Thema: Griechenland

  1. #1
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    Griechenland

    Griechenland

    ©Hans Hartmut Karg
    2012

    Dereinst saß die Blinde über dem Spalt,
    Orakelte in Delphi der staunenden Welt.
    Heute ist Griechenland leider arm und alt
    Auf Almosen von außen eingestellt.

    Griechenland war einst der Philosophien Hort,
    Man verabscheute der Barbaren Krämpfe.
    Olympia zeigte Friedensbereitschaft im Sport,
    Humanisierung in friedlichen Wettkämpfen.

    Früher gab es das Knossos-Wunder auf Kreta,
    Stolz, herrlich, versehen mit Labyrinth.
    Heute sitzen die Hundertjährigen da,
    Trinken Wein, manchmal Uso – vielleicht auch Absinth.

    Athen hat doch die Demokratie erfunden,
    Und die List mit dem Hölzernes Pferd.
    So haben die Griechen rasch überwunden
    Das Träge – und Ohnmachten abgewehrt.

    Früher schufen die Griechen große Kultur
    Heute wartet der Rettungsschirm.
    Was hat sich denn da verändert nur,
    Sind sie mit dem Impetus nicht mehr firm?

    Als großes Kulturvolk muss man wissen,
    Dass mit Stolz allein noch kein Wohlstand möglich.
    Überall, wo wir Normen, Strukturen verwischen,
    Leidet darunter der Mensch ganz unsäglich.

    *
    Geändert von Dr. Karg (27.02.2012 um 10:38 Uhr) Grund: Notwendige Korrekturen

  2. #2
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    Hallo, Dr. Karg,
    der Gedanke, der durch das Gedicht zu ahnen ist, verdient zunächst ein Lob. Die Ausführung verdiente allerdings mehr Aufmerksamkeit und Geschmeidigkeit in der Sprache. Ein grober Schnitzer ist in Strophe vier passiert:
    Athen hat doch die Demokratie erfunden,
    Trojaner die List mit dem Hölzernes Pferd.
    Nicht die Trojaner haben die List mit dem hölzernen Pferd erfunden. Richtig ist, dass Troja durch die List der Griechen letztlich fiel. Die Griechen haben diese List erfunden, ein hölzernes Pferd am Strand zurück gelassen, in dessen Bauch sich ein Trupp Griechen versteckte.
    Einige Redewendungen scheinen mir arg dem Reim geschuldet (Man verabscheute der Barbaren Krampf). Unergründlich: "So haben die Griechen rasch überwunden/Das Träge – Ohnmachten abgewehrt." Das "So" bezieht sich auf die List der Trojaner (was natürlich Quatsch ist) und nach Deinen Worten haben die Griechen das Träge überwunden und Ohnmachten abgewehrt. Was ist das denn?
    Insgesamt: Gut gemeint, aber schlecht ausgeführt.
    Gruß,
    Heinz

  3. #3
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    zudem ist der text zu lang für die simple frage, die er stellt. eine solche länge würde höchstens ein mehr satirisch-pointierterer gestus rechtfertigen. dabei ist bereits in der zweiten strophe klar, worauf der text hinauswill. ob der gedanke zu loben ist? naja, die tatsache, dass die griechen nicht mehr plündernd & brandschatzend über andere zivilisationen herfallen, macht mir die heutigen griechen doch sehr sympathisch.
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  4. #4
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    Lieber Kajn,
    was war es, was mir sympathisch erschien? Ich denke schon, dass wir den alten Griechen eine Menge zu verdanken haben (und denke dabei auch an das Städtchen Kalavrita (Peleponnes), aus dem die Deutsche Wehrmacht einen Ort der Witwen und Waisen gemacht haben, und dessen Bewohner/innen mir trotzdem einen herzlichen Empfang bereiteten). Deiner Kritik an Kargs Gedciht stimme ich vorbehaltslos zu.
    Liebe Grüße,
    Heinz

  5. #5
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    Ich denke schon, dass wir den alten Griechen eine Menge zu verdanken haben
    das würde und habe ich auch nie in abrede stellen wollen. was wären schließlich dreitausend jahre literaturgeschichte ohne den guten alten homer. trotzdem gehören das brandschatzen von troja und das plündern der umliegenden lande, über die homer uns kündet, nicht gerade zu den humanistischen glanzleistungen der alten griechen. ich hab mal einen philologen gelesen (leider vergesse ich ständig autorennamen), der betrachtete homer als den beginn der kultivierten zivilisation in griechenland, wohingegen das, was seine ilias beschreibt, dokument des zuvor barbarisch-archaischen zeitalters der griechen ist. in diesem sinne wäre die sache mit dem pferd als reine bauernschläue zu bewerten, die uns keinen aufschluss darüber liefern kann, warum die griechen jetzt pleite sind. denn tatsächlich empfinde ich es als ziemlich dumm, 10 jahre ne schöne stadt zu belagern, um sie dann niederzubrennen. sinn für ästhetik haben die griechen folglich erst später entwickelt. zudem wären die griechen gemäß der prämisse des textes [kultur = reichtum] mit diesem verhalten auch heute schnell bankrott.
    wäre der text im kern satirisch, müsste man das natürlich nicht so nüchtern betrachten, wie ich. da der text aber selbst sehr trocken wirkt und schließlich in einer sehr hölzernen moral mündet, darf ich an aristoteles (!) gemahnen, d.h. dann sollten die argumente auch objektiv und der wahrheitsfindung dienlich sein. um mehr geht es mir mit meinem einwand nicht.
    Geändert von Kajn Kokosknusper (27.02.2012 um 04:31 Uhr)
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  6. #6
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    Lieber Kulturheinzi,
    ich werde nachbessern, versprochen!
    Beste Grüße H. H. Karg

    *******************************************

    Der Text ist auch teilironisch gemeint und so zu verstehen!
    Geändert von Dr. Üppig (27.02.2012 um 12:49 Uhr) Grund: Doppelpost - bitte vermeiden

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