1. #1
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    Jugenderinnerungen

    Meine Jugendjahre
    so wie es damals war

    Ich bin im September 1927 als zweites von drei Mädchen in Steinberg bei
    Hitzendorf, Nähe Graz, geboren.
    Meine Eltern Hans und Elise haben 1921 geheiratet und die Landwirtschaft
    meiner Großmutter übernommen. Meine Großmutter hieß Elisabeth Marchel.
    Meine Eltern Hans und Elise Stern. Meine Schwester Hildeburg wurde 1925 geb.
    Schwester Elisabeth 1934 und ich, Emmie 1927.

    Meine Erinnerungen an mein Elternhaus.
    Unsere Landwirtschaft hatte ein Ausmaß von 17 ha, Wald, Wiesen und Äcker.
    Wir hatten ein Bauernhaus, wo auf der Hofseite die Weinreben das Haus
    zierten und Weinreben hatten saftige, große blaue Trauben, Heiner genannt.
    Eine Köstlichkeit.
    Als wir noch klein waren, war der Hof oft unsere Spielwiese. Am Rande vom
    Hof stand unser Brunnen, der uns das Wasser spendete. Mit einer Leitstange
    mußte es man herauspumpen. Dann gab es den Heustadl, wo ebenerdig unsere
    Kühe und Ziegen (Goasn) mit ihren Zicklein untergebracht waren. Jede Kuh
    hatte ihren Namen, Blümel, Gretl u.s.w. Innen stand ein Wasserpottich und
    Schaffeln, wovon und womit man die Kühe tränkte, wo die gemolkene Milch
    gekühlt wurde, auch die Ablaufrinne wurde mit diesem Wasser ausgespült.
    Damals wurden die Kühe noch dreimal am Tag gefüttert. Das Melken war
    reine Handarbeit, die wir auch lernten. Eine Kübel, Sechter genannt, diente als
    Gefäß für die Milch. Mit einem niedrigen Melkstuhl saß wir neben der Kuh
    und mußten zuerst mit einem feuchten Lappen das Euter reinigen.
    Bei mancher Kuh mußten wir den Schwanz festbinden, weil die Fliegen im
    Stall lästig waren und deswegen sie den Schwanz sonst in unser Gesicht schlug.

    Vater mähte täglich in der Früh, wenn der Tau weg war, das Grünfutter für die
    Kühe, wir mußten es zusammenrechen und am Schubkarren aufpacken.
    Vater führte es dann in die Futterkammer. Dort gab es einen Betonboden,
    das Futter wurde auseinandergestreut, so blieb es den ganzen Tag frisch und
    saftig. Damals wurden die Kühe noch 3 x am Tag gefüttert und getränkt.
    Kühe mußten auch arbeiten, das heißt, sie wurden vor einen Fuhrwagen
    gespannt, bekamen ein Kummet umgehängt, wo beidseits ein starkes Seil
    nach hinten führte, wo wiederum die Ortschaitl eingehängt wurden und an den
    Fuhrwagen befestigt wurden.
    So manche Last wurde so vom Acker, Wiese oder Wald nach Hause gebracht.
    Beim Ackerumbau mußten die Kühe den Pflug ziehen, den Vater hinten lenkte.
    Wir mußten die Kühe führen, bei „Hüa“ zogen sie an, bei „Hopp od. Thüwa“
    Mußten sie links oder rechts am Ackerrand einbiegen, um eben Furche für Furche
    den Acker umzubauen, um die neue Saat wieder zu bestellen. Unser Nachbar
    hatte für die Kühe kein Kummet, sondern ein Joch, das wurde ihnen am Kopf
    aufgesetzt.
    Wenn eine Kuh kalbte, half die ganze Familie, es mit viel Gefühl aus ihrem
    Körper zu ziehen. Sofort wurde es mit Stroh trockengerieben, schnell geschaut,
    ob es ein Kälbchen oder ein Stier ist. War es ein Kälbchen, wurde es gezüchtet –
    war es ein Stierl, wurde es später verkauft.
    Vater erkannte, wenn eine Kuh aufgebläht war – er schickte uns in den Wald ein
    Harnwindkraut zu sammeln und Mutter kochte daraus Tee, den die Kuh trank
    und wieder gesundete. Auch Pechöl war eine grosse Hilfe. Die Kühe brauchten
    viel Futter. Die erste Maht war das Heu, die zweite Maht das Gruamat.
    Die Heuernte war viel Arbeit. Zuerst wurde das Heu gemäht, auseinandergestreut,
    unter den Bäumen herausgerochen und in die Sonne gebracht.
    Ein paarmal wurde es mit Rechen und Holzgabel umgekehrt, am späten
    Nachmittag gehäufelt, am nächsten Tag wieder auseinandergestreut und
    wieder umgekehrt. War das Wetter schön, konnte man es gleich schwabeln
    und mit dem Heuwagen einführen.
    Dazu mußte man wieder die Kühe am Wagen vorspannen und damit auf die
    Wiese fahren. Vater gab mit seiner eisernen Gabel große Budn auf den Wagen,
    eine Person oben auf dem Wagen mußte es entgegennehmen und schön
    kantig und viereckig formen. Mit einem Wiesbaum (Wischbam) wurde die
    Fuhre festgebunden, daß sie nicht verrutscht und daß man gut nach Hause
    Kommt.
    Bis zum Tennentor wurde der Wagen hingefahren, die Kühe ausgespannt,
    der Wiesbaum gelockert und heruntergenommen.
    Vater gab mit einer großen Eisengabel bis zum offenen Erkertürl das Heu hoch.
    Oben mußte eine Person mit der Holzgabel dies entgegennehmen und zur
    nächsten Person weiterschupfen. Die nächste Person mußte am Dachrand
    alles hinunterstopfen, (das war schweißtreibend), damit im Laufe der Heuernte
    alles Platz hat.
    Eine lustige Begebenheit!
    Meine Schwester Hildeburg bei der Heuernte.
    Sie nahm 1 gehäufeltes Heu fest mit beiden Händen, machte einen
    Purzelbaum und hatte das Häufel am Kopf und trug es dorthin, wo die
    Sonne am kräftigsten schien.
    Neben dem Stallgebäude war die Streuhütte. Um den Tieren eine weiche Lagerstätte
    zu bieten, mußten wir im Wald streurechen. Das war harte Arbeit. Mit einem
    eigenen Streurechen, der kürzer war als der Futterrechen, mußte man kräftig
    am Boden arbeiten, um das Laub, was einige Jahre dort lag, hoch zu kratzen und
    ganze Blecken weiter zu tranportieren. Wenn wir schon einen ganzen Riegel
    vor uns hatten, kam Vater mit der Kraxe und trug sie zu einem Haufen im
    Wald zusammen. Es mußte etwas niedergetreten werden, nur so konnte er
    abbrennen. Da dampfte und rauchte es im Inneren.
    Nach 3 – 4 Wochen konnte man ihn vom Wald in die Streuhütte lagern.
    Laub und Kuhmist ist später der Dünger für Acker und Feld.
    Hühner machten gerne ihr Nest in der Streuhütte und legten dort ihre Eier.

    Fortsetzung folgt: die Tenne

    (Bitte keine Kommentare drunterschreiben, da noch Fortsetzungen folgen)
    Geändert von LadyChatterfield (29.01.2013 um 21:08 Uhr)

  2. #2
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    Jugenderinnerungen (2.Teil)

    Die Tenne
    Die Tenne, das war ein eigener Raum im Heustadl.
    Da stand eine Dreschmaschine und eine Winde. Hier wurde der Bauweizen getroschen und mit der Winde der Weizen vom Streu getrennt.
    Das war eine Arbeit mit viel Staub verbunden.

    Hinter dem Stallgebäudedach war auch die Presse untergebracht.
    Nach der Apfelernte mußten wir das Fallobst einsammeln. Im Coo wurde es aufgeschüttet,
    der Coo war ein Viereck aus Holz, wo am Rande ein Motor angebracht war, wo das
    Fallobst, die Äpfel heruntergemahlen wurden und in die Presse geschaufelt wurden.
    Dann mußten wir im Kreis uns drehen und die gemahlenen Äpfel niederpressen; bis der Saft
    (Apfelsaft) durch ein Abflußrohr floss. Wir steckten unsere Finger in den Saft,
    schleckten sie ab, lecker.
    Die Trester, was von den Äpfeln übrig blieb, haben die Kühe mit Maiskak (der grüne
    Stiel, auf dem die Maiskolben wachsen, zerhackt) bekommen.
    Es wurde damals alles verwertet, es gab fast keinen Abfall, was nicht in die Natur
    zurückgeführt werden konnte.

    Die Wagenhütte

    Das war ein offener Anbau an das Stallgebäude. Darin befanden sich zwei Fuhrwagen,
    die immer bei verschiedenen Arbeiten zum Einsatz kamen. Es war auch ein
    geliebter Spielplatz, als wir Geschwister noch klein waren. Da konnten wir Spielen.
    Versteckenspielen.
    Aussen am Stallgebäude waren die Kummet an der Mauer aufgehängt, daneben
    Die Goasl (Peitsche).

    Die Hundehütte

    Darinnen wohnte unser Hund, sein Name war Sedan. Er beschützte das Stallgebäude
    und war ein folgsamer Hund.
    Leider musste er in der Kriegszeit zur Musterung, er war nicht schußscheu und
    mußte einrücken. Ich sehe es in meinen Augen noch, wie er abgeholt wurde.
    Leider ist er nicht mehr zurückgekommen. Die ganze Familie war traurig.

    Der Saustall

    Gegenüber vom Heustadl war der Saustall. Jedes Jahr fütterten wir 2 – 3 Schweine.
    Großmutter und Mutter waren für die Fütterung zuständig. Wir Kinder waren zum
    Helfen eingeteilt, zum Zutragen. In einem Kessel wurden Kartoffel gekocht, wir mußten
    sie stampfen. Burgunder wurden mit einem Rebler gerebelt. Mit Kospl, das waren
    Essensreste wurde alles mit geschrotetem Getreide vermischt und so gefüttert. Zum
    Trinken bekamen sie Wasser, war genug Milch vorhanden, bekamen sie auch Milch.
    Sie hatten einen Sauhof, wo sie sich badeten, sie wurden auch gebürstet, das tat ihnen
    gut. Das waren glückliche Schweine.

    Der Hühnerhof

    Neben dem Saustall unter dem gleichen Dach war unser Hühnerstall.
    Jedes Jahr hatten wir 10 – 12 Hühner und einen Hahn.

    Im Hühnerstall gab es ein schräg angelehntes Gestell aus Holz. Schmale eckige
    Querlatten waren daran festgenagelt, wo die Hühner über Nacht aufsaßen
    und auch schliefen.
    Ein kleines Schlupfloch war der Aus- und Eingang.
    Über Nacht wurde es mit einem Schuber verschlossen. Ihre Eier legten sie tagsüber
    im Heu oder in der Streuhütte. Es kam auch vor, daß unverhofft eine Mutterhenne
    mit ihren kleinen Kücken (Wuserl) auftauchte. Sie hatte ein verstecktes Nest, wo sie
    ihre Eier legte und dann ausbrütete. Wenn eine Henne abging, wußten wir nicht,
    hat es der Fuchs oder ein Geyer geholt.
    Wenn im Jahr 2 x die Zigeuner kamen, fehlte auch öfter eine Henne.
    Unsere Hühner hatten freien Auslauf. Sie kamen bis zu unserem Wald, kratzten und
    scherten den Boden auf und fanden so manchen Leckerbissen.
    So kann man sagen, es waren auch glückliche Hühner.
    Sie wurden früh und abends mit Maiskörner, Bauweizen oder geschrotetem Getreide
    gefüttert. Eine große gusseiserne Rein stand täglich mit frischem Wasser gefüllt, wo sie
    sich stets bedienten.
    Ganz im hinteren Eck nach dem Hühnerstall stand das Clo, früher Abort genannt.
    Darüber schreib ich nicht so gerne, denn dort war oft ein unangenehmer Geruch
    und Fliegen schwirrten umher. Für die Pflege wurden Zeitungen zerschnitten
    und lagen zur persönlichen Reinigung auf.
    Damals war das eben so. Der Fortschritt kam erst später.

    Die Bienenhütte

    Vater hatte einige Stöcke Bienen, mit denen er einige Jahre Arbeit hatte.
    Bienen sind oft angriffslustig, Vater rauchte immer Pfeife, so hatte er mit dem
    Bienenvolk kein Problem. Wenn ein Stock schwärmte, saßen sie meist an einem
    Baum wie ein Zopf fest. Das war jedes Mal schwierige Arbeit, sie einzufangen.
    Das war ein Summen, wir hatten Angst. Eine Bienenkönigin kann täglich bis 2000 Eier
    legen. Es gibt viele Honigsorten. Honig ist lange haltbar und sehr gesund!

    Die Selch

    Vater baute sich selbst im Freien die Selch. Hob die Erde etwas aus, wo er heizte.
    Stellte einen Holzkasten auf, wo er das Fleisch einhängte. Er nahm dazu
    bestimmtes Holz, das nur rauchte. Ich kann mich dazu nur erinnern, daß wir im
    Laufe des Jahres immer gutes Geselchtes zum Verzehr hatten.


    Fortsetzung folgt (die Holzhütte)
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  3. #3
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    Jugenderinnerungen (3.Teil)
    Die Holzhütte

    Unsere Holzhütte war stets mit Holz gefüllt. Das war unserem Vater zu verdanken, der dafür
    sorgte. Wir hatten ca. 7 ha Wald und bei jeder Gelegenheit arbeitete Vater dort, daß wir
    keinen Winter frieren mußten. Oft denke ich zurück, was Vater alles leistete. Er reparierte
    die Werkzeuge, er pflückte das Obst, er machte Traubenwein und Most, er brannte
    Schnaps, er machte Weidenkörbe,er machte Kraxen aus Wurzeln vom Wald,er schleuderte
    Honig,er mähte die Wiesen,er pflügte die Äcker,er fütterte die Tiere und säuberte sie
    Täglich mit einem Striegel und bürstete sie, er betätigte die Futtermaschine, die Dreschmaschine,
    die Kreissäge, er löschte selbst Kalk in einer Grube für den Eigengebrauch im Haus, Stall und
    Feld,er pflanzte und veredelte Obstbäume, er baggerte einen Schacht und holte Kohle
    aus unserem Berg. Leider war sie erst 500 Jahre alt und heizte schlecht, er baute in der
    Kriegszeit einen Bunker in die Erde als Schutzwall für die Familie, war Schwerstarbeit,
    wurde krank, bekam Herzprobleme.
    Unsere Landwirtschaft war nur unseres Vaters Schaffen immer wie aus dem
    Ei gebellt . Besuche fühlten sich bei uns wohl. In der Blütezeit unserer Obstbäume war es
    bei uns wie im Paradies.

    Unser Wohnhaus

    Es war ein Bauernhaus. Damals gab es keinen Komfort. Es gab kein elektrisches Licht,
    es gab kein Bad, keine Toilette im Haus. Es war im Vergleich zu heute eher eine Behausung.
    Die Haustüre wurde mit einem grossen Schlüssel geöffnet und geschlossen. Danach
    führte ein schmaler Gang zur Küche.

    Die Küche

    Darinnen befand sich ein Tischherd, der täglich Sommer und Winter mit Holz eingeheizt
    wurde. Ein Eßtisch mit Bank und Sessel und eine Kredenz befanden sich ebenfalls.
    Ein Stockerl und ein kleines Schamerl, wo Großmutter saß und aß. Ein Backofen wurde von
    der Küche aus ebenso beschickt. In einer Ecke eine niedere kleine Bank, wo die Kospl für
    die Schweine vorbereitet wurde. Ein Wassereimer.

    Das Schlafzimmer

    Links und rechts im Inneren nach der Haustüre gab es zwei große Zimmer. Ein Zimmer
    für die Eltern, ein Zimmer für uns drei Mädchen. Von der Küche weg war ein kleines
    schmales Zimmer für die Großmutter. Da stand nur ein Bett, ein kleiner Tisch und ein
    Sessel. Im Kasten hingen spärlich ein paar Kleider, am Boden ein paar Schuhe. Ich nähte
    damals für Grossmutter eine Halbschürze, sie hat sich so gefreut.
    Ich war 12 Jahre, ich lief in den Wald, pflückte für sie Heidelbeeren (Schwarzbeeren damals
    genannt) die ihr so schmeckten. Großmutter haben wir Mutter genannt, Mutter war
    unsere Mami.
    Das Elternschlafzimmer war groß, hell und freundlich. Es standen im Schlafzimmer
    Möbel aus Holz mit altertümlichen Verzierungen darinnen. Ohne Firlefanz, es war
    schnell aufgeräumt.
    Unser Mädchenzimmer war heimelig, jeder hatte sein Bett. Elisabeth, die um 7 Jahre
    jünger war, schlief in einem kleineren Bett. Sie hatte in der Nacht oft Angst, träumte
    von Schlangen – sagte, Emmie kann ich zu dir hinauf, ihr Bett stand hinter dem meinen.
    Ich erlaubte es ihr und so schliefen wir beide zusammen. Im Zimmer hatten wir ein
    Pölleröferl, wenn wir im Winter heizten, wo das Rohr glühend rot wurde und ein
    gespenzigstes Licht an die Zimmerdecke warf. Schnell war es warm, aber auch wieder
    kalt. Unser Zimmer hatte eine Türe zu Großmutters Zimmer und das war für uns
    angenehm. Großmutter liebten wir.
    Damals in den 40er und 50er Jahren war am Land noch alles schlicht und einfach.
    Wir hatten nie das Gefühl, daß uns etwas fehlt. Die Arbeit von Damals:

    Wäschewaschen

    Alle drei Wochen wurde bei uns die Wäsche gewaschen. Die schmutzige Wäsche
    Wurde auf der Bodenstiege gelagert. Einen Tag vor dem Waschgang wurde der
    Zuger, das war eine längliche Holzwanne, aus dem Keller geholt. Die Wäsche wurde mit
    einem Einweichmittel z.B. Henko, eingeweicht. Am Morgen des Waschtages standen
    wir schon um 5 Uhr in der Frühe auf. Zuerst wurde der Kessel eingeheizt. Die eingeweichte
    Wäsche wurde mit Kernseife vorgewaschen, gut eingeseift und im kochenden Wasser
    im Kessel gekocht. Frauenlob hieß das Mittel für die Weißwäsche. Danach wurde sie
    zweimal mit klarem Wasser geschwemmt. War Wassernot, stellten wir die Wäsche
    in Kübeln und Weitling auf den Fuhrwagen, spannten eine Kuh davor und fuhren
    damit zum Bach. Dort wurde die Wäsche im fließenden Wasser geschwemmt. Das Wasser
    war kalt, wir mußten barfuß hineinsteigen. Dann ging der Weg wieder umgekehrt nach
    Hause. Schwemmten wir die Wäsche zu Hause, gab man zum Wasser Waschblau dazu,
    die Sonne ließ die Wäsche dann weiß strahlen. Die Bettwäsche wurde am Wannenrand
    auch mit der Hand geschlagen, so wurde sie rein. Auf einer Wäschehänge, die Vater
    aus Holz fabrizierte, die mit Schnüren bespannt war, da hängten wir die Wäsche auf.
    Wo Obstflecken oder Kernöl nicht herausging, legten wir sie einfach auf der Wiese auf,
    wo die Sonnenstrahlen sie hell bleichten.
    Die blaue Wäsche wurde mit Feinwaschmittel schonend gewaschen und gleich verfahren.
    War die Wäsche trocken, wurde sie sorgfältig abgenommen und zusammengelegt.
    Der Bügeltag.
    Meist war ein regnerischer Tag der Bügeltag.
    Die Wäsche wurde teilweise mit Wasser vorher eingespritzt. In der Küche wurde der
    Tischhherd geheizt. Am Küchentisch wurde ein Bügeltuch ausgebreitet, darauf wurde
    gebügelt. Ein schweres eisernes Bügeleisen, wo im Inneren ein Stachel war, das war dafür
    geeignet. Der Stachel wurde hinten vom Bügeleisen herausgenommen, wo ein Schuber
    war zum Öffnen und Schließen. Der Stachel wurde ins Feuer gelegt, bis er ganz glühend
    war. Mit einem eigenen Hacken wurde er herausgenommen, ins Bügeleisen gegeben
    und nun konnte man bügeln. Heute ist solche Arbeit nicht mehr denkbar. Obwohl es heute
    fast für jede Arbeit Maschinen und Geräte gibt, hat man weniger Zeit.

    Das Mittagessen

    Jeden Tag mußte der Tischherd Sommer und Winter geheizt werden. Um 10 Uhr wurde
    für das Mittagessen im Sommer schon Feuer gemacht. Zuerst wurde die Suppe aufgestellt.
    Oft gab es Erdäpfelsuppe, Gemüsesuppe mit selbstgemachten Nudeln. Mami machte
    Einlagen, die Strudel für die Suppe: sie machte den Teig selbst, zog ihn hauchdünn aus.
    Semmel schnitt sie zu Würfel, gab ein Gemisch von Ei und Milch darüber. Im Fett die
    Petersilie kurz angeröstet und alles gut verrührt und auf den ausgezogenen Strudelteil
    gestreut, eingerollt und gebacken. Ihre Pflanzln waren berühmt, die in der Suppe hoch
    aufgingen. Eine Hochruckensuppe war eine Köstlichkeit. Selbst eine Bohnensuppe war
    lecker.
    Das Hauptgericht. Das Mittagessen war auch oft wegen Zeitmangel sehr einfach.
    Eine Schüssel abgeschmalzte Bohnen und dazu einen Kaffee, das schmeckte uns gut.
    Geselchtes mit gerösteten Erdäpfel und Kraut war ein gutes Bauernessen.
    Kaiserschmarren mit Zwetschkenröster oder Zwetschkenknödel, oder Apfel- oder
    Zwetschkenstrudel. Großmutter und Mami backten Kernölkrapfen im Kernöl heraus,
    die waren köstlich. Gut essen ist lustig, war Großmutters Spruch. Nachspeise wie heute
    üblich, gab es früher nicht. Frischfleisch gab es nur beim Schlachtag.
    Die Bauern haben früher einfach gelebt, sie waren schlank und gesund!
    Am Abend gab es oft Sterz und dicke Milch.


    Fortsetzung folgt (Feierabend)
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  4. #4
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    Jugenderinnerungen (4.Teil)

    Feierabend

    Wir waren zum Arbeiten in unserer 17ha großen Landwirtschaft fünf Personen.
    Vater, Mutter, Großmutter, Hildeburg und ich (Emmie), Elisabeth lernte
    Verkäuferin in Graz in der Annenstraße bei der Firma Holz.
    Wir machten alle Arbeiten verteilt mit Leichtigkeit und hatten Freitag nachmittag
    schon halben Feiertag.
    Samstag und Sonntag mußten nur alle Tiere gefüttert werden.
    In der Landwirtschaft war Ruhetag.
    Bei uns war ein gastfreundliches Haus, die Leute von der Nachbarschaft kamen
    gerne zu uns. Vater spielte mit seiner steirischen Harmonika, wir tanzten zu
    seinen Melodien, wir waren eine richtig fröhliche Familie.

    Theater

    Meine Eltern gaben uns „Dreimäderlhaus“ viel Freizeit. Sie haben uns mit viel
    Verständnis grenzenlos unterstützt. Meine Schwestern und ich, wir hatten eine
    schöne Jugendzeit. Wir spielten Theater. Hilde war das Fränzele, ich der
    Pirzelhuber. Im Wirtshaus Trattner, Stegwirt, hatten wir die Aufführung.
    Als Einleitung sangen Hilde und ich das Lied „In der Oberwölzer Pfoar“. Die Besucher
    klatschten. In der Zeit damals in den 40er Jahren, da gab es fast nichts an
    Unterhaltung. Wir waren eine selbst zusammengestellte Gruppe. Viele Leute
    sind zur Aufführung gekommen, darunter Vater und Mutter, Herr und Frau Spöttl,
    Freundin Trude. Es war für uns eine Herausforderung, doch nach dem Gelingen
    eine große Freude.
    Das Bild ist der Beweis.
    Vielleicht kann ich es, der Schreiber hier, noch nachträglich einfügen
    Von den Eltern hatten wir die Fahrräder. Ich hatte ein 26er Fahrrad, das hatte
    kleinere Räder, war niedriger, für mich bestens geeignet.
    So konnten auch wir mit den anderen Freunden Sonntagsausflüge machen.
    Wir waren immer eine ganze Gruppe, es war lustig.
    Das Bild zeigt eins in Mantscha bei Gasthaus Provnjack
    Vielleicht kann ich es, der Schreiber hier, noch nachträglich einfügen

    Weihnachten

    Früher war Weihnachten sehr besinnlich. Ich war ein Mädchen mit 10 Jahren, da
    kann ich mich ans Kekse backen erinnern. Teilweise wurden die Kekse mit einem
    kleinen Loch in der Mitte gebacken, damit man sie auf den Weihnachtsbaum
    hängen konnte. Es wurden nur Kekse und Äpfel auf den Baum gehängt und er (ca 75 cm groß) wurde in der Stubn (unser Kinderzimmer) aufgehängt an einem Hagl (Haken) am
    Plafond (Zimmerdecke).
    Da dufteten die Kekse verführerisch.
    Die Kekse zum Genuß wurden weder gefüllt noch glasiert.
    Es gab noch die Nußpotize. Würde man heute nach über 7 Jahrzehenten noch so
    zur Weihnachtszeit backen, bliebe viel Geld erspart und die Leute wären gesünder.
    Als ich zum Weihnachtsfest ein dunkelblau glänzendes Strähn Wolle einmal bekam,
    habe ich mich darüber so sehr gefreut. Können das Kinder von heute noch?
    Ich habe mit dieser Wolle meine Socken selbst gestrickt und ich glaube, ich habe
    die Liebe zur Handarbeit deshalb ein Leben lang gepflegt.
    Weihnachten war bei uns mit Schnee und Schlittenfahren verbunden. Konsumkäufe
    gab es damals nicht. Wir bekamen das, was wir wirklich brauchten. Es fehlte uns
    nichts. So bescheiden war das Leben wunderschön.
    Noch eine Episode:
    Wenn der Christbaum abgeleert war, wurde er draussen in den Schnee gesteckt.
    Er wurde behalten, bis er ganz dürr war. Dann machte Vater einen Quirl daraus,
    den Mami das ganze Jahr in der Küche benützte. Der Rest vom Geäst wanderte in
    die Holzhütte und wurde verheizt. Es gab keinen Abfall. Der Baum kostete nichts,
    er wurde im eigenen Wald geholt.


    Fortsetzung folgt (Brotbacken)
    Bitte keine Kommentare darunterschreiben, es folgen noch Fortsetzungen.

    Und die Fotografien schwarzweiss werden vielleicht eingefügt, aber ich muß erst schauen, ob das klappt.



    Am mittleren Bild ganz links außen Hildeburg und die 5. von rechts ich, Emmie
    Am letzten Bild links außen Hildeburg und ich bin die 3. von rechts.
    Geändert von LadyChatterfield (29.01.2013 um 21:06 Uhr)

  5. #5
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    Jugenderinnerungen (5.Teil)

    Brotbacken

    Alle 14 Tage haben wir unser Brot selbst gebacken. Das Getreide hatten wir von
    unserem Grund und Boden, das heißt: von unseren Äckern selbst geerntet. Haben
    es gedroschen, die ganze Familie war dazu eingeteilt. Gedroschen und gewindet
    und es wurde am Hausboden in viereckigen Truhen gelagert. Wenn das alte
    Mehl zu Ende ging, sind wir mit dem Fuhrwagen und einer Kuh vorgespannt zur
    Mühle gefahren und haben unser Getreide zu Mehl umgetauscht.
    Eine Gebühr fürs Mahlen mußten wir bezahlen. Dann ging die Fahrt mit Fuhrwagen
    wieder zurück. Das Mehl war in Mehlsäcke gefüllt, die Vater auf den Hausboden
    hinauftrug.
    Wenn Backtag war, wurde am Vortag das Mehl aus den Mehlsäcken entnommen
    und in der Küche in ein Multerl, das war ein kleinerer Holztrog, gegeben. Es wurde
    ein Dampfl mit Sauerteig angerührt und in eine Vertiefung im Mehl gegeben
    und zugedeckt über Nacht.
    Am Morgen kneteten einmal Hilde, das nächste Mal wieder ich, alles mit warmen
    Wasser, Salz und Kümmel oder Anis zu einem Teig. Mami zeigte uns, wie weich oder
    wie fest der Teig geknetet wird. Mit der Zeit brauchten wir diese Hilfe nicht mehr.
    Wir mußten, wenn wir mit unseren Händen runde Ballen formten, sie in ein
    Loatzkörbl, das mit einem gemehlten Tüchlein ausgelegt war, hineingeben.
    Schön gleichgeformt mußte der Teig zur doppelten Höhe aufgehen. Inzwischen
    wurde der Backofen eingeheizt. In der Küche war im Fußboden eine Vertiefung,
    wo man hineinsteigen konnte, wo man den Backofen, das war ein mit Ziegel
    gemauertes Fach wie ein Rechteck in die Mauer hinein, sehen konnte. Vater hat
    meterlange Scheiter gemacht, mittels Späne und Papier wurde eingeheizt. Wenn die
    Scheiter verglüht und verkohlt waren, wurden sie rechts oder links an die Seitenwand
    Geschoben, die Brotlaibe wurden auf die Brotschaufel verkehrt hinauf geleert und
    man konnte sie einschießen. So hat man damals gesagt. Die Laibe wurden mit einem
    Schwups von der Schaufel, die man in den Backofen einführte, hineingegeben. In
    1 ½ Stunden waren die Brotlaibe gebacken. Mit einem Schuber, das war ein
    eigenes Gerät, holte man das Brot heraus, die Küche duftete nur so.
    Wie Mutter und Mami das alles schafften, die richtige Temperatur, den richtigen
    Zeitpunkt zu wählen, ist schon bemerkenswert.
    Wir brauchten nie Brot kaufen, das Bauernbrot schmeckte frisch, ebenso wenn es
    älter war.
    Das Multerl wurde sorgfältig vom Teig ausgeschabt und wurde in ein kleines
    Schüsserl gegeben, das war wiederum das Dampfl (der Sauerteig für die nächste
    Backzeit).
    Heute gibt es nur mehr die elektrischen Backöfen. Das Brot von damals kann man
    an Köstlichkeit nicht überteffen.
    Im Keller hing an der Decke ein Eisengestell, dort wurden die Laibe aufbewahrt,
    da blieben sie saftig und gut.
    Die Modernisierung in allen Bereichen läßt nicht mehr zu, so einfach und zufrieden
    zu leben wie damals vor 6 – 7 Jahrzehnten. In meinem Leben wird mir diese Zeit immer
    in Erinnerung bleiben. Dankbar blicke ich zurück an meine schöne Jugendzeit !!!








    (Es waren dies Jugenderinnerungen meiner im Sept. 84 Jahre alt gewordenen Mutter, die sie mir
    zu Weihnachten 2011 geschenkt hat und die ich hier niedergeschrieben habe, da sie einen
    Einblick in die Zeit vor mehr als 70 Jahren geben).



    Meine Mutter (i.d.Mitte) mit ihren zwei Schwestern, Foto entstand vor einigen Jahren, als sie
    noch nicht achtzig Jahre alt war - sie amüsierten sich wie in der gemeinsamen Jugendzeit.


    Jugenderinnerungen - Fortsetzung zu Erzählung (18.1. - 21.1.2012)



    Die Feldarbeit, so wie es damals noch vor 6 - 7 Jahrzehnten war.


    Weizen - im Volksmund "Bauwoaz" genannt, "Anbau und Ernten".
    Der Weizen wurd vom Vater gesät. Er nahm in seine blaue Halbschürze "Fiata" genannt, das Saatgut,
    die Weizenkörner hinein, säte mit der Hand so ca. 2 m breit den Weizen von einem Ende zum anderen
    Ende des Ackers auf die Erde. Bei einem großen Acker mußte er öfter hin und her gehen und säen.

    Wenn diese Arbeit vollbracht war, wurden die Kühe vor die Egge gespannt und der Weizen in die Ackererde eingeeggt.
    Je nach Witterung kam die Saat grün zum Vorschein. Die Sonne ließ dann den Weizen in die Höhe wachsen, bekam große Ähren und leuchtete alsbald gelb vom Acker. Er war reif und es kam die Zeit zum Ernten.

    Das Bauwoazschneiden:
    Wenn die Sonne heiß vom Himmel schien, war es harte Arbeit.
    Vater mähte mit einer eigens dafür gerichteten Sense, sie hatte einen Lattenschutz, daß das Getreide
    gleichmäßig niederfiel, das Getreide an. Wir Kinder mußten dazu die Bandln machen, die dienten dazu,
    daß man eine Garbe damit binden konnte. Ein Schippl Stroh, was man in der Hand halten konnte,
    wurde abgeknickt, links und rechts davon Stroh seitwärts gebogen, ein Teil nach hinten, so wurde es niedergelegt. Darauf mußten die Personen, die eine Garbe mit einer Sichel nach Vaters Anmahd
    aufhoben, darauflegten, gleich mit den Bandln zusammenbinden.
    Den Schweiß mußte man oft von der Stirne wischen, bis der ganze Acker niedergemäht und die Garben gebunden waren. Dann wurden die Garben zu einer Reihe zusammengetragen. das war Arbeit für uns Mädchen.

    Jetzt kam das Deckeln
    6-8 Garben wurden im Kreis zusammengestellt und oben zusammengedrückt. Eine schöne große Garbe wurde abgeknickt und wie ein Hut auf die Garben gesetzt. Dieser Hut hielt die Garben zusammen und sie konnten so am Acker trocknen. Abgeknickte Ähren und die zu Boden gefallen sind, wurden zusammengeklaubt und der Acker fein säuberlich zusammengerochen.
    Wenn das Wetter schön war, war das Getreide in einer Woche zum Einführen. Dazu mußte man die Deckeln auseinandernehmen und mittels Fuhrwagen, mit Kühen vorgespannt, nach Hause in die Tenne bringen. Am Heuboden wurden oben sie gelagert.

    Das Dreschen
    Vater mußte die Vorbereitung machen. Die Dreschmaschine mußte richtig aufgestellt werden, verbunden mit dem Benzinmotor. Der Heuboden hatte oben eine viereckige Öffnung, eine Person mußte dort die Garbenbandl aufschneiden und wenn der Motor eingeschaltet war, diese geöffnete Garbe Vater hinunterreichen.
    Bei jeder Garbe war das ein Zischen und Rauschen, wenn sie in die Dreschmaschine eingeführt wurde. So wurde der Weizen vom Stroh getrennt. An der Vorderseite der Dreschmaschine mußte eine Person das Stroh entgegennehmen und beiseite tun. Seitwärts gab die Dreschmaschine den reinen Weizen frei. War alles viel Arbeit, aber das war unser tägliches Brot.

    Das Winden
    Der Weizen mußte nochmals gesäubert werden. Die Winde, ein Gerät, wurde händisch betrieben. Der Weizen wurde oben eingeschüttet. Mit einem Griff an der Winde wurde gedreht, so daß der Staub und Unreinheiten noch entfernt wurden. Das warf die Winde seitwärts aus.
    Vater trug dann den Weizen in den Dachboden hinauf, lagerte ihn in viereckige Truhen, die eigens dafür gerichtet waren. Unser Getreide war ohne künstlichen Dünger, wir waren Selbstversorger, hatten eine gesunde Lebensweise.



    Der Kukuruz, im Volksmund "Woaz" genannt.
    Anbau und Ernte
    Der Kolben (Striezel) vom Vorjahr wurde abgerebelt und die Körner als Saatgut verwendet. Im gepflügten und geeggten Acker wurde die Körnersaat mittels einer Setzmaschine eingezogen. Oben wurde die Saat eingefüllt. Vater führe mit beiden Händen (rückwärts?) hinten die Maschine. Zwei Personen vorne zogen sie und die Samen kamen
    ca.2 cm unter die Erde. Wenn der Kukuruz ca. 10 cm gewachsen war, konnten wir ihn das erste Mal durchhauen. es gab die Gasse und die Woazzeilen. Beim zweiten Mal Hauen, konnten wir den Kukuruz vereinzelnen, wenn er zu dicht stand.
    Wir Mädchen durften nur die Gassen hauen, weil die zarte Pflanze bei uns noch in Gefahr war. Beim dritten Mal hauen wurde er angehäufelt. Jetzt konnte er in die Höhe wachsen. Wenn der Acker mit Kuhmist gut gedüngt war, wuchsen die Stengel saftig grün hoch und setzten große Kolben (Striezel) an. Jetzt hatte er Ruhe bis zum Reifen. Alsbald leuchteten die Striezel gelb vom Feld. Es kam die Zeit zur Ernte.
    Ein Fuhrwagen wurde mit einer Kuh zum Ackerrand gestellt. Jetzt begann die Ernte. Jede Person mußte zwischen zwei Zeilen links und rechts den Striezel vom Stiel abknicken und mit der Hand wegbrocken und in einen Korb geben, den
    wir oft ein Stück nach vorrücken mußten. War ein Korb voll, wurde er auf den Wagen geleert. Vater half uns, er leerte die Körbe oft in seine Krage, für uns zur Erleichterung. War diese Arbeit getan, wurden die Kühe geholt und der Kukuruz (Mais) nach Hause bis zum Tennentor gefahren und dort abgestellt.
    Mit einem "Coost", das war ein Werkzeug mit einem Stiel, vorne mit 2 Hacken wie Zähne in einer (verkehrten U-form),
    damit konnte man die Striezel leicht vom Fuhrwagen herunterziehen und in einen Korb fallen lassen und in der Tenne zu einem Haufen zusammenschütten.
    Dann war "Woazschäln" angesagt.
    Wir haben die Nachbarn eingeladen und gebeten, zu uns zum Woazschäln zu kommen, so ab 7 - 1/2 8 Uhr abends.
    Vater machte um den Kukuruzhaufen eine niedere Sitzgelegenheit mit langen Brettern, von wo man die Striezeln
    gut und bequem erreichen konnte. Einige Tage haben sie in der Tenne gut abgelegen, so konnte man jetzt die Flegen, das sind die Blätter am Striezel, leichter entfernen. Zwei - vier Flegen wurden am Striezel gelassen, der Rest wurde weggezupft. Am Haufen wurden Körbe hinaufgestellt, wenn sie voll waren, wurden sie in Vaters grosse Krage geschüttet, wo sie Vater und ein Nachbar knüpften.
    Das war eine eigene Technik, "Woazschäln" war Arbeit und Unterhaltung zugleich. Es wurden Geschichten und Witze erzählt, es wurde viel gelacht.
    Zwei - drei Stunden gingen im Flug vorbei und der große Haufen war weg. Dann wurde gutes selbstgebackenes Weißbrot mit Rosinen verteilt, was Mutter gebacken hatte. Vaters selbstgepresster Wein mundete. Ein Stamperl von dem Zwetschkenschnaps durfte auch nicht fehlen. Das nächste Woazschäln war dann bei den Nachbarn, wo wir eingeladen wurden und gerne halfen.
    Der Kukuruz wurde dann auf den Hausboden getragen, wo innen an den Dachziegeln schmale Latten befestigt waren, dort wurde er drübergehängt und konnte gut trocknen. Bei Bedarf wurde er dann heruntergeholt und wieder abgerebelt oder gemahlen. Abgerebelt und geschrotet war das Futter für die Tiere. Abgerebelt, im Backofen getrocknet, dann gemahlen, da bekamen wir einen guten Sterz, den "Prinzerlsterz". Der so gut geröstet war und deshalb so gut duftete und dann schmeckte.
    Die Arbeit am Acker war aber noch nicht zu Ende. Mit einer Sichel wurden die "Woazstauden" nun geschnitten,
    3 - 4 Stengel mußte man nach vorne greifen, sie zurückziehen und gleichzeitig schneiden. Man legte sie schippelweise
    zusammen, um sie später zu einem Schober zusammenzustellen. Der Schober mußte auch trocknen und konnte dann eingeführt werden. Mit der Futtermaschine geschnitten, war das Kack für die Tiere. Die Frauen von heute haben in der Landwirtschaft nicht mehr diese Arbeit zu verrichten, es gibt für alles Maschinen.

    Erdäpfel anbauen und ernten
    Der vorbereitete Acker, gepflügt und geeggt, war Voraussetzung. Zuerst wurde dann am Acker mit einer Kuh und einem Setzpflug Furchen gezogen. Eigene Erdäpfel wurden vom Keller geholt, aussortiert, die "Besten" genommen.
    Die "Großen" wurden durchgeschnitten. Mit einem Kübel voll Saatgut ging man den Furchen Schritt für Schritt entlang und legte jedes Mal einen Erdapfel dazwischen. Wenn der ganze Acker gelegt war, machte man die Furchen mittels eines Rechens mit der Erde zu. Wenn die Erdäpfel Volumen annahmen, wurden sie ebenfalls zwei mal gehaut und dann mit einem Häufelpflug, wieder vorgespannt eine Kuh, angehäufelt. Jetzt brauchten sie gute Wetterverhältnisse bis zur Ernte. Ein blühender Erdäpfelacker war schön. Wenn das grüne Kraut der Erdäpfel schon gelb und unschön war, ging es ans Erdäpfel klauben. Mit der Sense wurde zuerst der Acker vom Kraut abgemäht und ausgerochen. Dann kam wieder die Kuh zum Einsatz. Mit dem Pflug, den Vater lenkte, vorne eine Person, die die Kuh gut führte, so wurden die
    Erdäpfel aus der Erde geholt (ausgebaut). Jetzt erst ging es, die Erdäpfel einzusammeln. Man nahm einen Korb oder Eimer, gab die Schönen hinein, angeschnittene durch den Pflug oder die Kleinen wurden zuerst liegen gelassen. In Säcken (Jute) gefüllt, wurden sie auf einen Fuhrwagen geladen und mit der Kuh nach Hause gefahren, im Keller ausgeleert und gelagert. Zum Schluß wurden die angeschnittenen und kleinen Erdäpfel zusammengeklaubt. Sie wurden bald den Tieren gefüttert, weil sie keine Haltbarkeit hatten. An so einem Tag fiel man schon müde ins Bett, wir hatten gute Arbeit getan.

    Der Kürbisacker - Anbau und Ernte
    Der Kürbisanbau erfolgte bei uns auf einem Biefn. Das war ein schmaler langer Acker, der gut mit Stallmist gedüngt war. Im Abstand von ca. 1m wurde mit der Haue im Acker eine Vertiefung gemacht. Mit Stallmist ein paar Gabel voll hineingegeben, etwas festgedrückt, etwas Erde drüber, dann ca. 5 - 6 Kerne drauf und nochmals mit Erde bedeckt (Die Kürbiskerne wurden vorgekeimt in feuchter Sägespäne in ein Tuch eingeschlagen und an einem warmen Ort aufgestellt, wo sie bald keimten). Nach dem Aufgehen am Acker wurden vier-fünf schöne Pflanzen stehen gelassen, der Acker durchgehaut, die Pflanzen mit Erde angehäufelt. Bis zur Reife mußte es man nochmals tun. Wenn die Kürbisse dann grün und gelb vom Acker leuchteten, war die Erntezeit da. Es gab sie in Hülle und Fülle. Man mußte die Früchte zuerst von den Kürbisreben trennen, dann wurden sie zu einer Reihe zusammengetragen. Dann wurden sie auf einen Fuhrwagen aufgeladen und mit Kuhgespann nach Hause gebracht.
    Im Hof wurden sie zu einem großen Haufen abgeladen. Das Zusatzfutter für unsere Tiere war somit gesichert. Auch wir bedienten uns für die Küche und machten ein leckeres Gericht daraus. Alle Tage saßen wir mit einem Schemel am Haufen und hackten eine große Zahl an Kürbissen auseinander. Die Kerne haben wir herausgeputzt und haben sie im Freien auf einem Ladenstoß getrocknet. Wenn der ganze Kürbisberg im Laufe der Zeit zu Ende ging, meldeten wir uns bei der Sanzmühle von "Peter Birnstingl" an zur Ölpresse. Die getrockneten Kerne füllten wir in Säcke und mit Kuh und Furhwagen und Ölkannen ging die Fahrt zur Mühle. Ein Mann bediente dort die Ölpresse. Die vorgetrockneten Kerne wurden nochmals bei bestimmter Temperatur geröstet. Dann wurden sie in die Ölpresse geschaufelt und mit runden Scheiben abwechselnd fest niedergepresst. Bald floß das "grüne Gold" in unsere Kannen, die wir untergestellt hatten.
    Ein unbeschreiblicher Duft vom Kernöl drang in unsere Nasen. Der ausgepresste Rest der Kerne, so groß und rund wie die Pressscheiben, das war der Kürbiskäse, den dann die Tiere zum Füttern gereicht bekamen.
    Es wurde alles verwertet.

    Burgunderrübe
    Eine längliche Rübe, das waren die Burgunder, zum Verzehr für Schweine und Rinder.
    Der Samen wurde genauso wie der Kukuruz mit der Setzmaschine eingezogen. Wenn sich ihre Blätter färbten, waren sie gross genug, mußte man sie von der Erde herausziehen, zu einem Kranz rund zusammenlegen. Mit einem Messer und einem kleinen Schamerl ging es ans Werk. Die Burgunder wurden von der Erde abgeputzt, die gelbgrünen Blätter weggeschnitten. Bei dieser Arbeit konnte man auf dem Schamerl sitzen, sonst hätte man sich laufend bücken müssen. War die Arbeit vollbracht, wurden die Burgunder nach Hause transportiert, im Keller als Futter für die Tiere im Winter gelagert.


    Das Bohnenraffen
    Im Kukuruzacker haben wir Buschbohnen angebaut. Wo ein bisschen freier Abstand zwischen den einzelnen Kukuruzstengeln war, haben wir 5- 6 Kerne Bohnensamen in die Erde gegeben. Wenn das Bohnenkraut frisch
    aus der Erde sprießte und wuchs, wurde es mit Vaters selbstgelöschtem Kalk gespritzt, weil sonst die Rehe sich bedienten. Wenn die Bohnen schon raschelten und reif waren, haben wir sie gerafft. das heißt, wir haben sie aus der Erde gezogen, schippelweise aus dem Acker getragen, um sie dann mit dem Schubkarren nach Hause zu bringen.
    Vater hat zu Hause Hiefeln aufgestellt, wo wir sie aufschieberten, wo sie trocknen konnten.
    Mit einem Dreschflegel hat er in der Tenne händisch mit Kraftanstrengung die Bohnen gedroschen, wir haben sie
    aussortiert. So hatten wir schon wieder ein natürliches gesundes Lebensmittel, was man heute sehr vermißt!

    Eine ähnliche Arbeit:
    Das Wickenraffen
    Heute bin ich 85 Jahre. Als ich jung war, da gab es bei uns keinen künstlichen Dünger. Deshalb fielen solche Arbeiten wie das Wickenraffen dringend an. Bei einem großen Getreideacker viel Arbeit. Ein Kraut, das dem Weizen weh tat, waren die Wicken, sie schlängelten sich auf den Weizen und zogen ihn sogar zu Boden, was die Ernte stark beeinträchtigte.
    Deshalb haben wir die Wicken händisch gerafft, einfach aus dem Acker herausgezogen, das tat dem "Bauwoaz" gut und brachte reiche Ernte ein.

    Der Hausgarten
    Ein großer Garten gehörte zu jedem Bauernhaus. Eine einfache Einzäunung war notwendig, denn Rehe und Hasen kamen nachts auf Besuch und sie machten dann all die Arbeit zunichte. In einem Bauerngarten, da wuchs alles durcheinander. da gab es unter den Blumen den Salat, den Großmutter mit Bast zusammenband, damit er zart und gelb wurde. In einer Ecke die wunderbaren Stockrosen. Gurken, Möhren, Sellerie, Karfiol, Paradeis - alles wuchs um die Wette. Selbst einen Obstbaum konnte man in einem großen Garten finden. Alles wuchs wie Kraut und Rüben. Auf Suppenkraut legte man große Aufmerksamkeit. Petersil und Schnittlauch, Thymian und Majoran. Eine ganze Reihe Bohnenstangen hat Vater aufgestellt und Mutter setzte die Samen. Da hatte Reh und Has keine Chance.
    Zu Mittag abgeschmolzene Bohnen mit Kaffee, das mundete uns.
    In der Nähe vom Garten gab es ein Bründl, von dort holten wir das Wasser. Da lag ein Schöpfer bereit, da konnten wir unsere Gießkannen damit füllen und den Garten gießen. Bartnelken und Löwenmaul blühten im Überfluß.

    Das Landleben war damals mit viel Arbeit verbunden, es gab trotzdem Freizeit, die Welt war dazumal lebenswert und einfach "Wunderschön"!


    Ende

    Geändert von LadyChatterfield (Heute
    Geändert von LadyChatterfield (29.01.2013 um 20:43 Uhr)

  6. #6
    Registriert seit
    Sep 2011
    Ort
    Im schönen Westfalenland
    Beiträge
    199
    Hallo Lady Chatterfield,

    danke, dass du uns an deinem Geschenk teilhaben lässt.
    Schon als Kind habe ich gerne Geschichten aus alten Zeiten gehört und selber durfte ich als ehemaliges Stadtkind auf einem kleinen Bauernhof bei uns in der Nähe erleben, wie noch Butter in einem Fass zubereitet wurde, was Selbstversorgung heißt, wie Tiere aufwachsen und mehr.
    Deine Mutter hat sich nun die Mühe gemacht, dir ihre Kindheit mit allen Details, den Sitten und Gebräuchen dieser Zeit und den Freuden aufzuzeigen.
    Viele Begriffe wären mir ohne Übersetzung fremd gewesen, aber mit der Übersetzung deinerseits durfte auch ich nun einen Moment in diese Zeit eintauchen, in die du mich mitgenommen hast.
    Schön, wenn so die Erinnerungen erhalten und weitergereicht werden und dafür danke ich dir.


    LG
    Minos
    Falschen Menschen kann man nichts Falsches sagen

  7. #7
    Registriert seit
    Nov 2008
    Beiträge
    9.876

    Jugenderinnerungen

    Liebe Evelyn,

    habe die Geschichte Deiner Mutter mit großem Interesse gelesen und mich dabei auch an meine Kindheit in Schwaben erinnert. Vieles war damals ähnlich. Mein Vater war Landarzt und mein zweites Zuhause war der Bauernhof in der Nachbarschaft. Als ich 11 war sind wir nach Westfalen umgezogen. Es war für mich eine Katastrophe.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  8. #8
    Registriert seit
    Feb 2006
    Ort
    Im Herzen des Vogtlandes
    Beiträge
    5.090
    @Lady

    Ja, danke. Interessante Erzählung. Ich war auch auf der Suche zu Parallelen aus meiner Kindheit. Nun, ein paar fand ich, wo ich als Kind in der Schulferienzeit, oft in Schneeberg (Erzgebirge), bei Opa, Oma und Onkels auf Besuch war. Schöne Zeit.
    Nun Danke, hat mir gefallen.

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  1. Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 07.05.2012, 21:24

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