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    240.Novalis(2.5.1772-25.3.1801)

    wo endet die lyrik ,wo beginnt die philosophie?
    hier ist das erste der geistlichen lieder,wie ist das verhältnis
    des ruhelosen denkers zum scheinbar zur ruhe gekommenen?
    hermann hesse und rudolf steiner bewunderten den
    dichterphilosophen der auch bei seinen zeitgenossen hohes
    ansehen hatte.



    Was wär ich ohne dich gewesen?
    Was würd ich ohne dich nicht sein?
    Zu Furcht und Ängsten auserlesen
    Ständ ich in weiter Welt allein.
    Nichts wüßt ich sicher, was ich liebte,
    Die Zukunft wär ein dunkler Schlund;
    Und wenn mein Herz sich tief betrübte,
    Wem tät ich meine Sorge kund?

    Einsam verzehrt von Lieb und Sehnen,
    Erschien mir nächtlich jeder Tag;
    Ich folgte nur mit heißen Tränen
    Dem wilden Lauf des Lebens nach.
    Ich fände Unruh im Getümmel,
    Und hoffnungslosen Gram zu Haus.
    Wer hielte ohne Freund im Himmel
    Wer hielte da auf Erden aus?

    Hat Christus sich mir kund gegeben,
    Und bin ich seiner erst gewiß,
    Wie schnell verzehrt ein lichtes Leben
    Die bodenlose Finsternis.
    Mit ihm bin ich erst Mensch geworden;
    Das Schicksal wird verklärt durch ihn,
    Und Indien muß selbst im Norden
    Um den Geliebten fröhlich blühn.

    Das Leben wird zur Liebesstunde,
    Die ganze Welt sprücht Lieb und Lust.
    Ein heilend Kraut wächst jeder Wunde,
    Und frei und voll klopft jede Brust.
    Für alle seine tausend Gaben
    Bleib ich sein demutvolles Kind,
    Gewiß ihn unter uns zu haben,
    Wenn zwei auch nur versammelt sind.

    O! geht hinaus auf allen Wegen,
    Und holt die Irrenden herein,
    Streckt jedem eure Hand entgegen,
    Und ladet froh sie zu uns ein.
    Der Himmel ist bei uns auf Erden,
    Im Glauben schauen wir ihn an;
    Die Eines Glaubens mit uns werden,
    Auch denen ist er aufgetan.

    Ein alter, schwerer Wahn von Sünde
    War fest an unser Herz gebannt;
    Wir irrten in der Nacht wie Blinde,
    Von Reu und Lust zugleich entbrannt.
    Ein jedes Werk schien uns Verbrechen,
    Der Mensch ein Götterfeind zu sein,
    Und schien der Himmel uns zu sprechen,
    So sprach er nur von Tod und Pein.

    Das Herz, des Lebens reiche Quelle,
    Ein böses Wesen wohnte drin;
    Und wards in unserm Geiste helle,
    So war nur Unruh der Gewinn.
    Ein eisern Band hielt an der Erde
    Die bebenden Gefangnen fest;
    Furcht vor des Todes Richterschwerte
    Verschlang der Hoffnung Überrest.

    Da kam ein Heiland, ein Befreier,
    Ein Menschensohn, voll Lieb und Macht,
    Und hat ein allbelebend Feuer
    In unserm Innern angefacht.
    Nun sahn wir erst den Himmel offen,
    Als unser altes Vaterland,
    Wir konnten glauben nun und hoffen,
    Und fühlten uns mit Gott verwandt.

    Seitdem verschwand bei uns die Sünde
    Und fröhlich wurde jeder Schritt;
    Man gab zum schönsten Angebinde
    Den Kindern diesen Glauben mit;
    Durch ihn geheiligt zog das Leben
    Vorüber, wie ein selger Traum,
    Und, ewger Lieb und Lust ergeben,
    Bemerkte man den Abschied kaum.

    Noch steht in wunderbarem Glanze
    Der heilige Geliebte hier,
    Gerührt von seinem Dornenkranze
    Und seiner Treue weinen wir.
    Ein jeder Mensch ist uns willkommen,
    Der seine Hand mit uns ergreift,
    Und in sein Herz mit aufgenommen,
    Zur Frucht des Paradieses reift.

    Friedrich von Hardenberg

    Novalis
    An Schleiermacher
    Was paß, das muß sich ründen,
    Was sich versteht, sich finden,
    Was gut ist, sich verbinden,
    Was liebt, zusammen sein.
    Was hindert, muß entweichen,
    Was krumm ist, muß sich gleichen,
    Was fern ist, sich erreichen,
    Was keimt, das muß gedeihn.

    Gib treulich mir die Hände,
    Sei Bruder mir und wende
    Den Blick vor deinem Ende
    Nicht wieder weg von mir.
    Ein Tempel, wo wir knieen,
    Ein Ort, wohin wir ziehen,
    Ein Glück, für das wir glühen,
    Ein Himmel mir und dir!
    Geändert von hyperion01 (03.05.2012 um 16:14 Uhr)

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