1. #1
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    Und Blut war meine Religion

    Da hast du, Gott, zu deinem Fuße,
    was du nach deinem Bild geschaffen.
    Ich spucke es da hin.
    Sie tun dir kriecherisch noch Buße,
    sie hängen Rosen an die Waffen
    und fragen artig nach dem Sinn.

    Und du gibst jedem seine Antwort,
    der vor dir auf die Knie sank.
    Ich spucke sie da hin.
    Und ich verlasse diesen Schandort,
    denn vielleicht schulde ich dir Dank,
    dem ich so überdrüssig bin.

    Und Blut war meine Religion,
    nachdem dein Reich versunken war.
    Ich spuck es vor dich hin.
    Und bitter war mein kalter Hohn;
    ich bracht' ein letztes Opfer dar:
    Den Mut zu einem Neubeginn.


    '[...] Ich entschied mich daraufhin für ein Buch von Sebastian Sick im Sonderangebot über den korrekten Umgang mit dem Plusquamperfekt, das mir von einem Freund empfohlen gewesen worden war.'
    Achim Leufker

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    Hafen, Solitude and Burning Faces, Erste Schritte, In zwei

  2. #2
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    Hallo liebe Sehnsucht! Ich finde, das ist ein sehr mutiges Gedicht. Es sagt schon sehr viel aus, wenn Du zornig ausrufst :“Ich spucke es dahin!“ Ich persönlich bin Atheist geworden. Spielt aber keine Rolle. Für mich ist die Natur Gott, zumindest ist sie sein Fußabdruck, wenn es einen geben sollte. Wenn wir sein Ebenbild haben sollten, so muss man sich tatsächlich fragen ob wir dessen jemals würdig gewesen sind. Aber auch der Klerus hat sich tief versündigt. Die schlimmsten Sünden liegen zwar schon etwas länger zurück, aber sie dürfen nicht vergessen werden.
    Sehr schön Dein Schluss: Es ist noch nicht zu spät, wir können noch einen Neubeginn wagen, wir müssen es sogar! Ich finde es ist höchste Zeit. Aber werden wir so viel Vernunft aufbringen? Daran muss man sehr zweifeln. Ich danke Dir! Alles Gute! hoyoko

  3. #3
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    Das Gedicht handelt von dem Abwenden von Gott, das auf den gescheiterten Versuch, Zuflucht im Glauben zu finden, folgt.
    Es geht um Enttäuschung und Wut aber auch im Desillusionierung und den Sieg, den die Vernunft letztlich davon trägt.
    Jeder Mensch hat seine eigene Art der Religiosität, ganz unabhängig vom Glauben an einen Gott. Meine Mutter beispielweise findet ihre Zuflucht in der Natur. Sie glaubt an diese.
    Die Frage ist eigentlich immer, welche Alternative der Atheist zu einem Gott findet, denn jeder Mensch braucht etwas, wo er seinen Anker auswerfen kann. Viele Menschen sagen in diesem Kontext: 'Ich glaube an mich selbst.'
    Ich stelle mir oft die Frage, wie sich Gewinn und Gefahr des Glaubens abwägen lassen.

    Ich danke dir für deinen Kommentar.

    ps.: Zum Schluss zum Schluss: Tatsächlich hat das LI seinen Mut für einen Neubeginn verspielt. Es hat ihn als letztes Opfer an Gott dargebracht. Dies spiegelt die Lähmung wider, die von der Religion auch dann noch ausgeht, wenn man sich von dieser abgewandt hat. Sie kann Halt geben, ohne Frage und ich respektiere Menschen, die diesen in der Religion finden. Und doch: Sie kann zu einer Tatenlosigkeit, oder einem fehlgerichteten Tatendrang führen, den ich nicht gutheiße...
    Geändert von .Sehnsucht. (12.02.2012 um 16:45 Uhr)


    '[...] Ich entschied mich daraufhin für ein Buch von Sebastian Sick im Sonderangebot über den korrekten Umgang mit dem Plusquamperfekt, das mir von einem Freund empfohlen gewesen worden war.'
    Achim Leufker

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