Thema: wiederkehr

  1. #1
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    wiederkehr

    ich hatte mich beim reimen wund gerieben.
    wobei ich gar nicht der bin, den das stört.
    doch wo war nur der andre abgeblieben?

    mit eifer hab ich stuss um stuss geschrieben,
    die krone aufgesetzt als dichter-nerd,
    mich schöpferisch zur gänze aufgerieben,

    dem einen einen pfahl ins herz getrieben,
    den andern an der leselust versehrt.
    so viele opfer: wo war e r geblieben?

    ich suchte ihn, wie hüben, so auch drüben,
    voll bange, ob er denn nicht wiederkehrt;
    hab weiter viele verse blank gerieben,

    begann, die frikadellenform zu lieben,
    weil sie am ehesten die hoffnung nährt.
    die ist zuletzt nicht unerfüllt geblieben:

    der spötter spottet, dass die funken stieben,
    die frikadellen sterben unterm schwert,
    doch längst sind alle reime wund gerieben,
    so dass mir nur die flucht nach vorn geblieben.
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
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    (StadtHaiku)

  2. #2
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    was mir an vielen deiner gedichte gefällt, wilma27,

    ist die mixtur aus ernsthaftigkeit mit dem fünkchen selbstironie drin. die frikadellenform - ja, wer könnte der nicht anheimfallen, wenn "er" mit allen mitteln und mühen nicht heraufzubeschwören ist. kann ich gut verstehen.

    spannend und gut find ich, daS "er" nebulös bleibt. er kann alles sein - eine konkrete person, das ideal, das im lyrICH selbst begründet liegt und es sich wundreiben läSt. und noch einiges mehr ist da an spielraum.

    schön find ich auch die aSoziation an alladins wundgeriebene wunderlampe, die dennoch nicht glücklich machen kann. wenn in einem selbst etwas fehlt, das man sich so nicht geben kann. die flucht nach vorn - selbsterkenntnis? auch mal dahinsehen in sich selbst, wo s nicht ganz so angenehm ist. auch mal n biSchen wehtut?

    aber lyrIch sagt ja in S1, daS es ihm nix ausmacht, sich zu reiben. auch mal wund. es wird also hinsehen, denk ich. die flucht nach vorn antreten. der text is also eine momentaufnahme eines wendepunktes, wie ich ihn lese.

    gefällt mir richtig gut.


    lg


    goSenkind
    Kleingeist, dem Reimkleid eingeschweißt,
    verneint, wem dreist Gedeih verheißt,
    die Reimfreiheit, die keimt. Denn meist
    bleibt Feind, der deren Sein beweist.


    (c) gossenkind

  3. #3
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    Hi, wilma27 -

    wie sag ich's, ohne Spam-Verdacht zu wecken?
    Ich kann ja nicht einfach gossenkinds Kommentar kopieren und einsetzen.
    "voll Bange" schmeckt mir nicht so richtig. mich fragend oder bang fragend hab ich mir innerlich erlesen.

    Darüber hinaus lese ich es ein ganz klein wenig anders:
    Nicht lediglich als Wendepunkt. Eher als Resumé mit nachfolgendem (resignierenden?) kleinschreibendem/kleingeschriebenem Wendepunkt.
    Erlaube mir ein kurzes Wort:
    Toll!

    LG
    Barbarossa

  4. #4
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    hallo gossenkind und barbarossa
    danke fürs reinschauen und freut mich, dass es offenbar gefiel.
    bin überrascht, dass es dem leser den nötigen spielraum zu lassen scheint. weil es ist orts-, zeit- und personengebunden.
    der ordnung halber muss ich darauf verweisen, dass die idee, reime zu "reiben", von longshanks stammt.
    lg wilma27
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    (StadtHaiku)

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