Thema: Die Tote

  1. #1
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    Die Tote

    Kritzeleien auf weisser Wand,
    die einladende Kälte,
    rauer Asphalt unter ihrer Hand.

    Nebel wabert über die Stadt,
    ein entsetzliches Grauen,
    das keinen Namen hat.

    Lippen geformt zum stummen Schrei,
    sein blutiges Messer,
    von allem Mitleid frei.

    Die Welt vor ihren Augen verschwimmt,
    Gevatter Tod ist nah,
    sich ihrer unsterblichen Seele annimmt.

    Kälte kriecht ihr in die Glieder,
    das Leben entweicht,
    und ihre Lider sinken nieder.
    Geändert von Lady Lyric (21.08.2012 um 01:19 Uhr)
    If you live to be a hundred, I want to live to be a hundred minus one day, so I never have to live without you!

  2. #2
    Sydney ist offline Nachteulen- & Koalaparadies
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    Beiträge
    549
    Hai. ;D

    Ich hab das Gedicht so überfolgen und mich störte direkt das „weiße“ ohne „ß“. Doch dann hat glücklicherweise wenig zuverlässiger Verstand angeschlagen und mich daran erinnert, dass wir das ja schon hatten. In der Schweiz gibt es kein scharfes s, jaja. Schon wieder was gelernt. ;D

    So, abgesehen davon finde ich dein Gedicht ganz gut. Du beschreibst sehr abstrakt einen Mord nur mit den wenigen Nuancen, die die Tote noch wahrnehmen kann. Dadurch wird das Gedicht tatsächlich sehr authentisch und interessant. Der Mord passiert irgendwo in einer Stadt auf der Straße. Du hast beschreibst die schaurige Stimmung

    Die Welt vor ihren Augen verschwimmt,
    Gevatter Tod ist nah,
    sich des sterblichen Fleisches annimmt.
    Diese Strophe finde ich gut, da der Tod personifiziert wird und nicht als das ultimative Übel gesehen wird (was ja der Mörder ist), sondern fast schon positiv beschrieben wird, da er sich der Toten „annimmt“.
    Formal ist das Gedicht auch gelungen. Die Form und die Reime passen und die Worte sind gut gewählt. Gut. Das einzige, was ich nicht so toll finde, ist das Ende mit der Abfolge von „Glieder“, „Lider“ und „nieder“.

    Kälte kriecht ihr in die Glieder,
    das Leben entweicht,
    und ihre Lider sinken nieder.
    Hm…wobei mir jetzt kein Wort einfällt, dass man stattdessen einsetzten könnte. Man müsste vermutlich den ganzen Sinn verändern.

    Kälte kriecht ihr in die Knochen,
    das Leben entweicht,
    und ihr Herz hört auch zu pochen.
    Was mir allerdings nicht halb so gut gefällt, wie deine Strophe.

    Liebe grüße. Sydney.
    Geändert von Sydney (22.04.2012 um 00:57 Uhr)

    Quare suo iure noster ille Ennius sanctos appellat poetas, quod quasi deorum aliquo dono videantur.
    Cicero

    .___.
    {o,o}
    /)__) <3 Be good, I'm watching you.
    -"-"-

  3. #3
    Longshanks Guest
    Hallo Lady Lyric,

    nach dem Lesen der ersten beiden Absätze dachte ich zunächst an ein Selbstmord/Selbstverstümmelungsszenario und habe das "s"" bei "sein" erstmal als "ein Messer" gelesen.

    Zum Selbstmordbild passt die "einladende Kälte" und eigentlich auch das "Grauen über der Stadt". Klingt depressiv-machend.

    Die Welt vor ihren Augen verschwimmt,
    Gevatter Tod ist nah,
    sich des sterblichen Fleisches annimmt
    Das hier ist die schlechteste STelle im Text. Zum einen wegen des falschen Satzbaus, den du aus Reimzwang heraus in KAuf nimmst, zum andren weil der Klang beim Reim auch nicht passt. verSCHWIMMT und ANnimmt. Das eine Wort betone ich auf der zweiten Silbe, das andere auf der ersten.

    Auch inhaltlich find ich das dünn. Der Tod nimmt sich doch nicht des sterblichen Fleisches an. Er nimmt sich des spiritiuellen PArts an, oder? Das sterbliche Fleisch bleibt liegen.

    Auch dein Schluss ist dünn "und ihre Lider sinken nieder" Na klar, aber ist das was besonderes bei einer Sterbenden? Was soll das aussagen? Sie stirbt, da ist doch das Schließen der Lider nix bedeutsames?

    Den Anfang fand ich nicht schlecht, aber gegen Ende lässts nach, finde ich

    Gruß

    Longshanks

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