1. #1
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    Trauriges Trinklied

    Mein Herz hast Du einst leergetrunken.
    Wie war mir leicht, wie froh das Sein!
    Ich bin in Deins als Dank gesunken
    und fand mich reichbeschenkt darein.

    Du hast gegeben, hast genommen.
    Du warst der Spender, nie der Dieb.
    Was kann mir all das heut noch frommen?
    Du fehlst mir. Denn ich hab Dich lieb.


    08.04.2012

    Fassung II



    Mein Herz hast Du einst leergetrunken.
    Wie war mir leicht, wie froh das Sein!
    Ich bin in Deins als Dank gesunken
    und fand mich reichbeschenkt darein.

    Du hast gegeben, hast genommen.
    Du warst der Spender, warst mein Dieb.
    Was kann mir all das heut noch frommen?
    Du fehlst mir. Denn ich hab Dich lieb.



    10.07.12
    Geändert von Cyparissos (10.07.2012 um 15:24 Uhr) Grund: Erweiterung

  2. #2
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    Hallo Barbarossa,

    Dein Gedicht berührt mich. Es ist sehr gefühlvoll und leicht melancholisch.
    "frommen" musste ich erst mal nachschlagen, so ungewohnt war mir das Verb. Es ersetzt hier wohl nützen.

    "leergetrunken" habe ich spontan als negativ aufgefasst, was sich aber im Gesamtkontext nicht halten lässt.
    Leer für leicht und unbeschweert kann ich im Nachhinein als positiv reininterpretieren.

    Der Titel ist mir zu platt für den Text, den ich doch eher ernst gemeint und eher positiv verstanden habe.

    Liebe Grüße
    Irene
    Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommele nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,
    sondern lehre den Männern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer
    von Antoine de Saint-Exupéry

  3. #3
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    Wenn ich jetzt nicht der oberzynische Supermacker wäre, hätte ich gesagt, was ich so nie sagen würde Es gibt mir aber mehr als zu denken, dass du diese Gefühlsäußerung in die traurige Kneipenrealität gesetzt hast. Was wiederum mutig genug ist, da so für das LI die Chance besteht seine eigenen Tränen zu kosten. Vielleicht ist das denn im Endeffekt zu bitter?

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  4. #4
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    interessanter text. besonders:
    Du hast gegeben, hast genommen.
    Du warst der Spender, nie der Dieb.
    kein dieb. das passt wohl in beide lesarten, die mir zum lyr. du in den sinn kommen: das bild von einer geliebten menschlichen person, wie die rubrik andeuten würde und das bild vom lyrischen du als der alkohol, was zum titel passen würde. auch von letzterem kann man ja schwer loskommen, wenn man von ihm süchtig geworden ist. und womöglich wird ein süchtiger in einem solchen liebesersatz eine tatsächliche liebe sehen?! möglich.
    sehr einfühlsam geschrieben. gefällt mir bis auf die alterthümelnde wendung "Was kann mir all das heut noch frommen?" ganz gut.
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  5. #5
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    Hi,

    hat mit Kneipen ganz gewiß nichts zu tun.
    Auch nichts mit Sucht.
    (Da wäre eher der Tabak dran).

    Der Zweistropher entstand am Grab, das vor acht Jahren geschaufelt wurde.
    Habe - wieder daheim - mein Glas gehoben.
    Als seien wir noch beisammen.

    Habt Dank für die Kommentare.


    LG
    Barbarossa

  6. #6
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    Hallo.

    Man muss ja nicht in der Kneipe trinken, stimmt schon Aber der Geschmack von Tränen ist überall gleich.

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    Hi, Robert Schulz -

    sehr wahr gesprochen!

    LG
    Barbarossa

  8. #8
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    Hi, Barbarossa,

    schon interessant, dass heutzutage bei „Trinken“ Alkoholmissbrauch assoziiert wird (so wie bei „kindlicher Unschuld“ Kindesmissbrauch.) Egal, „Trauriges Lied“ fänd auch ich den besseren Titel, denn mehr als „Trink“ ist es ja traurig.

    Es rührt mich so an, weil es so schlicht ist. Es benutzt Topoi, die uns so vertraut sind, wenn über Liebe und Verlust die Rede ist, dass sie sich uns direkt und ohne den Umweg übers Nachdenken ins Gemüt senken. Am effektvollsten ist die letzte Zeile, einfacher kann man es nicht sagen. Die Melodie eines Liedes stellt sich beim Lesen fast von selbst ein.

    Eine kleine Pointierung hätt ich mir allerdings gewünscht, auch wenn Kajn trotz allen modernen Suchtdiskurses die Zeile bestätigend zitiert:
    Du warst der Spender, warst mein Dieb.

    Michael

  9. #9
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    Hi, Michael Domas -

    das hört sich gut an, würde aber das Gegenteil bedeuten.
    Gegeben: Immer
    Genommen: Nur was gegeben wurde
    Gespendet. Immer
    Gestohlen: Nie

    Soll ich dennoch ändern?
    Hab Dank für Deinen Kommentar

    von
    Barbarossa

  10. #10
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    Schwierige Frage, Barbarossa, es würde Dein sehr gefälliges Gedicht aufrauhen, es wäre ein wenig Pfeffer im wohl abgeschmecktem Dank. Die Einvernehmlichkeit relativieren würde meine Diebesversion jedoch nicht, im Gegenteil.

    Michael

  11. #11
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    Hi, Michael Domas -

    ich habe Deine Anregung übernommen; steht jetzt als Zweitfassung unter dem Original.
    Nochmals herzlichen Dank!

    LG
    Barbarossa

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