Thema: Scheinsein

  1. #1
    Registriert seit
    Sep 2004
    Beiträge
    306

    Scheinsein

    Scheinsein

    Wow, ist die Frau hier attraktiv!
    Dir hängt wohl die Pupille schief!
    Mein Lieber, mein Geschmack sinkt tief!

    Heut ist das Wetter wirklich schön!
    Du spinnst, es hat grad Kopfweh-Föhn!
    Liebs Hirn, hör auf nur zu verdrehn!

    Ach ihr Sinne – haltet inne – denn ich spinne!

    Die Farbe hier ist gänzlich blau!
    Es täuscht dich ganz, sie ist ja grau!
    Mensch Auge, siehst du ungenau!

    Wie herrlich dieser Klang erbaut!
    Welch ein Getöse – viel zu laut!
    Dies kommt, wenn man den Ohren traut!

    Ach ihr Sinne – haltet inne – denn ich spinne!

    Hhm, lecker, riecht das Essen fein!
    Igitt-igitt, es stinkt gemein!
    Was – Nase – stimmt, und was ist Schein?

    Mann, dieser Wein schmeckt traumhaft süß!
    Nie-nimmer, er ist bitter-fies!
    Wie schmeckts nun? Ist im Kopf nur Gries?!

    Ach ihr Sinne – haltet inne – denn ich spinne!

    Jetzt ist es aber heiß und schwül!
    Ein Blödsinn, ich finds eher kühl!
    Mir fehlts am rechten Spür-Gefühl!

    Hier drin ist es zu wenig hell!
    Ach geh, es ist doch viel zu grell!
    Sag Aug, was gilt, entscheide schnell!

    Ach ihr Sinne – haltet inne – denn ich spinne!

    Der Politiker ist ehrlich!
    Gar nicht, denn er lügt gefährlich!
    Falsch, mein Urteil ist entbehrlich!

    Der Kerl ist dick als wie ein Schrank!
    ´Sind alles Muskeln, er ist schlank!
    O Wahrnehmung, wie bist du krank!

    Ach ihr Sinne – haltet inne – denn ich spinne!

    Scheinen Dinge oft arschklar – sind sie lange noch nicht wahr!

    Ein weiteres Gedicht zur meist verzerrten, subjektiven Wahrnehmung des Seins.
    Siehe auch mein Gedicht in diesem Forum: „Die Sicht der Dinge".
    Für das vorliegende Gedicht können Sie sich auch die Vertonung auf meiner Homepage anhören.
    Geändert von Huber Georg (04.03.2012 um 13:18 Uhr)
    duigatscho

  2. #2
    ecb Guest
    Schlagend, ja, geradezu er-schlagend sind sie, deine Zeilen in ihrer unwiderlegbaren und sauber ausgelegten Wahrheit.
    Da bleibt buchstäblich kein Raum für den Leser.

    Gruß Eva

  3. #3
    Registriert seit
    Sep 2004
    Beiträge
    306
    Liebe ecb,


    Also „erschlagen" wollte ich niemand mit meinen Versen.

    Auch wollte dem Leser gewiss nicht seinen Raum nehmen.

    Ich gehe davon aus, dass Deine Zeilen nicht in dieser Weise zweideutig auszulegen sind, sondern eher als Lob zu verstehen sind.


    Deshalb ganz herzlichen Dank für Deinen Eintrag.


    Viele Grüße

    Huber
    duigatscho

  4. #4
    Registriert seit
    May 2010
    Beiträge
    6.190
    Hi, Huber Georg -

    ich finde das Ganze köstlich!
    Der Eine sagt so, der Andre so - und wessen Sinne stimmen und wer spinnt?
    Sehr witzig, wie man verschiedene Standpunkte gegeneinander wirken lassen kann.

    LG
    Barbarossa

  5. #5
    Registriert seit
    Sep 2004
    Beiträge
    306
    Lieber Barbarossa,


    besonders herzlichen Dank für Deinen Eintrag und Dein Lob, das mich fast ein wenig verlegen macht.

    Mancher Leser wird sich wahrscheinlich fragen, wieso ich dieses Gedicht – das ja auch humoristische Züge trägt – ausgerechnet unter „… Philosophisches" einstelle.
    Nach langem Überlegen habe ich mich jedoch dazu entschieden, weil ich der Meinung bin, dass das Thema „Wahrnehmung der Dinge – Objektivität – Subjektivität" eigentlich ein zutiefst philosophisches Anliegen ist.


    Viele Grüße

    Huber
    duigatscho

Was dich vielleicht auch interessieren könnte:

  1. Scheinsein
    Von Hans Plonka im Forum Nachdenkliches und Philosophisches
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 19.09.2009, 12:40

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •  

Anmelden

Anmelden