Thema: Dem Musikus

  1. #1
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    Dem Musikus

    Ich liebte ihn. Den Einen.
    Sehr spät kam er. Er kam zur Zeit,
    als mir das Leben kurz war. Nicht bereit
    zum Neuanfang, zum Wiederblühen..


    Was nützt das Weinen?
    Auch wenn die unstillbare Sehnsucht freit:
    Das Leben ist zu nah. Zu weit.
    Wir werden nie mehr aneinander knieen.

    Ich geh dahin mit meinen alten Tränen.
    Ich stolpre über roten Sand.
    Die Lieder sind gebundnes Sehnen:
    Sie waren leises Unterpfand.

  2. #2
    Anjuleanga Guest
    Lieber Barbarossa,

    Es sind unvollständige Bilder, die dein Gedicht in mir weckt.
    Eine unerfüllte Liebe, die zu spät kommt, und unstillbare Sehnsucht hinterlässt.
    Dass dein Text sich auf ,,Rammsteins roten Sand " bezieht, kann ich mir kaum vorstellen, wenngleich sich auch hier keine erlebbare Liebe mehr einstellen kann, weil das Li bei einem Duell zu Tode kommt.
    Ein Musiker hinterlässt beim Li mit seinen Liedern schmerzhafte fragmentale Erinnerungen. Ein Geschmack von stillem Leid, und idealem Nährboden für Dichtung.
    Für ein Gedicht hätte ich mir konkretere Bilder gewünscht, die sich nicht in Wörtern wie Leben, Tränen, Neuanfang, Sehnsucht, zu nah, zu weit ... verlieren.
    Warum steht in Zeile eins ein Punkt? Wer ist gemeint?
    Ein wenig ratlos, l.G.A.

  3. #3
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    Hi, Anjuleanga -

    laß Dir danken für den Kommentar!
    Es tut mir leid um die unvollständigen Bilder, aber ich finde es (mea culpa!) verständlich.
    Es handelt eher von einer späten "Liebe", (Lebensgemeinschaft), die durch den frühen Tod des einen Gefährten ein jähes Ende fand. Der Gefährte war ein "Band-Leader" und Sänger.
    Aber nicht Richtung "Rammstein".
    Der rote Sand ist hier (Sandsteingebirge) auf allen Wegen zu finden.

    Der Punkt im ersten Vers steht für die lapidare Feststellung.

    Schade, daß ich nicht mehr vermitteln konnte.

    Lieben Gruß
    von
    Barbarossa

  4. #4
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    Hallo Barbarossa,

    Anjuleangas Einwände (sei gegrüßt, Anjuleanga) gegen die unkonkreten Bildern teile ich, aber auch ihren Eindruck, dass sich trotzdem ein Geschmack einstellt. Die Tränen sind nicht irgendwelche, sondern alte, „Ich stolpre über roten Sand“ ist exquisit, und die letzten beiden Zeilen enthalten eine schöne Sentenz.

    Aber das „freit“ in S2Z2 scheint mir doch gestelzt, dass die Sehnsucht „unstillbar“ ist, wiederum banal.

    Die erste Strophe, die Spannung zwischen „spät“ und „kurz“ ist rätselhaft, ist das gewollt? Und wieso „nicht bereit zum Neuanfang, zum Wiederblühen“? Wird hier nicht die verlorene Blüte betrauert?

    Ach ja, und „Musikus“, finde ich, klingt läppsch. Nicht eher „Dem Sänger“?

    Wolltest Du wirklich mehr vermitteln, Brabarossa? Der Sänger könnte das LI ja auch verlassen haben (wie der Musikus luftikus eben so ist.) Dass er gestorben ist, erfährt man erst in Deinem Kommentar.

    Ebenfalls ein wenig ratlos

    Michael

  5. #5
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    "Es war einmal ein Musikus, der spielte im Café".....

    Ich wollte gar nicht kryptisch schreiben.
    Das Leben des Überlebenden ist zu nah, das der Toten zu weit (entfernt).
    Das "kurz" bedeutet lediglich, das der eigene restliche Lebensweg als kurz betrachtet wurde.

    Aber so nüchtern, wie jetzt hier, läßt sich eine Stimmung nicht beschreiben.
    Acht Jahre sind vergangen.
    Weder Akkordeon noch Orgel klingen wieder auf.


    Lieben Gruß
    von
    Barbarossa

  6. #6
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    Hallo Barbarossa,
    alles mag richtig sein, was hier bislang kommentiert wurde - doch wird es der Lyrik gerecht? Ich selbst vermeide es, im Sinn und im Hintergrund von Gedichten zu forschen. Ich benutze die Zeilen, die ich lese, möglichst als Spiegel meiner eigenen Welten.
    In diesem Sinn hat dein Gedicht eine Saite in mir zum Klingen gebracht.

    Den "Musikus " finde ich persönlich gut gewählt, weil er Vertrautheit, Kosenähe, Wärme vermittelt.

    Gern gelesen!
    Ciao Mumpitz

  7. #7
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    Hi, Mumpitz -


    hab recht herzlichen Dank für Deinen liebenswürdigen Kommentar!
    Es freut mich sehr, daß ich eine Saite zum Klingen bringen konnte.


    Lieben Gruß
    von
    Barbarossa

  8. #8
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    Ihr lasst mich heut nicht los.

    @Barbarossa



    Das nächste mal projizierst du mal heimlich einen kleinen Fehler rein, sonst wird’s ja Spam, klaro?

    Also, deine sensible Ader hat was, Barbarossa. Ich kann die Stimmung fühlen, Mist wenn man das kann.
    Hier:
    Ich geh dahin mit meinen alten Tränen.
    Ich stolpre über roten Sand.
    Die Lieder sind gebundnes Sehnen:
    Sie waren leises Unterpfand.

    Das doppelte „ich“ kannste noch verbessern, dann leide ich mit dir. Hut ab, geht tief dein Lied.

  9. #9
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    Hi, Gedankenspringer -

    ein Lob aus Deiner Feder:
    Wahrhaftig, der Tag ist gerettet!
    Ich könnte das zweite "Ich" durch ein "und" ersetzen, aber es hätte nicht ganz d i e Bedeutung für mich.
    Sollte Dir Besseres in den Sinn kommen: Bitte präsentiere es mir.

    Ich danke sehr herzlich
    und
    grüße dankbar:

    Barbarossa



    PS
    Im Wortreim-Faden werde ich als Nichtskönner geschmäht....

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