Leben - die erste

Hure Leben, komm und mach die Beine breit,
leg dich hin und zieh dich aus,
muss mit dir reden, ist mal wieder Zeit.

Mätresse Mensch,
Sinnentbunden von der Zeit gefickt,
geschändet Körper, Geist geschunden,
Pleitegeier der dich pickt.
Sticht die Augen aus, munter ist in seinem tun,
welch ein Augenschmaus, schändet dich,
kannst nicht ausruhen.

Woher nur bist du gekrochen,
welches Erdloch spie dich aus,
Rückratslos und ohne Knochen,
schlurfst du in die Welt hinaus.

Trägst die Last und stampfst durch Fluten,
scheiße badend, bis unters Kinn,
Worte speiend, und am bluten,
Daseinssuchend ohne Sinn.

Wo nur, bist du her gekommen,
welches Scheusal hat dich gemacht,
Mutter eine Sternenhure, Vater Dämon ist die Nacht.
Als Säugling düster du geboren,
und zum Elend du erkoren.

Als Samenklecks in Mutters Schoß,
herausgedrückt, und wurdest groß.
Und erst mit Größe hast du erkannt,
wie klein du doch geworden bist,
lebend unter nackten Affen,
stummschweigenddumm,
nichtsagend da, und gaffen.

Früh die Rufe gehört,
das raue krächzen, grau-kranker Eulen,
die in krank-grauen Nächten,
sich im krächzen aufgeilen.

Tod, schreien sie,
kotzen die blutenden Worte
vielmehr aus,
Tod dein Begleiter und Sterben dein Haus.

So bin ich, kaum da und schon verbaucht,
wie eine Kippe, voller lyrischen Gifte,
doch längst verglüht und auf geraucht.
Der fleischgewordene Traum,
aus der Unendlichkeit entstanden,
aus dem Staub der Sterne, mit einem Knall geboren,
Kohlenstoffeinheit, Schadstoffemissionen,
Hohlraumkopfträger,
oder einfach nur
ein nackter Affe.

Nenn mich Mensch, heiße so wie du,
bin da genauso wenig stolz drauf,
hast auch du begriffen, das du Scheiße bist,
lebend geborene Sternenleiche?

Das letzte Leuchten längst verblasst,
Gefühle die gänzlich nun gefrieren,
als Sternenleiche, letzte Rast,
und dann nur tot noch explodieren.

Im Leuchten dann verstummen,
nur die Schreie sind noch Laut,
und egal welch Blick sich an mich wendet,
statt Licht, man nur in Schwärze schaut.

Die Wärme die einst war, nun kalt,
mein drehen, längst ein stehen,
allein nun da, im Sternenwald,
wie soll mein Herz das nur verstehen.

Da nur ist die Dunkelheit, die letzte wahre Macht,
und ich bin einst ein Stern gewesen,
und jetzt bin ich ein Schatten noch,
ein Schatten noch, in Nacht.

Wandelnd stetig auf den Umlaufbahnen,
Jahr um Jahr bist du merkst geht nur im Kreis,
und gibt es eine Message, etwas das hinter allem steht,
hinter all der Welt, und allem Scheiß,
trägt das Leben eine geheime Botschaft, irgendwo versteckt
in sich,
„Wenn es nicht im Regal steht, dann gibt es das auch nicht“,
alles ist real,
Real, das ist schon schlimm genug.
Es brauch keine Botschaft,
das ist Leben,
Leben - die erste.


Leben – die zweite

Die Jahre ziehen weiter, nur die Dunkelheit beständig,
Tod zehrt an dir, nichts macht dich lebendig.
Fühlst dich am falschen Platz zur falschen Zeit,
wie eine Totgeburt und Kind,
fühlst dich verloren, und in Einsamkeit,
schwimmst gegen den Strom, ziehst mit dem Wind.

Trägst den Wind in deinen Haaren,
Trauer tief in deinem Blick,
und im Herzen die Barbaren,
doch führt der Weg nicht mehr zurück.

Weiter vorwärts, Untergang,
der Hölle nicht mehr allzu fern,
letztes Knistern, letzter Funke,
dann vorbei und nicht mehr Stern.

Rotglühender Sand, brennt unter deinen Füßen,
feuriglodernde Glut, und Blut an deiner Hand,
lässt das Chaos aus dir Sprießen,
doch Chaos, das ist Leben, kämpfst den Kampf der gerechten,
niemals wirst du aufgeben.

Und du schlägst so deine Schlacht, Jahr ein, Jahr aus,
um Licht, um Nacht,
in deinem Blutfehdentraum,
doch wird der Sieg dir niemals gewiss sein,
den Chancen, hast du kaum.

Von Nichts zu jetzt, von Tot auf Leben in nur wenigen Sekunden,
Orgasmus, Explosion, und dann, ja dann, geboren.
Dann stehst du da, bist echt, bist wahr, und hier um nun noch alt zu werden,
von jetzt auf gleich,
dann da auf Erden, und nun schreitend, doch wohin,
gibt keinen Weg, gibt keinen Sinn,
und bist gebunden nur an Zeit,
wartend, auf die Ewigkeit, entschlossen, bereit,
nichts mehr das du ertragen willst,
es reicht an Leid, und voll das Maß,
es keimt der Zorn, es keimt der Hass,
und du, du hast dich selbst verloren,
gänzlich nur noch Dunkelheit.
Von Licht willst du dann nicht mehr wissen,
also brennt es unter deinen Füßen.

Das Feuer es ist gut, ist alles was du kennst,
du nimmst es an, stehst deinen Mann,
und stehst in Flammen bis zum Untergang.

Nur stille Tränen die dich prägen,
der nie geweinte Schmerz,
stille Tränen, stummes Leben,
und ewig währt der Schrei im Herz.

Aug um Aug im Tränenschimmer,
weinend ein Meer,
entleert sich immer,
und da und echt, das ist dein Kummer.

Träne, du Essenz von Schmerz,
flüssiges Gefühl, Teich unter dir,
nimmst den Boden hier,
drohst zu ertrinken, in Emotion zu versinken.
Drohst zu entgleiten, unter Tränen in deine Ende schreiten.

Im Zeichen Liebe gehst du unter,
auf den tiefen Meeresgrund,
einst Gefühle stark und munter,
jetzt noch gierend, jener Schlund.

So vergehst du mit den Tränen,
die du weinst um dich,
erst sie machen dich noch menschlich,
und mit jeder Träne wird dir klar,
das alle Hoffnung längst verloren ist.

Du begreifst nichts, und selbst da bist du dir unsicher,
du weißt, Wahrheit, das heißt sterben,
und erst im sterben begreift man Leben,
Leben - die zweite.


Leben-die dritte

Und nun, das Finale,
der verfickte Rest und Exodus,
von hinten dann, Anale, und endlich dann ist Schluss?
Ein Hauch, wird kalt, ein Todeskuss,
ein Licht, ein Spalt, und dann vorbei,
und gehst, hindurch, vergisst,
verblasst, alles nun entschwindet dir,
wer du warst, wo kommst du her,
wer du bist, wo ist hier,
wer nur, wer bin ich?

Der Strudel zieht, ein letztes drehen,
ein Tunnel dann, dann nichts mehr sehen,
Probleme sie sind plötzlich nichtig,
nichts sagt mehr aus, nichts ist mehr wichtig.
Das Spiel, es ist aus.

Der letzte Akt, der letzte Akt in deinem Leben,
mit einem Atemzug, ist es genug,
und es ist dann getan, mit einem Schritt,
nimmt er dich mit, voran, voran,
entführt dich aus der Welt,
und es gefällt, das gehen,
sei einmal Held,
Held in deinem Sterben,
musst nur verstehen,
alles ist endlich, endlich und endlich,
vorbei,
endlich und endlich frei.
Und es ist neu, das Gefühl, spürst es zum allerersten mal,
alles ist nun zuende, alles ist nun egal.

Leben ist Chaos, leben ist Stress,
willkommen in der Ordnung nun,
im endlosen Frieden,
endlich ausruhen.

Es gibt nix mehr,
aber fehlt dir nicht was,
wo war das Leben noch,
und wohin ist der Spaß?

Wo ist der Sinn,
hatte ich einst,
Sinn weil ich bin,
reicht das denn nicht?
Wo ist das Leben,
ist dunkel hier,
wo bin nun ich,
mein Licht,
das Dasein entschwunden,
aus dem Sein, ich entbunden,
und ich verstehe es nun,
auch wenn es verletzt,
Leben ist scheiße,
aber auch scheiße ist jetzt,
in meinem siechen, im Tode Verfall,
in der endlosen schwärze, im trostlos egal,
da vermisse ich dich,
Leben die erste,
Leben die zweite,
Zeit, wo bist du hin?
Hatte dich Leben, und lebte den Sinn,
Sinn war es, das ich da war,
Sinn war es, das ich lebte,
Sinn war es, einfach zu sein,
jetzt erst, bin ich wirklich allein,
so allein,
ich bin tot.

Tod, und der letzte Akt, in dem Stück Leben,
ist gekommen, Vorhang Sein ist gefallen,
Bühne mein, vergangen,
der Applaus nun verlischt,
im letzten Klange er vergeht,
die Zuschauer verschwunden,
weil der Spieler nicht mehr lebt,
Maskenträger, Harlekin,
Clown mein Ich, mein Sinn,
alle sind nun fort,
an einem anderen Ort,
alle sind nun Weg,
Leben die erste,
Leben die zweite,
Leben und Tod,
Staub zu Staub,
und Dreck zu Dreck.

Und was bleibt, bleibt was zurück,
eine Moral, irgendwas,
in diesem Stück,
gibt es noch was,
irgend etwas,
was gesagt werden muss,
es gibt nix mehr, alles ist endlich,
ist vorbei, Exodus.