Thema: verschriftet

  1. #1
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    verschriftet

    verschriftet

    und über mir das lärmen
    von vogelschwärmen
    und unter mir die zeit
    die ich durchdringe mich durchdringt

    wenn alles sich in vögelschwärmereien
    phallustiert und mich durchdringt
    im koitus mit meiner kurzen zeit

    dann stiert die nacht und zwingt
    mit aufgesetzten hörnern gnadenloser lust
    mit list und last doch nichts
    ist wirklich lasterhaft und gift

    verblüfft greif ich zum stift
    mir bleibt die schrift
    Geändert von Woitek (12.02.2012 um 10:07 Uhr)

  2. #2
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    Hallo Woitek!
    Du stellst mich da mit deinem Werk auch nach mehreren Semestern Philosophie vor eine Herausforderung.(Sie sind auch schon länger her...) Also die erste Strophe fängt ja noch harmlos an mit dem Vogelzug als Metapher für Zeitenwechsel und dem LI, das diese Zeit gleichzeitig wahrnimmt und Teil von ihr ist, also das aktive und passive Moment der Zeit einfängt..Tja und dann wird es mysteriös, meinst du das aufgeblähte Bewußtsein in seiner Bedeutungslosigkeit? Oder die Macht und Ohnmacht von Leidenschaften und Gefühlen? Am Ende fiel mir dann ein Werk von Heinz Pointek ein: "Schreiben". Die Macht des Wortes in Anbetracht der nihilisten Aspekte des Seins.Und jetzt die große Frage, habe ich irgendetwas richtig verstanden oder mir umsonst das Hirn verrenkt?

    Viele Grüße

    macin

  3. #3
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    Weiß nicht, ob man sich dem ganzen hier mit Philosphie so einfach nähern kann. Habe die ersten 4 Zeilen frei assoziiert und sie unmittelbar danach anlysiert. Hab gesehen, dass ich "Vögelschwärme" geschrieben hatte und habe gegoogelt, ob es nicht eher Vogelschwärme heißt. Klar steht da aber auch auch, dass es ums Schwärmen vom Vögeln geht und auch die Zeit unter mir möglicherweise eine Penetrationsfantasie ist. Eine Fantasie in der ich sowohl penetriert werde als auch selbst penetriere. Dieser Analyse entspringt die zweite Strophe. In der ersten Strophe lass ich mich dann wieder assoziativ fallen, da fällt mir dann der Bezug zum Stier und der diesem nachgesagten Potenz auf und ich stelle weiterhin Verbindungen her. Durchzogen wird das ganze von Spielerei mit sprachlichen Gleichklängen, die sich zum Ende hin aufschaukeln. Ich war fast geneigt die "kurze Zeit" anders zu attributieren, doch käme das wohl einer Komplexverdeckung gleich. Wäre das Gedicht noch weitergegangen, hätte ich mich thematisch wohl mit der Analyse des "griffes zum Stift" auseinandergesetzt. Doch das Gedicht sollte zu Ende sein.

  4. #4
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    Hallo Woitek!
    Also dann eher ein "Techtelmechtel" erotischer Art mit der Zeit? Das gefällt dem "Narren" in mir, da wären die Schwärmereien, der Koitus, der Phallus und die Hörner untergebracht....du siehst das rein assoziative will unbedingt ein wenig sinnhaft werden!
    Grüße
    macin

  5. #5
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    hallo woitek

    fasziniert nicht nur beim ersten lesen durch sprache und (hinter-)sinn.
    ich musste es mehrmals lesen, um alle (?) feinheiten mitzukriegen.

    teilweise ist mir der laut- oder wortwitz zu sehr im vordergrund: die la-li-lu-alliteration kommt inhaltlich nicht an das vorbild heran, hängt zudem im netz des lasterhaft. da stellt für mein gefühl das kunstvolle der kunst ein bein.

    zudem frage ich mich, was die letzte zeile hier soll? ist sie der schlusssatz, der bei schüleraufsätzen zwingend ist? die vorletzte zeile wäre für mein gefühl ein viel schönerer, "lyrischerer" schluss.

    aber sonst: respekt!

    lg wilma27
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  6. #6
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    jetzt, wo du es schreibst. Da sollte ich mir mal Gedanken drüber machen, warum ich bei vielen meiner Gedichte, fast automatisiert, so einen finalen Schlusssatz hinstempel, der oftmals sogar moralisierend ist. Das sollte ich nicht mehr machen, stimmt. oder doch? verflixt wie ich es auch dreh und wende, ich weiß es nicht. doch das könnte es gerade sein. vielleicht ist die verblüffung ja tatsächlich das, was den schluss lyrisch hinausträgt. ja ich streiche die letzte zeile ---weiß.

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