1. #1
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    Morgens im Park

    Wie Stille klingen kann am Morgen,
    das Dunkel aufbricht einen neuen Tag.
    Ein Rätsel ist vielleicht darin verborgen,
    das aufzulösen ich mir nicht vermag.

    So hat der Wind sein Wüten aufgegeben,
    der nächtlich kam aus Wolken sturmgeboren,
    es ist ein Raunen nur, ein fernes Schweben,
    als hätte er sich Frieden auserkoren.

    Und nirgends Bäume wagen sich zu regen,
    nicht Gräserruhe stören nach der Nacht.
    Dort aus der Erde steigt der Kräuter Duft,

    und leis, auf Zehenspitzen, allerwegen,
    sinkt Nebelwrasen auf der Blätter Pracht,
    verfliegt bald in der kühlen Morgenluft.

  2. #2
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    hallo smarty
    schönes thema, schöne form, sprachlich erstaunlich hölzern, wenn ich mich richtig an anderes von dir erinnere.
    kann das hier absicht sein? scheint mir nicht so.
    dank dir weiss ich jetzt, was man in der fachsprache unter "wrasen" versteht. aber dieser lehrreiche ausflug wäre dann schon der erste kritikpunkt.
    es gibt weiteres. beispiele:
    -es dauerte eine weile, bis ich selbst herausgefunden hatte, dass und wo eventuell in der ersten strophe ein ausrufezeichen gelesen werden muss.
    -"ich mir nicht vermag" ist vielleicht in einer umgangssprache gängig, aber hier ist m.e. das mir zu viel.
    -"raunen / schweben" gehören für mich zu zwei verschiedenen ebenen der wahrnehmung.
    -"Und nirgends Bäume wagen sich zu regen," ist m.e. ungrammatisch, wozu die lyrik frei ist, was aber in diesem gedicht wohl ebenfalls nicht die absicht war.
    -"Blätterpracht" ist nicht gleich "der Blätter Pracht" (sonst wäre oben ebenfalls lyrischer: "auf der Zehen Spitzen")
    weil mir das thema und die ideen gefallen, würde es mich freuen, wenn du die sprache überarbeitetest.
    lg wilma27
    Geändert von kaspar praetorius (19.04.2012 um 08:20 Uhr)
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  3. #3
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    Hallo Wilma,

    danke erst mal fürs Reinschauen und Kommentieren. Dann will ich mal versuchen, auf die von dir angesprochenen Kritikpunkte einzugehen:

    - der Wrasen, das ist doch ein recht geläufiges Wort. Suche also nicht den Fehler in meinem Text. Als Hausfrau weiß man nämlich ganz gut, was Wrasen bedeutet. Aber Fachsprache? Nein, das würde ich absolut nicht behaupten. Aber gut, wenn du dich durch meinen Text bilden konntest.

    - Ein nichtgeschriebenes Ausrufezeichen hat auch eine Bedeutung. Vielleicht die, dass man die erste Zeile nicht unbedingt schreien muss, sondern dass das eher eine Feststellung ist, die in einem verkappten "Ausruf" formuliert wurde. Überhaupt nichts Unübliches sowohl in Lyrik als auch in Prosa.

    - Die Form "was ich mir nicht aufzulösen vermag" ist doch nun wirklich nichts Ungewöhnliches, aber auch nichts Umgangssprachliches. Du bemängelst, das sei Umgangssprache. Eingangs aber bemängelst du, dass dir die Sprache zu hölzern sei. Was denn nun?

    - Völlig richtig "ein Raunen nur" und "ein fernes Schweben", das sind zwei Dinge. Was ist daran auszusetzen? Recht hättest du, wenn "ein fernes Schweben" die Apposition zu "ein Raunen nur" wäre. Ist es aber nicht, schon inhaltlich nicht, darum absolut korrekt.

    - "Und nirgends Bäume wagen sich zu regen" habe ich im Zustand völligen Bewusstseins, mit vollster Absicht geschrieben. Ungrammatisch ist es auch nicht, es ist alles vorhanden: Subjekt (Bäume), erweitertetes Prädikat (wagen sich zu regen), adverbiale Bestimmung des Ortes (nirgends). Was hättest du denn geschrieben?

    - der Blätter Pracht: Wer zwingt mich denn, diese Form in einem einzigen Gedicht in jedem Fall zu verwenden?

    Liebe Wilma, hab noch mal besten Dank für deinen Kommentar auf mein Sonett.

    Gruß, Smarty





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  4. #4
    Longshanks Guest
    Hallo smarty,

    da sind einige Bilder und Stimmungen drin, die ich mag an diesem Stück, andere wieder nicht. Was ich hier schreibe, ist mein Leseeindruck.

    Die ersten beiden Zeilen haben mich kurz ins Schleudern gebracht, am Ende der zweiten Zeile musste ich stutzen, bis ich das "besinnliche Gedankenspinnen" als solches erkannt habe. Das hat mir zuerst nicht und dann beim zweiten und drittenmal LEsen immer mehr gefallen.

    Bezüglich Zeile 4 schmeckt auch mir das "mir"
    mir nicht vermag
    als unnötige Doppelung. Kann sein, dass es für dich gebräuchlich/normal/was auch immer ist, ich kenns so nicht. Es klingt mir auch ein bisschen so, als ob das LI sich das Rätsel nicht auflösen kann. Unausgesprochen klingt dann aber bei mri an: Kann Li das bei anderen auflösen?

    Bis auf das "mir" find ich den Einstieg schön.

    Beim zweiten Quartett hat mich das "so" auch kurz gebremst, bis ich den Bezug zu S1 gesehen habe. Wie die Stille klingen kann, so hat der Wind? Quasi ein quartettübergreifender Vergleich. Der Wind verrrätselt also so wies oben die Stille ist? Den Bezug zu S 1 mag ich, aber inhaltlich hast du in S 2 heftig ineinander geschachtelt.

    Da ist also der Wind , dessen Wüten aus nächtlichen sturmgeborenen Wolken kam. So gesehen war der Wind also kein Sturm, nur sein Wüten war es und das entstand sturmgeboren aus nächtlichen Wolken? Sry, das ist mir zu verwinkelt,um zu gefallen.

    Auch das in meinen Ohren nachklappernde "sturmgeboren" gefällt mir nicht.

    Dann hat der Wind sich "Frieden" auserkoren? Wieso sollte er? Wenn du schon in deinem Bild bleiben willst, dann müsste doch das Wüten sich Frieden auserkoren haben?

    Und nirgends Bäume wagen sich zu regen,
    Bitte keine Wortklaubereinen hier. Dass das kein allgemeiner Sprachgebrauch ist, wirst du wissen. Ich find diese Inversion den sprachlichen Tiefpunkt des Textes.

    bei Gräserruhe stören nach der Nacht müsste ein "zu" rein ?

    Dort aus der Erde steigt der Kräuter Duft
    Wie jetzt? Wo dort? Und ist da ein Abgrund, ein Loch in dem die Kräuter wachsen? Die kommen ein wenig plötzlich daher die Kräuter, vor allem in einem Park?

    allerwegen,
    klingt mir dialektisch angehaucht? und soll bedeuten überall?

    wrasen kannte ich auch nicht. Mir war bisher nur der Wasen geläufig.

    Pracht ist ein Nullaussagewort. Ein Bild transportiert dieser Ausdruck für mich nicht.

    Die letzte Zeile klingt ein wenig "müde" irgendwie nichts halbes und nichts ganzes.

    Ich hab das trotzdem gern gelesen, mir hat halt nicht alles und alles übewiegend gefallen.

    Gruß

    Longshanks

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