Thema: Der Pianist

  1. #1
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    4

    Der Pianist

    Liebe Forumteilnehmer,

    ich wünsche Euch viel Spaß bei der Lektüre des Gedichts.

    PS: Der Metrikverstoß ist Absicht.

    Der alte Pianist

    Der Mann schlurft kränklich zum Klavier
    In dieser Kammer kriecht Getier
    Verdüstert, ein Versteck vorm Licht
    Er sitzt nun, der morbide Wicht.

    Erhebt die zittrig rechte Hand
    Er starrt wohl aufs Klavier gebannt
    Dann senkt er sachte seine Tatze
    Ich seh' im Schimmer bloß die Fratze.

    Die Schwindsucht hat ihn wohl gepackt
    Verharrt in dieser Pose nackt
    Genau in diesem Augenblick
    Gewahr wird mir sein feurig Blick.

    Ganz leise schallt jetzt Ton um Ton
    Sein Antlitz flutet böser Hohn
    Und lauter, schneller tänzelt er
    Mit flinken Fingern greift er her.

    Ich such' zunächst die Puppenfäden
    Mechanisch wollte ich ihn wähnen
    Geschmeidiger spielt er noch fort
    Versagt mir dieses Zweifels Hort.

    Sein Geist verschmilzt von Takt zu Takt
    Was die Musik noch an ihm packt
    Und merklich lichter scheint der Raum
    Von seinem virtuosen Traum.

    Er glüht, die Laute strömen vor
    Kein Mensch hat je vernomm'n zuvor
    Die Augen tränen von der Wucht
    Zerrissen fall' ich in die Schlucht.

    Ungeniert strebt er so schnell
    Er leuchtet doch so gleißend hell
    Sein Herz dringt tiefer, weiter ein
    In meiner Seele spür' ich sein.

    Doch als das Stück so langsam endet
    Verebbt die Glut, die mich geblendet
    Und dimmt das Licht bis Dunkles wohnt
    In dieser Kammer, der ich hohnt'.

    Der Alte nun vom Licht verlassen
    Vom Thron kippt er, versiegt gelassen.
    Geändert von Dranoel (20.02.2012 um 21:03 Uhr)

  2. #2
    Registriert seit
    Nov 2011
    Ort
    Im Mietzhaus
    Beiträge
    1.741
    Lieber Dranoel,
    willkommen erst einmal bei den DotComlern
    Ein sehr trauriges Gedicht, was besonders zum Ende hin immer mehr an Dramatik zunimmt. Um auf deinen Hinweis mit der Metrik zu kommen - Sie ist besser, als ich sie mir in meinen Gedichten je zu träumen wagen würde Also würde ich das schon nicht mal "Verstoß" nennen
    Der Reim ist interessant, es liest sich flüssig und auch schnell und man ist immermal leicht verwirrt. Wenn das Absicht war, dann gut. Ansonsten eher weniger passieren lassen, aber mehr drauf eingehen
    Sehr gern gelesen
    LG P.
    Bitte beachtet die Grundregeln!

    Hilfreiche Themen: Lyrisches Lexikon der Nachteule, Gedicht- und Strophenformen (Unterforum), Metrikfragen (Unterforum)

    Kommentar gewünscht? >>> Guckst du hier

    (wahrscheinlich unvollständiges) Werkeverzeichnis: Auf den Spuren der Krimikatze

  3. #3
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    4
    Liebe lyrisches_ich96,
    ich danke Dir für Deine anerkennenden Worte. Ich freue mich, dass Dir das Gedicht gefallen hat. Tatsächlich glaube ich, dass das, was Du als leichte Verwirrung empfandest, durchaus gewollt ist. Da ich das Gedicht vor etwa 2 Jahren schrieb, bin ich selbst in der komfortablen Situation, das Gedicht distanziert interpretieren zu können. Das lyrische Ich ist quasi frappiert. Das Allegro bzw. das Crescendo der Form war die intendierte Symbiose mit dem Inhalt. Leider ist es mir nicht dergestalt gelungen, dass sich Form und Inhalt auflösen, was angesichts des poetologischen Rahmens aber auch sehr selten gelingt. Xd

    LG Leonard
    Geändert von Dranoel (20.02.2012 um 21:11 Uhr)

  4. #4
    Registriert seit
    Jan 2003
    Ort
    An der Elbe
    Beiträge
    11.767
    Hallo Dranoel und herzlich willkommen auf gedichte.com,

    Einige Gedanken meinerseits zu deinem Gedicht:

    Zitat Zitat von Dranoel Beitrag anzeigen
    Liebe Forumteilnehmer,

    ich wünsche Euch viel Spaß bei der Lektüre des Gedichts.

    PS: Der Metrikverstoß ist Absicht.
    Die Ansage würde ich streichen und das Gedicht für sich sprechen lassen. Lass den/die Leser/in entscheiden, wie der Bruch im Rythmus aufzufassen ist.


    Der alte Pianist

    Der Mann schlurft kränklich zum Klavier
    In dieser Kammer kriecht Getier
    Verdüstert, ein Versteck vorm Licht
    Er sitzt nun, der morbide Wicht.
    Zuerst einmal: Der Paarreim ist - gerade wegen seiner vermeintlichen Leichtigkeit - eines der am schwierigsten zu beherrschenden Reimschemata. Sehr schnell können beim Paarreim zwei Dinge geschehen:
    1) Das Gedicht bekommt einen schunkelhaft-humoristischen Teint
    2) Das Gedicht erhebt den Anschein, als seien die Zeilen dem Reim nach geschrieben.

    In dieser ersten Strophe stört mich persönlich der "Wicht", da das doch schon ziemlich pejorativ anmutet.

    Erhebt die zittrig rechte Hand
    Er starrt wohl aufs Klavier gebannt
    Dann senkt er sachte seine Tatze
    Ich seh' im Schimmer bloß die Fratze.
    Hier bin ich mir nicht sicher, ob der bestimmte Artikel im ersten Vers wirklich vor "zittrig" geschoben werden kann, da sich dadurch der Sinn ändert und in meinem Verständnis syntaktisch unlogisch wird.
    Tatze passt bildlich gar nicht, war der porträtierte Pianist doch bis gerade eben ein Wicht mit zittrigen Händen.
    Fratze passt meiner Meinung nach von der Sprache hier auch nicht so recht rein und scheint mehr - wie auch Tatze, auf Grund des einfachen Reims gewählt.

    Die Schwindsucht hat ihn wohl gepackt
    Verharrt in dieser Pose nackt
    Genau in diesem Augenblick
    Gewahr wird mir sein feurig Blick.
    Wenn der Pianist an Tuberkulose erkrankt ist, wird er wohl kaum nackt in irgendeiner Pose verharren. Ganz allgemein wird man von der Tuberkulose meines Wissens nach eher weniger 'gepackt': Die Symptome bauen sich, wenn ich mich nicht irre, über eien längeren Zeitraum stetig auf.
    Im letzten Vers hast Du die Syntax ein wenig verdreht. Das ist etwas unschön. Zudem wäre es feuriger - oder zumindest feurig'. Auch wenn letzteres etwas archaisch ist.

    Ganz leise schallt jetzt Ton um Ton
    Sein Antlitz flutet böser Hohn
    Und lauter, schneller tänzelt er
    Mit flinken Fingern greift er her.
    Der zweite Vers will mir nicht so recht passen. Das Bild scheint mir nicht stimmig. Aber eventuell bin das nur ich.
    Im dritten Vers willst Du dem Leser wohl mitteilen, dass die Finger auf der Tastatur tanzen. So wie es hier steht, wäre es aber der alte Tuberkulosenwicht - das geht also nicht ganz auf.
    Zudem funktioniert der letzte Vers nicht ganz. Entweder greift er hin und her, oder einher, oder sonst etwas - aber einfach "her greifen" kann er nicht.

    Ich such' zunächst die Puppenfäden
    Mechanisch wollte ich ihn wähnen
    Geschmeidiger spielt er noch fort
    Versagt mir dieses Zweifels Hort.
    Im Gegensatz zu weiter oben, kannst Du im ersten Vers hier den Appostroph getrost weglassen.
    Hier brichst Du dein Reimschema in Vers eins und zwei.
    Und der letzte Vers riecht für meinen Geschmack etwas nach "reim dich, oder ich fress dich": Das Verb hat keinen wirklichen Referenten (wer versagt dem lyrischen Ich den Hort?) und "[des] Zweifels Hort" ist zum einen ein ziemliches Klischee und zum anderen sehr archaisch.

    Sein Geist verschmilzt von Takt zu Takt
    Was die Musik noch an ihm packt
    Und merklich lichter scheint der Raum
    Von seinem virtuosen Traum.
    Mit wem oder was verschmilzt sein Geist? Oder meinst Du, der Geist schmelze dahin? Dann müsste das auch so dastehen.
    Der zweite Vers steht so ein wenig im Raum. Er sagt nichts aus. Das hat vor allem damit zu tun, dass das "Was" keinen Referenten aufweist.
    In Vers vier wäre vielleicht "durch" statt "Von" besser. Denn so, wie der Vers steht, hat der Raum diesen virtuosen Traum - und ich denke, Du meinst hier wohl doch eher den Pianisten.

    Er glüht, die Laute strömen vor
    Kein Mensch hat je vernomm'n zuvor
    Die Augen tränen von der Wucht
    Zerrissen fall' ich in die Schlucht.
    Selbes Problem hier. Durch die Referenz zu Raum in Vers vier der vorhergehenden Strophe, ist das "Er" hier streng genommen auch der Raum.
    "vernomm'n" in Vers zwei ist ziemlich unschön. Vielleicht könntest Du "je vernomm'n" auf "sie gehört" ändern. Trotzdem hättest Du dann auch hier eine syntaktische Verdrehung.
    Bei "Die Augen" hast Du nun das Problem, dass wiederum der Referent nicht klar ist. Sind es die Augen des Publikums, oder die Augen des Pianisten?
    Der plötzliche Fokuswechsel im letzten Vers stört mich persönlich etwas. Zudem ist der Vers für meinen Geschmack etwas gar melodramatisch und bedient mit der Schlucht auch ein gängiges Klischee.

    Ungeniert strebt er so schnell
    Er leuchtet doch so gleißend hell
    Sein Herz dringt tiefer, weiter ein
    In meiner Seele spür' ich sein.
    Ungeniert passt hier meiner Meinung nach überhaupt nicht. Das liest sich fast schon hämisch.
    Hier vertändelst Du dich übrigens gegen Schluss etwas. Man kann diese Doppelung in Vers drei und vier zwar als Kyklos lesen, ganz aufzugehen, scheint er jedoch nicht, da das zweite "sein" grammatikalisch redundant ist.

    Doch als das Stück so langsam endet
    Verebbt die Glut, die mich geblendet
    Und dimmt das Licht bis Dunkles wohnt
    In dieser Kammer, der ich hohnt'.
    In Vers zwei verwendest Du meiner Meinung nach ein falsches Bild. Eine Glut kann nicht verebben, eine Glut erlischt.
    in Vers drei passt dann im Kontext des eher archaisch gehaltenen Gedichts der Anglizismus "dimmt" überhaupt nicht.
    Der letzte Teilsatz in Vers vier ergibt im Übrigen überhaupt keinen Sinn. Es gibt kein Verb *hohnen also kann das lyrische Ich die Kammer auch nicht *hohnen - da weiss ich wirklich nicht, was Du genau aussagen wolltest.

    Der Alte nun vom Licht verlassen
    Vom Thron kippt er, versiegt gelassen.
    Abgesehen davon, dass die Licht/Dunkel Metapher etwas gar breitgetreten ist, frage ich mich, ob ein Mensch wirklich versiegen kann und wenn, ob er das dann tatsächlich gelassen über sich ergehen lassen würde. Das funktioniert also meiner Meinung nach auch nicht ganz.



    Ganz allgemein hast Du eine schöne, eine traurige Geschichte zu erzählen. Technisch mangelt es an einigen Orten - zu dem bereits genannten wäre noch die Fülle an Füllwörtern (na, siehst Du, was ich gerade gemacht habe? ), wie zum Beispiel noch und wohl, sowie die etwas eigenwillige Interpunktion und Grossschreibung anzufügen. Ganz allgemein würde ich dir vorschlagen, die Geschichte in einem Gedicht ohne Reime neu zu verarbeiten. Den Versfuss kannst Du ja beibehalten. Das ergibt oft ziemllich spannende Angelegenheiten.

    Ich hoffe, die Rezension hat dich jetzt nicht gerade erschlagen.
    Lieber Gruss
    satchmo
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

  5. #5
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    4
    Hallo satchmo,
    ich würde gerne auf einige deiner Kritikpunkte eingehen.

    Die ersten Worte sind auch pejorativ gemeint. Die Häme ist beabsichtigt. Das lyrische Ich verabscheut diese Kammer und ihren Bewohner. Zweitens ist das lyrische Ich ein Banause. Die archaische Form ist ebenfalls beabsichtigt. Er glaubt, durch seine Art die Erlebnisse auszudrücken, diesen gerecht zu werden. Er wird von dem Widerspruch überrascht! Das ändert aber nichts an seiner Unfähigkeit, seinen Horizont zu überwinden (eines der eigentlichen Themen des Gedichts). 'Nackt' heißt hier soviel wie dem Spott ergeben oder schutzlos. zittrig' sollte es eigentlich heißen. "Tatze" gefällt mir allerdings auch nicht und wirkt allzu gekünzelt. Das lyrische Ich besitzt gerade nur die breitgetretenen Motive (u.a. für Tod und Verfall).

    Die Tuberkolose verläuft wirklich langsam. Darum geht es in dem Gedicht aber gar nicht. Wir sprechen hier von jemandem, der vor seinem Ende steht. "Verschmelzen" ist hier transitiv gemeint. Der Alte reißt sich zusammen. Ich finde, dass der Referent von "von seinem virtuosen Traum" semantisch eindeutig erkennbar ist.

    "hohnen" ist ein Nullderivat aber zugegebenermaßen unschön. Ebenso passt "dimmen" nicht.

    Die "Geschichte" ist eigentlich nicht traurig gemeint. Offenbar habe ich aber auf ganzer Linie versagt, da offenbar unklar ist, worum es in dem Gedicht überhaupt geht.

    Der Erzähler ist hier nämlich konsequent nicht der Autor! Das lyrische Ich ist der affektierte Spießer, der die Sprache des Pianisten im Grunde nicht versteht.

    Mir scheint es so, also hättest du bewusst oder unbewusst eine Art von Dekonstruktion - zumindest wie Derrida gerne stlisiert wird - des Gedichts vorgenommen, was mir wiederum sehr zusagt.

    LG Leonard
    Geändert von Dranoel (21.02.2012 um 00:17 Uhr)

  6. #6
    Registriert seit
    Nov 2011
    Ort
    Im Mietzhaus
    Beiträge
    1.741
    Gut, somit wären meine Fähigkeiten auch geklärt:
    Die "Geschichte" ist eigentlich nicht traurig gemeint. Offenbar habe ich aber auf ganzer Linie versagt, da offenbar unklar ist, worum es in dem Gedicht überhaupt geht.
    Nee, Spaß, ich würde das auch so traurig finden, auch wenn es ganz anders gemeint ist, denn meine Intention ist wahrscheinlich doch 'ne ganz andere als deine...
    Naja, egal, dein Kommentar erklärt ja schon einiges, da kann ich's mir ja nochmal mit dem Wissen im Hinterkopf durchlesen
    LG P.
    Bitte beachtet die Grundregeln!

    Hilfreiche Themen: Lyrisches Lexikon der Nachteule, Gedicht- und Strophenformen (Unterforum), Metrikfragen (Unterforum)

    Kommentar gewünscht? >>> Guckst du hier

    (wahrscheinlich unvollständiges) Werkeverzeichnis: Auf den Spuren der Krimikatze

  7. #7
    Registriert seit
    Feb 2012
    Beiträge
    4
    Hey lyrisches_ich96,
    da ich das Gedicht in die Kateorie "Trauer und Düsteres" gesteckt habe, ist es kontextualisiert worden. Ich denke, dann ist es plausibel und absolut legitim, das Gedicht so zu interpretieren. Ich war mir auch unsicher, ob es hierhergehört. Es scheint mir aber zumindest so zu wirken. Somit habe ich diese Wirkung unterstützt.
    Geändert von Dranoel (21.02.2012 um 00:35 Uhr)

  8. #8
    Registriert seit
    Jan 2003
    Ort
    An der Elbe
    Beiträge
    11.767
    Hallo Dranoel,

    Zitat Zitat von Dranoel Beitrag anzeigen
    Die ersten Worte sind auch pejorativ gemeint. Die Häme ist beabsichtigt. Das lyrische Ich verabscheut diese Kammer und ihren Bewohner.
    Gut, das ist etwas schwierig zu transportieren.

    Zweitens ist das lyrische Ich ein Banause. Die archaische Form ist ebenfalls beabsichtigt. Er glaubt, durch seine Art die Erlebnisse auszudrücken, diesen gerecht zu werden. Er wird von dem Widerspruch überrascht! Das ändert aber nichts an seiner Unfähigkeit, seinen Horizont zu überwinden (eines der eigentlichen Themen des Gedichts).
    Auch hier wieder: Für mich als Leser erschliesst sich das nicht ohne weiteres aus dem Text.

    'Nackt' heißt hier soviel wie dem Spott ergeben oder schutzlos.
    Dann müsste dies klar gemacht werden, mit einem gezogenen Vergleich oder, mindestens, einem 'wie' vor dem "nackt".

    zittrig' sollte es eigentlich heißen.
    Ich glaube, dann müsste noch ein Komma hin. Bin mir aber gerade nicht ganz sicher. Es ist noch etwas früh.

    Das lyrische Ich besitzt gerade nur die breitgetretenen Motive (u.a. für Tod und Verfall).
    Wiederum etwas, das sehr schwer zu bewerkstelligen ist, soll der Text von sich aus dies implizieren. Etwas weiter unten schreibe ich mehr dazu.

    Die Tuberkolose verläuft wirklich langsam. Darum geht es in dem Gedicht aber gar nicht. Wir sprechen hier von jemandem, der vor seinem Ende steht.
    Dann wird er zum Beispiel "dahingerafft".

    "Verschmelzen" ist hier transitiv gemeint. Der Alte reißt sich zusammen.
    Sogar wenn es verschmelzen als Transitivverb geben würd, was es nicht gibt, ergäbe es hier meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn.

    Ich finde, dass der Referent von "von seinem virtuosen Traum" semantisch eindeutig erkennbar ist.
    Wie gesagt, stört hier vor allem das "Von". Das könnte man aber einfach lösen.

    "hohnen" ist ein Nullderivat aber zugegebenermaßen unschön.
    Nein. "hohnen" gibt es nicht. Das Derivat von Hohn ist höhnen.

    Die "Geschichte" ist eigentlich nicht traurig gemeint. Offenbar habe ich aber auf ganzer Linie versagt, da offenbar unklar ist, worum es in dem Gedicht überhaupt geht.
    Das Hauptproblem hier ist meiner Meinung nach die fehlende Einbettung des lyrischen Ichs. Die Situation und der Sprecher müssen für den Leser kontextualisert werden, damit er das lyrische Ich - und subsequent den Klang der Geschichte - so versteht, wie Du das willst. Der Leser kann ja schlecht in dich hineinblicken um die Essenz des Stücks dort herauszuziehen.

    Der Erzähler ist hier nämlich konsequent nicht der Autor!
    Das ist klar. Aber dass mir das klar ist, müsste auch dir klar sein. Immerhin ziehst Du Derrida aus dem Hut. "Il n'y a pas de hors-texte", nicht?

    Das lyrische Ich ist der affektierte Spießer, der die Sprache des Pianisten im Grunde nicht versteht.
    Eben, das müsste irgendwie noch in Kontext gebracht werden, damit der Leser das auch so versteht.

    Mir scheint es so, also hättest du bewusst oder unbewusst eine Art von Dekonstruktion - zumindest wie Derrida gerne stlisiert wird - des Gedichts vorgenommen, was mir wiederum sehr zusagt.
    Das war schon eine Art Dekonstruktion, aber natürlich in keiner Weise eine poststrukturale und ipso facto auch nicht nach Derrida, Barthes oder Lacan.


    Mir ist noch etwas weiteres aufgefallen, und zwar in Sachen Metrik - und das ist jetzt eine reine persönliche Geschmacksfrage: Der durchgehend vierhebige Jambus (mit Ausnahme von S2V3/4, SS5V1/2, Auftakt S8V1, S9V1/2, S10) wirkt auf die Dauer etwas langweilig. Ein alternierender Rythmus - zum Beispiel mit wechselnder Kadenz, würde dem Stück meiner Meinung nach einiges bringen.

    Lieber Gruss,
    satchmo
    Das hier ist meine Signatur und ich bin stolz darauf.

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Pianist
    Von Anjulaenga im Forum Humor, Satire und Rätselhaftes
    Antworten: 12
    Letzter Beitrag: 24.06.2016, 23:42
  2. Der Pianist
    Von ubaldvoneberode im Forum Hoffnung und Fröhliches
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 16.02.2014, 13:02
  3. Der Pianist
    Von Cobra im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 21.05.2009, 19:40
  4. Pianist
    Von About Johnny im Forum Archiv
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 26.09.2006, 02:52

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden