Hermann Hesse – Wirkungsnäherungen

©Hans Hartmut Karg
2012

Jeder ist allein, kein Mensch kennt den andern?
Von wegen – die meisten Menschen wollen doch nur wandern!

Und dann wohnt ja ein Zauber allem inne,
Dem kleinsten Kauz und auch ein jeder kleinen Spinne.

Hesse, gar ein entlaufener Volksschullehrer?
Entlaufen schon – doch auch ein Grenzverehrer.

„Du sollst Dich nicht nach vollkommner Lehre sehnen!“
Doch wonach dann, wenn wir uns gottesbildlich wähnen?

Sollen wir unsere Seelen denn vervollkommnen?
Die guten, wachen – oder auch die tief benommenen?

Natürlich schon, doch ja nicht im Vorübergehen,
Wir wollen doch Ergebnisse im Vorgang sehen.

Ach, Indien, wenn ich nach Basel und nach einer Ehe
Doch Deine Gunst im Lebenden noch sähe!

Vervollkommnung der Seele über die Natur:
Wo bleibt denn da Beziehungslust hin zur Kultur?

Wo bleibt das Glück nach dem Vulkanausbruch
Und wo heiliges Sein im Schwefelgeruch?

Ist zeitlos´ Sein schon Harmonie der Sphären
Und nicht ein Sein im Seelengroßverheeren?

Das ew´ge Leuchten hell im Antlitz der Welt
Ist da schon aller Kummer abgestellt?

Hippies, Happies, Hoppies, Huppies und LSD,
Ist das inzwischen nicht schon kalter Schnee?

So manche SMS hat längst die Nacht durchbrochen
Und zeigt die Seele, die im Handy ungebrochen.

Wenn Hesse eine Heimat suggerierte – ohne heimatlich zu sein
Und diese Welt betrachtete durch einen Schirm aus Weltenschein.

Der Reich-Ranicki hat den Steppenwolf dreimal gelesen,
Und Hesse haben eingesogen wirklich viele Größen.

Zuerst war er entzückt und dann enttäuscht, dann sehr entsetzt,
Denn Reich-Ranicki hat auf Vieles und Besonderes gesetzt.

Das immer noch weltabgewandte Glasperlenspiel
Bleibt nach wie vor gebrochener Welt einziges Ziel:

Ja, ein Asket ergreift das Herz zum Abschied,
Das bisher nicht aus diesem engen Leben schied.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Damit der Anfang ja nicht hin zum Ende rinne.

Wenn nun der Weltgeist raubt uns unsere Sinne,
Dann glaube ich am Ende wirklich, dass ich spinne.

Wohlan, denn Herz, nehm´ Abschied und gesunde,
Denn Deine Welt ist festgemacht an Deiner Stunde.

Folge Dir selbst und lausche tief in Dich hinein,
Dann wird die Welt real und bleibt nicht Medienschein.

Du bist nur Teil und ganz erst in dem Sein,
Wenn weise Du zum Berge strebst für Dich allein.

Im bunten Wald steht wirklich keine Kerze
Und auch kein Wesen, das ich gerne herze.

Der Hesse ist nicht Alemanne und nicht Kind,
Jedoch Asket – und wo die Zauberworte sind.

Ach, Psychedelik ist doch nur ein alter, kranker Hut,
Geht es den meisten Menschen ohne diese Dinge gut.

Die Welt der Hippies ist doch längst vergangen,
Weil anderweitig güldene Sternlein prangen.

Der schönste Reim mag immer prächtig klingen,
Doch freie Menschen müssen ihn auch frei besingen.

Gebrochen die Person und brechend die Semantik,
So bleibt uns Hesse klar – und doch ein wenig kantig.

Da bleibt Gebrochenheit nur Sehnsucht und Geschick
Und Imagination der allerrechte Augenblick.

So lebt der alte Hesse noch als Mauerbild mit vielen Rosen
Und hält uns ab, dass wir ihn ja nicht sehr liebkosen.

Die Rose schneidet er, auch wenn er nicht mehr schreibt,
Er pflückt sie sanft, damit sie ihm am Leben bleibt.

Ach Hermann, wärst Du doch ein Schwabe und kein Hesse,
Man liebte Dich ganz Calw – und auch die Büchermesse!

Nur Kalifornien blieb ganze Lust und Last fürs Leben,
Durch LSD kann niemand mehr dem Leben Hoffnung geben.

Schwebe weiter, Dichter, in der Not zu diesem allem,
Das kann dem Weltgeist wirklich gut gefallen.

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