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    Von den Schaffensqualen

    Poem für meinen Dichterfreund
    Reinhold Immanuel v. G. in nie erstorbener Treue
    Zum ... Geburtstag


    Von oben rief ein Gott den Dichter.
    Der wühlt gedankenreich und tatenarm
    in schauderhaften Wunden
    der Damenliebe und der Jünglingsscham,
    allein gar schrecklich und in bittrer Qual.

    Sieht bald als Tugendbold sich,
    Reimefürst, höchst eloquenter Jambenrichter.
    Jetzt trotzt er Tod und Teufel, Biertischrunden.
    Und überhaupt: Denkt stramm und überall
    streng bilateral.

    Was fehlt, sind die Gedichte. Leider.

    Der Abend geht, es kommt die Nacht,
    und gleisnerisch erstrahlen Lichter,
    verdammt noch mal, der Mond, so rund, so pracht-
    voll, grinst, der hat ja üble Schrunden!

    Nu ja, was solls, der ist ihm fern,
    so phänomenal schnurzpiepegal.
    Denn er muss endlich dichten, dichten!
    Ja, das muss er. Knall auf Fall.

    In stolzem Ernst
    trägt stumm und still in tiefstem Gram sein Leid er.
    Die Nacht vergeht, er hat Gesichter.

    Doch endlich
    hat mit Graus und Glück
    nach Mitternacht den Vers er noch gefunden.
    Dem Musenfreund – heureka! - ist Feuer es,
    des höchsten Herrn Fanal.

    Und als die Tat vollbracht,
    da war schon Morgen, nicht mehr Nacht,
    er greift zum eisgekühlten Glase,
    reibt Dichterstirn und Riechorgan
    und küsst die selbstverfasste Metastase.

    Wär was zum Schluss noch zu berichten?

    Gemach, gemach, so ging es weiter:
    Gestärkt und frohgemut und heiter
    so fuhr er kühnlichst fort mit seinem Dichten,
    verwob den Jambus-Vers zu Strophen,
    besang die Rosen und die Veilchen,
    die milde Au, den Hag, den Rain, die Katastrophen,
    bestaunt den Ausfluss seiner Fantasie ein Weilchen.
    Kurzum, es schuf aus ihm mit aller Macht,
    und dieses Tag für Tag und Nacht für Nacht.

    Erklomm die Leiter hoch zum Ruhm,
    strich ein die Preise, hehrsten Lorbeerkranz,
    er war der Herr in seinem Dichterfürstentum,
    schier ganz und gar Ornat, Hermlin und Glanz.

    Und wenn, mein Freund,
    du nicht gestorben und verdorbern
    ruhst du dich heute aus auf deinen Lorbeern.
    Geändert von Smarty (07.02.2012 um 14:29 Uhr)

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