1. #1
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    Ein wahrer Held

    (Fingerübung)


    Troja, einst schön und stolz, war vernichtet. König Odysseus,
    mutig, im Kampfe erprobt, bezwang die Mauern und Tore.
    Listig riss er die Menschen, die Stadt, in Tod und Verderben,
    hisste siegreich die Segel und fuhr ins Reich des Poseidon,
    göttlichen Segens gewiss. Der Herrscher der endlosen Meere
    schenkte ihm freundliche Winde und trug die wendigen Schiffe
    sicher der Heimat entgegen. Schon bald verkannten die Helden
    Gunst und Sanftmut des Gottes. So raubten die Mannen mit Tücke
    Nahrung und Leben des Gottessohnes. Poseidon nahm Rache.
    Schickte den Schiffen wütende Stürme. Haushohe Wogen
    brachen Masten und Planken, die Segel zerfetzten. Gefährten
    stürzten ins Meer und ertranken. Allein verbrachte Odysseus
    Jahre des Leids und des Schreckens bis sich die Göttin Athene
    seiner erbarmte. Sie half Odysseus zurück in die Heimat.
    Schwach aber glücklich schloss er Frau und Sohn in die Arme.
    Geändert von Medusa (09.02.2012 um 10:03 Uhr)

  2. #2
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    Antwort

    Hallo Medusa,

    als ich auf den Titel deines Gedichts "Ein wahrer Held" stieß, hoffte ich, dein Gedicht würde von einem griechischen Helden im Trojanischen Kireg handeln, denn ich lese zur Zeit mit großer Begeisterung Homer.
    Und tatsächlich-du schreibst von Odysseus, dem edlen Helden und König!
    Den Inhalt der Odyssee hast du in deinem Gedicht sehr gut wiedergegeben, das gefällt mir.
    Dass du wie Homer-bzw. wie Heinrich Voß in der deutschen Übersetzung-in Hexametern schreibst, ist sehr, sehr passend und wunderschön! Ich bewundere dich dafür, dass du das so toll hingekriegt hast!

    Liebe Grüße,
    Evermore
    "Mir ist wohl bei höchstem Schmerze;
    denn ich weiß ein treues Herze.
    "
    Paul Fleming

  3. #3
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    Hallo Evermore .

    Vielen lieben Dank für dein schönes Lob zu meinem Hexameter. Ich übe grad wieder; fängst du an, fesselt er dich und lässt nicht nicht wieder los .
    Ich lese grad mal wieder die Aeneis, auch sehr schön.

    Ich habe dich in deinem Hexameterfaden keineswegs entmutigen wollen. Meine Anfänge waren auch entsetzlich und ich hatte keine Ahnung von Diäresen etc. Mein erster Versuch endete kläglich und ich gab auf und beschäftigte mich mit anderen Versen. Dieses Loslassen hat mir sehr gut getan und ich kann es nur empfehlen. Jetzt kann ich viel lockerer an den Hexameter heran gehen.

    Ferdi hat hier zwei wunderschöne Fäden eröffnet. Schau mal rein. Mir waren sie auch eine sehr große Hife.
    http://www.gedichte.com/threads/77038-Hexameter
    http://www.gedichte.com/threads/109415-Gedanken-zum-Hexameter
    (seltsam, hier klappt der Link nicht. Das Thema findest du aber gleich unter "Hexameter").

    Ich grüße dich herzlich und wünsche dir viel Erfolg bei deinem ersten Hexameter,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (06.02.2012 um 20:05 Uhr)

  4. #4
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    Hallo!
    Ich finde es auch toll und spannend sich in alten Formen zu versuchen!
    Hexámeter also...

    Für die Nachbildung in Deutscher Sprache ist noch zu beachten:
    Zäsurstellung (nicht im ersten Daktylus so wie in Z1)
    Die Hauptzäsur steht am häufigsten im dritten Daktylus, darüber hinaus treten oft ein, zwei Nebenzäsuren auf.

    Beispiel aus "Odyssee" dt. Übersetzung und Nachbildung von Johann Heinrich Voss:
    Erster Gesang

    Sage mir Muse,// die Thaten /des weitgewanderten Mannes

    Weiterhin:
    Sowohl quantitative (klangzeitliche Metrik) sollte mit der qualitativen Metrik (akzentorientierte Metrik) in Einklang gebracht werden. z. B. auf Akzentuierte Silben lange Vokale etc. Die klangzeitliche Metrik schließt auch das Auftreten von Spondyleen mit ein.
    Dies ist für die typische Melodie des Heámeters sehr wichtig.

    Alles hier nachzulesen:
    1) Voss, Johann Heinrich(1801)Zeitmessung der deutschen Sprache
    (behandelt die Klangzeitmessung der deutschen Sprache. Diese ist Voraussetzung um antike Versmaße einigermaßen in deutscher Sprache nachzubilden)
    kostenlos erhältlich als e-book (pdf) bei google books

    2)Linckenheld, Emil (1906) Der Hexámeter bei Klopstock und Voss. Doktorarbeit
    kostenlos erhältlich als Datei im Netz (googeln) z.B. in amerikanischen Bibliotheken

    3) Klopstock, Friedrich Gottlieb (1751) Der Messias
    Hauptwerk Klopstocks, auschließlich in wunderbaren Hexámetern
    kostenlos erhältlich als e-book (pdf) bei google books

    4)Voss, JoHann Heinrich (Nachdruck 1843) Odyssee
    Laut Kritiker die beste Übertragung und Nachbildung des griechischen Originals in die deutsche Sprache
    kostenlos erhältlich als e-book (pdf) bei google books

    5)Voss, JoHann Heinrich (1819) Homers Ilias
    Laut Kritiker die beste Übertragung und Nachbildung des griechischen Originals in die deutsche Sprache
    kostenlos erhältlich als e-book (pdf) bei google books

    Ob man nun griechische Heldendichtung "nacherzählen" sollte oder nicht....als metrische Übung ist es ok.
    In originalen Hexámetern ist natürlich die Poesie, überhaupt die Inhaltsdichte sehr viel höher und in Metaphern angelegt
    und:
    nicht so nüchternd berichtend...

    ES IST ÜBRIGENS GAR NICHT LEICHT IN ZEITGEMÄSSER SPRACHE GUTE HEXÀMETER ZU SCHREIBEN.

    zur Übung, so ein bißchen "blumiger" darf es schon sein
    Beispiel (als Distichen):

    Flüster mir, Brandung der Zeiten, den Namen der Schönsten der Weisen!
    Anmutig hebt sich ihr Stolz! Himmelwärts strebte ihr Lied.

    Höre den Puls im Cararra! In säulenbesäumtem Erhallen
    lobte man sie als das Lied, Seelen zu heben im Wort.

    Dort im Amphytrion huldigten ihr die unsterblichen Helden,
    kriegserprobt stark und bewährt. Sie hat ihr Knie sanft gebeugt.

    die sind natürlich lange nicht so toll wie die von Voss oder Kloppstock

    So weit und Grüße in die Runde
    gitano

  5. #5
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    Lieber Gitano .

    Du hast es erkannt: Es ist nur eine "Fingerübung". Drüber hinaus habe ich versucht, die poetische Sprache etwas zu "entstauben" und mich nicht an den gängigen Übersetzungen zu orientieren. Das war in der Tat nicht ganz einfach; "blumig" ist der Hexameter sehr viel leichter zu schreiben, als in trockener Umgangssprache.

    Für meine Lesart sitzen die Zäsuren ziemlich richtig (in der ersten Zeile natürlich nicht ). Aber ich werde sie mir noch einmal etwas genauer anschauen, vielleicht lässt sich der eine oder andere Vers "richten".

    Die nüchterne Berichterstattung wird demnächst vielleicht aufgelockert: Ich arbeite an einem Fazit.

    Herzlichen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und die Literaturhinweise.
    Viele Liebe Grüße,
    Medusa.

  6. #6
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    Guten Morgen Ferdi .
    Du siehst, du bist in bester Gesellschaft.
    Na, das nenne ich ein schönes Kompliment vom Experten, Dankeschön .
    V8 habe ich noch einmal geändert; die Zäsur ist dadurch nicht verschoben.

    Es ist für eine Anfängerin in Sachen Hexameter sehr schwierig, verschiedene "Auslegungen" zu berücksichtigen. Katastrophal wird es, wenn sich die Dichterin für die "moderne" Sprache entscheidet; dann nämlich "verrutschen" die Zäsuren und der Leser kommt ins Schleudern. Das ist durchaus verständlich. Vielleicht gelingt es mir bei meinem Fazit, Klassik und Moderne besser zu verbinden?

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

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