Thema: am meer

  1. #1
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    am meer

    die macht der naturgewalt bricht sich in blinkenden wellen,
    auf breitester front wälzt sich ihr heer an den strand.
    es donnert, wenn gischtende wogen am ufer zerschellen,
    der gegner so schwach: lockerer, staubiger sand.


    (Anm: Es ist sonst nicht meine Art, kritisierte Texte zu amputieren.
    Hier hatte ich aber selber meinen Text schon zu Anfang so verunstaltet,
    dass nicht mehr zu erkennen war, was ich eigentlich wollte.
    Falls nun jemand an dieser "Urfassung" kein Gefallen findet, wird er gute Gründe haben.
    aber mir wenigstens gefällt er so, sei er nun "barock" oder "epochal" gefärbt.)

    (Um kajn kokosknusper I und Robert Schulz nicht vor den Kopf zu stossen, füge ich hier die stellen, die zu ihren kommentaren beigetragen haben, an


    "mutiges" gedicht:
    die mächtigen drücken uns nieder und beuten uns aus.
    doch einigkeit stärkt und so drängen wir sie an den rand.
    wir stehen zusammen und werfen die bande hinaus.
    wir schwachen, wir siegen wie über die fluten der sand!

    erste fassung:
    die mächtigen walzen uns nieder, sie löschen uns aus;
    sie feiern auf deck, protzend mit grösse und glanz;
    sie reiten auf schäumenden, brummenden pferden hinaus.
    am ende besiegt einen jeden der staubige sand.
    Geändert von kaspar praetorius (24.04.2012 um 19:01 Uhr) Grund: siehe kommentar
    Kinder, jetzt gilt's ernst!
    Sie quatschen im Cybertalk
    über Cybersex.

    (StadtHaiku)

  2. #2
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    am ende besiegt einen jeden der staubige sand.
    ich mag so moralinsaure barockArt nicht. den mächtigen wirds nicht interessieren, wenn er bis zur zeit im staub seine macht kosten konnte - der nachfolgenden generation der unterdrückten wirds nix helfen, wenn sie in nächster generation von der nächsten generation unterdrücker unterjocht wird. da schwingt also in der moral so ein hilfloser fatalismus mit, wo ein aufruf zur emanzipation doch eigentlich nötiger wäre...die hölzerne sprache passt zwar sehr gut zum inhalt, kann mich aber eben deshalb ebenso nicht vom hocker reißen.

    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
    oder: warum mein rechtschreibprogramm dem genitiv sein toast iszt...

    "Ein Lyriker, der glaubt, unabhängige Kunst zu schaffen, ist ein Narr, aber ein Mensch, der nicht fähig ist, seine Erfahrungen auf ein anderes Niveau zu abstrahieren, ist kein Künstler."

  3. #3
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    hallo kajn
    danke für deine direkt ansprechende kritik.
    interessant, dass du hier moralinsäure entdeckst.
    dass die sprache „hölzern“ wirkt, kann ich ja verstehen. aber vielleicht würde „verknöchert“, „veraltet“ oder „mumifiziert“ besser passen? ist das versmass allein schon „barock“? wäre mal unterhaltsam, einen moderneren text in so einem rhythmus zu lesen.
    etwas belustigend fand ich den vorhalt fehlender motivation zur emanzipation. angesichts der 15 leser, die sich hier eingefunden hätten, wenn deine anwesenheit nicht nochmals 16 angelockt hätte. ich bin nicht grass. aber da ich auch schon mal "die internationale" gesungen habe, kann ich das nicht auf mir sitzen lassen und revidiere die zweite strophe (s.o.).
    wilma27
    Geändert von kaspar praetorius (20.04.2012 um 00:10 Uhr)

  4. #4
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    ist das versmass allein schon „barock“?
    nein, das bezog ich auf sprache und vanitas-motiv. in diesem zusammenhang fällt mir auf: sollte es sich um distichen handeln, so fehlt dir in den pentametern je ein versfuß am anfang, bzw.: hast du wegen dieser frage die zäsur in der jetzt zweiten strophe deshalb gänzlich aufgegeben?
    wäre mal unterhaltsam, einen moderneren text in so einem rhythmus zu lesen.
    gibts bestimmt. aber du kannst ja trotzdem einen solchen schreiben. ein tipp: lass dann die reime wech.

    Geändert von Kajn Kokosknusper (21.04.2012 um 02:44 Uhr)
    wer deutsche versbrecher findet, darf sie behalten
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  5. #5
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    hallo kajn
    nein, distichen sind das nicht.
    danke für den tipp mit den reimen.
    bis dann.
    lg wilma27

  6. #6
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    Da das ja ein mutiges Gedicht ist, lasse ich die Bildwahl mal aussen vor Gekonnt in S1 und S2 verteilte Antagonismen, die ominösen Mächtigen und wir. Thema Entnetzung lese ich raus, wenn ich will, ansonsten waere die Quintessenz Verwüstung in dem Sinne dass Sand sich zu breit macht. Kann man ja beim ganzen linken Filz schon gut sehen, wie erstrebenswert das ist. Oder willst du gar keine Zuordnung Wäre es schädlich zu vielreinzulesen, damit das Epochale sich nicht in Kleinigkeiten verliert, wer mit wem z.Bsp. da die Begrifflichkeiten neben der Bildwahl ein weiterer Schwachpunkt sind. Vielleicht reicht einfacht es einfach Wasser Sand anders zu inszenieren, indem eine Sanduhr den Wellengang regelt?

    LG RS
    Der Roman: "Verballistik"
    Die Gedichte: "Auf dem Silbertablett"

  7. #7
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    hallo robert schulz
    danke fürs reinschauen.
    du scheinst dich ja prächtig amüsiert zu haben.
    leider verstehe ich nicht, was du mit "entnetzung" und "begrifflichkeit" meinst.
    gerne warte ich auf deine inszenierung von wasser/sand.
    lg wilma27

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