1. #1
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    Stunden und Minuten

    Schön langsam fließt die Zeit, lässt mich in Träumen schweben,
    ganz sorglos weit und breit, den Himmelswolken gleich
    auf einem Teppichfließ, gemustert, flauschig, weich,
    dann so die Wunderwelt von oben zu erleben.

    Doch dort in jener Stadt, wo alle Menschen eilen,
    wo jeder hastet, rennt - die Zeit ist hier viel Geld,
    da geht's um blanke Macht, denn Geld regiert die Welt.
    Dort ist die Ruhe fremd, da gibt es kein Verweilen.

    Die Maßeinheit der Zeit sind Stunden und Minuten
    gemessen mit der Uhr, sie misst nicht nur die guten.
    Vergangnes ist vorbei, kommt niemals mehr zurück.

    Die Stunde ist für mich mal lang, mal kurz von Dauer,
    hängt ab ganz sicherlich, von Freude, Wohl und Trauer.
    Ich wünsche mir viel Glück in jedem Augenblick.

    hoyoko

  2. #2
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    Lieber hoyoko,

    wow, mir dünkt, das ist ein astreines Alexandriner-Sonett, schön mit Zäsur in der Mitte – Kompliment! Auch These/Antithese/Synthese wurden wunderbar herausgearbeitet. Noch mehr hätte mir abba-abba in den Quartetten behagt, aber ein dickes Lob bekommst du trotzdem von mir, denn so ein Alexandriner ist nicht so einfach.

    Inhaltlich spricht es mich ebenfalls sehr an: Das LI weiß, was es heißt, ganz im Augenblick, im Hier und Jetzt zu leben, denn das Vergangene ist unwiderruflich vorbei. Es weiß die kleinen Dinge und wahren Schätze des Lebens zu würdigen und wahrzunehmen.
    Nur, wenn wir ganz im Hier und Jetzt leben, können wir Glücksgefühle, Gelassenheit, innere Harmonie etc. empfinden. Das Anhaften an schmerzvollen Erfahrungen in der Vergangenheit und Sorgen über die Zukunft trüben, ja, verhindern die Möglichkeit der Freude im jeweiligen Augenblick. Nur im Hier und Jetzt können wir auch uns selbst wahrnehmen, unsere Gefühle und ureigensten Bedürfnisse. Im Hier und Jetzt vergleichen wir uns nicht mit anderen und unsere jeweilige Situation nicht mit früheren Situationen. Wir sind präsent im Augenblick und werten nicht.

    Mit innerlichem Abstand und wohl auch ein wenig Bedauern beobachtet das LI aus seiner höheren, reiferen Perspektive, wo es fähig ist, wirklich und mit allen Sinnen zu genießen, die Ruhe- und Rastlosigkeit der oberflächlichen und innerlich verarmten Masse, die blind vor Hunger nach Prestige, Macht und Geld unfähig ist, die wahren Werte zu schauen, schätzen zu lernen und letztlich zu leben.

    Die Stunde ist für mich mal lang, mal kurz von Dauer,
    hängt ab ganz sicherlich, von Freude, Wohl und Trauer.
    Ich wünsche mir viel Glück in jedem Augenblick.
    Hier sprichst du auch das Phänomen der subjektiven Zeitwahrnehmung an, wonach die Zeit abhängig von der inneren Einstellung und dem Präsentsein im Jetzt schneller verfliegt oder langsamer dahinfließt. Das LI wünscht sich Glück in jedem Augenblick, was es mit seinem Seins-Zustand auch eher erfahren wird, als im Haben-Modus.

    Ich habe mich sehr gern mit deinem Sonett beschäftigt!


    Liebe Grüße
    Yoa

  3. #3
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    Hallo, Yoha! Na ja, Du hast es sofort erkannt. Du bist ja ein Profi. Die Reimfolge abba abba wurde nicht eingehalten. Es ist abba cddc in den Qartetten geworden. War mein erster Versuch. Jetzt lässt sich nichts mehr in der Hinsicht verändern. Ist wohl aber kein Beinbruch. Soll mir aber eine Lehre sein.
    Aufgebaut habe ich das Gedicht auf der These des ersten Terzetts, dass die Maßeinheit der Zeit die Stunde ist und die ist eben festgelegt. Die Antithese sagt aber, dass ich die Zeit (eben die Stunde) unterschiedlich lang empfinden kann. Das wird dann im ersten und zweiten Quartett gezeigt. Hier habe ich mich bemüht im 1. Quatett soviel mehrsilbige Wörter zu verwenden, wie möglich. Im Gegensatz zum zweiten Quartett, wo ich mit einer Ausnahme nur ein- oder zweisilbige Wörter verwende. Hier geht es ja um den Mangel an Zeit, das Empfinden, dass sie zu kurz ist und nicht ausreicht.
    Für Deine Stellungnahme bedanke ich mich ganz herzlich. Du hast das Gedicht sehr gut analysiert, besser als ich es selbst vermocht hätte. Ich weiß deine Beurteilung sehr zu schätzen. Ich wünsche Dir alles gute und Schöne. hoyoko

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