1. #1
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    Du sollst nicht lügen

    Du sollst nicht lügen


    I.
    Prediger lagerten vor Düsseldorf.
    Räuber, sagten die einen.
    Gedankenfresser, sagten die anderen.
    Jürgen empfahl sich bei der
    Freiwilligen Feuerwehr.
    Seine Frau verzichtete
    auf das Brandblasen.
    Die Kirchturmspitze funkelte
    in Stumpfsinn.
    Das Glockengeläut verstummte nicht.

    II.
    Ein Messdiener erhängte sich im Keller.
    Unbedeutendes Gemache.
    Weichei.
    Ursula onanierte in diesem Sommer
    ein letztes Mal
    und erschuf sich einen Gott.
    Gebete und Gebote.
    Nichts kann einen Menschen
    mehr belasten, als Identität.
    Sommerloch.
    Eine Schande für das Jahr.

    III.
    Ich las ein Buch über einen Mann.
    Dieser Mann wurde geboren.
    Und er starb an einem Kreuz.
    Er soll ne Menge coole Sachen erzählt haben.
    Von Schafherden und Steinen werfen und so.
    Walter meint, er hätte ihn
    letztens im Mondrian getroffen.
    Dort hätte er ihm Wasser
    über den Kopf gegossen und
    wirres Zeug gesprochen.

    Ich glaube Walter lügt.
    Geändert von Egopus (12.02.2012 um 19:03 Uhr)

  2. #2
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    Ich gebe gern zu: Ich bin verwirrt.
    Dein Gedicht scheint sich zwar einheitlich mit einem Thema zu befassen und doch... wieder nicht.
    Mich irritiert vor allem Jürgen - wer ist Jürgen und was hat die Feuerwehr mit dem Lügen zu tun? Ich bin etwas ratlos.
    Mir gefällt die zweite Hälfte der zweiten Strophe sehr.
    Dass sich nichts reimt, tut diesem Gedicht keinen Abbruch. (Es gibt durchaus Gedichte, die sich reimen sollten. Deins gehört nicht dazu.)
    Auch die saloppe Sprache ist nicht störend und zwar nicht mal für mich, die ich ein Verfechter von metaphorischem Gesäusel bin.

    Was mir allerdings am besten gefällt, ist die letzte Strophe, besonders der letzte Vers. So einfach, aber eindrücklich.
    'ne Menge coole Sachen' finde ich allerdings etwas daneben gegriffen, es klingt zu banal. 'Er soll viel zu erzählen gehabt haben.' o.ä. hätte mir vielleicht mehr zugesagt.

    Auch den Titel halte ich für überdenkenswert, obschon der Bezug zur Religion mit dem Rezitieren eines Gebotes in einem schönen Kontrast zum Folgenden steht.

    Alles in allem: Mir gefällt dein Gedicht, ich glaube, ich werde mir noch mehr von dir zu Gemüte führen. Und dass obwohl es so gar nicht meinen eigentlichen Geschmack trifft. Nicht übel.


    '[...] Ich entschied mich daraufhin für ein Buch von Sebastian Sick im Sonderangebot über den korrekten Umgang mit dem Plusquamperfekt, das mir von einem Freund empfohlen gewesen worden war.'
    Achim Leufker

    Noch ohne erhellenden Kommentar:
    Hafen, Solitude and Burning Faces, Erste Schritte, In zwei

  3. #3
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    Feuerwehr ist einfach nur eine Metapher.
    Sie ist sozusagen der "Platzhalter" ausserhalb des Textes.
    Hier wird die Realität auf einen Zustand runter gebrochen,
    der nachvollziehbar scheint.

    M

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