1. #1
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    Post Der Auftragsmörder

    Der Auftragsmöder

    Nach langem Ruhen, eines Tages,
    Bekommt der Mörder hohen Ranges;
    Einen Auftrag - vom Statthalter persönlich.
    Ungewiss ist der Frevel und ungewöhnlich.

    "Hör' gut zu, du unbedeutendes Gesindel und
    Hintergeh' mich nicht, ich dulde keinen Schwindel!
    Mein Vermögen hat die Hure sich unter die Nagel gerissen.
    Finde und töte sie; kein Geschöpf wird sie je vermissen!"

    "Jawohl mein Staatsmann, unverzüglich wird sie erledigt;
    Ohne Skrupel und mit Freude wird sie geschädigt.
    So weit, so gut. Eine nichtige Frage bleibt jedoch offen:
    Darf man von einem gnädigen Herren eine Großzügigkeit hoffen?"

    "Gewiss! Eine Folter wird deinem unreinen Leibe gewährt,
    Bis deine Vernunft erwacht und Genügsamkeit erfährt.
    Zisch ab! Verschwinde! Vollende deine Aufgabe.
    Aber tue sie mit Bedacht. Und mit großer Hingabe."

    Und nun streift der enttäuschte Mann hin und her,
    Überquert das Land und kommt seinem Ziel immer näher und näher.
    Ein abgelegenes Gehöft ist seine letztliche Vermutung;
    Wachen behüten es; für den Mörder eine Zumutung.

    "Was verbirgt man hier, dass ihr 's so auffallend bewacht?
    Lagern hier etwa große Schätze? So mein Verdacht."
    "Diebesgut liegt hier sicher verborgen, kühner Mann!
    Aufgeklärten wird Erkenntnis verdorben, und nun, bist du dran!"

    Vor lauter Bange flieht der Mann in die Ferne,
    Läuft hinein, in eine nächstgelegene Taverne.
    Stille entfaltet sich, sie ist leer und verlassen.
    Nein! Eine Frau geht leis' auf ihn zu und spricht gelassen.

    "Beeil' dich. Versteck' dich hinten im Zimmer.
    Blick' mich doch nicht an; deine Lage wird schlimmer!
    Schau! Die Wachen ziehen los und sind auf der Suche,
    Du Verrückter! Wende deinen Blick ab. Bitte! Versuche!"

    "Wie soll ich mich deinem reizvollen Antlitz entziehen?
    Deine Schönheit hat mir die Fittiche eines Cherubs verliehen.
    Nimm' meine Hand und lass uns gemeinsam abheben;
    Durch die prächtigen Wolken fliegen und zum siebten Himmel streben!"

    Doch sie ist sprachlos und fällt langsam in seine Hände
    Solang' er staunt, schauend auf die blutbefleckten Wände.
    Der Statthalter steht mit einer Klinge hinter dem sterbenden Weib und sagt:
    "Der Auftrag ist erledigt, lass ihn liegen, den elenden Leib!"


    ©

    P.S: Mein zweites Gedicht überhaupt, und zweites in der Fremdsprache "Deutsch". Würde mich freuen, wenn ihr das Gedicht nicht so hart bewertet, aber so, dass es mich weiterbringt
    Geändert von Fufaev (08.06.2012 um 19:13 Uhr) Grund: Einige "Tipps" von Nachteule angewendet, Wort ersetzt

  2. #2
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    Hallo Fufaev,

    Würde mich freuen, wenn ihr das Gedicht nciht so hart bewertet, aber so, dass es mich weiterbringt
    Ich bin nie hart, ich habe nur einen übertriebenen Hang zur Ehrlichkeit.

    Zu deiner Einleitung
    Die sollte eigentlich nicht nötig sein. Du schreibst das Gedicht, um eine Geschichte zu erzählen, wenn du dann vorher schreibst, was du schreibst, dann machst du das Gedicht langweilig. Warum soll ich es lesen, wenn ich schon weiß, was passiert? Und so lang ist das Gedicht auch nicht, dass man einen "Klappentext" braucht. Das es eine Ballade ist, merkt man auch recht schnell, wer mitspielt ist solange uninteressant, bis der Charakter auftaucht und dann merkt man das schon. Bei einem Theaterstück steht es davor, damit der Regisseur weiß, wen er besetzen muss und der Zuschauer, wer welche Rolle spielt.

    Sonstiges: Stadthalter -> Neologismus
    Jein. Stadthalter ist in der Tat ein Neologismus. Aber auch nur, weil es "Statthalter" heißt. Es bedeutet nicht, dass er die Stadt hält, sondern, dass er an statt (an der Stelle von) dem König/Fürsten die "Stellung hält". Das Wort würde sich aber auch selbst erklären und bedarf keiner Erklärung, weshalb der Zusatz "Neologismus" nicht nötig ist.

    Aber nun zu deinem Gedicht.
    Eine Ballade lebt von ihren Metrenwechsel, die die Stimmung und die Handlung unterstreichen oder unterstützen. Du sagst, dass du dein erstes Gedicht geschrieben hast, somit gehe ich nicht davon aus, dass du von der Metrik nicht sonderlich viel Ahnung hast. Das veranlasst mich dazu, mich faul zu stellen und deine Metren zu ignorieren. (Das erste Zeichen von Gnade. )

    Der Reim
    Du schreibst im Paarreim. Das ist nicht das optimale Reimschema für ein solches Thema, da es schnell ungewollt lächerlich wirkt. Bei deiner Länge der Verse geht es aber noch, da sie relativ lang sind und darum die Reime nicht schlag auf schlag kommen.

    Gleich im ersten Vers beginnst du mit einem unreinen Reim, das heißt ein Reim, der nicht "perfekt" passt. (Tages/Ranges)

    "Hör gut zu, du, unbedeutendes Gesindel, und
    Hintergeh' mich nicht, ich dulde keinen Schwindel!
    Hier bildest du ein Enjambement (Zeilensprung), indem du das "und", das nach dem Komma (warum ein Komma?) steht, in den ersten Vers setzt. Das gibt dir einen betonten Auftakt, zerstört aber den Reim. Das "und" würde ich dann einfach streichen, da es unnötig ist.

    Der Stadthalter steht mit einer Klinge hinter dem sterbenden Weib und sagt:
    "Der Auftrag ist erledigt, lass ihn liegen, den elenden Leib!"
    Siehe oben. Wenn du das "und sagt" in ein "er sagt" wandelst, kannst du es runter ziehen und hast einen Reim.

    Dazu kommen ein paar identische Reime, also solche, die sich gar nicht unterscheiden. (z.B. Aufgabe/Hingabe)

    Sprache:
    Größtenteils gut, dennoch ein paar Mängel. Bei der "Verbesserung" der Fehler muss ich anmerken, dass ich wegen der oben genannten Faulheit keinerlei Wert auf das Metrum lege und auch die Silbenlänge der Verse mich mal nicht interessiert.

    Ungewiss ist der Frevel und ungewöhnlich.
    Das klingt komisch. Man erwartet eine Subjekt, dem das "ungewöhnlich" zugeordnet wird. Da du es aber scheinbar auf den Frevel beziehen willst, würde ich es in "Ungewiss ist der Frevel, und ebenso auch ungewöhlich".

    Meinen Geldbestand hat sie sich unter die Nagel gerissen.
    Wer? Die Eule? Nein, das ist der Eule... Die Mutter? Na ja, du merkst sicherlich, was ich sagen möchte. Du lässt ein "sie" auftauchen, ohne zu erklären, wer das "sie" ist. "eine Frau" oder "eine Hexe" was auch immer, Hauptsache jemand bestimmtes.

    Darf man von einem gnädigen Herren eine Großzügigkeit erhoffen?"
    "Gewiss! Eine Folter wird deinem unreinen Leibe gewährt,
    Gewährt heißt, dass er jemanden Folter darf, oder einmal mehr gefoltert wird. Erlassen wäre richtiger. (Schillers Bürgschaft: "Dann soll dein Freund mir erblassen/dir aber sei die Strafe erlassen")

    Und nun streift der enttäuschte Mann hin und her,
    [...]
    Ein abgelegenes Gehöft ist seine feste Vermutung;
    [...]
    Wenn er hin und her streift, dann ist das ja wahrscheinlich nicht seine erste Vermutung, oder?

    Doch sie ist sprachlos, sie fällt langsam in seine Hände
    Ein "und" statt dem Komma und dem "sie" klingt besser, da du sonst eine Doppelung hast.

    Solang' er staunt, schauend auf die blutbefleckten Wände.
    Hauptschlagader? Sonst spritzt das wahrscheinlich nichts so, dass man das so schreiben kann. Ich würde "auf die blutbefleckten Gewände" schreiben.

    Zeichensetzung:
    Größtenteils gut. Allerdings ist es zu spät, um das sicher zu behaupten.
    Mir sind wenige Dinge aber aufgefallen:
    Einen Auftrag; vom Stadthalter persönlich.
    Hier würde ich einen Gedankenstrich machen, das trifft in meinen Augen die Pause besser.

    "Hör gut zu, du, unbedeutendes Gesindel, und
    Das Komma nach dem du würde ich mir sparen, das passt nicht. Zu dem zweiten habe ich schon was gesagt. Und oder Komma.

    So weit, so gut. Eine wichtige Frage bleibt jedoch offen...
    Lieber ein Doppelpunkt.

    Verschwinde jetzt, und vollende deine Aufgabe.
    Siehe oben.

    "Vor lauter Angst flieht der Mann in die Ferne,
    Anführungszeichen weg.

    Nimm meine Hand, und lass uns gemeinsam abheben;
    Siehe oben.

    Apostrophe: Sie werden nur verwendet, wenn das Wort "es" abgekürzt wird. Sonst darfst du es nicht verwenden. Das heißt bis auf ein zwei sind sie alle falsch.

    Rechtschreibung:
    Nichts gefunden!

    Inhalt:
    Ich verstehe nicht, warum der Statthalter die Diebin selbst tötet und warum er in dem Moment vor Ort ist, in dem auch der Auftragskiller da ist. Dann hätte er sich die Zeit und das Erlassen der Strafe ja schenken können...

    So, das wars dann auch schon von meiner Seite. Ich hoffe, ich konnte dir helfen!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
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  3. #3
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    Wow, danke dir für deine ausführliche "Analyse". Was ich nur nicht verstanden habe, ist die Sache mit den Reimen, wann ist ein Reim "rein" und wann "unrein"? Denn ich habe beim Schreiben nicht auf einzelne Wörter am Ende der Verse geschaut, sondern auf den Klang im Zusammenhang beider Reimverse.

    Und von "Metren" habe ich noch nie etwas gehört. Muss sie mir mal anschauen...

    Mfg

  4. #4
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    Hallo nochmal,

    Unreine Reime sind solche, die sich nur schwer klanglich vereinen lassen. Tages/Ranges ist solch einer. Wenn du sie dir klar und deutlich vorsagst, dann hörst du das "n" zu sehr, um den Reim als rein durchgehen zu lassen. Ich sage jetzt einfach mal, es ist kein Gleichklang da, sondern nur ein ähnlicher Klang. Um so mehr Luft zwischen den Reimen ist, umso unerheblicher wird, wie rein er ist. Ich versuche dennoch "reine" (auch echte genannt) Reime zu verwenden, da unreine Reime schnell die Harmonie, die ein Reim eigentlich erhalten oder aufbauen soll, zerstört. Ein gutes Beispiel für unreine Reime ist Schillers Bürgschaft, die ich oben schon nannte. Wobei ich dazu sagen muss, dass man die Worte nur schwäbisch aussprechen muss und schon werden die Reime rein. Noch ein kurzes unreines Beispiel, bei dem das so ist und dann lasse ich das Thema beiseite.

    Er schlachte der Opfer zweie --> spricht der Urschwabe "zwoie" aus, was in etwa dem "Treue" enspricht.
    Und glaube an Liebe und Treue.

    Hier noch ein Sprechzimmerfaden dazu.

    "Metren" ist der Plural von Metrum, was unter den Oberbegriff Metrik fällt, was aber bei weiten nicht synonym zu verwenden ist. Metrik ist die Lehre der Betonung, also wie du deine Worte betonst, während du sie aussprichst und Metrum ist das Versmaß, also die Anordnung der betonten und unbetonten Silben. Wissen aber auch nicht alle Dichter hier... Eine kurze Zusammenfassung findest du in meinem Lexikon unter dem Unterpunkt Metrik und dort den Begriffen Metrik und Metrum. Dazu habe ich dort weiter Fäden verlinkt, die das alles Ausführlich behandeln. Zum unreinen Reim findest du aber zur Zeit noch nicht mehr als eine kurze Erklärung. Vielleicht kommt da aber bald noch etwas.

    Viel Spaß weiterhin hier!

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
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  5. #5
    Dr. Üppig Guest
    Da muss ich doch den Fufaev mal etwas unterstützen!
    (Solidarität und so )

    Zunächst: Bei den formalen Sachen gebe ich Nachteule recht, bis auf unten aufgeführte Beispiele.

    Die Einleitung hätte es nicht gebraucht, wenn die Ballade einen guten Plot aufweist (was hier ja der Fall zu sein scheint).
    Das Versmaß sollte insofern angepasst werden, als dass es entweder auftaktlos oder mit men Auftakt beginnt, und zwar durchgehend.
    Man könnte zwar abwechselnd jambische und trochäische Versanfänge machen, aber bei einer eher klassisch gehaltenen Ballade würd ich das nicht machen.
    Nun zum interessanten Punkt:
    Zitat Zitat von Nachteule Beitrag anzeigen
    Du schreibst im Paarreim. Das ist nicht das optimale Reimschema für ein solches Thema, da es schnell ungewollt lächerlich wirkt. Bei deiner Länge der Verse geht es aber noch, da sie relativ lang sind und darum die Reime nicht schlag auf schlag kommen.
    "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
    Es ist der Vater mit seinem Kind!"
    (Quelle: geheimnisvoller Autor/nicht ich)
    Ja, der Paarreim. Ich wollte das hier mal anmerken, weil ich nicht der Meinung bin, dass einem formalen Kriterium ein Charakteristikum zugeschrieben werden muss. Auch der Jambus ist nicht immer traurig, der Trochäus nicht immer bedrohlich oder Ähnliches. Warum sollte man dann das Reimschema in Begrenzungen zwängen? Auch ein Paarreim kann durchaus finster wirken, und, wie Nachteule richtig angemerkt hat, bei längeren Versen ist das oft der Fall; unter anderem, weil die Reime dann teilweise gar nicht gepaart wirken.

    Inhaltlich quälen mich die selben Fragen, zum Beispiel, warum der Mann von seinem Ziel voller Angst flieht, und dann doch bei der Person gelandet scheint, die er umbringen sollte. Und warum der Satthalter dann selbst das Messer zückt.

    Inhaltlich leicht verwirrend, sprachlich sehr ok fürs erste Gedicht, die Zeichensetzung hat man verbessert.
    Gut!

    mfG

  6. #6
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    Hey Taras,

    kurze Zwischeninfo:

    Zitat Zitat von Taras Bunga
    Ja, der Paarreim. Ich wollte das hier mal anmerken, weil ich nicht der Meinung bin, dass einem formalen Kriterium ein Charakteristikum zugeschrieben werden muss. Auch der Jambus ist nicht immer traurig, der Trochäus nicht immer bedrohlich oder Ähnliches. Warum sollte man dann das Reimschema in Begrenzungen zwängen? Auch ein Paarreim kann durchaus finster wirken, und, wie Nachteule richtig angemerkt hat, bei längeren Versen ist das oft der Fall; unter anderem, weil die Reime dann teilweise gar nicht gepaart wirken.
    Es geht hier um die kurzen Verse. Ich empfehle normal 10+ (Silben). Nachzulesen hier. Das zu erwähnen schien mir bei dem Gedicht aber nicht nötig. Dann kommt es noch darauf an, wie aufdringlich Reime sind.
    Beispiel:
    Eine Maus
    Auf dem Haus
    Will nen Hund
    In den Mund.


    Wirkt ganz anders als:
    Eine Maus
    Will nen Hund
    Auf dem Haus
    In den Mund.

    Das ist ja nur eine Richtlinie, aber bei kurzen Texten fällt der Paarreim nun mal komisch auf. Siehe Büttenreden.

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  7. #7
    Dr. Üppig Guest
    Zitat Zitat von Nachteule
    Es geht hier um die kurzen Verse. Ich empfehle normal 10+ (Silben). Nachzulesen hier. Das zu erwähnen schien mir bei dem Gedicht aber nicht nötig. Dann kommt es noch darauf an, wie aufdringlich Reime sind.
    Zitat Zitat von nochmal Nachteule
    Das ist ja nur eine Richtlinie, aber bei kurzen Texten fällt der Paarreim nun mal komisch auf. Siehe Büttenreden.
    Das was ich haben gesagt.
    Zitat Zitat von wichtige Stelle
    Warum sollte man dann das Reimschema in Begrenzungen zwängen? Auch ein Paarreim kann durchaus finster wirken, und, wie Nachteule richtig angemerkt hat, bei längeren Versen ist das oft der Fall; unter anderem, weil die Reime dann teilweise gar nicht gepaart wirken.
    Die Komik des Beispiels liegt dann wohl doch in der Kürze, und nicht explizit im Paarreim. Denke ich. Weil auch die Kreuzreimversion leicht komisch wirkt.

    mfG

  8. #8
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    Zitat Zitat von Taras Bulba Beitrag anzeigen
    Inhaltlich quälen mich die selben Fragen, zum Beispiel, warum der Mann von seinem Ziel voller Angst flieht, und dann doch bei der Person gelandet scheint, die er umbringen sollte. Und warum der Satthalter dann selbst das Messer zückt.
    Hallöchen Taras Bulba, dank dir für deinen Beitrag )
    Also der Mann flieht, weil die Wache vor hat, ihm seine gewonnene Erkenntnis zu "verderben". Er hat ja von dieser Wache erfahren, dass er und andere Wachen Diebesgut bewachen. Und das dürfte er gar nicht wissen, da der Wächter sagt: "Aufgeklärten wird Erkenntnis verdorben". Der Wächter hat jetzt nur eine Möglichkeit die gewonnene Erkenntnis des Auftragsmörders wieder zu "entziehen"; und zwar in dem er ihn tötet. (Dieses Dingsda aus "Men in Black" - das die Leute vergessen lässt - hat er nicht ). Erkenntnis ist ja kein Gegenstand, den er ihm einfach aus der Hand reißen kann.^^

    Und, dass er bei der Person gelandet ist, die er umbringen sollte, war ein Zufall. Er war so von ihrer Schönheit begeistert, dass "er sich in sie verliebt hat" <--(Meine Interpretation^^). Die Frau hatte aber leider keine Zeit mehr gehabt auf seinen Vorschlag (9. Strophe) zu reagieren, da der "Stadthalter" plötzlich aus irgendeinem Grund in die Taverne hinein kam, die Diebin erkannte und sie auch umbrachte.
    Jetzt enstehen viele Fragen... hätte der Auftragsmörder seinen Auftrag selber erfüllen können, nachdem er sie gesehen hat?! Hätte er sie wirklich getötet, wenn er vor ihrem Tod erfahren hätte, dass sie DIE Diebin ist?!

    Ich habe zwar nicht mit Absicht so abstrakt geschrieben Trotzdem finde ich das Abstrakte gar nicht so schlecht, da es ins Nachdenken bringt und den Leser interpretieren lässt.

    MfG

  9. #9
    Dr. Üppig Guest
    Ah! OK, dann habe ich unaufmerksam gelesen. Danke für die Erklärung, vor allem für deine Interpretation deines Werks und deinen Traktat über Erkenntnis.
    Gut, dann bleibt außer den bereits angesprochenen formellen Sachen nicht viel übrig. Man könnte die Stelle mit dem Verlieben vielleicht noch eine Strophe lang behandeln, aber so ist die Geschichte, die rüber kommt, auch nicht schlecht.

    mfG

  10. #10
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    Der Auftragsmörder

    Hallo Fufaev,

    beim Stichwort "Paarreime" kam mir auch sofort, wie schon zitiert "Der Erlkönig" (Goethe) in den Sinn, als ich das
    Gedicht in der Grundschule lernte, dachte ich nicht darüber nach, ob es sich um eine Ballade handeln könnte.
    Leider habe ich alle anderen Balladen vergessen, vielleicht werden sie auch oft eher gesungen? So: "Es waren
    zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, sie konnten einander nicht kommen, das Wasser war viel zu tief",
    dies zum "unreinen Reim", der doch sekundär ist, wenn der Klang alle Verse melodisch durchzieht. Gehört:
    "Es streift der wilde Wassermann..." oder so ähnlich, auch zu den Balladen?

    Im Vergleich zu den mir bekannten "Klassikern", lese ich dein Gedicht eher als "Drama", kann es aber nicht
    begründen, rein dem Gehör nach und auch, was ich sonst so über Balladen las, und das ist nicht viel, nur so
    viel wie ich brauchte, um eine eigene Ballade zu schreiben und ohne mich weiter in das Thema zu vertiefen,
    betrachte also bitte meinen Kommentar als nicht-fachlichen, persönlichen Beitrag.

    Dein Gedicht ist teils Erzählung, teils Konversation. Deshalb fände ich es besser, wenn du die wörtlichen Reden
    genauer herausheben würdest, z.B. zentriert, rechts von den erzählenden Passagen, in der Rubrik "Drama"
    ist es im Faden "Drehspiel" gut dargestellt. Dort sähe ich deinen Text auch eher, vor allem aus einem sehr
    egoistischen Grund: Bitte schreib es doch weiter, ich will, daß der Typ seine Strafe bekommt.

    Es erinnert ein wenig an Schneewittchen. Der Jäger (Auftragsmörder) tötet sie nicht. Die böse Königin wird am
    Ende bestraft, oder: Das Gute siegt, so grausam es auch sein mag. Mit anderen Worten: Das Ende deines
    Gedichtes hat keine Moral, obwohl es mehr oder weniger der Wirklichkeit entspricht, gibt es doch, nicht immer
    sichtbar, am Ende eine Gerechtigkeit. Wenn die schon noch nicht sichtbar ist, warum sie dann nicht einfach
    schreiben?

    Ist nur so eine Idee,

    Zitat Zitat von Fufaev Beitrag anzeigen
    P.S: Mein erstes Gedicht überhaupt, und erstes in der Fremdsprache "Deutsch". Würde mich freuen, wenn ihr das Gedicht nciht so hart bewertet, aber so, dass es mich weiterbringt
    ich weiß ja nicht, wohin du willst, was du mit "weiterbringen" meinst. Darf ich fragen, was deine Muttersprache ist?

    Gern gelesen

    LG Kalinka

  11. #11
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    Hi Kalinka, danke für deine Beurteilung. Mein Gedicht würde ich auch in die Rubrik "Drama" zuordnen - aber nicht nur in diese Rubrik - man erkennt es an den Dialogen. Enthält aber auch Epik
    Zitat Zitat von Kalinka Beitrag anzeigen
    ich weiß ja nicht, wohin du willst, was du mit "weiterbringen" meinst.
    So wie Nachteule das Gedicht analysiert hat. Genau so wollte ich das haben

    Zitat Zitat von Kalinka Beitrag anzeigen
    Darf ich fragen, was deine Muttersprache ist?
    Russisch ist meine Muttersprache

  12. #12
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    Der Auftragsmörder

    Zitat Zitat von Fufaev Beitrag anzeigen
    Hi Kalinka, danke für deine Beurteilung. Mein Gedicht würde ich auch in die Rubrik "Drama" zuordnen - aber nicht nur in diese Rubrik - man erkennt es an den Dialogen. Enthält aber auch Epik


    So wie Nachteule das Gedicht analysiert hat. Genau so wollte ich das haben



    Russisch ist meine Muttersprache
    Hi Fufaev,

    danke für deine Antwort. Die russische Sprache hat sehr interessante Literatur, schön, wer sie lesen kann.
    Auch die Musik ist ergreifend.

    Ja, der Tod der Frau, die Trennung der Liebenden fand wohl in allen Zeiten unserer Zeit Beifall, dabei habe ich
    den Verdacht, Romeo und Julia könnte einen ganz anderen Sinn haben, als allgemein geglaubt wird. Ich bin mir
    sogar sicher, da der Einfluß dieser Literatur doch sehr stark heute sichtbar ist, wenn man hinschaut. Märchen
    sind da wohl eine unwillkommene Resistenz?

    Gut, dann bist du ja am Ziel angelangt, mit Nachteules Kommentar. Ich selbst kann mit dem Kommentar nichts
    anfangen, auch die Analyse finde ich nicht unbedingt richtig, bei den Paarreimen angefangen, aber die Hauptsache
    ist, dir hat es genützt.

    Viel Spaß noch beim Schreiben.

    LG Kalinka

  13. #13
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    Ich hab die Ballade auf YouTube vorgetragen. Wer will kann 's anschauen Und sorry für meinen Akzent
    http://www.youtube.com/watch?v=DoLalmu9mK0&feature=plcp
    Schaut euch mal meine Seite an

  14. #14
    Registriert seit
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    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    Kurz und bündig:

    Das ist keine Ballade,
    das ist eine Moritat.


    LG
    Barbarossa
    Mit dieser These kann ich nichts anfangen. Schließlich möcht' ich mich verbessern...
    Schaut euch mal meine Seite an

  15. #15
    Registriert seit
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    Habe meine These gelöscht.
    Du hast erfahrene Cicerones an der Hand.

    Alles Gute!

    LG
    Barbarossa

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