1. #1
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    Für eine Handvoll Frauen

    Für eine Handvoll Frauen


    Das Dilemma meiner Einsamkeit
    ist der fehlende Geruch von Frauen
    an meinem Körper.
    Diese tiefe
    mich unbefriedigt zurücklassende Resignation.

    Nur in meinen Träumen
    liegen sie neben mir.
    Mit entblößtem Unterleib
    um mich zu gebären.

    "Schau mal was für ein hässliches Kind!"
    schreit eine Hebamme ins Zimmer
    und schüttet sich meinen guten Whiskey
    in ihren rot umrandeten Schlund.

    Ich würde sie gerne ficken.
    Hier und vor allen Zuschauern,
    die sich die Tickets schon vor Monaten besorgt hatten.
    Aber ich werde abgenabelt und fange an zu schreien.

    "So eine dicke Käseschmiere
    habe ich noch nie gesehen.
    Meine Güte ist das ekelig."


    Sie waschen mich.
    Sie trocknen mich ab.

    "Nicht das der sich irgendwann fortpflanzt!"

    Irgendjemand kommt mit einem Skalpell,
    fuchtelt mir zwischen den Beinen rum
    und erbricht sich in mein Gesicht.

    "Schau mal, wie der jetzt aussieht."
    "Na ja, schlimmer ging es eh nicht,
    wisch ihm mal die Scheiße aus dem Gesicht."


    Das Handtuch ist hart
    und riecht nach Leben.
    Nach altem, abgestandenen Leben,
    so wie meins.

    Dann legt man mich an eine Brust.
    Sie ist groß und wabbelig.
    Sie hängt an der Seite herunter.
    Irgendwer bindet mich
    auf dem Buch dieser Frau fest.

    "Trink, du Sausack."

    Und ich sauge wie ein Berserker,
    sauge mich fest.
    Nehme all die Enttäuschung tief in mich auf.
    Ich ertrinke in Muttermilch.
    Ich greife die Brust und drücke sie fester.
    Jeden Tropfen will ich in mir haben.

    "Nehmt das Kind weg,
    bitte nehmt mir das Kind weg."


    Aber ich trinke weiter,
    sauge weiter, bis die Milch versiegt,
    bis ich das Blut schmecke,
    die Gedärme, das Gehirn, die Adern.

    Ich trinke sie leer.
    Ich spüre wie ihr Herz in mich gleitet,
    ihre Niere, ihre Leber.
    Ich schmecke ihr ganzes Leben
    und den Tod.

    Man schneidet mich los von ihr.

    "Meine Güte, hol jemand einen Arzt.
    Schnell, sie verblutet."


    Und ich kann sie sehen,
    wie sie mich anstarren,
    Angst vor mir haben.
    Sie sind bewaffnet mit Instrumenten,
    mit Messern und Stühlen.

    Nebenan gebären die Frauen weiter.
    Ich höre sie schreien
    und stöhnen.
    Keiner rettet sie,
    keiner hält ihr Hände.

    "Erschlag ihn. Erschlag ihn."
    schreit eine Schwester.
    Sie bückt sich nach einem Tischbein
    und ich kann ihr unter den Rock sehen.
    Unberührt und nie entbunden.

    Du weißt ja gar nicht was dir entgeht.
    Aber ich weiß es.
    Es kommt wie ein Welle,
    es zerreißt mir die Lenden
    und zerfrisst mein Denken.

    Alles manifestiert sich
    in den nicht realisierten Momenten.
    Für eine Handvoll Frauen,
    würde ich aufhören zu träumen.

  2. #2
    Registriert seit
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    ja, es sind zu wenige. und manchmal reicht das nicht. ungewollt und ungeliebt wie ich war, kenne ich die leere, das entsetzen, den unbändigen unstillbaren hunger ... den du da beschreibst und mit dem die welt nicht kann, weil sie so trocken ist wie die sahara.

    erschütternd ehrliches gedicht. danke fürs lesendürfen.

    eine mutterlose

  3. #3
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    Danke.
    Solche Gedichte kommen hier nicht an.
    meistens möchten junge leute von Liebe/Herz/Schmerz/Tränen usw. lesen.

    Damit kann ich ( leider ) nicht dienen.

    ich habe das Leben schon geschmeckt.


    Michael

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