1. #1
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    Frau Langhorn wird politisch

    Da brennen Horizonte fern,
    sie sitzen brav am Frühstückstisch,
    noch warm vom Bett, im Schlafe halb,
    man liest die Bild, den Hurenwisch.
    So haben Politik sie gern.

    Das wissen sie seit langem schon:
    Wer keine Fragen stellt, bleibt dumm,
    Frau Langhorn ist sich ziemlich sicher:
    Drum tourn wir in der Welt herum
    betrachten sie mit dem Lorgnon,

    bedauern Armut, Schmutz, die Hütten,
    wir geben gerne paar Almosen,
    beherrschen, was man wissen muss.
    Wir Weißen mit den weißen Hosen,
    wir lassen uns nicht lange bitten.

    Wir sind vom Stern der guten Leute,
    wir riechen gut und essen gut,
    was soll uns all das Drumherum?
    Mit denen hat man nichts am Hut,
    mit dieser ungewaschnen Meute.

    Wir sind die bestens Informierten.
    Die dummen Schwarzen sind selbst schuld
    an ihrem Elend, ihrem Kleinmut.
    Was haben wir für Lammsgeduld
    mit diesen miesen Deklassierten!

    Ganz ähnlich schreibt es auch die Bild.
    Frau Langhorn hat wie immer recht:
    Man sollte – ach, was weiß denn ich?
    Da unten läuft es doch nicht schlecht,
    sagt sie entnervt und nahbebrillt.

    Wir sollten froh und glücklich sein,
    dass wir so friedlich leben können,
    nicht wie die Wilden dort im Busch.
    Doch wenn sie uns das Haus einrennen,
    dann bitte nur mit Einlass-Schein.

    Mit einem Seufzer, schwer und tief,
    gießt sie sich einen Kaffee ein.
    Herr Langhorn wacht nun wieder auf:
    Wie spät, mein Herz, mag es denn sein?
    Hast recht, da unten läuft was schief.

  2. #2
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    Guten Tag liebes Smarty

    Ich fall gleich mal mit der Tür ins Haus: mir gefällt dein Gedicht richtig richtig gut.
    Das Bild der alten Langhorn, wohlgenährt und dick und rund, wie sie am Tisch sitzt, sich Brötchen um Brötchen reinstopft und auf die Propaganda der Bild reinfällt. Wie sie sich schlau dabei vorkommt, denn, und das macht nich jeder (!), sie liest Zeitung! Und da steht, neben einem riesengroßen Artikel über Matthäus neuer Exexscglampe, wieder 10000 Bürgerkriegstode in Ländern, von denen sie noch nie gehört hat, die es aber anscheinend gibt in Afrika. Aber das ist nicht weiter tragisch, denn die Schwarzen sind ja selbst dran schuld, sagt ja auch die Bild. Diese Wilden. Anstatt zu rauben und zu plündern, solln die mal lieber arbeiten gehen!

    Lesefluss ist da, die Reime sind gut (auch wenn das hier nur Nebensache ist), ein Gedicht das vor Sarkasmus drieft, ist dir gut gelungen, das Bild in meinem Kopf.

  3. #3
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    Fliegenkönig, erst mal herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit für diesen Text. Die Bild wird im Juni 60 Jahre alt, eine böse alte Hexe, die den Mob hinter sich schart. Aber ein Symptom für das, was in diesem Land Presse genannt wird. Und sogar Bundeskanzler und auch Gysi von der Linkspartei (!) können angeblich nicht auf sie verzichten. Man muss sich nicht wundern, dass die Welt so aussieht, wie sie aussieht, wenn so ein Drecksblatt wie Bild täglich die Köpfe bearbeitet. Gruß, Smarty

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