1. #1
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    mensch und fehler

    fehler
    machen wir alle
    das liegt so in der natur des menschen
    aber die einen
    machen einen fehler nur einmal
    die andern die blöden
    machen denselben fehler immer wieder

    fehler
    sind die stufen der treppe der erkenntnis
    auf der wir zur weisheit gelangen
    die einen eilen von stufe zu stufe
    die andern die blöden
    treten auf der stelle
    und ihr abstand zu den ersten
    wird immer größer

  2. #2
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    Hallo Peter,

    dein Prosagedicht, wenn ich es dann so nennen will, habe da meine eigenwillige Vorstellung, beschreibt die Erkenntniserweiterung zu einem höheren Bewusstsein. Was mir dabei garnicht gefällt:
    die andern die blöden
    die einen eilen von stufe zu stufe
    Ich erlaube mir das Urteil, das dem nicht so ist. Man macht auch Fehler durchaus mehr als ein Mal. Und das Wort "blöd" passt in diesem Kontext überhaupt nicht. Würde ich nach fast zwanzigjähriger Erkenntnissuche niemals in einem Gedicht verwenden.

    LG
    mayday
    Geändert von mayday (13.03.2012 um 19:06 Uhr)
    Das Leben ist ein ständiger Notruf!

  3. #3
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    Seid mir gegrüßt!

    Es scheint eine vordergründige und eine hintergründige Lesart möglich. Deine Reaktion, mayday, zeigt eigentlich, daß das Gedicht funktioniert, es hat ein Innehalten an genau der richtigen Stelle erreicht.
    Sprachlich gesehen könnte man bei dieser - sich auch noch so trefflich wiederholenden! - Zeile die Aussage vordergründig als "knurrig" empfinden, jedoch kauf ich Dir, Peter von Glatz, das nicht so einfach ab.
    Die Bedeutung von blöd ist zunächst schwach. Nicht weniger, aber auch erstmal ohne Hinweis auf mehr.
    Ursprünglich wurde das Wort hauptsächlich zum neutralen Ausdruck leiblicher Kümmerlichkeit verwendet, also vorallem auf Materielles bezogen: blöde Pflanze = schwächlich gewachsene Pflanze etc.

    Die hinzukonnotierte Abwertung ist wohl Ergebnis fortgeschrittener Verarmung im Gebrauch des Wortes.

    Daher will mir die hintergründige Lesart bzw. tiefgründige Aussage in Richtung einer dem Oberflächlichen, Eitlen, Materiellen verhafteten Schwäche deuten (...Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach ... Oder wie bei Gryphius über die Liebe: sie schärft den blöden Sinn und starckt die schwache Hand.)
    Und so empfinde ich es als sehr anschaulich, daß der "Blöde" keine Stufe schafft.
    Für mich ein sehr gelungenes Gedicht. Vorallem das Überraschungsmoment, läßt man sich drauf ein, plötzlich über sich selbst als ureigentlich blöde (willensschwach, bequemlichkeitsliebend) zu reflektieren. Das Bild vom Fehler als Stufe ist stimmig – diese Stufen sind nicht gangbar oder sich hochschleppend zu nehmen -- man muß springen können! Dazu fehlt die Kraft. Das erinnert mich jetzt aber sehr an Kierkegaard -- eine Notwendigleit der Selbstironie höre ich ebenfalls raus
    Und ich meine, irgendwie schubst es auf den Weg, eine etwas andere Einstufung poetischer Sprache zu versuchen ...

    Die armen Worte, die im Alltag darben,
    die unscheinbaren Worte, lieb ich so.


    Thisbe
    dich singen scheuer augenblick
    in deinen obertönen werde ich

  4. #4
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    Grüß Gott, mayday und Thisbe! Ja, ich ärgere mich dauernd über mich selbst. Mache so viele dumme kleine Fehler, und wieder und wieder dieselben! Dann schießt's mir durch's Hirn: "Ach, bin ich blöd! Ich wollte doch ---". Mag durchaus sein, daß die, welche schneller die Stufen erklimmen, auch mal auf einer kleben bleiben. Ja, und auch ich zucke jedesmal zusammen, wann ich 'die Blöden' lese. Das Substantivum klingt offensichtlich häßlicher als das Adjektivum. Aber so steht's nu mal da, und ich muß es aushalten. Lieben Dank für Eure Zeilen! Servus, P v G .

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