Über das Gedichte schreiben


Nichts verlässt den Raum für Stunden,
die Uhr versagt mir ihre Zeit.
Der Winter stirbt im Sommerkleid,
bevor das erste Wort gefunden.

Papier vergilbt in einem Leben,
dass sich aufs Heute nur beschränkt.
Die Hand, die meine Feder lenkt,
ist mir allein fürs Wort gegeben.

Das Telefon schreit nach Beachtung,
es klingelt ständig penetrant.
Wer Gott verdammt hat keine Achtung,
vor diesem Mann, Dichter genannt.

Nichts verlässt den Raum für Tage,
ich trinke mich in ein Gedicht.
Das Werk erkennt den Dichter nicht
Brauch keine Antwort, keine Frage.

Ich schreibe mich in einen Rausch,
ich setze Worte wie Kanonen.
Ich tanze sanft wie Pina Bausch,
ein Drink kann mich so schön belohnen.

Ich seh die Sätze vor mir schwinden,
ich glaube aber fest an Kunst.
Wer kann mich von dem Joch entbinden,
mein Hirn spielt Nebel unter Dunst.

Ich breche auf das weiße Blatt,
ich rülpse, furze durch den Raum.
Poetisch bin ich nimmersatt,
Genie, ein Gott, ein Dichtertraum.

Dann schwinden mir die letzten Blicke,
mein Kopf schlägt auf dem Schreibtisch ein.
Nenn meine Frau noch eine Zicke,
was redet sie mir denn auch rein.

Als ich erwache muss ich lachen,
kein Text, kein Wort, null Poesie.
Ach Scheiß egal, ich lass es krachen,
denn Dichter werd ich sicher nie.