Thema: 242

  1. #1
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    242

    Auch bei Schiller war ich schon einigemale, das erstemal eben nicht mit Glück. Ich trat hinein, wurde freundlich begrüßt, und bemerkte kaum im Hintergrunde einen Fremden, bei dem keine Miene, auch nachher lange kein Laut etwas besonders ahnden Ließ. Schiller nannte mich ihm, nannt' ihn auch mir, aber ich verstand seinen Namen nicht. Kalt, fast ohne einen Blick auf ihn begrüßt ich ihn, und war einzig im Innern und Äußern mit Schillern beschäftigt; der Fremde sprach lange kein Wort. Schiller brachte die Thalia, wo ein Fragment von meinem Hyperion u. mein Gedicht an das Schicksal gedruckt ist, u. gab es mir. Da Schiller sich einen Augenblick darauf entfernte, nahm der Fremde das Journal vom Tische, wo ich stand, blätterte neben mir in dem Fragmente, u. sprach kein Wort. Ich fühlt' es, daß ich über und über rot wurde. Hätt' ich gewußt, was ich jetzt weitß, ich wäre leichenblaß geworden. Er wandte sich darauf zu mir, erkundigte sich nach der Frau von Kalb, nach der Gegend und den Nachbarn unseres Dorfs, u. ich beantwortete das alles so einsylbig, als ich vielleicht selten gewohnt bin. Aber ich hatte einmal meine Unglückssstunde. Schiller kam wieder, wir sprachen über das Theater in Weimar, der Fremde ließ ein paar Worte fallen, die gewichtig genug waren, um mich etwas ahnden zu lassen. Aber ich ahndete nichts. Der Maler Majer aus Weimar kam auch noch. Der Fremde unterhielt sich über manches mit ihm. Aber ich ahndete nichts

    hölderlin


    Ode an Hölderlin
    Freund meiner Jugend, zu dir kehr' ich voll
    Dankbarkeit
    Manchen Abend zurùck, wenn im Fliedergebüsch
    Des entschlummerten Gartens
    Nur der rauschende Brunnen noch tönt.

    Keiner kennt dich, o Freund; weit hat die neuere
    Zeit
    Sich von Griechenlands stillen Zaubern entfernt,
    Ohne Gebet und entgöttert
    Wandelt nüchtern das Volk im Staub.

    Aber der heimlichen Schar innig Versunkener,
    Denen der Gott die Seele mit Sehnsucht schlug,
    Ihr erklingen die Lieder
    Deiner göttlichen Harfe noch heut.

    Sehnlich wenden wir uns, vom Tag Ermüdete,
    Der ambrosischen Nacht deiner Gesänge zu,
    Deren wehender Fittich
    Uns beschattet mit goldenem Traum.

    Ach, und glühender brennt, wenn dein Lied uns
    entzückt,
    Schmerzlicher brennt nach der Vorzeit seligem
    Land,
    Nach den Tempeln der Griechen
    Unser ewiges Heimweh auf.

    Hermann Hesse
    Geändert von hyperion01 (19.03.2012 um 10:05 Uhr)

  2. #2
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    Lieber hyperion01,

    wolltest Du mit Deinem ersten Beitrag den Usern ein Rätsel aufgeben, dergestalt, daß sie raten sollen, wer im Hause Schiller der von Hölderlin zunächst nicht erkannte Fremde im Hintergrund ist? Es ist Goethe, und der von Dir zitierte Brief Hölderlins an Neuffer vom November 1794 geht wie folgt weiter:

    lch ging, u. erfuhr an demselben Tage im Klub der Professoren, was meinst Du? daß Goethe diesen Mittag bei Schiller gewesen sei. Der Himmel helfe mir, mein Unglück, u. meine dummen Streiche gut zu machen, wenn ich nach Weimar komme. Nachher speist ich bei Schiller zu Nacht, wo dieser mich so viel möglich tröstete, auch durch seine Heiterkeit, u. seine Unterhaltung, worin sein ganzer kolossalischer Geist erschien, mich das Unheil, das mir das erstemal begegnete, vergessen ließ. Auch bei Niethammer bin ich zuweilen. Das nächstemal mehr von Jena. Schreibe mir itzt auch bald, lieber Bruder!

    Dein Hölderlin.
    Goehte hat das Genie in Hölderlin nicht erkannt, konnte es vielleicht nicht, weil er mit sich selbst zu sehr beschäftigt war. Uns Heutige mutet das ein wenig befremdlich an, zumal nicht wenige Literaturwissenschaftler Hölderlin auf dieselbe Ebene stellen wie Schiller und Goethe, einige sogar, was die Genialität der Dichtung betrifft, noch eine Stufe höher.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Brief, den Goethe an Schiller am 23.8.1797 schrieb.

    Gestern ist auch Hölterlein bei mir gewesen , er sieht etwas gedrückt und kränklich aus, aber er ist wirklich liebenswürdig und mit Bescheidenheit, ja mit Ängstlichkeit offen. Er ging auf verschiedene Materien, auf eine Weise ein, die ihre Schule verriet, manche Hauptideen hatte er sich recht gut zu eigen gemacht, so daß er manches auch wieder Leicht aufnehmen konnte.

    Ich habe ihm besonders geraten kleine Gedichte zu machen und sich zu jedem einen menschlich interessanten Gegenstand zu wählen. Er schien noch Neigung zu den mittleren Zeiten zu haben in der ich ihn nicht bestärken konnte.

    Daß Goethe den Namen Hölderlin zu Hölterlein verballhornt, ist wohl bezeichnend für ihn.

    Schiller hingegen war in seinem Urteil bedeutend sicherer:

    Hölderlin hat einen kleinen Roman, Hyperion ... Er hat recht viel Genialisches, und ich hoffe auch noch einigen Einfluß darauf zu haben ... An Talent fehlt es ihm gar nicht, einmal in der literarischen Welt etwas rechtes zu werden

    Das Gedicht Hermann Hesses über Hölderlin ist wunderschön. Es zeigt, wieviel der Dichter von Hölderlins schöner Sprache gelernt hat. Eine gelungene Hommage.

    Was nun, lieber Hyperion01, soll der Titel 242 bedeuten?

    Mit liebem Gruß

    Friedrich

  3. #3
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    seinen geburtstag

    mfg hyper1

    ach ja ich ließ den rest des briefes bewußt weg

    und nannte den namen des goethepreisträgers von 1946

    hat man mich verstanden?
    Geändert von hyperion01 (20.03.2012 um 16:14 Uhr)

  4. #4
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    Hölderlin wurde am 20. März 1770 geboren; was hat das mit 242 zu tun?

    MfG

    Friedrich

  5. #5
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    2012-1770 =242

  6. #6
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    Naja, lieber Hyperion01, da soll einer drauf kommen!

    Jedenfalls ist heute der 20. März und Hölders 242. Geburtstag.

    Happy Birthday !!

    Friedrich

  7. #7
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    verehrter friedrich

    man möge mir dieses kleine rätselspiel verzeihen

    war gerade von kargs beitrag zum welttag der poesie "ergriffen"

    rätsel und witze erregen das meiste interesse

    und besonders "unvollkommenheiten" und "unzulänglichkeiten"

    da fühlt sich so mancher dazu berufen sie auszubessern und zu korrigieren


    man möge mir verzeihen

    hyper1
    Geändert von Nachteule (23.03.2012 um 12:14 Uhr) Grund: Doppelposting

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