1. #1
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    Kreuzigung mit Haken

    Kreuzigung mit Haken

    Wer leidet dort am Kreuze so schwer,
    bewacht von Cäsars starkem Heer?
    Mag sein, dass Dornen Schmerz machen,
    in seinem Innern kann er lachen.

    Er simuliert der Schmerzen Prägung,
    im Herzen hat er keine Regung.
    „Vater vergib.“ hört man ihn flehen,
    Sein Flüstern konnt‘ niemand verstehen:

    "Lass sie in Hass trostlos marschieren,
    für Mord und Völkermord trainieren.
    Erst wenn sie nahzu‘ dezimiert,
    hast du mein Leiden revanchiert."

    Glaubt ihr, ein Gott spürt Todespein,
    er täuscht euch alle um das Sein.
    Der große Plan ist ohne Ziel,
    Jahrtausend Leid sein Puppenspiel.


    From the cycle Another Different Vantage-point: My dad's gonna fuck you for at least the next two millenia

    (Ralf M. de Pennét, pencil-study on parchement 20x15 cm, Malibu 1982)

  2. #2
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    danke martin - es war mir eine notwendigkeit diese osterbotschaft in worte zu packen. jesus - hatte, wenn er tatsächlich ein gott*) war - genau diese worte auf die idioten rundherum gefächelt.


    *) in meinen augen ein bizarrer quargel, wenn ich mir schon einen götzen aussuche, dann nicht den armen joshua sondern den eiskalten chef von GOLDMAN SACHS, loyd blankfein, hier als die inkarnation unseres geliebten satans links im bilde:









  3. #3
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    Ja, wenn Rache ein Equivalent für Leiden wäre, könnte dieser Text Schicksal symbolisieren. Wenn nicht bleibt immer noch das unverständliche Flüstern als Grund allen Übels Wie man es auch dreht, dieser Text verdient Aufmerksamkeit für seine Schnörkellosigkeit in einer Zeit wo Ratzi es schwer hat aus dem ganzen Pomp noch Sinn zu ziehen. Zumindest in Europa!

    LG RS
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    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    Hallo,

    im Gegensatz zu meinen Vorrednern finde ich das Gedicht handwerklich wie inhaltlich mehr als fragwürdig. Um zu verdeutlichen weshalb, habe ich es nachfolgend kommentiert.

    Wer leidet dort am Kreuze so schwer,
    bewacht von Cäsars starkem Heer?

    Metrisch gut, inhaltlich Blödsinn, suggeriert der Satz doch, da wäre die halbe Truppe anwesend gewesen...

    Mag sein, dass Dornen Schmerz machen,
    in seinem Innern kann er lachen.

    Metrik! (Schmerzen statt Schmerz und dann bliebe immer noch der Metrik-Wechsel zum ersten Reimpaar... Xx.../ xX)
    xXxXxXXx
    xXxXxXxXx
    Theologen bekämen bei dieser Aussage Krämpfe.

    Er simuliert der Schmerzen Prägung,
    im Herzen hat er keine Regung.

    OK....klingt gut aber Prägung?

    „Vater vergib.“ hört man ihn flehen,
    Sein Flüstern konnt‘ niemand verstehen:

    Schon wieder die Metrik, gruselig!
    XxxXXxxXx (oder XxxXxXxXx - nur notfalls/ passt auch nicht)
    xXxxXxxXx

    "Lass sie in Hass trostlos marschieren,
    für Mord und Völkermord trainieren.

    Hier wirds metrisch und inhaltlich dann ganz furchtbar. Wer sind sie? Trainieren??? Trostlos???

    Erst wenn sie nahzu‘ dezimiert,
    hast du mein Leiden revanchiert."

    Metrisch wieder blitzsauber aber wie geht eine Beinahe-Dezimierung. Man schlägt nur einen und den nur halbtot? Sorry, aber diese Formulierung ist ein Musterbeispiel für unfreiwillige Komik.

    .....
    er täuscht euch alle um das Sein.

    Der beste Satz - trifft genau mein Weltbild (Schon wieder unfreiwillige Komik).

    Der große Plan ist ohne Ziel,
    Jahrtausend Leid sein Puppenspiel.

    Das Jahrtausendleid (was immer das sein mag) oder ein Jahrtausend (lang) Leid??? Ich bitte nicht um Aufklärung, da ich diese Aussage ohnehin niemals verstehen werde.

    Sorry

    Jürgen
    Geändert von JoteS (24.05.2012 um 14:35 Uhr)
    Oh lodernd Feuer! (Nero in Quo vadis)

  5. #5
    Jazemel Guest
    Hallo,

    ich frag mich auch, wo denn da die Genialität stecken soll, ebenso wie schörkelose Deutlichkeit. Für mich ist der Text eher ein gutes Beispiel dafür, wenn Worte, bar ihrer eigentlichen Bedeutung, in Reime gequetscht werden

    Es beginnt schon unfreiwillig komisch, denn die Art der Fragestellung, lässt eher an einen leicht überkandidelten Hundebesitzer denken.

    Wer leidet dort am Kreuz so schwer? - Ja, wer leidet denn da? Ja, wer isser isser denn? Wer is Papis Wauzerle?...
    Davon abgesehen, ist es für mich immer eine unglückliche Lösung des Reimes wegen, den Satz zu verdrehen.
    Würde korrekt dort stehen "Wer leidet dort so schwer am Kreuz?" und dazu noch das Füllsel 'dort' gestrichen werden, wäre der Satz erträglich.

    Zum Heer sagte Jotes ja bereits etwas, dennoch, alleine eine Legion bestand aus ca. 5500 Mann, mehrere Legionen bildeten ein Heer.
    Und wieviel Soldaten bewachten nun die Gekreuzigten? Einer.

    Dann streift der Fokus die Schmerzen und legt sich auf die Dornen, die Nägel durch Hände und Füße werden außer acht gelassen und das Jesus innerlich dennoch lacht, entspringt wieder der Not nach einem zu findenden Reim.

    So sinnlos wird weiter gereimt:

    trostloser Hass
    simulierte Schmerzprägung
    Leiden revangiert u.s.w.

    Strophe für Strophe verdrehte Sätze, nach Sinn ringende Reime, eine plonkistisch anmutende conclusion, Worte, die schlicht im falschen Kontext gebraucht werden etc.

    Genial ist was anderes, ein aussagekräftiges Gedicht ebenso. Was hier gekreuzigt seinen Atem aushaucht, ist alleine ein gutes Sprachgefühl, mit Reimen als Nägel.

    Mein Rat, es gibt hier für eigene Bilder eine Rubrik, man muss sie nicht bereimen.

    Gruß,

    Jazemel

  6. #6
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    @Goldart



    Moin, zuerst das Positive:
    Ein Plus für die Idee, noch eins für die Bilder die du projizierst.

    Das Überarbeiten: denn die Metrik schwächelt.

    Zitat:
    Wer leidet dort am Kreuze so schwer,
    bewacht von Cäsars starkem Heer?
    Mag sein, dass Dornen Schmerz machen

    Vorschlag:

    Wer leidet dort am Kreuz so schwer,oder: wer leidet dort am Kreuze schwer
    bewacht von Cäsars starkem Heer?
    Mag sein, dass Dornen Schmerzen machen


    Zitat:Erst wenn sie nahzu‘ dezimiert, /Würde ich anders schreiben


    Erst dann, wenn sie schon dezimiert


    So, das war’s. Tchüss.




    Nachtrag:

    Zitat:


    Vater vergib.“ hört man ihn flehen
    Metrische Aufschlüsslung:

    Xx xX x X x Xx- Richtig ist, Vater wird so Betont:xX

    Ich könnt aber das Wort Vater sehr gedehnt sprechen, probiert es selbst aus. Va-ter.
    Und ihr bemerkt, die Silben sind fast gleichstark. Und ich behaupte, bei einer totalen überdehnung des Wortes Vater kann ich sogar die hintere Silbe betonen.
    xX

    Somit würde, Zitat:



    Vater vergib.“ hört man ihn flehen
    xX xX x X x Xx


    so aussehen.
    Danke.
    Geändert von horstgrosse2 (24.05.2012 um 16:41 Uhr) Grund: Nachtrag:

  7. #7
    Aron Manfeld Guest
    Vermutlich spielt Ralf hier mit Worten; der Titel könnte "Hakenkreuz" heissen, aber das traut er sich nicht so richtig. Ich stimme meiner Freundin Jaz zu, dass des Autoren Begabung eher auf dem optischen Sektor liegt.

    Ralf sagt in seiner Antwort, "Jesus hätte..."... Wem gehört der Heiland? Herr Blankfein könnte sich dann wieder auf Calvin berufen, der unermüdliche Arbeitsleistung gottgefällig nennt.
    usw.

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