Einsamkeit

Ich liege hier um Mitternacht
Und fühle in mir großen Schmerz.
Deshalb bin ich vom Schlaf erwacht,
Erschüttert wurd‘ mein einsam Herz.

Ich liege hier und auf der Wange,
Da fließet eine Trän‘ hinab.
Die Zeit des Lebens ist zu lange,
Ich denk‘ schon an mein kühles Grab.

Wir trafen uns vor vielen Jahren.
Du warst so schön und herzensgut.
Ich war mir damals nicht im Klaren,
Was mir das Schicksal Gutes tut.

Du liegst geborgen in der Ferne,
Im Arme deines Liebsten wohl,
Und träumst, dass er für dich die Sterne
Vom endlos weiten Himmel holt.

Du spürest seine liebend Hände,
Genießest eure Zweisamkeit
Solange, bis euch dann behände
Der Schlafe überkommt zu zweit.

Das „Wir“ ist nun Vergangenheit.
Ich weiß, du denkst jetzt nicht an mich.
Doch drehet sich zu jeder Zeit,
Das meine Denken nur um dich.

Ich liege hier, von dir verloren.
Mein armes Herze bricht entzwei.
Was nun geschieht, kann ich nicht lassen.
Ach! Meinem Mund entweicht ein Schrei.

Ich liege hier, dem Tode nah –
Doch da! Ein Brief, er ist für mich.
Das Letzte, was mein Auge sah:
„Mit ihm ist‘s aus. Ich liebe dich!“