1. #1
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    Frühlingsschmerz

    Frühlingsschmerz

    „Der Frühling, Zeit von Schönheit und Glanz,
    befreie meine Seele ganz!“.

    Die Sonne über den Wolkenfeldern liegt,
    in Schmerzen’s Rot umgoßen –
    ein Vögelein wie ein Hauch daneben fliegt.
    Des jungen Tages sanft entfloßen,
    spielt sie das Morgenlied,
    über den ländlichen Frühjahrssproßen.

    Die Frühlingsblume blüht,
    die Sonnensänger sind im Flug,
    und stürzen sich in reißende Gewässer –
    „Ich vergesse nicht den Trug,
    die schwere Macht und die bösen Ströme,
    über meinem Kopf! Die gefährliche Natur –
    O holder Frühling!, mit deinem Charme und Zier,
    nach Schönheit hab‘ ich meine Gier;
    gebeten seist du, einmal mir den Mut zu gönnen. –
    Am warmen Abendhimmel die Sterne zählen,
    und Lichtjahre nach vorne schauen zu können.“

    „Mein Held, mein Held – du arbeitest schon,
    für Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz“.
    Es schwebt auf meterhohen Wolkentürmen,
    der heilige Frühjahrskranz!
    Wenn langsam der Sturm abschweift,
    und die Sommerfrucht schon früher reift. –
    „Dann bist du entgiftet, frei von Ungewissem –
    du hast mir befohlen,
    ich habe deinen Schmerz gestohlen!“.

    Vorbei der Nachtes Schrecken.
    Die Winterblume nicht mehr friert –
    Frühling hat gesprochen,
    und über den Regen triumphiert!
    "O holder Sommerblick,
    mit Schönheit und Glanz –
    meine Gedanken hast du frei gemacht,
    du lieber Frühlingskranz!"

    Martin Römer, 20./21. 02.2012
    Natura in der Aurora
    Geändert von Martin Römer (22.03.2012 um 18:12 Uhr)

  2. #2
    Kurzflügler Guest
    Hallo Martin,

    du bist erst 15? Krass. Dafür ist dir da echt ein gutes Gedicht gelungen. Besonders Sprach- und Rhythmusgefühl sind hier für meinen Geschmack schon ziemlich ausgefeilt.

    Trotzdem lässt sich natürlich noch einiges verbessern. Vor allem würde ich versuchen, nicht so sehr dem Stile Goethes nachzueifern, sondern mir eigene Ausdrucksformen suchen. Der "klassische" Stil ist mittlerweile einfach ausgeschöpft und unzeitgemäß. Die Suche nach Originalität ist sicher die schwierigste, aber auch die aussichtsreichste in der Dichtung und beim Schreiben überhaupt.

    Noch ein paar Anmerkungen zum Text:



    „Der Frühling, Zeit von Schönheit und Glanz,
    befreie meine Seele ganz!“.

    Die Sonne über den Wolkenfeldern liegt, [< - Hier kein Komma; die beiden Verse bilden einen Hauptsatz]
    in Schmerzen’s Rot umgoßen – [Im Deutschen gibt es kein Genitivapostroph; eigentlich muss "Schmerzensrot" auch zusammengeschrieben werden; sonst: "in der Schmerzen Rot"]
    ein Vögelein wie ein Hauch daneben fliegt.
    Des jungen Tages sanft entfloßen, [schön! Aber weg mit dem Komma]
    spielt sie das Morgenlied, [< - Komma weg]
    über den ländlichen Frühjahrssproßen.

    Die Frühlingsblume blüht,
    die Sonnensänger sind im Flug,
    und stürzen sich in reißende Gewässer –
    „Ich vergesse nicht den Trug,
    die schwere Macht und die bösen Ströme,
    über meinem Kopf! Die gefährliche Natur –
    O holder Frühling!, mit deinem Charme und Zier, [Das Komma hinter dem Ausrufezeichen muss weg]
    nach Schönheit hab‘ ich meine Gier;
    gebeten seist du, einmal mir den Mut zu gönnen. –
    Am warmen Abendhimmel die Sterne zählen, [< - Das Komma muss weg]
    und Lichtjahre nach vorne schauen zu können.“ [Lichtjahr ist ein Längenmaß (z.B. Drei Lichtjahre entfernt sein), keines für die Zeit.]

    „Mein Held, mein Held – du arbeitest schon, [< - Komma weg]
    für Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz“.
    Es schwebt auf meterhohen Wolkentürmen, [< - Komma weg; die Wolkentürme sind schön; aber ist meterhoch nicht ein bisschen niedrig? Was hältst du von: "Es schwebt von himmelshohen Wolkentürmen"?]
    der heilige Frühjahrskranz!
    Wenn langsam der Sturm abschweift,
    und die Sommerfrucht schon früher reift. –
    „Dann bist du entgiftet, frei von Ungewissem –
    du hast mir befohlen,
    ich habe deinen Schmerz gestohlen!“.

    Vorbei der Nachtes Schrecken.
    Die Winterblume nicht mehr friert –
    Frühling hat gesprochen,
    und über den Regen triumphiert!
    "O holder Sommerblick,
    mit Schönheit und Glanz –
    meine Gedanken hast du frei gemacht,
    du lieber Frühlingskranz!" [Wie wäre es mit einem "o!" statt dem "du"? - Die vielen Anführungszeichen kann man eigentlich auch weglassen, find ich]



    Gruß
    Kurzflügler

  3. #3
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    Hallo Kurzflüger,

    erstmal vielen Dank für deine Kritik. Fürs erste hilft mir das schon sehr gut weiter.

    Vor allem würde ich versuchen, nicht so sehr dem Stile Goethes nachzueifern, sondern mir eigene Ausdrucksformen suchen. Der "klassische" Stil ist mittlerweile einfach ausgeschöpft und unzeitgemäß. Die Suche nach Originalität ist sicher die schwierigste, aber auch die aussichtsreichste in der Dichtung und beim Schreiben überhaupt.
    Dass das das schwierigste in der ausführenden Dichtung ist, glaube ich gerne. Ich habe mich beim Gedicht Frühlingsschmerz an der Lyrik "Im deutschen November" von Friedrich Nietzsche orientiert. Es geht hier um einen Mann, der denn Frühling anbetet, ihn von seinen Seelenqualen zu befreien. Deswegen finde ich die Anführungszeichen auch mehr oder weniger passend.

    Mit den Interpunktionsregeln habe ich so meine ganz eigenen Sitten, besonders was den Genitivapostroph und/oder Gedankenstrich angeht, du wirst sehen, so etwas zieht sich wie ein roter Faden durch meine Texte und Lyrik. Mit den Kommas habe ich es bei genauerer Betrachtung etwas übertrieben.. Ich habe es nochmal neu aufgesetzt, und muss sagen, dass mir ein paar deiner Verbessungsvorschläge und Ideen wirklich gut gefallen:

    „Der Frühling, Zeit von Schönheit und Glanz,
    befreie meine Seele ganz!“.

    Die Sonne über den Wolkenfeldern liegt
    in der Schmerzen Rot umgoßen –
    ein Vögelein wie ein Hauch daneben fliegt.
    Des jungen Tages sanft entfloßen
    spielt sie das Morgenlied
    über den ländlichen Frühjahrssproßen.

    Die Frühlingsblume blüht,
    die Sonnensänger sind im Flug,
    und stürzen sich in reißende Gewässer –
    „Ich vergesse nicht den Trug,
    die schwere Macht und die bösen Ströme,
    über meinem Kopf! Die gefährliche Natur –
    O holder Frühling! mit deinem Charme und Zier,
    nach Schönheit hab‘ ich meine Gier;
    gebeten seist du, einmal mir den Mut zu gönnen. –
    Am warmen Abendhimmel die Sterne zählen
    und äonenweit nach vorne schauen zu können.“

    „Mein Held, mein Held – du arbeitest schon
    für Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz“.
    Es schwebt auf himmelshohen Wolkentürmen
    der heilige Frühjahrskranz!
    Wenn langsam der Sturm abschweift,
    und die Sommerfrucht schon früher reift. –
    „Dann bist du entgiftet, frei von Ungewissem
    du hast mir befohlen,
    ich habe deinen Schmerz gestohlen!“.

    Vorbei der Nachtes Schrecken.
    Die Winterblume nicht mehr friert –
    Frühling hat gesprochen,
    und über den Regen triumphiert!
    "O holder Sommerblick,
    mit Schönheit und Glanz –
    meine Gedanken hast du frei gemacht,
    o geliebter Frühlingskranz!"

    Und Lichtjahre, klar - hätte ich als angehender Hobbyastronom eigentlich besser wissen müssen . Es war echt schwer, hier eine Lösung zu finden, die das Metrum in diesem Fall nicht komplett über den Haufen wirft.

    Viele Grüße,
    Martin
    Geändert von Martin Römer (27.03.2012 um 06:07 Uhr)

  4. #4
    Kurzflügler Guest
    Hallo Martin,

    freut mich, wenn ich dir helfen konnte.

    Ich habe mich beim Gedicht Frühlingsschmerz an der Lyrik "Im deutschen November" von Friedrich Nietzsche orientiert. Es geht hier um einen Mann, der denn Frühling anbetet, ihn von seinen Seelenqualen zu befreien. Deswegen finde ich die Anführungszeichen auch mehr oder weniger passend.
    Orientiert? So viele Parallelen erkenne ich da jetzt ehrlich gesagt gar nicht. Ich dachte mehr an Goethes "An den Mond": Lösest endlich auch einmal/ Meine Seele ganz.

    Den Inhalt hab ich schon kapiert, trotzdem kann das lyrische Ich meines Erachtens auch gut den gesamten Text sprechen. So wirkt es ein wenig wirr, wenn ein Ich die Natur beschreibt und dabei die Gefühle eines unbekannten, zweiten Ichs zitiert.

    Mit den Interpunktionsregeln habe ich so meine ganz eigenen Sitten, besonders was den Genitivapostroph und/oder Gedankenstrich angeht, du wirst sehen, so etwas zieht sich wie ein roter Faden durch meine Texte und Lyrik.
    Im Grunde ist es mir ja egal, was die Leute mit ihrer Rechtschreibung anstellen. Das Problem ist nur, dass gerade die Interpunktionseigenarten irgendwie konsequent und nützlich scheinen müssen, weil sie sonst einfach falsch oder wenigstens merkwürdig rüberkommen. Deine Interpunktion ist für mich so ein Fall - Kommata erfüllen z.B. nicht wirklich einen Sinn, wenn man sie einfach wahllos ans Versende setzt. Und warum sollte man sich für den englischen Genitivapostroph entscheiden?

    und zeitenlang nach vorne schauen zu können.
    "Zeitenlang" klingt in meinen Ohren nicht wirklich schön. Warum nicht "äonenweit" oder so ähnlich?

    o holder Frühlingskranz!"
    "Holder" hattest du schon drei Verse vorher. Vielleicht doch besser "geliebter Frühlingskranz"?

    Es war echt schwer, hier eine Lösung zu finden, die das Metrum in diesem Fall nicht komplett über den Haufen wirft.
    Welches Metrum?

    Gruß
    Kurzflügler

  5. #5
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    Hallo Kurzflügler,

    die vielen Kommas strukturierten in meinen Augen ganz gut das Gedicht. Da habe ich einfach vergessen, den gesamten Satz zu lesen sondern habe nur den Vers für sich genommen. Das ist natürlich falsch und werde ich auch in meinen nächsten Gedichten beachten.

    Den Halbgeviertelstrich verwende ich sehr oft um zwei ähnliche Satzstrukturen miteinander zu verbunden - so wie hier zum Beispiel. Da läuft dies auch mehr nach Gefühl - aber mit Liebe. Ich könnte mir meine Art Texte zu schreiben ehrlich gesagt gar nicht mehr vorstellen, ohne diesen kleinen Strich..

    Dein Argument mit dem zweiten lyrischen Ich leuchtet ein. Das werde ich nochmal überdenken, genauso wie die Wortwahl. "Äonenweit" kannte ich ehrlich gesagt noch gar nicht, da fällt mir wahrscheinlich das Bücherwissen erfahrener Poeten wie du .

    Viele Grüße, Martin

    Übrigens: Obwohl mir die Mondgedanken von Goethe bekannt sind, bezog ich mein "Meine Seele ganz" nicht darauf - vielleicht unterbewusst - aber bestimmt nicht bewusst. Wär' ja ganz und gar langweilig. Mit der Art, wie "Im deutschen November" geschrieben ist, die untypische Struktur in den Strophen- und Versanordnungen, im Thema (beides Natur) sowie die wenigen Reime, inspierierte mich zu diesem Gedicht.

  6. #6
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    Hallo Martin,

    ich habe da einiges, das ich anders sehe, als Kurzflügler, aber auch Dinge, bei denen ich mit ihm übereinstimme.

    Zuerst muss ich dir aber sagen, dass ich mir Nietsches "Im deutschen November" extra durchlas, um andere Übereinstimmungen, als das Thema zu finden. Ich wurde nicht fündig. Das ist dir also nicht gelungen.

    Da du eine zweite Version einstelltest, gehe ich davon aus, dass die die neuere ist, die zum Abschuss freigegeben ist. Dann soll auch sie mein Opfer werden.

    „Der Frühling, Zeit von Schönheit und Glanz,
    befreie meine Seele ganz!“. <-Inversion oder eigener Satz. Sonst hast du hier den Satz verdreht.

    Die Sonne über den Wolkenfeldern liegt <- Dito
    in der Schmerzen Rot umgoßen – <- Dito. Warum nicht einfach "Vom Rot der Schmerzen umgossen? (Begründung für den Rechtschreibfehler: Siehe hier)
    ein Vögelein wie ein Hauch daneben fliegt. Ich spare es mir, die weiteren Inversionen aufzuzeigen. Das wäre zu viel...
    Des jungen Tages sanft entflossen
    spielt sie das Morgenlied
    über den ländlichen Frühjahrssprossen.

    Die Frühlingsblume blüht,
    die Sonnensänger sind im Flug,
    und stürzen sich in reißende Gewässer – Ein Vogel, der sich in reißende Gewässer wirft ist er irgendwie selbstmordgefährdet. Allerdings hat der Vogel dann keine Seelenqualen mehr...
    „Ich vergesse nicht den Trug,
    die schwere Macht und die bösen Ströme,
    über meinem Kopf! Die gefährliche Natur –
    O holder Frühling! mit deinem Charme und Zier,
    nach Schönheit hab‘ ich meine Gier; kein Apostroph
    gebeten seist du, einmal mir den Mut zu gönnen. –
    Am warmen Abendhimmel die Sterne zählen
    und äonenweit nach vorne schauen zu können.“

    „Mein Held, mein Held – du arbeitest schon
    für Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz“. arbeiten für Arbeit???
    Es schwebt auf himmelshohen Wolkentürmen Auf Wolkentürmen schweben ist ein schönes Bild, aber wie können Wolkentürme himmelshoch sein, wenn sie doch erst im Himmel anfangen? Berghoch können sie sein...
    der heilige Frühjahrskranz!
    Wenn langsam der Sturm abschweift,
    und die Sommerfrucht schon früher reift. –
    „Dann bist du entgiftet, frei von Ungewissem Satzzeichen
    du hast mir befohlen, Was hat "er" befohlen?"
    ich habe deinen Schmerz gestohlen!“.

    Vorbei der Nachtes Schrecken. Das kann man so fast nicht aussprechen.
    Die Winterblume nicht mehr friert –
    Frühling hat gesprochen,
    und über den Regen triumphiert!
    "O holder Sommerblick,
    mit Schönheit und Glanz –
    meine Gedanken hast du frei gemacht,
    o geliebter Frühlingskranz!"
    Sonstiges zum Gedicht:
    Du wechselst mitten im Gedicht ohne erkennbaren Grund, das Reimschema, was ich prinzipiell nicht wirklich mag (mal abgesehen davon, dass deine Vorlage ungereimt war). Das gleiche gilt beim Metrum, welches ich hier aber auch nicht finden kann.
    Die unterschiedlich langen Verse machen das Lesen nicht wirklich leichter.
    Die vielen Inversionen, die du teilweise Grundlos und teilweise des Reimes wegen eingestreut (ich untertreibe) hast, stören beim lesen. Gerade bei "der Nachtes Schrecken". Man muss Verse zweimal lesen, um ihren Inhalt zu erstehen.

    Gedankenstriche als eine Art Pause einzusetzen und Semikolons, um zwei Sätze miteinander zu verbinden ist ok, gehört auch normal so. Aber die Kommata sollten auch dahin, wo Kommata hinsollen. Sie glieder einen Satz. Dein "Vorbild" machte das auch richtig.

    Da musste noch etwas üben...

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
    Drama: Das Gericht; Prosa: Fernreise als Kurztrip, Krieg im Frieden, Die Tote

  7. #7
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    Hey Nachteule,

    erstmal danke, dass du dich auch so intensiv und eingängig mit meinem Gedicht beschäftigt hast.

    Zuerst muss ich dir aber sagen, dass ich mir Nietsches "Im deutschen November" extra durchlas, um andere Übereinstimmungen, als das Thema zu finden. Ich wurde nicht fündig. Das ist dir also nicht gelungen.
    Mehr als das Thema+Konstrukt war auch nicht unbedingt beabsichtigt..

    und stürzen sich in reißende Gewässer – Ein Vogel, der sich in reißende Gewässer wirft ist er irgendwie selbstmordgefährdet. Allerdings hat der Vogel dann keine Seelenqualen mehr...
    Das ist eher bildlich gesprochen, z.B. könnte es so ein Maler sehen. Im Gedicht dreht es sich aber um eine Person, die Seelenqualen hat.

    Da wieder:
    „Mein Held, mein Held – du arbeitest schon
    für Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz“.
    arbeiten für Arbeit???
    So schwer ist das doch nicht zu verstehen . Die hohe Macht Frühling arbeitet für den Mann, will ihm Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz geben. In meinen Augen keine Verdopplung.

    Es schwebt auf himmelshohen Wolkentürmen Auf Wolkentürmen schweben ist ein schönes Bild, aber wie können Wolkentürme himmelshoch sein, wenn sie doch erst im Himmel anfangen? Berghoch können sie sein...
    Stimmt.

    du hast mir befohlen, Was hat "er" befohlen?"
    Das steht auch im Text. "Er" steht für die Person, die folgendes über den Frühling "befiehlt":
    O holder Frühling! mit deinem Charme und Zier,
    nach Schönheit hab‘ ich meine Gier;
    gebeten seist du, einmal mir den Mut zu gönnen. –
    Am warmen Abendhimmel die Sterne zählen
    und äonenweit nach vorne schauen zu können.“
    Du wechselst mitten im Gedicht ohne erkennbaren Grund, das Reimschema, was ich prinzipiell nicht wirklich mag (mal abgesehen davon, dass deine Vorlage ungereimt war). Das gleiche gilt beim Metrum, welches ich hier aber auch nicht finden kann.
    Zurück zu den eigentlichen Dingen; Inhalt, Satzbau, das Konstrukt. Ein definitives Reimschema war nicht beabsichtigt, kann man also so oder so sehen. Metrum? - ich kann die Verse/Strophen flüssig sprechen, Rhytmus ist m.E. vorhanden..

    Mir ist noch nicht ganz klar, was du mit "Inversionen" meinst..

    Da musste noch etwas üben...
    Wer muss das nicht..

    Viele Grüße und Danke für deinen Kommentar,
    Martin

  8. #8
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    Hallo Martin,

    Mehr als das Thema+Konstrukt war auch nicht unbedingt beabsichtigt..
    Welches Konstrukt? Die Form? Das Thema ist für mich, dass ein LI den Frühling bittet, ihn von seine Seelenqualen zu befreien.

    Das ist eher bildlich gesprochen, z.B. könnte es so ein Maler sehen. Im Gedicht dreht es sich aber um eine Person, die Seelenqualen hat.
    Dass das keine echten Vögel sind, ist mir schon klar, aber wenn das Bild nicht zeigen soll, dass das LI sich gerade umbringen will, hat der Maler sich vermalt. Und m.E. soll das Bild dem LI die Freude des puren Lebens zeigen, weshalb die Blumen blühen und die "Sonnenflieger" sich ihres Lebens erfreuen.

    So schwer ist das doch nicht zu verstehen. Die hohe Macht Frühling arbeitet für den Mann, will ihm Kraft und Lohn, Arbeit und Glanz geben. In meinen Augen keine Verdopplung.
    Wenn es falsch verstanden wird, liegt es meist (!) am Schreiberling.
    Das ließe sich auch recht einfach lösen: "für meine Kraft und Lohn, meine Arbeit und Glanz" Dann wird deutlich, was gemeint ist.

    du hast mir befohlen, Was hat "er" befohlen?"
    Das steht auch im Text. "Er" steht für die Person, die folgendes über den Frühling "befiehlt":
    O holder Frühling! mit deinem Charme und Zier,
    nach Schönheit hab‘ ich meine Gier;
    gebeten seist du, einmal mir den Mut zu gönnen. –
    Am warmen Abendhimmel die Sterne zählen
    und äonenweit nach vorne schauen zu können.“
    Da ist ein Haufen Schwarz dazwischen... Außerdem heißt es im Text "gebeten seist du". Nicht "dir sei geboten", was einen Befehl inne hätte. Gebeten kommt von bitten und eine Bitte erfüllt man freiwillig...

    Zurück zu den eigentlichen Dingen; Inhalt, Satzbau, das Konstrukt. Ein definitives Reimschema war nicht beabsichtigt, kann man also so oder so sehen. Metrum?
    Ich stelle mal dar:
    A/A

    B/C/B/C/B/C'

    X/D/X/D/X/X/E/E/F/X/F

    X/G/X/G/H/H/X/I/I/

    X/J/X/J/X/K/X/K

    Nimmt man Strophe eins heraus (sind ja auch nur zwei Verse, da geht kreuzen schlecht), geht die Tendenz eindeutig in Richtung Kreuzreim, wobei meistens der zweite Reim ausgelassen wird. (Ausnahme Strophe 2) Die zwei Waisen vor Reim "E" kann man da bei einer Analyse als Fehler ansehen, den Rest, der abweicht, als Gesamtfehler, da es nur zweimal vorkommt.

    - ich kann die Verse/Strophen flüssig sprechen, Rhytmus ist m.E. vorhanden..
    Ok, ergänze um das Wort "einheitliches". Aber jeder Text hat ein Metrum... irgendeines... wenn auch meist nicht definierbar...
    Bei dir gibt es eine Streuung von Jamben, Trochäen und Daktylen. Innerhalb vieler Verses sogar gemischt.

    Mir ist noch nicht ganz klar, was du mit "Inversionen" meinst..
    Mit "Inversionen" meine ich in dieser Masse, dass du mehr Satzverdreher hast, als ein hüpfendes Karussell. Eigentlich habe ich, um mir solche Erklärungen zu ersparen, mein Lexikon mit dem Satz "du verstehst Nachteules Kommentar nicht" in meiner Sydnatur verlinkt, in dem das alles schon erklärt ist. In diesem Fall hier.
    Bei deinem Text scheinen mir die meisten Inversionen dem Reim geschuldet. Wenn dir der Wortschatz oder die Raffinesse fehlt/en, solltest du vielleicht überlegen, mal ungereimt zu schreiben... Ein gutes Metrum bekommt man auch so hin...

    nix für ungut

    nächtlicher Gruß, gutes nächtle und carpe noctem
    Nachteule
    Geändert von Nachteule (14.04.2012 um 03:42 Uhr)
    Meine Sydnatur:
    Greis und Greisin miss u <3
    Hier stehe ich! Ich kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!
    (Der Buchstabe)
    Du verstehst Nachteules Kommentar nicht? Lyrisches Lexikon der Nachteule; für Einsteiger: der Kommentarfaden; wenn dir ein Kommentar besonders gefällt, kannst du ihn zur Kritik des Monats nominieren
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  9. #9
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    Hallo Nachteule,

    nein, ich nehme dir deine Kritik nicht übel, viel mehr versuche ich daraus zu lernen. Meine üblichen Kriterien für ein gutes Gedicht waren "Gutere Lesefluss, Rythmik, interessante Story" und ein paar unbedeutende mehr. Hier noch mal ein kleiner Überblick von mir zu dem Gedicht und deiner Kritik:

    Da ist ein Haufen Schwarz dazwischen... Außerdem heißt es im Text "gebeten seist du". Nicht "dir sei geboten", was einen Befehl inne hätte. Gebeten kommt von bitten und eine Bitte erfüllt man freiwillig...
    Ob es jetzt "gebeten" oder "befohlen" hieß, ist unbedeutend für das Gedicht, da der Frühling ihm den Wunsch doch erfüllt.

    Ok, ergänze um das Wort "einheitliches". Aber jeder Text hat ein Metrum... irgendeines... wenn auch meist nicht definierbar...
    Bei dir gibt es eine Streuung von Jamben, Trochäen und Daktylen. Innerhalb vieler Verses sogar gemischt.
    Das ist ein interessanter Punkt, den ich in den nächsten Gedichten wie schon oben angedeutet mehr berücksichtigen werde.

    Das mit den Inversionen ist mir immer noch ein Rätsel (ich meinte damit nicht, dass ich den Ausdruck nicht verstehe), sondern in meinen Augen klingen die Sätze korrekt und man kann sie so auch gut aussprechen.
    Ich lese es flüssig.

    Viele Grüße,
    Martin

  10. #10
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    Hallo Martin,

    ne, die klingen nicht korrekt, es sei denn man ist ein gewisser Meister Yoda aus Star Wars.

    Das fängt schon in der dritten Zeile an:

    Die Sonne über den Wolkenfeldern liegt
    Das ist eben von der Satzgliedstellung nicht korrekt. Richtige Reihenfolge wäre hier Subjekt - Prädikat - Objekt, hier bei dir ist es Subjekt, Objekt und dann erst das Prädikat. Hobbydichter machen das häufig, um mit dem Verb einen Reim zu erzeugen, wie du ja auch hier mit "liegt-fliegt". Mach jetzt bloß nicht den Fehler das alles mit poetischer Freiheit und deinem persönlichen Empfinden zu erklären. Das blockiert deine Entwicklung. Wenn man es ernsthaft mit dem reimenden Schreiben meint, dann bleibt die Grammatik trotzdem korrekt. Eine einzige inversive Zeile kann einen gesamten Text zerstören, weil sie jenen komischen Beiklang des tölpelhaften Laiendichterleins inne hat.

    Und ebenfalls

    hier
    Vorbei der Nachtes Schrecken.
    die Vergewaltigung des Genitivs klingt weder altertümlich noch poetisch, sondern allenfalls albern.

    Doch nichts für ungut, insgesamt ein wortgewaltiges Werk, das sprachlich noch etwas sperrig ist und einige Reime etwas erzwungen klingen, das aber reichlich Entwicklungspotential offenbart.

  11. #11
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    Inversionen in Gedichten

    Hallo Woitek,

    jetzt hast du mich neugierig gemacht. Muss jeder Satz in einem Gedicht das genau Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema enthalten?

    Auf Wikipedia.de las ich, das es durchaus üblich wäre, in der Lyrik Inversionen zu benutzen, z.B. um den Satz eine größere Bedeutung auszusprechen. Als Beispiele werden da genannt:

    Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
    Er voll der Marmorschale Rund ...
    aus "Der römische Brunnen" von Ferdinand Meyer. Subjekt-Objekt-Prädikat sind dann hier ebenfalls nicht richtig angeordnet, denn "der Strahl" ist doch hier eindeutig das Subjekt und müsste folglich am Anfang stehen. Auch Vers zwei klingt hier etwas komisch ...

    Oder aus Johann W. von Goethe's "Willkommen und Abschied":
    Dich sah ich, ...
    (anstatt Ich sah dich...)
    Ist hier die Grammatik korrekt oder nicht korrekt?

    Ich glaube dir ja, dass ein paar meiner Verse im oberen Gedicht etwas verdreht klingen. Trotzdem würde ich gern mehr über diese Inversionen wissen, denn das ist anscheinend ein sehr wichtiger Punkt, den ich bei meinen nächsten Versuchen unbedingt richtig machen möchte.

    Vielen Dank für die Anregung,
    Martin
    Geändert von Martin Römer (16.04.2012 um 14:31 Uhr) Grund: Quellangabe "Wikipedia" noch mal deutlich gemacht

  12. #12
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    Sicher hast du die beiden Beispiele aus Wikipedia da sehr gut angebracht, wenn sich aus Höflichkeitsgründen da immer auch geziemen sollte, eine Quelleninformation anzubringen.

    Natürlich weicht gerade die Poesie immer wieder von der automatisieren Folie der Alltagssprache ab und auch Inversionen werden da benutzt. Dies vor allem vor 100, 200 Jahren, als auch die Alltagssprache noch deutlich anders war, als dies heute der Fall ist. Und sicher ist es auch das Wie und Wann deren Einsatzes, der ausmacht, ob ich es als artifiziell oder unangemessen, vielleicht sogar tölpelhaft wahrnehme.

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