Thema: Eheu

  1. #1
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    Eheu

    Nun wird vereint. Weint
    keine Tränen! Teufel sehnen
    sich nach dem, was scheint.
    Nach dem großen Gähnen

    in Götterkluft. Wie ruft
    heut Luzifer nach seinem Bruder?
    DU LUDER, geliebter Schuft
    mit der Schnauze am Fuder

    Spreu. Eheu! Hier Dein Sack!
    Du Gottwinzling neben mir.
    Unter mir als Eiche: Pastinak,
    nur Wurm, nur niedres Tier.

  2. #2
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    hm?! warum sollten sich die teufel nach dem gähnen sehnen? denn das deute ich als langeweile und danach sehnt doch kein teufel.
    und warum nennt luzi seinen bruder luder? weil es sich reimt? oder als hinweis auf eine geschlechtsumwandlung? nee, danach ist der bruder doch wieder ein schuft.
    wirkt hanebüchen.
    gerade auch der schluss. pastinak musste ich googlen. laut wiki wächst das nicht unter eichen, sondern im sonnenlicht auf wiesen und feldern und vor allem: es ist kein tier, auch kein niederes wie der wurm, sondern eine pflanze. das passt syntaktisch also überhaupt nicht so zusammen.

    mir scheint, hier hat dich der reimteufel gepackt. aber es klingt putzig.

    Geändert von Kajn Kokosknusper (13.04.2012 um 01:19 Uhr) Grund: kursiv
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  3. #3
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    Eheu

    Zitat Zitat von Kajn Kokosknusper Beitrag anzeigen
    hm?! warum sollten sich die teufel nach dem gähnen sehnen? denn das deute ich als langeweile und danach sehnt doch kein teufel.
    und warum nennt luzi seinen bruder luder? weil es sich reimt? oder als hinweis auf eine geschlechtsumwandlung? nee, danach ist der bruder doch wieder ein schuft.
    wirkt hanebüchen.
    gerade auch der schluss. pastinak musste ich googlen. laut wiki wächst das nicht unter eichen, sondern im sonnenlicht auf wiesen und feldern und vor allem: es ist kein tier, auch kein niederes wie der wurm, sondern eine pflanze. das passt syntaktisch also überhaupt nicht so zusammen.

    mir scheint, hier hat dich der reimteufel gepackt. aber es klingt putzig.

    Guten Tag


    @Barbarossa,

    das Gedicht habe ich ohne Holpern gelesen, die mittlere Strophe ließ mich allerdings stocken,
    sie hat ein interessantes Reimschema, das eventuell auf Hintergedanken, Unausgesprochenes
    hinweist? Ein gleichmäßiges Reimschema habe ich nicht entdeckt, jedoch passt der eigenwillige
    Rhythmus des Gedichtes, m.M.n., zum Inhalt, den ich subjektiv empfinde, wortlos sozusagen.

    Nun wird vereint. Weint
    Den ersten Vers lese ich als ausdrucksstarken Auftakt, durch den Aufprall XX der vierten
    und fünften Silbe verursacht, doch "Weint" ist kein Imperativ, den ich anfangs geneigt war
    zu lesen, sondern der Satz endet im zweiten Vers ausrufend – "keine Tränen!" ...

    ***

    @Kajn,

    mir schwirrt der dümmliche Satz im Kopf herum: Warum ist die Banane krumm?
    Kindheitstrauma? Man wird fraglich stumm.

    Mich freut es, dass du "schuft" klein geschrieben hast, erinnert mich an ein Gedicht, in dem
    der Endreim "schufst" vorkam. Er schuf, sie schufen, ihr schuft im Passé reimt sich mit ruf,
    rufen, ruft im Präsent, der gleiche Ulk entsteht wohl bei den Wörter "Sucht – sucht, Haut –
    haut, Bucht – bucht " und sicher noch vielen mehr, wenn man Englisch/Französisch imitiert,
    die Großschreibung der Substantive ignoriert, dann wird das Lesen ein Ratespiel, wenn man
    die Wörter geschickt kombiniert, sie in die allgemeine Konfusion integriert?

    "Teufel" hat eigentlich keinen Plural: Der Teufel – die Teufel, warum wurde das Wort nicht
    angepasst, wie Greuel – Gräuel, Stengel – Stängel etc.? Täufel wäre da logischer gewesen.
    Gräuel von grau? Stängel von Stange? [...] Warum nicht Blatt mit P? schließlich ist es platt.
    Der Bengel bleibt ein B-Engel, der nicht bangt? Ja, der Teufel ist ein Engel, ein Lichtwesen:
    Luzifer alias Jupiter alias etc. Wer sind die Teufel? Meist als Halbmenschen dargestellt, der
    menschlichen Imagination entsprungen, das Bild = Imago, das vollkommen ausgebildete
    Insekt. Hm. Dornrösschen schlafe hundert Jahr... Mich erinnern Teufelsabbildungen eher
    an Satyr. Kommt der nicht auch im Schlaf?

    ***

    in Götterkluft. Wie ruft
    heut Luzifer nach seinem Bruder?
    DU LUDER, geliebter Schuft
    mit der Schnauze am Fuder
    Der Reim "Götterkluft. – geliebter Schuft" wird im ersten Vers von "ruft" übertönt, was,
    jedenfalls mich, zum Innehalten brachte. Dreimal –uder. "Bruder? – LUDER – Fuder" ...
    wie ihr ihn schuft?

    Sehr gern gelesen.

    LG Kalinka

  4. #4
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    Mich freut es, dass du "schuft" klein geschrieben hast, erinnert mich an ein Gedicht, in dem
    der Endreim "schufst" vorkam. Er schuf, sie schufen, ihr schuft im Passé reimt sich mit ruf,
    rufen, ruft im Präsent, der gleiche Ulk entsteht wohl bei den Wörter "Sucht – sucht, Haut –
    haut, Bucht – bucht " und sicher noch vielen mehr, wenn man Englisch/Französisch imitiert,
    die Großschreibung der Substantive ignoriert, dann wird das Lesen ein Ratespiel, wenn man
    die Wörter geschickt kombiniert, sie in die allgemeine Konfusion integriert?
    oui. sehr schön erkannt. thematisiere das doch aber besser hier, da soll es auch mir um u.a. das beispiel gehen: versuch einer causerie...
    "Teufel" hat eigentlich keinen Plural: Der Teufel – die Teufel, warum wurde das Wort nicht
    angepasst, wie Greuel – Gräuel, Stengel – Stängel etc.? Täufel wäre da logischer gewesen.
    Gräuel von grau? Stängel von Stange? [...] Warum nicht Blatt mit P? schließlich ist es platt.
    Der Bengel bleibt ein B-Engel, der nicht bangt? Ja, der Teufel ist ein Engel, ein Lichtwesen:
    Luzifer alias Jupiter alias etc. Wer sind die Teufel? Meist als Halbmenschen dargestellt, der
    menschlichen Imagination entsprungen, das Bild = Imago, das vollkommen ausgebildete
    Insekt. Hm. Dornrösschen schlafe hundert Jahr... Mich erinnern Teufelsabbildungen eher
    an Satyr. Kommt der nicht auch im Schlaf?
    bei eheu musste ich zunächst auch an das altgriechische euoi denken. inwiefern sich das lateinische eheu womöglich davon ableitet, konnte ich nicht herausfinden, würde das im kontext aber so lesen. vielleicht gibt uns barbarossa darauf ja eine antwort.
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  5. #5
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    Hi, Ihr Zwei -

    das Obige war lediglich eine Fingerübung und als Spottgedicht auf eine
    überragende
    kriegerische
    Gottgleiche
    Unerreichbare
    Narzißtische
    Allmählich-Langweilende
    "Dichterin"

    gemünzt.
    Möge sie friedlich-farbig ruhen!


    LG
    Barbarossa


    Hab ich wirklich grammatische oder RS-Fehler drin?

  6. #6
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    Eheu

    Guten Tag,

    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    das Obige war lediglich eine Fingerübung und als Spottgedicht auf eine
    überragende
    kriegerische
    Gottgleiche
    Unerreichbare
    Narzißtische
    Allmählich-Langweilende
    "Dichterin"

    gemünzt.
    Möge sie friedlich-farbig ruhen!
    autsch! Da habe ich alles falsch verstanden. Spottgedichte meide ich wie die Pest. Auch ist, m.M.n.,
    kein User, Zitat (leicht abgewandelt, in Farbe):

    überragender
    kriegerischer
    Gottgleicher
    Unerreichbarer
    Narzißtischer
    Allmählich-Langweilender
    "Dichterin" Dichter
    als ein anderer User, nur weil er es öffentlich "zugibt".

    ***

    Zitat Zitat von Kajn Kokosknusper
    bei eheu musste ich zunächst auch an das altgriechische euoi denken. inwiefern sich das lateinische eheu womöglich davon ableitet, konnte ich nicht herausfinden, würde das im kontext aber so lesen. vielleicht gibt uns barbarossa darauf ja eine antwort.
    Über den Titel bin ich, ehrlich gesagt, nicht "gestolpert". Ich lese ihn auf meine Art. Für mich ist er klar,
    allerdings ist das nur mein persönliches Verständnis, den Deutschen Ausdruck "Eheu" kenne ich nicht.
    Vielleicht hat "Barbarossa" doch noch Lust, etwas dazu zu sagen?

    LG Kalinka



    Zitat Zitat von Barbarossa Beitrag anzeigen
    Hab ich wirklich grammatische oder RS-Fehler drin?
    Eventuell im ersten Vers, der erste "Satz" klingt unvollständig, aber es ist ja ein Gedicht...

  7. #7
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    der text ist voll von ellipsen, was miserabler grammatischer stil ist. man könnte es aber auch als "expressiven stil" bezeichnen, weil ja: es ist ein gedicht.
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

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