1. #1
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    Mein Leben ist ein Scherbenhaufen

    Einst hing der unversehrte Spiegel
    in meinem Zimmer an der Wand.
    Durch ihn kam ich in ein Paradies,
    in ein so wundervolles Land.

    Ein Land mit vielen Bäumen
    und einem Fluss so sonnenklar.
    Im Spiegel das Bild meines Lebens.
    Damals, als mein Leben noch schön war.

    Doch dann waren vor ihm viele Gitter,
    sitze so jetzt vor einem Scherbenhaufen,
    zerbrochen in tausend Splitter.

    So spiegelt jede Scherbe Angst wieder,
    will sie fassen doch schneide mich daran.
    So tropft das rote Blut darnieder.
    Geändert von incognita (16.04.2012 um 18:02 Uhr) Grund: Grammatikfehler

  2. #2
    Sydney ist offline Nachteulen- & Koalaparadies
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    Hai.

    Dein Gedicht ist mir schon vor ein paar Tagen aufgefallen, aber dann bin ich in den Urlaub gefahren und muss zugeben, dass ich es dann vergessen habe zu kommentieren. ;D Ich finde düstere Gedichte über das Leben immer sehr interessant.
    Wie ich das hier sehe, versuchst du hier ein Sonett. Normalerweise würde ich die ersten beiden Strophen im Reimschema abba mit umarmendem Reim schreiben. Die Terzette sind ja oftmals unterschiedlich und daher vom Schema okay. Vielleicht willst du dir ja noch die Mühe machen das zu verändern, jedoch fürchte ich, dass es dann den Inhalt zu sehr entstellt, also würde ich das vermutlich so stehen lassen.

    Einst hing der unversehrte Spiegel
    in meinem Zimmer an der Wand.
    Er zeigte mir ein herrliches Land,
    wie das Paradies der Bibel.


    Hm…naja. Geht vermutlich besser. ;D

    So. Vom Inhalt her ist das Gedicht ja schon etwas komplexer. Du benutz den Spiegel gleichzeitig als Metapher und als Medium, um das Leben des Lyrischen Ichs zu reflektieren. Der Spiegel zeigt gleichzeitig die Umgebung des Lyrischen Ichs – den Raum – wie ein Paradies, das wiederum eine Metapher für die Zufriedenheit ist, die das Lyrische Ich mit seinem vergangenen Leben verbindet.

    Doch dann waren vor ihn viele Gitter,
    sitze so jetzt vor einem Scherbenhaufen,
    zerbrochen in tausend Splitter.
    Hier ist erst einmal ein grammatikalischer Fehler oder wenigstens kein gutes Deutsch. Entweder schreibst du „vor ihm“ oder nimmst ein anderes Verb. Allerdings finde ich das Bild der Gitter schwierig. Praktisch sind Gitter vor dem Spiegel kein reelles Bild. Hm, wenn du sie vor dem Paradies gesetzt hätte ich das ja noch verstanden. Hm. Ich würde eher schreiben, dass der Spiegel nicht mehr spiegelte oder matt wurde oder so. Damm kommt natürlich noch das Problem, dass es sich auf „Splitter“ reimen muss. Daher vermutlich auch die Gitter?! Warum zerbricht der Spiegel überhaupt?

    So spiegelt jede Scherbe Angst wieder,
    will sie fassen doch schneide mich daran.
    So tropft das rote Blut darnieder.
    Die letzte Strophe finde ich wieder ganz gut. Der Spiegel steht für das verlorene Paradies. Das Lyrische Ich versucht es wieder zu erlangen, aber der Versuch verletzt es nur noch mehr.
    So. Ich hoffe, dass ich dir weiterhelfen konnte.

    Liebe Grüße. Sydney.
    Geändert von Sydney (14.04.2012 um 01:13 Uhr)

    Quare suo iure noster ille Ennius sanctos appellat poetas, quod quasi deorum aliquo dono videantur.
    Cicero

    .___.
    {o,o}
    /)__) <3 Be good, I'm watching you.
    -"-"-

  3. #3
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    Hallo,

    danke erstmal für den langen Kommentar.
    Der Reim war eigentlich so beabsichtigt, da ein "normales" Sonett meiner Meinung nach nicht so ganz zum Inhalt passen würde. Deshalb habe ich ein anderes Reimschema gewählt.
    Mit dem grammatikalischen Fehler hast du vollkommen recht. Tut mir Leid, war ein Tippfehler.

    Liebe Grüße

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