1. #1
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    Mitternachtstraum

    Mitternachtstraum

    Ich sehe dich an, aber du schaust weg,
    Ich winke dir zu, aber du ignorierst es,
    Ich spreche dich an, aber du bleibst still.

    Gibt es einen Grund?

    Deine Blicke lodern wie das Feuer, doch deine Stimme ist kalt wie Eis,
    Du kommst auf mich zu, doch du gehst an mir vorbei.

    Gibt es einen Grund?

    Du bist ein Jäger, doch dein Blick ist nach unten gerichtet.

    Gibt es einen Grund?

    Stille. Anhaltende Ungewissheit.
    Warum?
    Ich werde ohnmächtig. Es ist kalt. Sehr kalt. Mein Atem gefriert.
    Warum?

    Was hast du getan?
    Nein..
    Nein..
    Nein..bitte!

    ..

    Es ist Nacht,
    Es ist dunkel,
    Am Abgrund.
    Es liegt ein Hauch von Trauer in der Vergänglichkeit.
    Geändert von Forgotten Knife (04.03.2012 um 10:03 Uhr)

  2. #2
    Dr. Üppig Guest
    Hallo Forgotten Knife,

    Dein Werk gefällt mir nicht sonderlich. Lass dich davon nicht abschrecken, es ist nur eine Meinung.

    Dem Traum, zwar deutlich dargestellt, fehlt es an Originalität; der Blick so heiß, die Stimme wie Eis, das kennt man bereits. Warum schaut das lyr. Du nach unten? Was gedenkt es dort zu jagen?
    Die Wiederholungen von "Gibt es einen Grund?" sind teilweise selbstredend. Manche Aspekte sind für meinen Geschmack zu direkt aufgeführt, zum Beispiel die "Stille. Anhaltende Ungewissheit".
    Der Stil scheint verschwommen, ich würde vorschlagen, sich entweder auf einen direkten, klaren Wortlaut zu stürzen oder mehr mit Methaphern, Assoziationen und Wortbildern zu arbeiten.

    mfG

  3. #3
    Registriert seit
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    Das Gedicht beschreibt keinen Traum, sondern die Realität, Traum steht in dem Fall für die Vergänglichkeit und die Zerstörung der Liebe. Wenn man liebt ist man in seinem Traum gefangen, welcher zum Albtraum mutieren kann. Metaphern sind einige benutzt, nur wurden die offensichtlich nicht alle von dir wahrgenommen. Das gefällt mir, denn ich wollte in diesem Gedicht einen großen Interpretationsspielraum lassen.
    Für mich persönlich handelt das Gedicht um eine tragische Beziehung. Er/Sie geht fremd, beide kommen damit nicht klar "der Blick ist nach unten gerichtet", er/sie kann ihn/ihr nicht mehr in die Augen gucken, er/sie hat die Liebe erkannt die in ihr/ihm steckt, weiß aber auch von seinem/ihrem unerträglichen Fehler usw. .
    Das Ende des Gedichtes kann man sich auf verschiedene Weise interpretieren, es muss nicht so enden wie man es sich auf den ersten Blick denken würde. Das Gedicht ist als großes Paradoxon aufgebaut und ich habe meinen eigenen Stil, denn ich nicht verändern werde. Dieses Gedicht befolgt nämlich keine Epochenspezifischen Regeln und Stile, sondern spricht aus der Seele.

    MfG
    Geändert von Forgotten Knife (12.02.2012 um 21:18 Uhr)

  4. #4
    Dr. Üppig Guest
    Hallo Forgotten Knife,

    das ist ja schön und gut mit dem eigenen Stil, das will dir niemand ausreden. Ich habe lediglich geäußert, wie dein Gedicht auf mich wirkt.
    Ich denke, ein Gedicht soll immer ein Stück weit für sich sprechen. Ohne deine Erklärung wäre ich gar nicht auf eine Betrugsgeschichte gekommen, der Text liefert keine Hinweise darauf.
    Der Stil kommt mir nicht sehr originell vor. Verschiedene Länge der Verse, Wiederholungen, Reimlosigkeit und oft verwendete Wortbilder - das alles ist nicht sonderlich besonders.


    Ich sehe dich an, aber du schaust weg,
    Ich winke dir zu, aber du ignorierst es,
    Ich spreche dich an, aber du bleibst still.

    Gibt es einen Grund?
    Hier findet Kontrastarbeit statt. Ich mag Kontraste an sich, diese sind parallel aufgebaut und hauchen dadurch schnell ihre Wirkung aus, weil sie durch nichts anderes gestützt sind.


    Deine Blicke lodern wie das Feuer, doch deine Stimme ist kalt wie Eis,
    Du kommst auf mich zu, doch du gehst an mir vorbei.

    Gibt es einen Grund?

    Du bist ein Jäger, doch dein Blick ist nach unten gerichtet.

    Gibt es einen Grund?
    Diese Strophe arbeitet mit dem Blick (hab übrigens einen Tippfehler entdeckt). Was mir gefällt, ist der Wechsel des Handelnden im Vergleich zu den Zeilen davor. Der Blick scheint aber recht zusammenhangslos reingeworfen - ich gehe immer noch vom Werk an sich aus, das mir nicht das erzählt, was du vielleicht vorhattest, zu erzählen. Zunächst ist der Blick lodernd, dann aber nach unten gerichtet. Das passt nicht. Ich würde da vorschlagen, den Blick als erloschen oder verblasst zu umschreiben.
    Dann noch die Wiederholungen von "Gibt es einen Grund?" Ich würde es so gestalten, dass diese Frage nur einmal auftaucht, damit ist sie pointierter und eindrucksvoller; wenn man den Satz zu oft liest, verliert er an Aussagekraft durch die aufkeimende Monotonie.


    Stille. Anhaltende Ungewissheit.
    Warum?
    Ich werde ohnmächtig. Es ist kalt. Sehr kalt. Mein Atem gefriert.
    Warum?
    Hier das selbe Spiel. Das erste "Warum?" ist unpassend: warum Ungewissheit, oder wie? Das ist zu bruchstückhaft, womit es sich von den genauen Umschreibungen davor und danach abhebt. Dann der Punkt, dass das lyr. Ich ohnmächtig wird, aber immer noch in der Lage ist, Kälte zu spüren. Man könnte es evtl so besser umschreiben: "Ich spüre die kalte Ohnmacht, die meinen Atem gefriert."
    Dann fragt sich das lyr. Ich, warum der Atem gefriert. Die Antwort wäre simpel: Weil es sehr kalt ist! Die Selbstfrage kann man hier weiter ausbauen, mit ein paar Informationen mehr spicken.


    Was hast du getan?
    Nein..
    Nein..
    Nein..bitte!
    Hier scheint ein einseitiges Dialog stattzufinden. Das gefällt mir, das ist, als ob man nur die Stimme des lyr. Ichs hört, ohne die Antworten des lyr. Du wahrzunehmen. Diese Strophe ist als Einschnitt in die bisherige Situationsbeschreibung gut passend.


    ..

    Es ist Nacht,
    Es ist dunkel,
    Am Abgrund.
    Es liegt ein Hauch von Trauer in der Vergänglichkeit.
    Die zwei Punkte sollen Abstand vermitteln? Demzufolge würde die letzte Strophe später 'geschehen'. Die Wortwahl zeugt von Verzweiflung, der letzte Vers von Resignation. Wie wärs mit einer einfachen Umstellung: "Es liegt ein Hauch von Vergänglichkeit in der Trauer."?

    Nöch ein Fazit: Mit den freien Versen eindrucksvoll und ergreifend zu schreiben ist schwieriger als mit festen Metren. Spiel mehr mit Bedeutungen der Worte, sei möglichst indirekt - oder im Gegenteil: benutze direkte, feststellende Sprache. Wichtig ist, dass sich das Gedicht 'verdichtet', dass, vor allem bei den freien Versen, jedes Wort durch seine Stellung und seinen Klang ein Stückchen der Stimmung mitträgt.

    Zum Abschluss, noch ein Hinweis. Das ist nur eine Meinung, das ist nur meine Meinung dazu. Meine Vorschläge entspringen meiner Gedankenwelt, und daher bist du absolut nicht verpflichtet, sie umzusetzen.

    mfG

  5. #5
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    Hallo Forgotten Knife,
    mir persönlich gefällt dein Gedicht. Anders als Taras finde ich die Wiederholungen hier passend und gut gesetzt.
    Das LI stellt vieles in Frage, was demzufolge das gleiche beim Leser hervorruft. Sehr gut
    Es ist wirklich viel Raum zum Interpretieren gegeben und ich finde deine unterschiedlichen Strophenlängen hier sehr erfrischend
    LG Peggy
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  6. #6
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    @ Taras Bulba
    "Es liegt ein Hauch von Vergänglichkeit in der Trauer."?
    Dieser Vorschlag hätte eine völlig andere Bedeutung, es hat schon einen Sinn das der Vers so geschrieben ist wie er ist.
    Bei deiner Kritik habe ich das Gefühl das ein Gedicht deiner Meinung nach völlig festen Regeln zugrunde liegt, genau das sehe ich anders, ein Gedicht bedeutet Emotion, etwas aus dem Inneren zu schreiben, nicht etwas zu strukturieren!


    @ lyrisches_ich96
    Vielen Dank!

  7. #7
    Dr. Üppig Guest
    Hallo Forgotten Knife,

    Zitat Zitat von Forgotten Knife Beitrag anzeigen
    Bei deiner Kritik habe ich das Gefühl das ein Gedicht deiner Meinung nach völlig festen Regeln zugrunde liegt, genau das sehe ich anders, ein Gedicht bedeutet Emotion, etwas aus dem Inneren zu schreiben, nicht etwas zu strukturieren!
    Na klar! Damit könnte man das, was ich gerade schreibe, als Gedicht bezeichnen, denn es spiegelt meine Müdigkeit gegenüber solchen Aussagen wider. Ich habe bei meiner Kritik überhaupt keinen Bezug auf "völlig feste[n] Regeln" genommen, sondern das Zusammenspiel von Gestaltung und gewünschter tragbarer Intentionsbreite betrachtet und meine Meinung dazu abgegeben.

    Ich frage mich gerade, ob du meinen Kommentar gelesen hast, denn wenn du dies tatsächlich getan hast, muss ich annehmen, dass der Tippfehler bei "Deine blicke lodern wie das Feuer, doch deine Stimme ist kalt wie Eis," ein Audruck deiner dichterischen Emotion ist. Womit ich mich fräge, was für eine Emotion dem zugrunde läge.

    Du sagst, dass ein Gedicht das Gegenteil von "etwas strukturieren" ist. Aber gerade du strukturierst dein Gedicht durch eine zentrierte Ausrichtung, Einteilung in Verse und Strophen und Methaphern und Wortbilder.

    Ist etwa alles, was man mit Gefühl schreibt, ein Gedicht? Dann sollten m.M.n. Vierzehnjährige die größten Dichter der Welt sein.


    mfG
    Geändert von Dr. Üppig (02.03.2012 um 20:04 Uhr)

  8. #8
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    Hallo Forgotten Knife,
    ich freue mich zunächst einmal, eine so freie Form zu lesen.
    Allerdings stimme ich auch Taras Bulba zu.
    Durch eine gewisse Struktur, gibt man dem Leser wie eine Art Faden in die Hand, wie die Rezeption wirken soll.
    Wenn ein Gedicht nur deinem Gefühl entspringt, ist es etwas zutiefst subjektives (was Gedichte ja auch sein sollen), aber wenn dann die Rezeption deiner Leser eine völlig andere ist, als deine Eigene ist das nicht ungewöhnlich.
    Wenn du uns keinen richtigen Leitfaden an die Hand gibst, können wir das auch völlig unterschiedlich werten.

  9. #9
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    Genau das bringt den Sinn des Gedichtes auf den Punkt!

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