1. #1
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    Testbild ( Leseprobe aus "Fleischtage" )

    Testbild

    Nach dem Duschen ist
    vor dem Duschen.
    Also legte ich mich aufs Sofa
    und schaltete den Fernseher ein.
    Irgendeine Sendung über die
    Laichsielen der Lachse.
    Ingrid hatte mich vergessen.
    Vielleicht wohnte sie jetzt
    auf dem Land,
    hatte ein paar Kinder
    und Hängebrüste.
    Ich hatte keine Ahnung.
    Nicht von ihr,
    nicht von Kindern
    und nicht von mir.
    Ich lebte
    und das war nicht einmal
    erstrebenswert.
    Ron rief an
    und fragte ob ich Lust hätte
    auf ein Bierchen im Pulp.
    “Ne, nicht mein Tag heute.
    Vielleicht nächste Woche,
    oder nächsten Monat. Im Übrigen
    hab’ ich eh die Schnauze voll.”
    Ron antwortete nicht mehr,
    legte auf und damit
    war er raus aus meinem Leben.

    Irgendwie war jeder raus
    aus meinem Leben.
    Ich hatte aufgehört zu zählen,
    wie viele es waren.
    Es war für nichts gut.
    Ich ging ins Bad und stellte die Dusche an.
    Sie röhrte wie ein altes Ofenrohr
    und empfing mich wie eine Frau,
    die es nicht mehr nötig hatte.
    Wir waren auf einem Level.
    Nach dem Duschen zog ich
    mich wieder an und suchte
    im Netz nach Ingrid.
    In irgendeiner Community fand ich sie dann.
    Sie sah aus wie meine Dusche.
    Ich beschloss mich zu betrinken
    und ihr eine Nachricht zu schreiben.
    Die Lachse sprangen den Fluss hinauf
    und mein Körper gab sich dem Rausch hin.
    Früher gab es nachts
    wenigstens ein Testbild.
    Man konnte sich orientieren
    und wusste welche Tageszeit es war.
    Alles war im Arsch.
    Wirklich alles
    woran ich geglaubt hatte.
    Nur die nackten Titten nachts,
    die hätte ich auch erfinden können.
    Scheiß drauf.

  2. #2
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    hallo monique
    angenommen, dieser text ist nicht eine parodie, sondern transportiert deine eigene sicht der welt.
    dann habe ich die frage: welchen grund siehst du, das nicht bei "prosa" einzustellen? (man darf m.m.n. auch prosatexte zerstückeln, nur bleiben sie trotzdem prosatexte.)
    lg wilma27

  3. #3
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    Lyrik ist Lyrik,
    in dem Moment, in dem sich der Autor entscheidet
    durch Aufteilungen, Umbrüche und andere stilistische Mittel
    sein Werk in Lyrik zu kategorisieren.

    Diese Definition ist inzwischen allgemein bekannt
    und bedraf auch nicht der immer wieder ermüdenden
    Diskussion Lyrik/Prosa.

    Meine ich nicht böse übrigens.


    M

  4. #4
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    hallo monique

    wenn du das nicht böse, sondern nett und ernst meinst, werfe ich mich in den staub und glaube.
    und stelle mir vor, wie duchamps den entscheid gefällt hat, das klo n i c h t zu umbrechen oder aufzuteilen.

    auch nicht böse
    wilma27

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