Das finale Hallali

Ein alter Förster stolpert durch den Tann,
weil ohn' der Brille er kaum sehen kann,
ganz zittrig humpelnd und verstört,
weil er auch beidohrs nicht mehr hört.

So torkelt er auf krummen Waldespfaden,
pinkelt an manchen Baum, Blase geladen.
Erinnert sich so mancher Bauersdamen,
die er dereinst beglückt mit heißem Samen.

Ein toter Fuchs liegt grau am Waldesrand,
der Alte nimmt beim Schwanz ihn in die Hand.
Ja, Ja, denkt er, so wild ist die Natur,
gäb sie mir zwanzig, dreißig Jahr' doch nur.

Da ist die Bank auf die er öfter sich gesetzt,
und mancher Jungfer Hymen schwer verletzt.
Dafür muss man dem Herrgott danken,
und weiter geht’s mit schwachem Wanken.

Wie gern wär er noch mal auf geiler Pirsch,
auf frisches Weibszeug oder nen brünst'gen Hirsch.
Doch plötzlich piepst es laut im Hörgerät,
sein Seniorenhandy zeigt in Ziffern: es ist spät.

Am Waldesrand sieht er die Rote Sonne sinken.
Er kann nicht anders als noch einmal winken.
Da hallt ein Schuß aus nächster Ferne,
trotz fastblind sieht der Alte plötzlich Sterne.

Die Jacke färbst sich langsam dunkelrot,
er sinkt zur Bank in Körpers letzter Not.
Die Kugel in der Kammer tief im Herzen,
läßt ihn nichts fühlen; auch nicht Schmerzen.

Da hört er noch aus dunklem Hintergrund,
die Stimme aus nem jungen Männermund:
„Die Kugel alter Arsch, rächt meine Braut,
von der die Unschuld du mir einst versaut!“