1. #1
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    Zerschellte Tasse

    Zerschellte Tasse

    Du ruhtest selbstbewusst am Tischesrand,
    so friedlich und sicher war dein Stand,
    eben schnell hab ich was verschoben,
    schon warst du nicht mehr dort oben,

    noch bevor du aufgeschlagen bist,
    schon hab dein früheres ich vermisst,
    so wie du am Boden bist zerschellt,
    ist's scheinbar auch um mich bestellt,

    alles geht immer weiter zum Rand,
    noch ist er sicher, der Lebenstand, //ursprünglich: "noch ist er sicher, mein Lebenstand,"
    fallen könnte man wie diese Tasse, //ursprünglich: "fallen könnte ich wie diese Tasse,"
    das ist es, was ich nun erfasse.

    Sammle die Scherben der Vergänglichkeit,
    fühle in mir zersplitterte Mutseligkeit,
    setzte dich zusammen so gut es eben ging,
    dich wohl erst morgen zur letzten Ruh' bring ...


    Anmerkung:
    Manchmal sind es eben die kleine Dinge die einen Kummer bereiten ... oder sind es diese gerade immer?
    Geändert von DichterSeele87 (05.04.2012 um 13:52 Uhr)
    Braucht man Hilfe wenn man nur noch in Reimen denkt?

    Muss man das Müssen dürfen?
    Darf man das Dürfen müssen?


    Sich oft sehen und plaudern und gegenseitig besuchen, ist eine Freude; zusammen leben ist immer eine Gefahr.
    Theodor Fontane

  2. #2
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    Ich bin ja immer noch auf der Suche nach dem Meister der Harmlosigkeit. Wenn die Tasse als Sinnbild höhere Weihen verdient, ist dieses Gedicht mehr als prädestiniert dafür in ihr den ultimativen Widerspruch zwischen Kaffeetaffel und metaphysisches Mordinstrument zu sehen, was durch dieses Zitat hier an die ganz Großen ranreicht

    "fallen könnte ich wie diese Tasse,"

    allerdings wäre der Konjunktiv in so fern Geschmackssache als ein egozentrischer Bezugspunkt selten größere Beachtung findet.

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  3. #3
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    Das was mich dazu bewegt hat, aus dem Unglück eine zerschellten Tasse eine Gedicht zu machen, ist die Tatsache das es mich tief berührt hatte. Obwohl es doch nur so etwas banales ist wie ein Trinkgefäss! In diesem Moment, wo die Tasse runterfiel, wurde mir klar, was ich schon zigfach gelesen habe. Das Glück wohnt in jedem noch so kleinen Stück deines Lebens, auch wenn man das nicht immer erkennt, bevor es nicht mehr da ist. (Kann mich immer noch nicht dazu durchringen, die Scherben wegzuwerfen.)

    LG Thomas
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  4. #4
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    Das ist die deutsche Krankheit. Das Omen bedeutet mehr als das eigentliche Ereignis,
    weil man es ja hat kommen sehen. Versuch doch mal das Pferd von der anderen Seite her aufzuzäumen.
    Erst die totale Katastrophe und dann die Verniedlichung. Ist vielleicht nicht so erklärungsbedürftig

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  5. #5
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    Lieber Robert,

    Dein Vorschlag hat etwas für sich, jedoch käme es mir wie ein Selbstbetrug vor, würde ich meine inneren Gedanken in anderer Reihenfolge/Form niederschreiben. Habe länger überlegt ob ich deine Vorschlag übernehmen soll, werde es aber so belassen wie es ist! Nichtsdestotrotz bin ich dankbar für deinen hinweisenden Beitrag.

    LG Thomas
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