1. #1
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    Lightbulb Wi(e)der die alten Lieder

    Hinter verschlossenen Türen verblassen die grausigen Bilder –
    Bilder vom Frühling in grau, grau in die Seele gebrannt.

    Trommelt ihr etwa schon wieder? Brüder, ich kenn eure Lieder;
    wieder verlockendes Spiel – Spiel mit dem Feuer genannt!

    Schlagen die Enkel des Krieges schon wieder verlorene Schlachten?
    Trachten nach Glaube und Ehr, Ehr blieb schon immer vakant.

    Wieder und wieder und wieder, so fielen sie immer danieder;
    wieder mit Knall auf Fall, fallen die Söhne fürs Land.
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

  2. #2
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    Hallo Eremit,
    mit Deiner Elegie sprichst Du mir ganz aus der Seele. Eigentlich hatte ich immer vor im Fall von militärischen Interventionen aus unserem Land, sofort eine Demo anzuzetteln. Aber ich habe es nicht gemacht und alles kam auch zu schleichend. Dann habe ich mich schließlich dran gewöhnt, dass die Bilder im Fernsehen kamen. So trägt jeder seinen Teil dazu bei.
    Nun zu Deinem Gedicht: Natürlich ist bei Dir das Chema der Elegie 1a. Weibliche und männlichen Endungen sind vorhanden und besonders find ich, dass Du die weiblichen Endungen im gleichen Reim geschrieben hast.
    Einen Bogen hast Du auch auch gespannt von einer Gefühlsbeschreibung, über Anklage zu einem Fazit.
    Super!
    Liebe Grüße,
    Klatschmohn
    ©Klatschmohn
    Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus. Alexander v. Humboldt

  3. #3
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    Guten Morgen Eremit .

    Ganz, ganz saubere Distichen, beeindruckend formuliert mit Gänsehaut bereitenden Bildern und sehr schöner Klang, toll!

    Was jetzt kommt, soll keine Kritik sein; ich bin ziemlich verunsichert:
    • Übergreifende Reime bei der Elegie
    • Gereimte Pentameter
    • Doppelungen bei der Diärese


    Wolltest du vielleicht das enge Korsett sprengen, ist dir die Phantasie durchgegangen? Ich mags eigentlich recht gern. Ob es eine Elegie ist, wage ich allerdings zu bezweifeln.

    Herzliche Grüße,
    Medusa.

  4. #4
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    Wi(e)der die alten Lieder

    Hallo Eremit,

    wieder die alten Lieder und wir hören sie bequem in unserem Fernsehstuhl. Du sagst es uns hier deutlich und wir kennen es alle aus Erfahrung und doch wird immer wieder gesungen. Es ist die grausige Psyche der Menschheit in der der Teufel sein Zuhause hat.
    Eine Aussage die mich sehr bewegt hat, flüssig und mit schönen Reimen dargestellt. Hat mir besonders gut gefallen.

    LG Hans
    Mein erster Gedichtband Einmal durchs Leben mit Hans Plonka ist nun beim Daniel Gockel Verlag erhältlich. Bei Interesse schaut in mein Profil unter Homepage.

  5. #5
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    Hallo Eremit,

    Die Doppelungen, die du dafür verwendest, dass du den Hebungsprall erzeugst, gefallen mir nicht wirklich. Das wirkt relativ einfallslos. Da bin ich besseres von dir gewohnt.
    Der Titel wiederum gefällt mir. Dort spielst du mit der "Doppeldeutigkeit" von "wi(e)der" sehr gut. Man weiß gleich, was du mit dem Gedicht aussagen möchtest. Nennen wir es mal Antikriegsgedicht. Sozusagen auf den Spuren Remarques, der den Anfang der deutschen Antikriegsliteratur startete.

    Bei der Betonung stören mich ein paar Kleinigkeiten:
    Das Metrum der Pentameter wechselst sehr selten. Es sind immer reine Daktylen (mit Hebungsprall in der Mitte). Einzig die letze Strohe bietet da Abwechslung.
    Dann habe ich Probleme damit, das "Eure" (S2V1) unbetont zu lesen und das "blieb" (S3V2) ebenfalls.
    In S3V1 würde ich vielleicht "darnieder" schreiben, aber das ist Geschmackssache.

    Gruß
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  6. #6
    Derolli Guest
    Lieber Eremit,

    ich kann mir das sogar als Lied vorstellen und deshalb ist die Dopplung vielleicht ein Stilmittel da Betonens beim Gesang.
    So ähnlich wie: "Meine Söhne geb ich nicht, nein meine Söhne geb ich nicht." Ja ich bin nochmaln Gedanken mit einer Melodie drüber und man kann das wunderbar singen, so in erzälendem Stil, wie May, Wader und Degenhardt.

    Sehr guter Text und mit der Thematik definitivpassend zur Elegie.

    Liebe Grüße

  7. #7
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    Hi, Eremit -

    ich mach das wie immer:
    Simpel. Schlicht. Einfach.

    Ein großartig gestaltetes "Principiis obsta!".
    Die braune Suppe köchelt leider wieder.
    Aber ich fürchte, daß Du offene Türen einrennst.
    Die Rufer bleiben in der Wüste.

    LG
    Barbarossa

  8. #8
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    Hallo Klatschmohn,
    vielen Dank für Dein Lob. Ich freu mich, dass es Dich angesprochen hat. Insbesondere freut es mich auch, dass Dir die Reime gefallen haben. Die sind nämlich in dieser Form wohl nicht üblich. Ich wollt's aber nicht unversucht lassen.

    Gute Nacht Medusa ,
    Deine Verunsicherung kann ich gut verstehen, geht mir ähnlich so. Mein Vorteil nur ist, dass ich als Verfasser nicht verantwortlich bin für die Auswahl der Schublade .
    Ein Korsett wollte ich nicht sprengen. Es ist ja eigentlich eher enger geworden. Auch ist mir weniger die Phantasie durchgegangen, sondern mehr die Lust am Experimentieren. Aber vielleicht ist das ja auch dasselbe ...
    Hintergrund ist eigentlich, dass ich das Thema in den ersten Entwürfen zu sehr dahinlabernd empfand. Ich suchte etwas, das unbedingt die Eindringlichkeit vertieft und kam dann auf diese Idee. Ob es nun noch eine Elegie ist, weiß ich nicht. Das überlasse ich Eurem Urteil. Wenn es das nicht ist, frag ich mich allerdings, was es dann wäre.

    Hallo Hans,
    vielen Dank für Dein Lob und Deine für mich sehr aufschlußreiche Interpretation. Liest Du das Bild des bequemen Fernsehstuhls aus den verschlossenen Türen?

    Hallo Nachteule,
    dass die Doppelungen auf Dich einfallslos wirken bedaure ich. Sie sollten genau das Gegenteil bewirken. Mit ihnen wollte ich Eindringlichkeit erzeugen, die durch die Reime noch verstärkt werden sollten. Die gedoppelten Worte grau, Spiel, Ehr und Fall wurden von mir gezielt in den einzelnen Strophen platziert. Sie stehen für Verdrängung, Leichtfertigkeit, fragwürdige Wertvorstellungen und Niedergang.
    Das Metrum zu wechseln, hatte ich versucht und dabei den Eindruck gewonnen, dass es dem Gedicht nicht gut tat. Ich vermute, wegen des Reimschemas.
    Was die Betonungen, bzw. Nichtbetonungen von "eure" und "blieb" betrifft, muss ich einräumen, dass sie grenzwertig sind. Bei "eure" gehe ich davon aus, dass der Leser bemerkt, dass der Akzent nicht darauf liegt, wem die alten Lieder gehören, sondern darauf, dass das LI die Lieder kennt. Beim "blieb" ist es ein wenig schwieriger, da das gedehnte "ie" zum Betonen einlädt. Hatte dort schon überlegt statt "blieb" das "ist" mit dem kürzeren Vokal einzusetzen. Nur scheint mir dadurch der Inhalt zu verwässern. Im Moment habe ich keine bessere Idee.
    Das "darnieder" hatte ich schon darnieder geschrieben, aber nach einer Konsultation im Duden wieder danieder gelegt. Also instinktiv wollte ich auch so schreiben, ist aber wohl falsch oder nicht mehr üblich.

    Lieber Derolli,
    vielen Dank für Dein Lob. Mit dem Singen hab ich es nicht so, aber hören tue ich die Herren sehr gerne. Hast mich jetzt neugierig gemacht. Wann darf ich das Gedicht von Dir gesungen hören?

    Hallo Barbarossa,
    auch Dir recht herzlichen Dank für Deinen lobenden Kommentar. Ja die Suppe köchelt immer noch und in vielen Farben. Der graue Frühling kam übrigens nicht nur in Anspielung auf das Ende des "dritten Reiches". Erstaunlich viele desaströse Niederlagen verbinden sich mit dieser Jahreszeit, u.a. auch die Kriege in Indochina.

    @ alle:
    vielen Dank für Eure lobenden und auch kritischen Kommentare

    Liebe Grüße
    Eremit
    -------------------------------------------
    Weh denen, die dem Ewigblinden
    Des Lichtes Himmelsfackel leih'n!
    Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
    Und äschert Städt' und Länder ein. (F. Schiller)

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