1. #1
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    turtel-tourette



    dass du nicht nach jedermanns geschmack bist,
    kackmist, stört mich nicht - denn meinen triffst du wohl!
    ja, ich liebe deinen schwitzeschweiß-fleck,
    scheißdreck, und beim kuss dein eau de alkohol.

    muss so sein: du nimmst ganz gern 'nen drink, frau,
    stinksau - schert mich nicht, du teilst ihn ja mit mir;
    netterweise wischst du deine kotze,
    schätzchen, morgens artig weg: ich liebe dir!

    Geändert von wortsport (29.02.2012 um 13:38 Uhr)
    ach, aber mit versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. man sollte warten damit und sinn und süßigkeit sammeln ein ganzes leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum schluss, vielleicht könnte man dann zehn zeilen schreiben, die gut sind. denn verse sind nicht, wie die leute meinen, gefühle (die hat man früh genug) - es sind erfahrungen. (rilke)

  2. #2
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    Hallo Wortsport,

    Das Gedicht ist mir äußerst unsympatisch. Da hilft auch das "liebe dir" nicht. Das war sicher Absicht. Von daher wirst Du es wohl gut gemacht haben. Ich hoffe mal, es hat nichts mit Erfahrung zu tun, so wie Deine Signatur es rilke sagen lässt.

    LG Irene
    Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommele nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,
    sondern lehre den Männern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer
    von Antoine de Saint-Exupéry

  3. #3
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    hai irene,

    danke fürs lesen und den kommentar, auch wenn er verständlicherweise nicht zustimmend war vielleicht müsste ich noch zwei antwort-strophen aus der sicht der frau schreiben, wg. gender und so.
    beruhigen kann ich dich insofern, als ich diese erfahrungen bisher nicht machen musste.

    jetzt muss ich die gefühlte fcbayern-niederlage betrinken gehen, vielleicht hole ich mir ja einzwei anregungen für besagte antwort-strophen...

    nichts für ungut,
    wortsport.

    edit:
    wahrscheinlich kriegts jetzt eh keine sau mehr mit, weil ich so vorbildlich bin und einen doppelpost vermeiden will. aber ich habe das höchstwahrscheinliche wort des haupt-anstoßes durchs "schätzchen" ersetzt, vielleicht kann man ja jetzt bissle schmunzeln.
    gruß
    Geändert von wortsport (29.02.2012 um 13:40 Uhr)
    ach, aber mit versen ist so wenig getan, wenn man sie früh schreibt. man sollte warten damit und sinn und süßigkeit sammeln ein ganzes leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum schluss, vielleicht könnte man dann zehn zeilen schreiben, die gut sind. denn verse sind nicht, wie die leute meinen, gefühle (die hat man früh genug) - es sind erfahrungen. (rilke)

  4. #4
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    das tourette-syndrom ist eine echte lebensaufgabe für betroffene und die nächsten, wortsport.

    wer sich damit mal ein wenig befasst hat, weiß, dass es eine echte behinderung darstellt. einfaches, normales leben mit normaler interaktion is nich. und wie es menschen mit behinderung nun mal - nachvollziehbarerweise - nich mögen, ist auch in deinem gedicht hier ganz normal durch den kakao gezogen, was eben nicht beglotzt, bemitleidet oder anders ausgegrenzt werden sollte. das find ich gut.

    insofern hab ich das augenzwinkern in den zeilen gern gelesen und für gut befunden.

    am besten aber gefällt mir, dass das verhalten lyrIchs, das mit dem tourette-syndrom geschlagen ist und nicht anders kann, vom nicht minder "eigenwilligen" verhalten lyrDus locker eingeholt wird.

    da haben sich also zwei gefunden, die verstehen, was es heißt, hinter die fassade zu blicken und sich nicht von ersten eindrücken oder kanten und ecken abschrecken zu lassen. verständnis ist das thema. und hier ist es beiderseitig. der rhythmus, der durch den wechsel von anfangs- und endreimen getragen ist, macht hier total sinn. die sprachlichen ausrutscher sitzen - und sind das gegengewicht zu den beschriebenen ausrutschern allzu menschlicher natur.

    ich mag auch die wortschöpfung "schwitzeschweiß-fleck"! die hat auch eine klangliche qualität, die absolut stimmig ist. und das "schätzchen" (dabei wars eigentlich nur ersatz für...tja... ) ist für mich top, weil es hier beides sein kann: abschätzig gemeint UND turtelig. wie oft hört man ein herablassendes oder rügendes oder drohendes "schätzchen".... ein wort, das beide seiten lyrIchs vereint. wo nix passieren kann. das ist ein happy-end, wenn mans genau nimmt.

    also ich find den text super!
    eigentlich is er in der humorrubrik unter wert verkauft. das hier ist eine gesellschaftsstudie 1A. man muss sie nur erkennen wollen.


    lg

    gossenkind
    Geändert von gossenkind (19.03.2012 um 20:55 Uhr)

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