1. #1
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    Kreislauf der Freud

    Saß ein alter Mann am Feuer,
    prasselnd heiße Glut,schwelend,
    vertreibt der Nächte Ungeheuer,
    jagt hinfort das darbend Elend.

    Nacht ists, im Forst singen
    Nachtigallen, Waldeskinder
    lassen ihre Blätter schwingen,
    und wiegen sich im Winde.

    Im Walde liegt ein Teich,
    spiegelt des Mondes helles Licht
    in seinem stillen Wasser, sinnreich
    ist des Manns verzückt Gesicht.

    Mit einem Lächeln blickt hinein,
    Äuglein, schelmisch, blitzt erfreut,
    schaut durch Sein und Schein,
    und wird’s niemals mehr bereun.

    Sieht sein altes Leben, Freuden,
    zahlreich wie am Himmel Sterne,
    er schaut zurück, liegt heut
    Vergangenheit nicht mehr fern.

    Ein Wissenschatz tut sich auf,
    Bücher, bereitwillig entblättern
    sich Geheimnisse zuhauf,
    man sieht sich an Worten satt.

    Ein Schatz der Hilfe, des Beistands
    erscheint, berät, leidet mit und lacht,
    dutzend Hände stützen seinen Stand
    wachen, singen, tanzen, bis es kracht.

    Ein Schatz der Münzen, es leeren
    aus ihr Füllhorn, Könige und Grafen,
    geben, was sie sonst begehren,
    nur Belohungen, keine Strafen
    für mannigfaltig Dienste, erbracht,
    selbstlos, mutig und gerecht,
    erbracht, zum Erhalt des Reiches Pracht.

    Ein Schatz des Herzes erscheint am Schluss,
    feengleich ein Wesen, voll Anmut,
    Verführung in Person, einen Kuss
    kann niemand verwehren, eine Glut
    im Herzen, Leidenschaft durchfliesst
    engelsgleichen Leib, tänzelt in der Nacht,
    räkelt sich in Sehnsucht und geniesst
    die ihr eigne, lieblich glänzend Pracht.

    Der Mann am Teich lächelt leicht,
    seufzt, was ihm ward gegeben
    an allem Glück der Welt ward reich,
    ward erfüllt von purem Leben.

    Das Wasser bebt, wellt am Rand,
    ein Wesen steigt empor,
    eins, das ihm wohl bekannt,
    kommt nun zum Ufer vor.

    Die Schönheit aus frühern Zeiten,
    ward zugegen, lächelnd winkt
    ihn zu sich, lächelt breit,
    ihre tiefen Augen blinken.

    Der Alte Mann legts Alter ab,
    Jüngling wie früher einst,
    gleitet ins Wasser hinab,
    legt sich zu der Seinen.

    Glauben kann er´s kaum,
    schwelgt wieder in Liebe, Genuss,
    ergibt sich seinem Traum,
    ergibt sich einem Kuss.
    Geändert von Lazlar (10.03.2012 um 21:15 Uhr)

  2. #2
    Derolli Guest
    Lieber Lazlar,

    habe beim lesen deines sehr bemerkenswerten Werkes auf anhieb zwei vermeidbare Fehler entdeckt:

    Glauben kann ers kaum,
    - es wird "es" ersetzt also muss es "er's" heißen
    zahlreich wie am HimmelSterne,
    - Leerzeichen hinter Himmel fehlt

    Bitte sieh, das nicht als bösen Angriff, denn das Gedicht selbst ist wirklich ausgesprochen tiefsinnig und spricht mich an, denn sowohl die darin auftretenden Bilder als auch der Handlungsablauf sind stark ausgebaut und regen zum darüber Nachsinnen an.

    Liebe Grüße

  3. #3
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    Ist korrigiert, Derolli.
    Danke für deine positive Kritik.

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