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Thema: Frauen

  1. #1
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    Frauen


    Mensch Alter, Tach, steht noch wat an?
    Jetz is ja Wochenende dran.
    Ick sach nur eenet heute: Frauen!
    Die könnda glatt den Tach vasauen.

    War abends noch mit olle Wille
    in Kreuzberch inne Eckdestille.
    Da kannste janz jemütlich kümmeln,
    dazu ooch noch Buletten mümmeln.

    Oh Manno, wat war ick besoffen,
    bin echt beseelt nach Haus jeloffen.
    Ick bin janz leise inne Frühe,
    uff Socken und mit mächtich Mühe

    durchs Haus und int Jemach jeschlichen,
    son Blumentopp nich ausjewichen,
    der stand da rum, et jab Jeknalle
    und inne Tür stand meene Schnalle!

    Wat war die sauer, Mann oh Manne,
    die jabma richtich volle Kanne!
    Ick sachda wat: Die meente Sachen,
    da kannst nich weenen, kannst nich lachen.

    Die ließma stundenlang nich pennen,
    denn fingse ooch noch an zu flennen!
    Und ick? Ick hatte heute morjen
    mit meenen Gleichjewichte Sorjen.

    Dit hatt der völlich kalt jelassen!
    Die schmiss die janzen saubern Tassen,
    de Teller, Gläser, wat weeß icke,
    mit sonen janz vernichtend Blicke

    und viel Jekeife und Jeflüche
    mit Schmackes durch de janze Küche.
    Ick stand da rum, doof wie Pieksieben.
    Und weeßte wat? Ick tu der lieben.
    Geändert von Medusa (27.02.2012 um 08:08 Uhr)

  2. #2
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    Einfach wunderbar Medusa,

    Hab mich von oben bis unten köstlich amüsiert.
    Sprachlich und metrisch und inhaltlich.
    Einfach rund.

    Liebe Grüße
    Irene
    Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommele nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,
    sondern lehre den Männern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer
    von Antoine de Saint-Exupéry

  3. #3
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    Liebe Irene Kathleen .
    Vielen lieben Dank für dein tolles Lob. Ich freue mich sehr darüber.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  4. #4
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    Hallo Medusa!

    Ich lese das Gedicht jetzt schon zum 3. Mal und finde es jedesmal wieder amüsant und am Ende menschlich rührend, besonders dieses Ende hat es mir angetan, weil ich genau wegen dieser zunächst banal erscheinenden, dann aber zutiefst treffenden Menschlichkeit, Gedichte lese....und wenn sie dann noch formal stimmen sind sie einfach ein "Leckerbissen" oder Sinnesgenuss!
    Sehr gerne gelesen.

    LG

    macin

  5. #5
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    Hi, Medusa -

    d a s nenne ich eine gelungene Liebeserklärung!
    Das Berliner Idiom ist mir relativ fremd, kenne es eigentlich nur aus Film und Kabarett, aber es tut meinen Ohren nicht weh.
    Ich habe das Gedicht mit Genuß gelesen.

    LG
    Barbarossa

  6. #6
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    Hallo Macin .

    Ein "Leckerbissen"? Ein solches Kompliment habe ich für meinen "Berliner Stammtisch"
    noch nie bekommen! Ganz lieben Dank dafür.
    Hier stehen einige dieser Mundartgedichte. Mein "Held" ist ein simpel gestricktes
    Berliner Urgestein mit Herz und Schnauze; nachdenklich, frech und immer verliebt
    in seine "Kleenen" (hier: seine "Schnalle").
    Ich freue mich sehr über deine Freude an diesem Gedicht und besonders, dass du
    offensichtlich alles verstanden hast .

    Herzliche Abendgrüße,
    Medusa.



    Lieber Barbarossa .

    Wennstet mit Jenuss jelesen hast, denn isset schon de halbe Miete .
    Lobhudelei mit ohne Wehtun is jut anjekomm, ick dankda .

    Herzliche Grüße in den Abend hinein,
    Medusa.

  7. #7
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    Liebe Medusa,

    endlich wieder mal quatschen, wie der Schnabel gewachsen ist .

    Mensch Alter, Tach, steht noch wat an?
    Jetz is ja Wochenende dran.
    Ick sach nur eenet heute: Frauen!
    Die könnda glatt den Tach vasauen.

    War abends noch mit olle Wille
    in Kreuzberch inne Eckdestille.
    Da kannste janz jemütlich kümmeln,
    dazu ooch noch Buletten mümmeln.

    Oh Manno, wat war ick besoffen,
    bin echt beseelt nach Haus jeloffen. "jeloffen" hab ick noch nie jehört, immer nur "jeloofen"
    Ick bin janz leise inne Frühe,
    uff Socken und mit mächtich Mühe

    durchs Haus und int Jemach jeschlichen,
    son Blumentopp nich ausjewichen,
    der stand da rum, et jab Jeknalle
    und inne Tür stand meene Schnalle!

    Wat war die sauer, Mann oh Manne,
    die jabma richtich volle Kanne!
    Ick sachda wat: Die meente Sachen,
    da kannst nich weenen, kannst nich lachen.

    Die ließma stundenlang nich pennen,
    denn fingse ooch noch an zu flennen!
    Und ick? Ick hatte heute morjen
    mit meenem Gleichjewichte Sorjen.

    Dit hatt der völlich kalt jelassen!
    Die schmiss die janzen saubern Tassen,
    de Teller, Gläser, wat weeß icke,
    mit sonen janz vernichtend Blicke

    und viel Jekeife und Jeflüche
    mit Schmackes durch de janze Küche.
    Ick stand da rum, doof wie Pieksieben.
    Und weeßte wat? Ick tu der lieben.
    .
    Vorschlag:

    Hey, Mensch Alter, wat steht an?
    Wochenende is jetzt dran.
    Sach dir eens - verjiss die Frauen!
    Denn die könn den Tach vasauen.

    War ick abends doch mit Wille.
    Inne Kreuzberch-Eckdestille,
    kannst dort janz jemütlich kümmeln,
    ooch Bulettchen dazu mümmeln.

    Mann, Mann, Mann, war ick besoffen,
    zujedröhnt konnt ick nur hoffen,
    dass de Olle ja nich sieht,
    wenn dit mir mal niederkniet.

    Will janz leise inne Frühe,
    uffde Socken und mit Mühe
    leise in dit Bette schleichen,
    doch son Blumtopp wollt nich weichen,

    stand da rum, dit jab Jeknalle
    inne Tür stand meene Schnalle!
    War die sauer, Mann oh Manne,
    jabma richtich volle Kanne!

    Ließma stundenlang nich pennen,
    fing dann ooch noch an, zu flennen!
    Dabei hatt ick doch am morjen
    mit dem Gleichjewichte Sorjen.

    Hatt der völlich kalt jelassen,
    schmiss die janzen saubern Tassen,
    Teller, Gläser, wat weeß icke
    mit son janz verrückten Blicke,

    viel Jekeife und Jeflüche,
    Schmackes durch de janze Küche.
    Unjestochen, wie Pieksieben,
    stand ick rum und tat ihr lieben.


    Habe herzlich gelacht und frage mich, in wen Du Dich besser hineinversetzen kannst .

    LG Eremit
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  8. #8
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    Guten Morgen Eremit .

    Wie du weißt, schätze ich deine Verbesserungsschläge sehr und übernehme sie oft und gern. Hier geht das nicht!
    Ich habe mir deine und meine Version nebeneinander kopiert und parallel gelesen: Du hast dich für betonte Auftakte entschieden, das ist auch o.k.; weil aber V1 und V2 in jedem meiner Mundartgedichte gleich sind und als „Erkennungsmelodie“ unangetastet bleiben sollen, muss ich die unbetonten Auftakte beibehalten.
    In einigen deiner Verse stimmt auch die Metrik nicht; ich hüpfe .

    Sprachlich klingt es nach einem Zugereisten! KEIN Berliner Urgestein würde beispielsweise seine Fleischklopse „Bulettchen“ nennen!
    Auch der Klang der „Berliner Schnauze“ kommt nicht richtig rüber. Damit möchte ich nicht behaupten, ich hätte den Gral gefunden, aber ich bin näher dran.

    Einzig für das „den“ in S1 V4 kann ich mich erwärmen und werde es einsetzen.

    Du bist noch nie „jeloffen“? Icke schon. Selbstverständlich ist es auch dem Reim geschuldet! Ich weiß nicht, wer den folgenden Vierzeiler verzapft hat, er zeigt aber, dass ein Berliner auch loffen kann; wahrscheinlich geht’s beim loofen langsamer ab.

    „Als de Himmel machten offen,
    Wässer aus de Wolken troffen,
    Trinchen, wat war ick besoffen!
    bin ick ratz nachhaus jeloffen.“

    Ich danke dir sehr für deine Überarbeitung.
    Bis denne, ick freuma .
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  9. #9
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    Hallo Medusa

    da muss ich ins alte Forum zurück um meine/deine so geliebten Altagedichte zu entdecken.
    Fein geschrieben und herrlich der letzte Satz: Icke lieb se einfach

    schöne Grüße
    Knacki
    Ich bin ein Niemand. Niemand ist perfekt.
    Also bin ich perfekt!

  10. #10
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    Guten Morgen Medusa ,

    die Variante mit den betonten Auftakten wollte ich Dir natürlich nicht überhelfen, war bekloppt, Vorschlag drüber zu schreiben. Die Variante kam mir nur in den Sinn, weil mich Deine Zeilen an Fritze Bollmann erinnerten.

    Mit dem "loffen" kann ich mir irgenwie nicht anfreunden. Mag sein, dass 80 km zu weit sind dafür, was soll's .
    Aber vielleicht könntest Du Dich doch noch für den Dativ in S6Z4 erwärmen. Der Berliner nimmt es zwar nicht so genau mit Dativ und Akkusativ, entscheidet sich m.E.n. aber tendenziell mehr für den Dativ (um sich von den Sachsen abzugrenzen ).

    LG Eremit
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  11. #11
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    Guten Morgen Panzerknacker .

    Ja, es lohnt sich, hin und wieder vorbeizuschauen . Neben ein paar notorischen Streithennen und -hähnen gibts hier nämlich auch Dichter!

    Dass dir der letzte Vers besonders gut gefällt, wundert mich überhaupt nicht
    .

    Vielen lieben Dank für dein Lob.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.



    Guten Morgen Eremit .

    Dativ? Akkusativ? Wat isn ditte? Ham wa nich, kriegn wa ooch nich rin!

    Nee, lass mal, das "n" steht da richtig, glaubs mir, jedenfalls beim Urberliner, der leider allmählich ausstirbt. Es wird immer schwieriger, die "echte" Mundart zu hören! Sie wird leider durch die vielen "Zugereisten" verwässert. Natürlich gibts auch hier Geborene, die den feinen Unterschied kennen, mein Stammtischbruder gehört nicht dazu .

    Der betonte Auftakt ist überhaupt nicht "bekloppt", ich mag ihn sogar sehr, er gibt einem Thema oft genug den nötigen Schwung. Aber bei diesen Gedichten funzt er aus den oben genannten Gründen nicht mehr.

    Lassen wir meinen Stammtischbruder "loffen", der Reim ist so schön .

    Herzliche Grüße in den Tag hinein,
    Medusa.
    Geändert von Medusa (28.02.2012 um 07:54 Uhr)

  12. #12
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    Frauen

    Guten Tag allerseits,

    schade, dass hier der Berliner Humor als plumpe Blödelei verschaukelt wird, es soll doch Berliner Dialekt sein?

    Das Typische daran, der Berliner spricht oft das "R" nicht, so im Vers:

    de Teller, Gläser, wat weeß icke,
    hiesse es:
    die Tella
    , auch de ist falsch. Es ersetzt z.B. Dativ im Plural: Von den Tellern = von de Tella, ist hier grammatisch falsch, es gibt noch anderes.

    Das Gedicht gehört in die Rubrik "Dialekte".

    LG Kalinka

  13. #13
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    hallo medusa
    das lässt sich für mich mehrmals mit genuss lesen. das liegt einerseits an den teils originellen reimen ("Eckdestille" haute mich um), andrerseits an der schönen, harmonischen verbindung der zeilen. wenn kalinka nicht mehr als das auszusetzen findet, was sie bemängelt hat, dann wird bestimmt auch der schöne dialekt stimmig sein.
    lg wilma27
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  14. #14
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    Liebe Wilma .

    Mehrmals hast du das Gedicht sogar gelesen? Na, wenn das kein schönes Kompliment ist!
    Ich versuche, mit den Stammtischgesprächen den Verfall der Berliner Mundart ein wenig aufzuhalten. Seit ungefähr 10 Jahren schaue ich den Berlinern aufs Maul und sammle die besten Sprüche und Verballhornungen. Vielleicht wird mal ein "Mundartlexikon" draus ?

    Lieben Dank für deinen Kommentar.
    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  15. #15
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    "Eckdestille" klingt wie reiner Zille!

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