, die einem passend erscheint. Im Velaufe der Zeit wird man dann (je nach individuellem Konzept) vielleicht schon bestimmte Tendenzen wissen, z.B. dass Paarreime bei Kurzzeilen eher plakativ wirken und lange Verse eher etwas Erhabeneres haben. Erfahrungen sammeln kann nur, wer sie auch macht, also geht mal wieder in euch, wenn ihr das nächste Mal ein metrisches Gedicht lest!
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  13. #28
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    Hallo,

    erst einmal danke, dass du geantwortet hast - auch, wenn diese Antwort nicht ganz wie erhofft ausfiel. Natürlich setze ich mein eigenes Sprachgefühl ein, allerdings wäre es für mich ganz nett zu sehen, ob ich mich auf mein Sprachgefühl verlassen kann. Ich habe noch nicht viele Gedichte geschrieben, mir fehlt es an Erfahrung. Ich denke, dass ich einiges an Erfahrung durch ein grundsätzlich mir eigenes Gefühl für die Wirkung von Sprache ausgleichen kann - aber etwas Unsicherheit bleibt immer.

    Aufgefallen ist mir das alles beim Lesen von Goethes Faust. Im Kommentarteil wurde immer wieder erwähnt, wie genial Goethe die Metrik variiert hat um damit die Charaktere besser herauszuarbeiten. Bei der Lektüre selbst habe ich allerdings gar nicht so auf die Metrik geachtet, mir ist das erst im Nachhinein bewusst geworden. Ich denke also, dass man sich nicht immer nur auf sein Gefühl verlassen kann und dass manchmal ein wenig Unterstützung hilfreich wäre. Gut, die Unterstützung bekommt man in diesem Forum zur Genüge. Ich selbst habe ich drei Wochen hier über das Dichten mehr gelernt als in meinem bisherigen Leben zusammen. Ich habe mir halt gedacht, dass diese eine Stütze halt noch sehr hilfreich sein könnte.

    Was man dann aus der Information macht, ist dann doch jedem selbst überlassen, nicht?

    Im Übrigen ist mir sehr wohl klar, dass ich bei meinem speziellen Fall den Jambus wegpacken kann. Diese Stufe habe ich schon mal gepackt.

    Ich werde mich jedenfalls an deinen Tip halten und selbst experimentieren - was ich ohne deine Antwort und auch bei einer Hilfestellung deinerseits in Bezug auf die Stimmungen sowieso auch getan hätte. Eine "Stimmungsübersicht" hätte mir halt nur den Einstieg etwas erleichtert, weil man dann schon konkrete Anhaltspunkte hat (zB Hausnummer: Alexandriner), von denen man ausgehen kann und die man dann nur noch dem eigenen Stil gemäß variieren muss. Für einen Anfänger ist es halt nicht allzu leicht, den Überblick über die verschiedenen Versarten zu behalten, denn ich (zumindest für meinen Teil) möchte nicht nur wohl klingende Gedichte schreiben, sondern auch ein wenig von der "Theorie" dahinter verstehen. Es ist etwas befremdlich, wenn mir ein Gedicht glückt und dann schreibt mir zB einer: "Toll, wie du hier den Pentameter einsetzt" - und ich kratze mich verlegen am Kopf und denke: "Deubel noch mal, Pentameter?"

    Aber egal, das tut jetzt nicht viel zur Sache. Die Versarten sind ohnehin schon ausführlich erklärt worden. Was mir halt noch ein wenig gefehlt hat, das ist die Wirkung dieser Versarten. Das Wissen um die Stimmungen, die sie erzeugen (können) hätte es mir auch ein wenig vereinfacht, sie im Kopf zu behalten und bei Bedarf hervorzukramen.

    Wie auch immer, ich denke mal, dass deine keine Hilfe doch eine kleine Hilfe für mich war, da ich noch mal richtig schön über den ganzen Kram reflektieren konnte. Im Prinzip stimmt es, dass sich ein jeder Dichter das nötige Rüstzeug selbst mit Müh und Plag durch trial und error erarbeiten sollte - dann bleibt es wahrscheinlich besser hängen.

    Grüße

    Thomas
    [Geändert durch Roderich am 19-08-2005 um 17:00]
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  14. #29
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    1.812
    Na ja, überleg mal, warum dir die Sache mit der Metrik bei Goethe nicht aufgefallen ist! Wäre sie dir aufgefallen, dann gehe ich jede Wette ein, dass Goethe's Faust nie zu dieser Berühmtheit gelangt wäre. Die Metrik ist etwas, das mitschwingt und sich ins Unterbewußtsein setzt, um dort bei der Erzeugung von Stimmungen mitzuhelfen. Sie erzeugt die Stimmung in jedem, egal ob der das Wort Pentameter schonmal gehört hat oder nicht.

    Wenn du nun aber davon weißt, dass man Metrik zu diesen Zwecken einsetzen kann und einsetzt, dann wirst du als Dichter demnächst, wenn du ein Gedicht liest, das dir schön und rund erscheint und dir dieses ästhetische Lustgefühl vermittelt, nach dem man sich immer sehnt, beim zweiten Blick auch einen Blick auf die Metrik werfen und dann wirst du dir allmählich einen Überblick verschaffen, egal ob du weißt, dass das Ding Pentameter heißt oder nicht.

    Sich an bestimmte vorgefertigte Muster zu halten, was das betrifft, halte ich sowieso nicht für klug. Der Pentameter oder der Iambus oder der Paarreim, dies alles sind Elemente, die zu größeren Elementen gefügt werden können und/oder aus kleineren Elementen zusammengesetzt sind. Sich an vorgefertigte Muster zu binden, versperrt einem den Blick dafür, dass man diese Elemente (sofern man das Handwerkszeug hat) frei kombinieren, variieren und komponieren kann und das ist es letztlich, was die Synthese aus Form, Sprache und Inhalt ausmacht.

    Apropos, Form, wie ich schon in meinem Essay beschrieb, ist mehr als nur Metrik. Man kann sechshebige, dreizeitige Verse schreiben, ohne dass es erhaben klingt, weil man kurze, umgangssprachliche Sätze geschrieben hat. Aber wenn du meine Meinung dazu wissen willst, Erhabenheit würde ich eher durch längere Verse, eher durch Dreizeitigkeit (also Daktylen, etc.) und eher durch komplexere Satzkonstruktionen zu erzeugen versuchen.
    --LeV

    Man sollte keine Dummheit zweimal begehen, schließlich ist die Auswahl groß genug. ~ J.P. Sartre

  15. #30
    Registriert seit
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    I <3 satchmo for this.
    Nein.

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