Thema: Die Lausitz

  1. #1
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    Die Lausitz

    Die Lausitz ist der Sorben Land,
    sie haben es bebaut vorzeiten,
    es ist ihr einzig Unterpfand,
    ihr langer Schmerz der Zärtlichkeiten.

    Im Zorn erblickten sie die Bagger,
    die Kohle schürften, ungehemmt.
    Da starben Haus und Weizenacker,
    das weite Land wurd vielen fremd.

    Nur Sand noch, auffindbar nicht mehr
    der Ort, an dem das Dorf einst stand.
    Mit Sack und Pack und viel Beschwer,
    so floh man damals aus dem Land.

    Die Lausitz liegt wie krank danieder.
    Die Menschenleere lässt erschrecken.
    In Ämtern tut man nichts dawider.
    Es sollen Seen sich dort erstrecken,

    wo Dörfer, Busch und Ahornbaum
    erblühten und gewachsen sind.
    Den Sorben scheint sie wie ein Traum,
    die Lausitz, ihr verlornes Kind.

  2. #2
    Anjuleanga Guest
    Liebe/r Smarty,

    da werden nun die Sorben in das Minderheitenschutzprogramm mit aufgenommen, mit immerhin 18 Mio. aus Brandenburg und Sachsen. Es lässt sie zu einer lebenden musealen Fußnote deutscher Historie werden, deren Erhalt wichtig für die Kosmetik eines demokratischen Gesichtes ist. Doch auch dieser Geldsegen kann der Erlebnisgeneration und der posttraumatischen Generation den schmerzhaften Stachel der Geschichte nicht ziehen. Inwieweit die Sorben in der Vergangenheit einer Assimilationspolitik, Vertreibungen und den Interessen des Bergbaus zum Opfer fielen, lässt sich nur schwer erahnen. Der Weg einer gelebten Trachtentradition mag für die Nachfolgegenerationen der Weg einer friedlichen Auseinandersetzung mit ihrer Identität und Kultur sein, dennoch bedarf der von dir beschriebene Schmerz einige Generationen, um nicht mehr als Trauma weitergereicht werden zu können. Da die große Geschichte voll ist mit Geschichten von Vertreibungen, Völkerwanderungen, Unterdrückungen und Ungerechtigkeiten, wird wohl jeder noch irgendwo einen Tastsinn für dein Gedicht haben. Interessant wird sein, inwieweit sich die globalen Facebooker den Stachelstab der Geschichte weiterreichen werden. L.G.A.

  3. #3
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    So ganz genau krieg ich nicht raus, worauf du eigentlich antwortest. Um aber auf die Vertreibungen zurückzukommen:
    Die Slawen, die ursprünglichen Siedler des "deutschen" Territoriums, zu denen die Sorben gehören, wurden bis ins 11. Jahrhundert von den christianisierten Deutschen vertrieben. Und nur, weil der Stamm der Sorben die christliche Religion, das Katholische, angenommen hatte, durfte er in der halbwüsten Lausitz wohnenbleiben. Aber bis in die wilhelminische Zeit wurden die Sorben als minderwertig, als fremdvölkisch angesehen und auch so behandelt. Besonders schlimm war es dann in der Nazizeit. Zuzeiten der DDR hatten die Sorben einen Sonderstatus, sie wurden in jeder Hinsicht unterstützt, damit sie ihre Kultur erhalten konnten. Diesen Sonderstatus verloren sie 1990, und heute haben sie zu kämpfen, dass ihre Kultur nicht im deutschen Mainstream untergeht. Und dazu gehört eben auch, dass sie sich gegen den Abriss ihrer Dörfer zwecks Braunkohleabbau zur Wehr setzen, wenn auch Erfolge ausbleiben. Da ist überhaupt nichts schwer zu erahnen, man muss bloß mal hinfahren und sich informieren, inwieweit den Sorben der Boden unter den Füßen aus Profitgründen weggezogen wird. Aber trotzdem, vielen Dank für deinen Kommentar.

    Gruß, Smarty

  4. #4
    Anjuleanga Guest
    ,So ganz genau krieg ich nicht raus, worauf du eigentlich antwortest." schreibst du.

    Nun, streng genommen antworte ich auf nichts, liebe/r Smarty, wurde ja auch nicht gefragt. Sondern ich ließ mich von deinem Gedicht zu den Sorben tragen, und habe es lediglich mit Informationen ergänzt. So einfach ist es übrigens nicht, hinter die Kulissen zu schauen, und den status quo emotional nachzuschmecken. Vor geraumer zeit habe ich Bautzen und die Oberlausitz mit dem Fahrrad besucht. Die Zweisprachigkeit der Strasssennamen und einiger Reisführer fällt auf, die bunt katholischen Trachtenpostkartenidylle, und freundliche Menschen. Wer nicht gerade innerfamiliäre Infos hat, kann sich wirklich schwer vorstellen, dass es einst gleichermaßen protestantische Sorben gegeben hat. Meine Anmerkung sollte lediglich einer nachfolgenden Generation Rechnung tragen, welche Geschichte in einem anderen Kontext erleben wird, weil sich die Familienstrukturen mittlerweile dramatisch verändert haben.

    LGA

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