Thema: Sirenen

  1. #1
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    Sirenen

    Sonneüberstreuselt liegt das Meer
    glimmerglitzrig zwischen hier und dort.
    Vor mir steht die Leinwand blank und leer.
    Weiss nicht, soll ich bleiben, soll ich fort.

    Wolken könnten die Entscheidung bringen:
    Plitsche-platsche-plitsche-platsche-plitsch.
    Regen kann zur Selbsterkenntnis zwingen:
    Räum dein Zeug zusammen, lass den Kitsch!

    Doch da drückt die Sonne wieder durch.
    Wechselwarme sammeln ihre Strahlen:
    Echsen, Schlangen und im Teich der Lurch.
    Neu belebt sich auch der Zwang zu malen.

    Wolken werden - ruckzuck! - aufgezippt
    übers Wasser sieht man Funken springen,
    Nebelbänke werden leergekippt,
    und fernab hör ich Sirenen singen.

    Darf ein trunknes Auge noch mehr trinken?
    Ist es klug, der eignen Dichtung Ort
    nochmals heimzusuchen? Zu versinken
    in den Glitzertiefen, Wort um Wort?
    Geändert von kaspar praetorius (16.04.2012 um 07:47 Uhr)
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  2. #2
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    Hallo Wilma,

    interessante Frage:

    "Darf ein trunknes Auge noch mehr trinken?"

    Ich denke, kreatives Arbeiten ist auch eine Art Sucht, deshalb würde ich statt darf hier muss setzen.

    Ansonsten bin ich kein Freund von Wortschöpfungen wie "Sonneüberstreuselt" oder "glimmerglitzrig", das hat was von Poesiealbenlyrik, aber ist natürlich wie immer reine Geschmackssache.
    LG
    Perry

  3. #3
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    Hallo Wilma,

    auf der Suche nach einem anderen Thema bin ich zufällig bei Dir hängengeblieben und habe es auch nicht bereut. Das Gedicht hat mir sehr gut gefallen. Die "Poesiealbumvokabeln" haben mich dabei nicht gestört- im Gegenteil. Sie vermitteln mir geradezu anschaulich den Drahtseilakt des LI zwischen Kunst und Kitsch. Insbesondere die Plitsche-platsch-Zeile ließ mich schmunzeln und darüber grübeln, ob sie genial oder kitschig sei . Eigentlich möcht ich mich da garnicht festlegen.
    Die letzte Zeile der vierten Strophe, die sicher auch den Anstoß für den Titel gab, würde ich noch einmal bedenken: Alle Bilder, die Du zeichnetest, waren optischer Natur. Das Singen der Sirenen kann man aber nicht sehen. Ich würde hier vielleicht mehr auf das, durch die Bilder ausgelöste, Ahnen des Sirenengesangs setzen und dabei auch das unpersönliche "man" eleminieren:

    Höre ich vielleicht Sirenen singen?

    Kann natürlich sein, dass ich das zu eng sehe.

    LG Eremit
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  4. #4
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    hallo perry
    danke fürs lesen und den hinweis auf die stilsünden. (ich kann dem höchstens entgegenhalten, dass die poesiealbenlyrik mir nicht allzu fern liegt.)
    die idee mit dem "muss" interessiert mich. (sehe noch nicht ganz, wie sie in die übrige syntax reinpasst.)
    lg wilma27

    hallo eremit
    danke fürs reinschauen und den hinweis wegen der "seh-, bzw. hör-"bilder.
    in deinem verbesserungsvorschlag stört mich das "höre ich vielleicht". (das klingt nach meinem empfinden zu sehr nach echtem kitsch, sorry). aber das "man" habe ich gerne abgeändert, umso mehr, weil es gleich obendran schon mal vorkam.
    lg wilma27

  5. #5
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    Hallo wilma27,

    sorry, aber ich muß noch mal nachhaken. M.E. wird im "fernab" die zweite Silbe betont, bzw. ggü. der ersten Silbe etwas länger mit erhobenem Ton gesprochen. Ich empfinde da zum "höre" einen Hebungsprall. War der so beabsichtigt oder wird das "fernab" regional unterschiedlich gesprochen? Ich neige dazu, "fernab hör ich Sirenen singen" zu lesen. Ansonsten müßte ich nach "fernab" eine Pause einlegen.

    LG Eremit
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  6. #6
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    hallo eremit
    danke für den hinweis.
    leider hast du recht.
    ob meine lösung was taugt? na ja, bald taucht es in die glitzertiefen des forums ein...
    lg wilma27
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  7. #7
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    Hallo Wilma,
    Halten wir es lieber noch etwas oben - und lassen es auf den Wellen der Aufmerksamkeit schwimmen, denn mir gefällt dieses Gedicht sehr. Für mich sind die Bilder und die erzeugte Stimmung gut nachvollziehbar, einfache und charmante Details wie das kindliche plitsch...sind für mich glaubwürdiger und echter als so manche Hirnverrenkung. Das kindliche, unvoreingenommene Staunen ist die Grundlage so mancher Erkenntnis und Entdeckung und ein unersetzlicher Bestandteil von Kreativität. Die Sirenen stören mich auch nicht, denn mein Gehör ist bei der Betrachtung optischer Naturphänomene nicht ausgeschaltet und so kann ein Ton den im Fokus stehenden optischen Eindruck verstärken.
    Bei dieser Gelegenheit muss ich mal erwähnen, dass ich es immer wieder sehr befremdlich finde, wenn Naturphänomene als kitschig bezeichnet werden, Kitsch ist per Definition das unglaubwürdig übersteigerte, unechte....? Natur= unecht?
    Doch zurück zu Deinem Werk, meinem schlichten Gemüt mit Hang zu Romantik und schönen Bildern gefällt es gut.
    LG
    macin

  8. #8
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    hallo macin
    danke fürs lesen und den freundlichen kommentar.
    ich glaube, dass es nicht dasselbe ist, wenn man einen schönen sonnenuntergang als kitschig bezeichnet, wie wenn man bei sich als hobbydichter feststellt, dass man sich mehr vornimmt, als man einlösen kann, wo man vielleicht einfach schlicht und prosaisch mitteilen sollte: "ich sah einen schönen sonnenuntergang". mit andern worten: "kitschige" natur ist wundervoll, kitsch ist nur mein hilfloser versuch, sie "kunstvoll" zu besingen.
    lg wilma27

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