Frauenfreundschaften sind selten. Meine Freundschaft mit Anne-Charlotte ist genauso einzig wie kurz.
Sie endete, als ich ihre Telefonfonnummer in der Tasche meiner Jeans im Kochprogramm wusch.

Sie versteht kein Französisch, aber sie können Deutsch mit ihr reden.

Ich absolvierte ein Praktikum in einer Privatklinik, freute mich auf Anne-Charlotte, ein Jahr älter als
ich, eine Schwedin. Sie war so schön, daß man das Atmen vergaß. Ich erklärte ihr die morgendlichen
Arbeiten, auf Deutsch. Ihr Blick war zornig, wie der Blick eines blonden Engels. Sie sagte kein Wort,
half mir auch nicht, blieb trotzig stehen und tat einfach nichts, aber es gab viel zu tun.

Ich nahm eine Spritze, füllte sie mit Wasser, öffnete das Fenster und bespritzte jeden, der unten
vorbeilief. Sie lachte. Nahm die Spritze, und spritzte.

Do you speak English?

Das Eis war gebrochen. Die Etagenchefin hatte sich getäuscht, sie sprach kein Deutsch, oder wollte
es nicht sprechen, sondern Französisch lernen.

Der schwedische König ist ein Idiot, meine Freundin geht mir auf den Geist, sie schreibt nur von ihren
Hunden, liebe den, der nicht da ist und mache Liebe mir dem, der neben dir ist, bäh! ich esse keine
Bonbons mit Papier,

wir lernten uns näher kennen. Der Herzspezialist unserer Etage war Italiener, schöner als Marcello
Mastroianni in seiner Jugend gewesen sein mochte. Alle Krankenschwestern waren in ihn verliebt.
Anne-Charlotte nahm seine Einladung nach Rom an, während der Arbeitszeit.

Wir hatten uns organisiert. Einmal machte sie meine Arbeit, einmal ich ihre. Der Herzspezialist lud uns
oft zum Pizzaessen ein, wir duzten uns im Hospitalbetrieb und die Krankenschwestern erblaßten vor
Neid, spionierten uns nach und eines Morgens erklang eine Durchsage:

Anne-Charlotte, sofort in Zimmer n° soundso- Champagner servieren.

Ich servierte ihn, wurde zur Direktion gerufen, erfuhr, daß Anne-Charlotte gekündigt wurde, sie mich
allerdings behalten würden. Ich zog meine Schürze aus und schmiß sie hin.

Einige Monate später hörte ich auf einem Bahnhof meinen Namen. Ich war pressiert, meinen nächsten
Zug zu nehmen, nach irgendwohin. Anne-Charlotte stand vor mir. Wir fielen uns in die Arme. Sie schrieb
mir ihre Telefonnummer auf einen Zettel, ich steckte ihn in meine Jeanstasche, mit dem Versprechen:

Wir sehen uns.