Thema: Hexenjagd

  1. #1
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    Hexenjagd

    Die Kräuterfrau, sie wurd bezichtigt,
    bei den Hexenkommissaren.
    Sie wurde nackt genau besichtigt,
    von allen, die im Gremium waren.

    Der Medikus stach mit der Nadel,
    in alle auffälligen Flecken,
    doch dann erst nach des Richters Tadel,
    konnt er ein Teufelsmal entdecken.

    Die Hexe war nun überführt,
    doch sie wollte nicht gestehen.
    Da wurde sie erst sanft berührt,
    mit Glut, bis Blasen warn zu sehen.

    Nach Jesus hat sie dann geschrien.
    Das gottverfluchte Hexenweib,
    sah flehendlich zum Richter hin,
    verdächtig bog sich da ihr Leib.

    Die Kommissare warn entsetzt,
    darüber, wie verstockt sie war,
    und Gottes Ehr auch noch verletzt,
    als allen ihre Schuld schon klar.

    Hier war Mitleid fehl am Platz,
    sie musste andre Hexen nennen,
    damit dann weiterging die Hatz,
    die wir nur noch aus Büchern kennen.

    Es wurd gestochen und geschlagen,
    um ein Geständnis zu erzwingen.
    Niemand konnte dies ertragen,
    ein Schuldbeweis konnt so gelingen.

    Am Brandtag wurd darauf gewettet,
    wie lang die Hex im Feuer schreit.
    Sie hing am Pfahl fest angekettet,
    gehört wurde sie noch sehr weit.

    Der Brandgeruch zog durch die Stadt.
    Dies wollt der Klerus Säubrung nennen.
    Die Malefic- und Teufelssaat,
    sie sollte in den Feuern brennen.

    Rund tausend Hexen gab’s in Bamberg.
    In Würzburg warn’s ein wenig mehr.
    Das war des Teufels böses Werk,
    was Gott sei Dank schon lange her.
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  2. #2
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    Hallo Hans Plonka,

    formal ist dein Werk in 10 Strophen gegliedert, die überwiegend im jambischen Versfuß gehalten sind, mit einigen Abweichungen, so zB in Strophe 2:

    xXxXxXxXx
    xXxxXxxXx
    xXxXxXxXx
    xXxXxXxXx

    Als Reimschema wird der Kreuzreim durchgehend eingehalten.Die Reime sind fast ausschliesslich rein, nur in Strophe 4 (geschrien - hin) und der vorletzten Strophe (Stadt - Teufelssaat) verwendest du unreine Reime, was aber bei der Länge des Textes kaum auffällt.
    Handwerklich würde ich das Werk als solide mit leichten Mängeln betrachten.

    Inhaltlich bleibt das Werk leider eine vordergründige und eindimensionale Schilderung menschlicher Ungerechtigkeit und menschlichen Leidens.
    Man könnte meinen, Du hättest ein Buch über Hexenverfolgungen gelesen und, entsetzt ob dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit mahnend in Verse umgesetzt.Das ist durchaus löblich; nur vermisse ich tiefere Reflexion des historischen Stoffes, tiefenpsychologische Feinheiten, alternative Bedeutungsebenen und ästhetischen Schnickschnack, zB ungewöhnliche Metaphern, sprachliche Eleganz etc.
    Das fängt schon bei der Auswahl und Charakterisierung der handelnden Personen an.
    In Strophe 1 wird die "Hexe" geschildert als:
    Die Kräuterfrau, sie wurd bezichtigt

    Diese Heilerin ist also ein vollständig unschuldiges Denunziationsopfer, das den Menschen eigentlich nur helfen will und gerät in den unerbittlichen Justizapparat dieser Zeit.

    In Strophe 2 wird dann der Richter vorgestellt:

    Der Medikus stach mit der Nadel,
    in alle auffälligen Flecken,
    doch dann erst nach des Richters Tadel,
    konnt er ein Teufelsmal entdecken

    Der Richter wird also als ungerechter Sadist dargestellt, der sein Opfer slange foltern lässt, bis ein vorgeblicher Beweis gefunden ist.Sicher hat sich das oft so abgespielt, doch bleibt die Darstellung trotzdem stereotyp, reine Schwarz-Weiß-Malerei.
    Wir wissen aus Prozeßakten, dass nicht alle vorgeblichen Hexen unschuldige Denunziationsopfer waren.Teufelspakte, -erscheinungen teilweise unter dem Einfluss halluzinogener Drogen wie zB Bilsenkraut und tatsächliche schwarzmagische Praktiken, teilweise widerwärtiger Natur sind nicht selten vorgekommen; das ist zwar kein Grund, Menschen zu verbrennen, aber Grautöne bei der Charakterisierung der handelnden Personen wären mir persönlich lieber; es waren ja auch viele Inquisitoren und Richter von der Abwegigkeit ihres Tuns überzeugt und keineswegs alle Sadisten.

    Was ist eigentlich die Intention des Werks? Historische Ungerechtigkeiten schildern?
    Es ist doch seit Jahrtausenden bekannt, dass Menschen in Prinzip Schweine sind, die andere leiden lassen, weil sie selbst leiden.Die x.te literarische Verwurstung dieser Erkenntnis im holperigen Jambus mit Meister Yoda-Inversionen bringt uns doch kein Stück weiter bei der Bewertung der zentralen ontologischen Frage, warum Menschen eigentlich leiden.

    Lieber Hans, das soll kein Totalverriss sein.Du hast, wie ich finde, durchaus Talent beim Schmieden von Versen.Leider mangelt es deinen Texten (Ich habe schon mehrere gelesen) mE an Tiefe.
    Nimm doch einfach mal eins deiner Gedichte, streich es durch ein engmaschiges Sieb, koch den Sud schön dick ein und würz ihn kräftig mit Metaphern, einer kristallinen Struktur, lyrischer Verdichtung etc.Das Resultat könnte durchaus schmackhaft sein.

    mfG

    Tristessa
    ...Säufer des schweren Saftes, versiegelt im durchsichtigen Bernstein ihrer Träume...
    William S. Burroughs

  3. #3
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    Hexenjagd

    Hallo Tristessa,

    Du hast es richtig erkannt, ich habe hier innerhalb der Verse auch ein paar Betonungsfehler in Kauf genommen. Für vorrangig wichtig halte ich den Versfuß und den Ausklang.

    Auch Deine Vermutung über meine Lektüre ist richtig. Mein letztes Buch war „Seelen im Feuer“ von Sabine Weigand.
    Die Ursache für die Inquisition wird oft dem Aberglauben und der Dummheit des einfachen Volkes zugewiesen. Das Volk war tiefgläubig und vertraute der gebildeten Obrigkeit (überwiegend Kirchenmänner). Wer nicht an Teufel, Dämonen, Hexer und Hexen glaubte geriet in den Verdacht selbst mit ihnen im Bunde zu stehen. Wer einmal verhaftet war, der war in der Regel verloren und er wurde auch noch zur Beschuldigung von anderen unter der Folter gezwungen.
    Durch die berühmte Hexenbulle des Papstes Innozenz VIII wurde der Übergang vom Hexenglauben zum Hexenwahn dogmatisch gerechtfertigt und zum institutionalisierten Machtinstrument und wirksamen Waffe der Kirche. Die Inquisition war auch oft eine gute Einnahmequelle aller an den Verfolgungen, Folterungen und Hinrichtungen beteiligten.
    Wegen Macht und wirtschaftlicher Vorteilnahme wurde Glaube und Dummheit der Menschen von den Vorteilnehmern (überwiegend Kirchenmänner) ausgenutzt. Hexerei wurde anerkannt von Bibel, Kirche, Philosophie, Medizin, den Naturwissenschaften und der Jurisprudenz. Heute schätzt man zwischen 60 000 bis 100 000 unschuldige Opfer in Europa, wobei die Judenverfolgung im Mittelalter nicht inbegriffen ist.
    Ich hoffe dass ich mit meinem Gedicht einen weiteren Denkanstoß geben konnte.
    Danke für Dein Interesse.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

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